28
Jun 2023

Agentur für Arbeit vs. Wortvogel vs. Krankenkasse: Rodeo auf dem Amtsschimmel

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Ich bin aktuell Privatier, was ich durchaus genieße und zur weiteren Aufarbeitung meines bisherigen Lebens nutze. Nach 32 Jahren habe ich mir ein Sabbatical verdient. Allerdings bin ich natürlich bei der Agentur für Arbeit gemeldet – muss ja.

Generell kann ich über die Agentur nix Schlechtes sagen – hier in München ist bei vor Ort-Terminen bezaubernd wenig los, das Online-Portal ist vorbildlich geeignet, Unterlagen hochzuladen und einzusehen, und es gibt sogar eine App, mit der man immer direkten Kontakt hat. Die Sachbearbeiter empfinde ich als freundlich und hilfsbereit. Wenn man sich nicht quer oder dumm stellt, ist das ein “smooth ride”.

Bis vorletzte Woche. Und um DAS zu erklären, muss ich bis November 2022 zurückgreifen. Haltet euch fest, das wird eine hanebüchene Geschichte, die meine “australische Attitüde” bis an die Schmerzgrenze ausgereizt hat.

Mitte 2022 ist klar, dass meine Beschäftigung als Editor at Large und Chefautor der LIEBES LAND mit der Ausgabe 1/23 enden wird. Das Heft wird eingestellt, ich handele mit dem Verlag einen fairen “goldenen Handschlag” aus. No hard feelings.

Bereits im November melde ich mich bei der Agentur für Arbeit, treffe mich vorbereitend mit einer Sachbearbeiterin, und lade ungefähr ein Dutzend Bescheinigungen in mein Online-Profil hoch. Am 1.12. schreibe ich über das Portal eine Nachricht:

“Hallo! Ich wollte nur mal nachhaken, ob der Antrag in Arbeit ist – ich kenne mich da wirklich nicht aus. Brauchen Sie noch Informationen/Unterlagen von mir? Wäre super, wenn Sie mich kurz den Status wissen lassen könnten. MfG, Torsten Dewi”

Es kommt keine Nachforderung, auch bei meinem nächsten Termin in der Agentur wird nichts angemahnt. Am 29.12. bekomme ich allerdings eine Email:

Sehr geehrter Herr Dewi,

damit die Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegversicherung übernommen werden können, benötige ich zwingend den Befreiungsbescheid der gesetzlichen Krankenkasse.

TWIST!

Das verwirrt mich etwas. Eine Bescheinigung der PKV über meine Mitgliedschaft und meine Kosten hatte ich bereits hochgeladen. Ich bin privat krankenversichert, und zwar schon seit 1996. Ich möchte das nicht ändern. Und ich hatte es bisher so verstanden, dass die Agentur die Kosten für die PKV anteilig in Höhe der GKV übernimmt. Also hake ich eine Viertstunde nach Erhalt der Email nach:

Ich verstehe das leider nicht ganz – ich bin privat bei der Barmenia versichert. Von welcher gesetzlichen Krankenkasse soll ich den Bescheid besorgen?

Es kommt keine Antwort und ich fahre im Januar nach Australien in Urlaub. Sicherheitshalber bitte ich aber die Barmenia, mir noch einmal eine genaue Aufstellung meiner Mitgliedschaft und aller anfallenden Beiträge zu schicken. Die finde ich bei meiner Rückkehr zuhause vor. Ich schicke sie am 2.2.2023 mit folgendem Wortlaut gescannt an die Agentur:

Ich bin nun von meinem angemeldeten Urlaub in Australien wieder daheim – die Barmenia hat mir das angehängte Schreiben zukommen lassen. Ich hoffe, es handelt sich dabei um die gewünschte Befreiung der gesetzlichen KV-Pflicht.

Antwort bekomme ich darauf – Überraschung! – keine, mein Online-Profil zeigt auch keine ausstehenden Bescheinigungen mehr an. Alles erledigt. Denke ich.

Am 7. Juni (!) flattert plötzlich postalisch ein Schreiben ins Haus:

TWIST!

Das “bei mir” ist seltsam genug, denn das Schreiben ist nicht unterschrieben und trägt auch keinen Namen eines Sachbearbeiters.

Die Sache ergibt für mich keinen Sinn. Arbeitslosengeld beziehe ich ja bereits und einer “letzten” Aufforderung sollte vielleicht eine erste Aufforderung vorangehen. Da ist es nur ein Detail, dass die gesetzte Deadline auf einen Samstag fällt.

Weil ich stolz darauf bin, meine digitale Organisation im Griff zu haben, melde ich mich sofort bei der Hotline der Agentur. Ich habe doch alles eingereicht – oder nicht? Die Dame am anderen Ende der Leitung beruhigt mich: sieht alles ganz gut aus. Vielleicht ein Kommunikationsfehler. Sie wird das klären.

Was nun passiert, wird der rote Faden der Geschichte: jeder Folgeanruf widerspricht dem vorherigen. Aus Zwickau meldet sich ein Herr von der Hotline der Agentur – nein nein, das mit der Deadline hat schon alles seine Richtigkeit. Was fehlt, sei eine Bestätigung einer Gesetzlichen Krankenkasse, dass ich von der Pflicht zur Versicherung bei einer solchen befreit bin. Er beruhigt mich aber gleich: die Bestätigung kann ich von jeder beliebigen Krankenkasse bekommen. Die XXX hat das größte Filialnetz, vielleicht könnte ich da mal kurz vorbeifahren?

TWIST!

Warum man mir das nicht bei meiner ersten Nachfrage am 1.12. gesagt hat? Oder bei meinen zwei Nachfragen per Email, ob alles vollständig ist? Keine Antwort. Großzügigerweise verlängert man mir die Deadline aber auf den 29.7.

15 Minuten später stehe ich bei der örtlichen Filiale der XXX und bitte um die von der Agentur angeforderte Bestätigung. Ich lerne zwei Dinge: MITNICHTEN sind alle Krankenkassen bereit und in der Lage, mir diese Bestätigung auszustellen. Außerdem habe ich die 3 Monate Frist weit überschritten, innerhalb derer man sich diese Bestätigung ausstellen lassen kann.

TWIST!

Die Dame der XXX ist aber so nett, sich meinen letzten Verdienstnachweis anzuschauen, den ich problemlos digital am Handy aufrufen kann. Sie erklärt mir, dass dort die XY als zuständig verzeichnet ist (über die XY laufen meine Rentenbeiträge). Demnach ist die XY für die Bestätigung der Ansprechpartner – sie macht aber auch deutlich, dass sie dort wenig Chancen sieht, weil die Bestätigung nach drei Monaten nicht mehr ausgestellt werden kann. So sind die Regeln.

Super. Alle Fristen gerissen, weil die Agentur sich nicht durchringen konnte, mir EINE Zeile nach folgendendem Muster zu schreiben:

Hallo Herr Dewi, Sie müssen zusätzlich innerhalb der ersten drei Monate eine Bestätigung einer GKV beibringen (in Ihrem Fall die XY), dass Sie dort nicht versichert werden können, weil Sie entweder länger als fünf Jahre privat versichert sind oder über 55 Jahre.

Zuviel verlangt, wie es scheint. Egal. Ich fahre heim und rufe die XY an. Fortschritt: Die nette junge Dame meint, man würde mir die Bescheinigung unbürokratisch ausstellen und postalisch zuschicken. Zwei, drei Tage. Alles gerade noch im Rahmen der Deadline.

Trügerische Ruhe.

Nach zwei Werktagen ist das Schreiben nicht da. Mit der Deadline im Nacken rufe ich die XY nochmal an. Ganz freundlich. Die nächste nette junge Dame klingt verwundert: nein, ohne Antrag könne man die Bestätigung natürlich nicht rausschicken. Und da die 3 Monate Frist weit überschritten sind, sieht es generell düster aus.

TWIST!

Sie gibt mir aber einen Link zum entsprechenden Formular, eine Email-Adresse und die Kundennummer, unter der ich bei der XY gemeldet bin. Ich fülle den Antrag aus und und schicke ihn augenblicklich raus. Darin steht auch, dass mir die gerissene Frist bewusst ist, ich aber beabsichtige, das zum Problem der Agentur zu machen.

Ich möchte an dieser Stelle noch mal betonen, dass ich alle Anfragen und Anforderungen immer binnen einer Stunde abgearbeitet habe. Ich bin organisiert und fix. Da bin ich ein bisschen stolz drauf.

Drei Tage später rufe ich wieder bei der XY an. Ich möchte wissen, ob mein Antrag in Bearbeitung ist. Nix wäre blöder, als wenn der im Spam-Ordner hängen geblieben wäre. Diesmal ist es ein netter junger Mann, der mir eine völlig neue Variante auftischt: Frist versäumt, Bestätigung gibt es nicht. Grundsätzlich.

TWIST!

Nachdem ich ihm sehr australisch freundlich die Hucke vollgequatscht habe, dass ich doch für den ganzen Schlamassel nichts kann, verspricht er unverbindlich, die Sache noch mal eine Etage höher zu geben. Es klingt nicht beruhigend.

Klar wird langsam: Die GKV hat kein Interesse, mich von der Versicherungspflicht zu befreien, denn man möchte mich als Kunden. Und da ich die Frist nicht eingehalten habe, drohe ich nun zwangsweise und schuldlos wieder gesetzlich versichert zu werden. Nach 27 Jahren in der Privaten.

Obwohl ich ein Höchstmaß an Freundlichkeit an den Tag gelegt habe, kocht es natürlich in mir. Es ist eine Köpenickiade, eine gelebter Loriot-Sketch: Die Agentur sagt “Ohne Schein geht nix!”. Die Krankenversicherung sagt: “Schein gibt’s nicht!”. Eine Antwort auf meine Frage “Was nun?” scheint niemand zu haben.

Aber wir sind noch nicht am Ende. Ich rufe erneut die Agentur an. Ein entspannter Herr kann mir zwar nicht erklären, was schiefgelaufen ist, er entwirft aber das Szenario für die nächsten Wochen: Ohne Schein werde ich zwangsversichert – kurios, weil ich ja versichert bin. Ich muss dann aber wieder in die Gesetzliche. Auf meinen Einwand, dass ich den Schein nicht bekomme und er – wenn ich ihn bekomme – die Frist überschritten hat, höre ich ihn in der Leitung förmlich mit der Schulter zucken. Nicht seine Baustelle.

TWIST!

Einen Tag später wieder ein Anruf der Agentur-Hotline. Ich bekomme diesmal eine freundliche ältere Dame ans Telefon. Sie nimmt sich Zeit, hört sich den ganzen Schlamassel an. Dann klärt sie mich auf: doch doch, die XXX hätte mir die Bescheinigung schon ausstellen können. Aber die ist sinnlos, weil ich zum Beginn der Arbeitslosigkeit erst 54 war und man erst ab 55 von der Pflicht zur GKV freigestellt werden kann.

TWIST!

Das ist eine komplett neue Variante. Ich KANN gar nicht in der PKV bleiben?! Das widerspricht ALLEN Informationen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt habe. Doch doch, versichert mir die Dame mehrfach, sie sei seit mehr als 30 Jahren für solche Fragen zuständig und kenne sich aus. Sie stellt aber eine andere Variante in Aussicht: statt mich bei der GKV zwangsversichern zu lassen, könnte ich auch in der Privaten bleiben – auf komplett eigene Kosten. Vater Staat übernimmt nichts.

TWIST!

Ich gestehe, dass ich in diesen Tagen schlecht drauf bin. Der einzige Lichtblick ist die LvA, die mir wiederholt bestätigt, wie beeindruckend gefasst und hartnäckig ich das ganze Problem angehe. Adapt, adopt, improvise.

Ich schreibe eine neue Nachricht in das Mail-System der Agentur:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich fühle mich von der Agentur für Arbeit im Stich gelassen. Ich habe seit 1.12.2022 alle Unterlagen, Formulare und Bestätigungen zeitnah eingereicht. Ende Dezember schrieb mir eine Frau XYZ, es sei noch die Befreiung von der GKV zu bestätigen, um meine PKV anteilig zu bezahlen. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutet und woher ich was besorgen soll und habe Frau XYZ eine Bestätigung meiner PKV-Mitgliedschaft geschickt. ZWEIMAL habe ich per Email nachgefragt und um Auskunft gebeten, falls das nicht reichen sollte. Es kam nie eine Antwort. Jetzt hat mir die Agentur eine Frist bis zum 29.6. gesetzt, mir die Befreiung von einer GKV bescheinigen zu lassen – was nicht geht, weil die mir bis dato unbekannte 3 Monats-Frist dafür natürlich weit überschritten ist. Ich bitte um DRINGENDE Rückmeldung und eine Klärung, was nun zu tun ist. Ich möchte NICHT nach 27 Jahren zwangsweise aus meiner PKV ausscheiden! MfG, Torsten Dewi

Freundlicher geht wegen Zeichenlimit nicht. Ich rechne mittlerweile fest damit, dass die Agentur es vergeigt hat, der Schaden aber meiner sein wird.

Letzte Woche Donnerstag klingelt das Telefon. Es ist ein Mitarbeiter der GKV XY. Er hat den Fall weitergegeben, es wurde intern besprochen. Man hat beschlossen, trotz der verstrichenen Frist die gewünschte Bestätigung auszustellen. Es sei offensichtlich, dass der Fehler nicht auf meiner Seite gelegen habe.

TWIST!

Ich bin… baff. Es ist einfach sehr unerwartet, wenn ein gesichtsloses Großunternehmen, zu dem man keinerlei Geschäftsbeziehung pflegt, Kulanz gelten lässt. Vielleicht hat die “australische Attitüde” doch eine fast magische Wirkung. Ich bedanke mich ausgiebig.

Montag drauf: Zu unheiliger Zeit werde ich vom Telefon geweckt. Ich gehe nicht dran. 7.45 Uhr. Wer immer es ist, der spinnt. Kurz darauf klingelt mein Handy. Muss was Wichtiges sein. Schon: Die Agentur für Arbeit sucht noch einmal das Gespräch. Der Mitarbeiter scheint für Problemfälle geschult und ist sehr geduldig. Zuerst einmal widerspricht er – logo – seiner Kollegin, dass ich zwangsweise “umgesiedelt” werden muss, weil ich noch keine 55 bin. Natürlich kann ich in der PKV bleiben. Von drei Monaten Frist hat er noch nie gehört (!).

TWIST!

Ich erzähle ihm, dass die XY doch (hoffentlich) die gewünschte Bestätigung schickt. Er verlängert noch mal die Frist bis zum 7.7. Es wird dann noch mal ein längeres Gespräch über die Unfähigkeit der Agentur, zeitnah die notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen und auf Emails zu antworten. Ich hatte es ja oben bereits geschrieben: eine einzelne Zeile im Februar hätte gereicht, um das Debakel zu vermeiden. Er ist einsichtig: die ursprüngliche Anforderung der Bescheinigung überfordere viele Kunden, weil man sich darunter nichts vorstellen könne. Mehr “bürgernahe Sprache” und weiterführende Infos wären hilfreich. Was man in der Kommunikation einspart, hat man hinterher als dreifachen Ärger.

Ich frage ihn auch, wie denn Menschen mit solchen Problemen umgehen sollen, die weniger Verständnis für administrative Abläufe haben oder womöglich der deutschen Sprache nicht so mächtig sind? Er gibt sinngemäß zu, dass die leider oft durch den Rost fallen. Ich lasse das durchgehen, weil er so klingt, als würde er es ehrlich bedauern.

Am 27.6.2023 kommt die Bestätigung der XY, dass ich von der GKV-Pflicht befreit bin – ein unumkehrbarer Bescheid übrigens. Es gibt kein Zurück. Ich scanne das Dokument direkt aus dem Briefkasten und zwei Minuten später ist es im Email-System der Agentur für Arbeit eingespeist. Der Rest sollte von allein gehen.

Der einzige Grund, warum ich nicht in den Keller gehe und mit der Faust gegen die Mauer schlage, ist dreigeteilt:

  • Meine Hartnäckigkeit und Freundlichkeit haben sich bewährt.
  • Ich habe letztlich bekommen, was ich wollte.
  • Ich brauche meine Hand noch.

Das emotionale Drama lässt sich leicht umreißen: Man ist verpflichtet, der Agentur zuzuarbeiten. Man möchte der Agentur zuarbeiten. Aber die Aufgabe, die einem gestellt wird, ist unlösbar. Das sieht die Agentur aber nicht als ihr Problem an.

The game is rigged.

Liebe Agentur für Arbeit, mal so ganz unter uns Betschwestern: das KANN es doch nicht sein? Im Gegensatz zu den Krankenkassen, die an mir verdienen wollen und keinerlei Interesse an Serviceleistungen für Außenstehende haben, seid ihr doch eigentlich für mich da, oder habe ich das falsch verstanden? Ist es nicht in eurem ureigenen Interesse, dass der Kunde auch versteht, was ihr von ihm wollt und braucht? Wäre es nicht angebracht, die obigen Erläuterungen zum Ablauf in die Standard-Kommunikation aufzunehmen? Weil beide Seiten davon profitieren?

Es bleibt dabei: Ich bin generell mit euch ganz zufrieden. Aber das hier war eine saublöde Nummer, die mich drei Wochen lang hat rotieren lassen. Gottseidank habe ich dafür momentan die Zeit…



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Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
28. Juni, 2023 10:01

Ahhh, ich hatte auch Spaß mit den GKVs als ich zurück nach Deutschland kam. Schön rechtzeitig bei einer angemeldet, aber die haben nach den ersten paar positiven Rückmeldungen auf einmal gemeint, mich nicht mehr versichern zu können. Auf Rückfrage hieß es dann, ich kann angeblich nur zurück ins System, wenn ich mich bei X zurück anmelde, aber X war schon vor 10 Jahren ein überteuerter Scheißhaufen (aktuell im Ranking der GKVs für meine gewünschten Leistungen im letzten Drittel). Da war ich auch aber schon paar Wochen zurück in D und nicht versichert, ganz toll! Zum Glück hat mein Arbeitsgeber mit meiner Alternativwahl ne Partnerschaft und da gings dann doch, da musste zwar bisschen getrickst werden, aber das ging alles.
TLDR: Deutschland ist das einzige Land mit solch einem GKV und PKV System, wird Zeit das ganze fürs Allgemeinwohl zu vereinfachen. Das mit der Altersgrenze ist verständlich, kann aber echt scheiße enden, wenn man noch in späten Jahren in Geldnöte gerät, weil man z.B. chronisch krank wird. Dann kann man leider sehr schnell unversichert dastehen.

Lothar
Lothar
28. Juni, 2023 11:15

Du kannst in Deutschland eigentlich nicht mehr unversichert dastehen, da es seit gut bald 20 Jahren eine Krankenversicherungspflicht gibt (genau das, was Torsten hier fast zum Verhängnis wurde). Eine PKV kann dich deswegen auch nicht mehr an die GKV abschieben – wie das früher passierte – wenn du nicht mehr den Gold(esel)standard erfüllst.

Last edited 11 Monate zuvor by Lothar
Lothar
Lothar
28. Juni, 2023 13:17
Reply to  Torsten Dewi

Ist korrigiert, sorry.

Der Grund für die Einführung war aber IIRC weniger, weil man den Leuten ein Recht auf KV geben wollte. Ein Recht bestand durch die GKV ja schon immer (die konnten einem die Aufnahme nie verwehren). Es sollte meiner Ansicht nach verhindern, dass die PKV weiterhin ihre “ausgelutschten” Kunden an die GKV loswerden konnten, wenn deren Kosten ins unrentable zu steigen begannen.

Selle
Selle
28. Juni, 2023 15:46
Reply to  Lothar

Üblicherweise regelt die PKV die unrentablen Kosten doch durch das schließen von Tarifen und die Steigerung der Beiträge ins unbezahlbare – eine riesige Armutsfalle gerade für “kleine” Selbständige. Das ist doch auch der Grund für die 55-Jahre-Grenze, oder? Zu verhindern dass man sich in jungen Jahren “günstig” in der PKV versichert und dann vor der Rente in die dann viel, viel günstigere GKV wechselt?

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
29. Juni, 2023 09:42
Reply to  Lothar

Es geht schon, soweit ich das verstanden habe kann man, wenn man halt über 55 ist und damit wie Torsten die Befreiung durchgemacht hat, eben nicht mehr zurück in die GKV. Aber gleichzeitig, im Fall von Insolvenz, kann man dann nicht mehr die PKV zahlen. Dann wird man ordnungsmäßig gekündigt wegen nicht erbrachter Leistung (Beitragzahlung) und steht dann allein da. Es gibt mehrere Lücken im System, die meines Wissens nicht abgedeckt wurden und dann schon dazu führen können, dass man unversichert ist.
Ein anderes Problem war zB früher (keine Ahnung, ob das inzwischen gelöst wurde), dass man kein deutsches Konto besitzt. Denn dann konnte man auch nicht in die GKV, weil man eben nicht bezahlen konnte bzw alle GKVs haben einen abgelehnt, weil negative Schufa.

Das Problem wird hier im Blog vermutlich keiner kennen, weil ich bezweifle, dass hier viele dieser Sonderfälle vertreten sind (ich vermute, die mit den höchsten Chancen wurden vom Hausherren im Schreibstreit quasi vergrault). Ich kenne auch nur die Spitze des Eisbergs durch die Schuldenberatung, die meine Mutter macht und durch bekannt gemachte Fälle. Aber es gibt definitiv Lücken.

Shah
Shah
28. Juni, 2023 10:17

Hach, die Arge.
“Wenn Sie das Dokument nicht diese Woche vorlegen, kürzen wir Ihnen die Leistungen!!!”
“Welche Leistungen, ich finanziere mich selbst, wie auch in allen Formularen festgehalten.”
“Achja, stimmt. Schicken Sie es mir dann doch bitte irgendwann zu.”

Köpenickiade wird direkt in den aktiven Sprachgebrauch übernommen.

Torsten Kemper
Torsten Kemper
28. Juni, 2023 14:10
Reply to  Torsten Dewi

Aber bezeichnet Köpenickiade nicht eher eine Form der Hochstapelei, eine “Amtsanmaßung”? Das scheint mir auf Deinen Fall nicht ganz zu passen. Passt da nicht eher der “Passierschein A38” aus Asterix?

Shah
Shah
28. Juni, 2023 15:02
Reply to  Torsten Kemper

Laut Wikipedia tatsächlich. Vielen Dank für die Korrektur!

Wortvogel
28. Juni, 2023 15:26
Reply to  Shah

Ich habe den Begriff immer anders interpretiert. Für mich bedeutet das, dass man eine Sache nur bekommt, wenn man eine andere Sache macht, die man aber wiederum nicht tun kann, wenn man die erste Sache nicht hat. Eine Endlosschleife.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
28. Juni, 2023 15:52
Reply to  Wortvogel

Da ist “Catch-22” die passendere Wahl, da ich irgendwann mal ne Verfilmung gesehen habe, hätte ich den Hauptmann von Köpenick nie in diesem Sinne gesehen…

DJ Doena
30. Juni, 2023 14:41
Reply to  Wortvogel

Das ist doch der Banana Joe, der keinen Perso bekam, weil er keine Geburtsurkunde hatte und keine Geburtsurkunde, weil er keinen Perso hatte: https://www.youtube.com/watch?v=-7Gci4iexkg

heino
heino
28. Juni, 2023 15:17

Ach ja, mit dem Laden habe ich schon üble Erfahrungen sammeln dürfen, als es noch Arbeitsamt hieß. Da weiß die linke Hand nie, was die rechte tut und ich hatte schon mehrfach mit Sachbearbeitern zu tun, die sich immer gegenseitig widersprachen und mir das Leben zur Hölle machten. Mal ganz davon abgesehen, dass die bei der Arbeitssuche auch nie eine Hilfe waren

tokra
tokra
28. Juni, 2023 15:50

Ich habe irgendwann für mich festgestellt, dass man in dem Themen-Komplex Krankenkasse/Rente/Versicherungen/Steuern leider nicht umhin kommt, sich selber schlau zu lesen. Eben aus dem Grund, dass die Sachbearbeiter immer Ihre eigene (Betriebsblind)-Brille aufhaben, nicht unbedingt zum Vorteil der Kunden arbeiten und auch die ganzen Vorschriften und Ausnahmen nicht kennen. Zu deiner Problematik habe ich auf die Schnelle z. B. diese Seite gefunden:

https://www.pkv.de/wissen/private-krankenversicherung/leistungen-und-erstattung/privatversichert-bei-arbeitslosigkeit/

Auch immer ein beruhigendes Gefühl, wenn man den Sachbearbeitern Links und Paragraphen zur Untermauerung der eigenen Argumente mitschicken kann.

PabloD
PabloD
28. Juni, 2023 17:24

Fast besser als eine Filmverbrechen-Fotostory 😄
Fast…

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2023 21:05

Die Geschichte erinnert mich sehr an die Suche nach dem Passierschein A38 aus Asterix erobert Rom.

S-Man
S-Man
28. Juni, 2023 21:59

Über meine 24 Tage Hartz IV damals direkt nach dem Studium hätte ich ein komplettes Buch schreiben können. Einfach nur übel, was da so abgeht. Aber positive Fehler können Sie auch machen: Die haben mir am Ende einmal zu viel Geld überwiesen und der Bearbeiter meinte dann: “Ist ja nicht Ihre Schuld, das können Sie behalten.”

Hingegen meine freiwillige Auszeit/ALG I zu Corona-Zeiten war erstaunlich entspannt. Alles per Telefon und extrem zuvorkommend und einfach. Und das, obwohl sie mich theoretisch in eine 3-Monats-Sperrfrist hätten packen können, weil die Kündigung von mir ausging.

Es kommt am Ende wohl einfach darauf an… Also… auf was auch immer 🙂

DSFARGEG
DSFARGEG
29. Juni, 2023 00:56

Ich weiß, dass du den Ehrgeiz hast, solche Situationen höchstselbst zu lösen. Ich würde sowas nichtsdestotrotz als verschwendete Lebenszeit betrachten – es gab nachweislich Bemühungen deinerseits, das zu klären, es gab schriftliche Aussagen der AA, die als verbindlich anzusehen sind. Wäre das nicht eigentlich genug Munition, um die Sache einem Anwalt zu übergeben und sich angenehmeren Dingen zu widmen?

DSFARGEG
DSFARGEG
29. Juni, 2023 02:05
Reply to  Torsten Dewi

Bei drei investierten Stunden kann ich das nachvollziehen. Es las sich nach deutlich mehr.

Martzell
29. Juni, 2023 10:14

Wundert mich dass es nicht mehr Amokläufe in den unfähigen Stellen gibt die Menschen durch misslungene Kommunikation und völlige Inkompetenz in den Wahnsinn treiben.

comicfreak
comicfreak
29. Juni, 2023 11:34

Mir graust schon davor, wenn Junior sich nach dem Abi und vor dem Studium da melden muss. Die PKV läuft über den Exgatten, der ist da.. ..speziell, wenn es um benötigte Unterlagen geht.

Marko
3. Juli, 2023 01:11

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Last edited 11 Monate zuvor by Marko