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Apr 2024

Fantasy Filmfest Nights 2024 (5): THE SOUL EATER

Themen: FF Nights 2024, Film, TV & Presse, Neues |

Frankreich 2024. Regie: Julien Maury, Alexandre Bustillo. Darsteller: Paul Hamy, Virginie Ledoyen, Sandrine Bonnaire u.a.

Offizielle Synopsis: Elizabeth Guardiano muss einen grausamen Doppelmord in einem kleinen Bergdorf untersuchen. Dort trifft sie auf den mysteriösen Franck, der der Entführung mehrerer Kinder auf der Spur ist. Zunächst scheint es keinen Zusammenhang zwischen den Fällen zu geben, bis Franck den traumatisierten Sohn der Mordopfer findet und über die uralte Legende des Seelenfressers stolpert. Als weitere Todesfälle die abgelegene Gemeinde erschüttern, steigen die Kommissarin und der Ermittler bald immer tiefer in einen höllischen Schlund der Gewalt und Unbarmherzigkeit.

Kritik: Der französische Krimi/Thriller gehört seit jeher zu den Eckpfeilern des Festivals, ob nun mit tatsächlichen Genre-Elementen oder nicht. Auch die Herren Bustillo und Maury kennen wir u.a. dank AMONG THE LIVING und KANDISHA. Mit THE SOUL EATER begeben sie sich in diesem Jahr auf deutlich konservativeres Terrain, nämlich den klassischen Provinzkrimi.

Die Standards werden gleich zu Anfang gesetzt: Zwei Ermittler, die miteinander nicht können, aber möglicherweise romantisches Potenzial haben – und Geheimnisse in ihrer Vergangenheit. Eine Mordserie in einem abgelegenen Ort, verstockte Bewohner, alte Legenden. Geht der “Soul Eater” um?

Tatsächlich sind die okkulten Elemente weitgehend Budenzauber, denn SOUL EATER hat nicht vor, mit übernatürlichen Elementen zu arbeiten. Die Maskerade dient nur als Erklärungsansatz für ein größeres, weil menschengemachtes Grauen.

Leider nimmt sich der Film mit diesem Ansatz viel von seinem Potenzial, gibt er doch die vagen Andeutungen und mystischen Eindrücke im dritten Akt für eine logische, aber damit auch uncharmante und etwas stumpfe Auflösung auf. Es passt eben doch alles zusammen, die Opfer werden befreit, die Täter bestraft, die Protagonisten mit Katharsis belohnt – ein zu geschniegeltes Ende für einen Film, der eigentlich zeigen will, wie hässlich die Gesichter hinter den Masken sind. Ich hätte mir gewünscht, dass er zumindest auf einen größeren Kontext verweist, der von den Ermittlern nicht angetastet werden konnte.

Ein echter Lapsus ist auch, dass wir den Täter/Hintermann allein anhand der Besetzung identifizieren können – wie neulich erst in RETRIBUTION.

Darüber hinaus habe ich mich ein, zweimal amüsiert über das, was die Autoren für “Recherche” halten. Wusstet ihr z.B., dass auch Hobby-IT’ler verschlüsselte Dateien knacken können und dass man die Betreiber von Darknet-Webseiten über ihre IP-Adressen identifizieren kann?!

Aber das sind Niggeligkeiten. SOUL EATER stellt genug spannende Fragen und hat genug plausible Antworten für einen unterhaltsamen Krimi-Abend nach skandinavischem Muster. Wer Horrorfan ist und die Wahl hat, sollte angesichts der gleichen Punktezahl im Zweifelsfall aber bei Sachen wie STING bleiben.

Fazit: Solider Thriller mit okkulter Fassade, der im Finale ein bisschen zu sauber aufräumt, um eine Art Happy End zu konstruieren. Im Rahmen dieser Sorte Film gut, als Genrebeitrag etwas dünn. Großzügige 7 von 10 Punkten.

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Thies
Thies
30. April, 2024 15:26

Der Festival-Tag begann für mich, dass ich um 14 k.o. und gestresst im Kino ankam und im gleichen Zustand verließ ich es etwa 10 Stunden später wieder. Ich sollte meine Strategie für diese Tage nochmal überdenken. Aber ich wollte halt den neuen Film der Macher von “Inside” und “Livid” unbedingt im Kino sehen.
Dabei hätte der hier auch als Stream gereicht, aber hinterher ist man ja immer schlauer. Da Amazon Prime einer der Geldgeber war kann eine entsprechende Verfügbarkeit nicht allzu lange dauern. Vielleicht hätte mich dann auch die Auflösung nicht so auf Distanz gehalten, denn mir waren die Verwicklungen die sich im letzten Drittel offenbarten zu abstrus um sie zu schlucken. Alleine wo der letzte Server herumstand und offenbar von Luft und Liebe betrieben, aber ohne Strom seine Arbeit verrichtete.
Mein Fazit daher: Der Film reißt sich stilistisch keine Beine aus und könnte von wenigen Gewaltspitzen abgesehen auch im Abendprogramm vom ZDF laufen. Für mich die größte Enttäuschung des Festivals.