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Mai 2024

Zum Wochenende: Chart-Duelle von Song-Zwillingen

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Ich erzähle ja gerne von der Popmusik meiner Jugend – da ist so viel hängen geblieben. Und vor knapp zwei Jahren habe ich auch mal über “Filmduelle” geschrieben, bei denen zwei verdächtig ähnliche Storys an den Kinokassen gegeneinander antraten. Heute kombiniere ich die beiden Themen.

Tatsächlich gab es in der Musikgeschichte immer wieder Fälle, in denen der gleiche Song in zwei verschiedenen Versionen in die Charts kam. Nicht als Cover oder in einem neuen Genre – lediglich von einem anderen Künstler aufgenommen und abgemischt. In den 50er und 60er Jahren war das kein großes Ding, weil die Märkte regionaler waren und keine Chart-Shows ein Auge drauf hatten.

Ich kann mich allerdings gut erinnern, dass solche “Chart-Duelle” in den 80ern für einiges Aufsehen sorgten. So komponierte der italienische Musiker Raf (Raffaele Riefoli) einen der größten Hits von Laura Branigan:

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Durch den Erfolg bekam er einen Plattenvertrag und brachte den Song in einer eigenen Version heraus, die in den Charts gegen Branigan antrat:

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Es wurde knapp: Beide Songs kamen in Deutschland in der gleichen Woche 1984 in die Charts, Raf brachte es bis auf Platz 2 – aber die Nummer 1 besetzte Laura Branigan für satte sechs Wochen. Kein Wunder: Sie konnte definitiv besser singen und war ein echter Hingucker.

Tony Esposito hatte den Song “Kalimba de Luna” schon 1982 geschrieben. Ein Hit wurde er aber erst 1984:

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Und das nicht nur für Esposito, sondern auch für die neue Formation von Boney M – der erste Hit der ehemaligen Disco-Kombo seit drei Jahren:

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Weil aller guten Dinge 3 sind, schob eine Formation namens Pepe Goes To Cuba noch eine eigene Version hinterher:

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So belegte der Song in kurzer Reihenfolge die Plätze 34, 25 und 13 der Charts.

Die Jungs von ABBA schafften es in den 80ern, nach einigen Experimenten ein ziemlich erfolgreiches Musical auf die Beine zu stellen – CHESS. Der profilierte Sänger Murray Head wurde mit dem Ohrwurm “One Night In Bangkok” zum Chartstürmer weltweit:

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Murray Head ist übrigens der Bruder von Anthony Stewart Head, den die meisten von euch als “Giles” in der Serie BUFFY kennen:

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Im direkten Fahrwasser von Murray Heads Version erschien diese Variante der kanadischen Schauspielerin/Sängerin Robey:

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Robey kennen die meisten von euch als “Micki” in der Serie ERBEN DES FLUCHS:

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In diesem Fall kam es zu keinem direkten “Chart-Duell”, weil die Robey-Version selbst im Heimatland Kanada kaum Beachtung fand.

Zur Jahreswende 1985/86 war “Caravan of Love” von Isley, Jasper, Isley ein überschaubarer Hit vor allem in den USA:

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Der Song kam den Jungs von den Housemartins zu Gehör, die mit einer A capella-Version im Jahr darauf richtig abräumten – bis heute ein Radio-Dauerbrenner:

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Wechseln wir in die 90er – ich war nie ein großer Fan von Boy Bands oder Boy Groups, hatte aber auch nichts gegen deren Kaugummi-Pop, wenn er gut gemacht war, wie im Fall dieser Coverversion von “Please Don’t Go”, im Original von K.C. and the Sunshine Band:

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Immerhin Platz 3. In der gleichen Woche gelangte allerdings eine verblüffend ähnliche Fassung die Charts, die es auf Platz 7 brachte.

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Weil KWS sich die weltweiten Rechte am Original nicht gesichert hatten, wurden sie vor Gericht gezerrt und mussten wohl fleißig blechen.

Nun handelt es sich bei den präsentierten Beispielen um die immer gleichen Songs. Es gab in den 80ern aber noch ein paar kuriose Doppel- und Tripleungen bei den Titeln in den Charts. So war es 1985 echt ein Akt, sich im Radio den Song “The Power Of Love” zu wünschen. Da gab es die Fassung von Jennifer Rush:

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Und die grandiose Weihnachtsballade von Frankie Goes To Hollywood:

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Und den Radio-Klassiker von Huey Lewis aus BACK TO THE FUTURE:

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Wer wegen des Ärgers dann lieber “This Is Love” wählte, musste zumindest 1987 ebenfalls den Interpreten wissen. Es gab die Schweinerock-Ballade von Whitesnake mit der sehr ansehnlichen Tawni Kitaen in weißer Unterwäsche:

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Es gab das fröhliche Liebeslied von Alison Moyet:

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Und die ROCKY-Hausband Survivor liefert ebenfalls namensgleich ab:

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Wahrlich, ein Haarspray-lastiger Beitrag mit einer extra Portion Headbanging. Fallen euch noch weitere Beispiele für Chart-Doppelungen ein?



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Squirrelius
Squirrelius
25. Mai, 2024 18:32

In den frühen 2000ern gab es doch DRAGOSTEA DIN TEI, einmal von O-ZONE und einmal von HAIDUCCI

Gerrit
Gerrit
25. Mai, 2024 18:41

Charts sind nicht so mein Spezialgebiet, weil ich privat stets die B-Seite/die Bonustracks interessanter finde. Aber der Quizmaster in mir hat mal eine Playlist zusammengestellt, wo die Teilnehmer das Original erraten sollen, bzw. ob sie vielleicht gerade “das Original” hören. Werde nie wieder Dirty old town von den Pogues hören können, ohne mir danach die Version von den Ofarims zu geben. (Beides nicht das Original, übrigens)
Falls es interessiert, hier die Liste
https://open.spotify.com/playlist/5wCrJDpTJDfbuWiawDqOTJ?si=eqiXrTl7SCmzWBf7HMbzhg&pi=U5DUiK1dT0mZI

Thies
Thies
26. Mai, 2024 07:36

Drafi Deutscher hatte mit seinem Song “Guardian angel” auch einen Doppel-Erfolg. Die Eindeutschung “Jenseits von Eden”, gesungen von Nino de Angelo ging auf Platz Eins. Das unter dem Pseudonym “Masquerade” aufgenommene Original stand direkt dahinter.

Sebastian
Sebastian
26. Mai, 2024 12:08

Bei sowas kann man wirklich super deep-diven. Mir fällt gerade nur thematisch ähnliches ein, z. B. dass ein Song bei ausbleibendem Charterfolg herumgereicht wird, bis er bei einem Künstler landet, wo es klappt. Daylight in your eyes hatte vor den No Angels schon ein paar Versuche. Natalie Imbruglias Torn hatte mehrere wenigstens halb-erfolgreiche Stationen (angefangen auf dänisch), bis er mit ihr zum Evergreen wurde.

Was vielleicht mal einen eigenen Eintrag wäre, sind Sound-Alikes, die man aus der Werbung kennt. Auch wenn ich gar nicht weiß, ob man so viel mehr schreiben kann als “Wir wollten uns Mazzy Star’s Fade into you nicht leisten und haben deswegen Song und Video nachgebaut” https://www.youtube.com/watch?v=ELe2UwR8f-8

sven
sven
27. Mai, 2024 11:18
Reply to  Sebastian

Und statt Audio hat Apple mal ein Video nachstellen lassen (bzw die Filmemacher haben es angeboten ohne zu sagen, dass sie das gleiche schon mal verkauft hatten, wer weiß das schon):
https://www.youtube.com/watch?v=CQ_sf9WuOxQ

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
27. Mai, 2024 11:21
Reply to  Sebastian

Also normalerweise ist Cola ja gut dabei, Musik ordentlich zu lizensieren bzw erst zu nem Song zu machen. Daher glaube ich irgendwie nicht, dass Cola da einfach ungefragt kopiert hat, sondern eher ein Marketingmanager seine Idee auch noch immer durchsetzen wollte, nachdem die Absage kam.

PabloD
PabloD
26. Mai, 2024 21:27

I Follow Rivers von Lykke Li bzw. Triggerfinger fällt mir noch ein (und ja, die Interpreten musste ich natürlich nachschauen…).

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
27. Mai, 2024 11:41

Ich weiß nicht, ob mein Geschmack so absolut anders als bei anderen Menschen ist, aber abseits Fehlkauf (Asylum Prinzip) verstehe ich oft nicht, wieso sich da zweimal der gleiche Song plaziert. Selbst das unsägliche Dagostea Din Tei ist in der O-Zone Fassung “verdient” besser, so dass ich nicht groß verstehe wieso eine andere Fassung sich auch hoch in den Charts platzieren kann.

Vielen Dank für den Fun Fact bezüglich Anthony Stewart Head, das wusste ich noch nicht. Würde aber Herrn Head heutzutage noch mit seiner Rolle in Ted Lasso verbinden, Buffy sollte aber natürlich Lesern hier auch geläufig sein.

Bei Power of Love von Huey Lewis fällt mir auch wieder ein, wieso ich das BTTF Musical so enttäuschend fand – der Mangel an Huey Lewis Musik! Power of Love und Back in Time gibts ja erst am Schluss und Olly Dobson passt zwar gut zu den 50er Hits mit seiner quietschigen Stimme, aber er ist bei Gott kein Huey Lewis. Und Power of Love ist einfach meine absolute Lieblingsszene im Film neben Biffs Düngerszene.

Andy Simon
Andy Simon
27. Mai, 2024 13:06

In Deutschland waren das gerne Duelle zwischen der deutschen Version und dem Original. Dabei war der mangelhaften Englischkenntnisse der Hörer wegen nicht selten die deutsche Kopie weiter vorne in den Charts.
Beispiele:

  • Santa Maria (Oliver Onions / Roland Kaiser)
  • How could this go wrong (Exile / Bernhard Brink)
  • Dance Little Bird (Electronicas / Fred Sonnenschein)

Und irgendwie in die Liste gehört auch Laid Backs “Sunshine Reggae” und das deutsche Plagiat “Die Sonne und du” (Udo Jürgens). Gab’s da mal ein Gerichtsverfahren?

Andy Simon
Andy Simon
27. Mai, 2024 13:08
Reply to  Andy Simon

Halt! Und natürlich “Ein Bett im Kornfeld”, das gefühlt 10x erfolgreicher war als “Let your love flow”

Moepinat0r
Moepinat0r
27. Mai, 2024 16:17
Reply to  Andy Simon

Was ist aber mit „ein Korn im Feldbett“? Konnte es sich in den Charts platzieren? 😆

Thies
Thies
27. Mai, 2024 18:21
Reply to  Andy Simon

Entschuldige bitte meine Faulheit es selber zu googlen, aber war der Ententanz nicht ein Instrumental? Ich kann mich nur an eine Version mit Text erinnern, gesungen von Helga Feddersen.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
29. Mai, 2024 10:08
Reply to  Andy Simon

Also persönlich finde ich die tiefere Stimme von Roland Kaiser viel passender für Santa Maria als das Gekreische von Oliver Onions. Die hatten viel bessere Lieder. Und zu Recht ein Standard von Kaiser geworden. New York, New York wurde ja auch für Liza Minelli geschrieben, aber erst Sinatra hat den Song erst unvergesslich gemacht.
Der Bernhard Brink Song ist son Musikverbrechen wie oftmals versucht, aber hat es auch nicht allzu weit geschafft, trotz Hitparade-Promotion. Platz 24 für 12 Wochen vs (hihi) 24 Wochen mit maximal Platz 12. Aber besonders damals ja easy money.

PabloD
PabloD
27. Mai, 2024 21:20

Aus gewissem Gründen nicht zeitgleich in den Charts, aber “Erna kommt” von Lippert bzw. Balder gehört eigentlich auch noch in die Liste.

Reini
Reini
27. Mai, 2024 22:38

Ende der 90er gab es noch einen schrägen Fall – Sony BMG wollte sich den Track „Knights of the Jaguar“ vom DJ Rolando Projekt „The Aztec Mystic“ einverleiben. Da man kein Erfolg hatte, veröffentlichte man den Titel als Remix unter den Namen „Jaguar“ von einer Formation / einem DJ namens „Don Jaguar“. Beide Titel waren dann zeitgleich ziemlich erfolgreich in den Dance-Charts…
Ach ja, zwei Coverversionen von „Weekend“ (Earth, Wind and Fire) waren auch quasi zur selben Zeit in den Charts, nämlich von Kid Q und Scooter…

Alf Bravo
Alf Bravo
27. Mai, 2024 23:23

“I Drove All Night” hat Roy Orbison 1987 aufgenommen, wurde aber erst 1992 posthum veröffentlicht. Cyndi Lauper brachte ihre Version 1989 raus.
https://en.wikipedia.org/wiki/I_Drove_All_Night

Bärbel
Bärbel
31. Mai, 2024 15:33

Hey Torsten,

ich wollte dir ne Mail schreiben, aber dein Postfach weißt diese zurück:
Die Antwort vom Remoteserver ist:
552 Requested mail action aborted: exceeded storage allocation Mail size limit exceeded.

Das gilt für die aus dem Impressum und deine GMail-Adresse

Liebe Grüße
Bärbel