10
Mai 2023

London 2023: The time is NOW!

Themen: Neues |

Ich gestehe, dass wir nach vier Jahren echt nervös waren, endlich wieder nach London zu fahren. Haben sich in der Zwischenzeit unrealistische Erwartungen an die Stadt aufgebaut? Haben wir in den Jahren 2009 bis 2019 (in meinem Fall 1989 bis 2019) nicht schon wirklich alles durch, was den Kurzurlauber begeistern kann? Was, wenn das Wetter schlecht ist? Was, wenn wegen der Krönung alles zu hat? Was, wenn Corona wieder mal alles versaut?

Hinzu kam, dass wir das momentane Angebot in Sachen Theater relativ mau fanden. Mir ist die Anzahl der verliehenen Preise egal, aber ich schaue keine Stücke, deren Inhaltsangaben mit “Usher, a young, gay, Black writer who hates his day job” beginnen oder die “For Black Boys Who Have Considered Suicide When the Hue Gets Too Heavy” heißen. Da kann ich nicht andocken. Also suchten wir uns vorab nur zwei Musicals aus und entschieden, den Rest ad hoc zu buchen.

Die Flugzeiten hatte ich mit 8.15 Uhr hin und 20.25 Uhr zurück eigentlich als ideal betrachtet – so addierten sich die vier Übernachtungen zu fünf ganzen Tagen vor Ort. Nicht einberechnet hatte ich, dass wir deshalb natürlich schon um 4 Uhr morgens aufstehen mussten und man in London nicht um 10.00 Uhr ins Hotel einchecken kann. Beim Rückflug ist man dann erschöpft und muss um Mitternacht den Wagen aus dem Parkhaus holen. Lektion gelernt: nächstes Mal 10.15 Uhr hin und 18.00 Uhr zurück, wenn es die Fluglinie erlaubt.

Apropos Parkhaus: Aus Kostengründen haben wir den Wagen diesmal im Parkhaus am Besucherpark des Flughafens abgestellt. Von dort kann man direkt und kostenlos eine letzte Strecke mit der U-Bahn bis ins Terminal fahren. Absolut komfortabel und empfehlenswert.

Der Flug selbst läuft ohne Zwischenfälle ab, in London haben wir Tickets für den Heathrow Express nach Paddington. Von dort aus sollen es nur zwei Stationen mit der neuen Elizabeth Line zur Tottenham Court Road sein, gleich in der Nähe des Hotels. Wieder so ein Lapsus, der unserer langen Abwesenheit geschuldet ist: NATÜRLICH wäre es erheblich vernünftiger gewesen, von Heathrow aus komplett mit der 2022 eröffneten Elizabeth Line zur Tottenham Court Road zu fahren. Ich bin nur nicht auf die Idee gekommen. Nächstes Mal.

Die Elizabeth Line ist hoch modern, die Stationen futuristisch kühl – eine U-Bahn für das 21. Jahrhundert mit einem hohen Anspruch an Sauberkeit und Sicherheit. Statt kleiner Kioske findet man eher hippe Sachen wie das hier:

An der Tottenham Court Road wurden in den letzten Jahren auch diverse neue Hochhäuser und Business-Anlagen aus dem Boden gestampft. Ich bin ziemlich beeindruckt von hochauflösenden Werbemonitoren im Format von Tennisplätzen:

Tatsächlich ist hier ein Trend ersichtlich: Immer mehr Geschäfte installieren in die Schaufenster transparente Displays, die einen Blick ins Geschäft erlauben, gleichzeitig aber auch attraktive Videoprojektionen dazwischenschalten können.

Relikte des “alten London” hingegen verschwinden immer mehr aus dem Stadtbild – ich bin unangemessen entzückt, als ich in Soho eine der alten Telefonzellen finde, die stilecht siffig und mit Werbungen von Prostituierten beklebt ist.

Überhaupt haben wir mit der Lage unseres Hotels massiv Glück: Auf der Shaftesbury Avenue befindet man sich an der Nahtstelle zwischen Chinatown und dem hip-schwulen Ausgehviertel Soho, wo schon morgens die “dog walker” unterwegs sind:

Unser Gepäck stellen wir im Hotel ab, dann ist Zeit für ein Frühstück. Es zieht uns zum gut bewerteten “Breakfast Club” in der Berwick Street:

Ein sehr junges und diverses Publikum verkehrt hier und ich habe erstmals das Gefühl, dass der schwule Kellner mich “alten weißen Hetero” relativ abfällig behandelt. Ich beschließe, ihm dafür nicht die Hammelbeine lang zu ziehen, sondern genieße lieber das exzessive “carbo loading” mit Pfannkuchen, Röstkartoffeln und Spiegeleiern:

So gestärkt, machen wir uns auf, die direkte Gegend um das Hotel zu erkunden. Es sieht so aus, als bräuchten wir diesmal keinen öffentlichen Personennahverkehr. Alles in Fußweite. Besonders Chinatown reizt uns, weil wir in diesem Jahr noch mehr in Sachen Street Food experimentieren wollen:

Es lohnt sich, auch die Hinterhöfe und Seitengassen der Stadt zu erkunden, denn dort finden sich immer wieder dekorative Highlights:

Wir merken schnell: Die bevorstehende Krönung ist allgegenwärtig. Kaum ein Geschäft lässt es sich nehmen, dem Monarchen Glück zu wünschen und die Dekoration entsprechend anzupassen. Sogar das Sammeln von Getränkedosen steht ganz im Zeichen der Feierlichkeiten:

Am Covent Garden finden wir ein lokales Werbeblatt, das eins unserer gewählten Musicals anpreist – was tue ich nicht alles für meine Frau?

Der Besuch bei unserem geliebten Double Shot Café verläuft ein bisschen enttäuschend – man hat die Location sehr hipsterig renoviert und auf der Speisekarte wird darauf hingewiesen, welche Getränke “very instagrammable” sind. Auch das: ein Trend, auf den wir noch zu sprechen kommen. Ich gönne mir ein Pistazien-Milchshake mit doppeltem Espresso ohne Instagram:

Zum Nachmittag setzt dann auch noch “richtiger” Hunger ein und wir suchen das Chinese Tapas House auf, mit deren “chinesischen crepes” wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Es stellt sich heraus, dass auch die angebratenen Dumplings extrem lecker sind.

Direkt daneben entdecke ich das Takeaway-Fenster des Dragon Cat Café, in dem man “wheel cakes” kaufen kann, eine Art dicker Pfannkuchen in Form eines Eishockey-Pucks, die süß oder herzhaft gefüllt sind:

Auch das: lecker und empfehlenswert. Die nicht unbeträchtlichen Kalorien läuft man ja wieder ab.

Ich hatte es erwähnt: Mangels interessanter Theaterstücke haben wir uns diesmal wieder auf Musicals eingelassen. Wir spazieren also entspannt und zeitig zum angesehenen Noël Coward Theatre, um “Great British Bake Off: The Musical” zu schauen. Allein, der Kartenkontrolleur am Eingang hat eine schlechte Nachricht:

“Ihre Karten sind für morgen, das wissen Sie schon, oder?”

Da hat er Recht und das lässt sich nicht bestreiten. Ich habe unsere Karten verwechselt. Wie heißt es bei Monty Python so schön? Adapt, adopt, improve:

“Wie kommen wir dann schnellstmöglich zum Back to the Future-Musical?”

Erfreulicherweise schaffen wir es auch zum Adelphi am Strand, bevor sich der Vorhang öffnet. Üblicherweise meide ich Darbietungen, die auf Kinofilmen basieren, weil ich das einfallslos und banal finde. Aber der Frankster hatte im Dezember “Back to the Future” gesehen und war begeistert gewesen. Er empfahl auch dringend, einen Platz in den ersten Reihen zu buchen – aus Gründen. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen:

Und tatsächlich – das hier ist ganz großes Entertainment:

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Die Geschichte des Films wird vollständig und nur leicht angepasst erzählt, mit fantastischen Bühnenbildern, großartigen Songs und beeindruckenden Spezialeffekten, die den Wow-Faktor noch unterstreichen. Der Cast ist phänomenal und man muss sich nur mal vor Augen halten, dass hier in einem Rutsch in gut zwei Stunden jeden Abend perfekt klappen muss, wofür Regisseur Zemeckis drei Monate und beliebig viele Takes Zeit hatte.

Zurück zum Hotel nehmen wir nicht den direkten Weg, sondern schlendern über den Trafalgar Square, wo schon fleißig für die Krönung aufgebaut wird: Gitter, Podeste, Kamerakräne. Mich interessiert primär, was für ein Kunstwerk diesmal auf dem “fourth plinth” platziert ist. Wenn ich die Plakette richtig lese, handelt es sich um die plastische Darstellung eines Fotos aus dem frühen 20. Jahrhundert, dessen Figuren starke Schatten auf die umliegenden Gebäude werfen:

Auf dem Leicester Square ist die Hölle los: jubelnde Italiener? Wir finden heraus – Neapel hat erstmals seit 30 Jahren die Meisterschaft gewonnen:

Auffällig und auch etwas nervig sind die neuen Rikschas. die überall durch die Stadt radeln, krass neonfarben beleuchtet und erheblich zu laut die Popklassiker der 80er dröhnend:

Ist definitiv nicht meins, aber wem’s Spaß macht…

Am nächsten Morgen haben wir uns ein “rooftop restaurant” direkt am Leicester Square zum Frühstück ausgesucht. Ist zwar insgesamt gerade mal Mittelklasse, aber es lässt sich nicht bestreiten, dass man kaum einen besseren Ausblick über die Stadt finden kann:

Zum Vergleich: das umfangreiche Frühstück kostet hier 20 Pfund. Will man die Stadt von der Aussichtsplattform des Shard-Hochhauses genießen, zahlt man ab 28 Pfund aufwärts – nur für den Eintritt.

Natürlich werden in der ganzen Stadt bereits mehr oder weniger offizielle Souvenirs zur Krönung verkauft, die wir diversen Freunden auch versprochen haben. Allerdings muss dafür auf altes Bildmaterial zurückgegriffen werden, denn der König ist noch gar nicht gekrönt. In einigen Fällen ist schon sehr peinlich, wie dem armen Charles eine Krone auf das Haupt montiert wird:

Wir entscheiden uns, mit dem Kauf der Souvenirs bis Montag zu warten. Vielleicht haben die Produzenten bis dahin schon aktuelles Bildmaterial verarbeitet.

Vor Jahren hatten die LvA und ich diverse Dokumentationen über mehrere gescheiterte Versuche gesehen, die stillgelegte Battersea Power Station neu zu beleben – als Shopping- oder Wohngebäude:

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Tatsächlich hat es nun endlich geklappt und im Kontext eines super-luxuriösen neuen Viertels ist das Kraftwerk als Edel-Einkaufsmeile auferstanden:

Neun Milliarden Pfund hat man investiert, um den Londonern eine weitere Möglichkeit zu geben, bei den immer gleichen Markenherstellern einzukaufen:

Das ist architektonisch zweifellos interessant, aber wir haben teilweise das Gefühl, es wäre mehr Personal als Kundschaft vor Ort und es ist mir ein Rätsel, wie die monströsen Investitionen jemals wieder eingespielt werden sollen.

Mir kann’s egal sein, ich nutze eine Replik des königlichen Throns, um mich selbst zum Herrscher Britanniens und des Commonwealth auszurufen:

Wieder Street Food in Chinatown, diesmal beim Bao Spot. Frittierter Tofu, drei Baos, Chicken Satay – davon werden wir schon prima satt:

Es fällt auf, dass immer mehr Doppeldecker-Busse als “event locations” durch die Stadt fahren. Es gibt sie als Restaurants, als Cafés für den Afternoon Tea, etc.:

Mitunter holt mich auch die Vergangenheit ein – erinnert ihr euch, dass ich erst neulich von Fake-Pop erzählt habe, u.a. bei der Disco-Band Silver Convention in den 70ern? Die Produzenten, die für den Schwindel verantwortlich waren, sind heute noch aktiv:

Ich hatte es bereits erwähnt und es fällt bei den vielen Streifzügen durch die Stadt weiter auf – London passt sich der Zeit an und wird immer mehr “instagrammable”. Einige Lokale stellen besonders auffällige Autos auf die Straße, die dafür sorgen, dass fast jeder zweite Tourist stehenbleibt und ein Foto macht:

Solange das Essen und die Preise stimmen, soll es mir wurscht sein.

Ebenfalls ein Trend: “deutsche Döner”-Lokale. Ich habe mindestens drei gesehen:

Zum Abend hin erneut ins Noël Coward Theatre, diesmal mit den korrekten Karten. Ich verbringe einige Zeit damit, die Bilder aus den Glanzzeiten der 30er und 40er Jahre zu bewundern, die überall an den Wänden hängen. Wer hier nicht alles auf der Bühne stand: Cary Grant, Mae West, Ingrid Bergman, David Niven.

Ich hatte es schon sacht angedeutet – ich bin zwar wie die LvA ein Fan der “Great British Bake Off”-Franchise, aber ein Musical zum Thema reizt mich wenig. Was soll das auch? Niemand, den man in der Show gerne sieht, ist dabei, der Wettbewerb-Aspekt ist hinfällig, und besonderen Aufwand kann man angesichts einer einzigen Location mit acht Backinseln wohl kaum erwarten.

Ich sehe mich aber getäuscht: “Great British Bake Off: The Musical” ist eine liebevolle Hommage an die Sendung, der es perfekt gelingt, aus einer prototypischen Auswahl der Kandidaten ein paar herzzerreißende Geschichten zu pressen. Eingängige Melodien und großartige Seitenhiebe auf die Klischees der Sendung runden das Vergnügen ab:

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Der nächste nächtliche Spaziergang durch Soho und Chinatown. Eine Neonreklame erinnert an Paul Raymond, den großen Sex-Unternehmer und “King of Soho”. Harry Allen Towers hat mir mal erzählt, dass er den zwielichtigen Raymond gut kannte. Das wundert mich nicht. Mich wundert allerdings, dass es den Sex-Shop noch gibt, in dem ich vor mehr als 30 Jahren das Poster von Sherilyn Fenn gekauft habe. Darüber hinaus ist das Viertel weitgehend gentrifiziert.

Wer sich ein paar Tage in London aufhält, der wird schnell feststellen, dass die Stadt an- und abschwillt wie kaum eine andere. Tagsüber und abends ist hier die Hölle los, während nach Mitternacht und am frühen Morgen fast schon Ginsterbüsche durch die einsamen Straßen rollen. In Chinatown wird es bei brauchbarem Wetter regelrecht drängelig:

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Und dann ist er da: der Tag der Krönung. Die Innenstadt ist abgeriegelt, teilweise haben die Menschen seit dem Vorabend ausgeharrt, um am frühen Morgen ins limitierte Sperrgebiet gelassen zu werden.

Das ist uns zu anstrengend, wir streben lieber einen Platz beim Public Viewing im St. James Park an. Allerdings regnet es penetrant, was die Vorfreude auf vier Stunden auf feuchtem Gras empfindlich dämpft. Spontan entscheiden wir uns, in den Pub Blue Posts einzukehren, wo eine gemütliche Atmosphäre und drei Fernseher locken.

Es entpuppt sich als die richtige Entscheidung, den binnen der nächsten halben Stunde füllt sich die Kneipe immer mehr. Wir haben bequeme Sitzplätze und Cider aus der Flasche, uns kann niemand in die Quere kommen.

Es ist ein fantastisches Erlebnis, mit “echten Briten” die Krönung zu erleben. Die Stimmung ist ent- und gespannt zugleich, eine gewisse Begeisterung für das Königshaus spürbar. Man kommt schnell ins Gespräch. Heute ist kein Tag für Konflikte oder Diskussionen über Sinn und Unsinn der Monarchie. Den entscheidenden Augenblick habe ich für euch auf Video festgehalten:

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Klar hätten wir all das auch daheim auf dem Fernseher miterleben können, aber die Atmosphäre in der britischen Kneipe prägt eine Erinnerung, die wir unser Leben lang schätzen und schützen werden.

Wer mitgezählt hat: Event-Karten haben wir zu diesem Zeitpunkt keine mehr. Wir suchen also kurzfristig ein “ticket booth” auf und fragen, was an diesem Abend noch so geht. Vieles, was mich interessiert, ist entweder gerade abgelaufen, noch nicht angelaufen, oder ausverkauft. Am Ende müssen wir uns zwischen Wicked, Bleak Expectations und The Book of Mormon entscheiden. The Book of Mormon ist seit Jahren ein Renner und stammt aus der Feder der South Park-Macher Parker & Stone, das gibt den Ausschlag:

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Das Theater, in dem ich vor mehr als 15 Jahren MAMMA MIA! gesehen habe, kann immer noch beeindrucken:

The Book of Mormon entpuppt sich als rüde, aber gleichzeitig unschuldige Satire auf den Missionseifer der Mormonen, ihre absurde Geschichte, die Zustände in Afrika. Die klinische Sauberkeit der Religion trifft auf die schmutzige Realität. Es gibt einen “General Buttfucking Naked”. Wer kein AIDS will, muss einen Frosch vergewaltigen. It’s all in good fun.

Sonntag. Ich gestehe, dass die multiplen Aktivitäten der letzten Tage ihren Tribut fordern. Wir sind beide sehr müde. Aber wer Londons müde ist, ist bekanntlich des Lebens müde, also raffen wir uns doch wieder auf. Es geht zum Street Food Market in der Brick Lane, auch so einem Standard unserer Reisen. Hier verwirklichen sich viele Künstler an den Hauswänden und Mauern – diesmal mit Kritik am Königshaus:

Dieses Haus wird regelmäßig neu bemalt, aktuell ist es Gucci-Koffer:

Man kann “vintage clothing” kaufen, spontan an Straßenständen Schach spielen, oder den talentierten Straßenmusikern zuhören:

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Die LvA stillt ihren Hunger mit einem exklusiven “cheese sandwich”:

Das kann sich wirklich sehen lassen, auch wenn es – wie alles in London – teuer ist:

Dieses Graffiti scheint mir ein schöner Abschluss des Krönungswochenendes zu sein:

Von der Brick Lane aus fahren wir nach Westminster, weil die LvA unbedingt zur Uferpromenade vor dem St. Thomas Hospital möchte. Eine riesige Wand aus Herzen erinnert an die Toten der Covid-Pandemie der letzten Jahre:

Das ist aber nicht, was die LvA so reizt – die Promenade mit ihren Parkbänken und der direkten Sicht auf Westminster Palace und Big Ben ist eine der legendärsten Film-Locations der Welt. In Dutzenden von Serien und Agentenfilmen treffen sich hier die Schlapphüte der Welt, um geheime Akten auszutauschen und über Verräter zu diskutieren – traditionell, ohne sich dabei anzusehen. So mancher Doppelagent hat hier dezent sein Leben ausgehaucht. Kein Wunder: die Promenade ist für Filmaufnahmen einfach zu sperren und der Blick auf Westminster Palace verleiht kostenlosen Weltstadt-Flair.

Hinzu kommt, dass hier George Lazenby Ende der 60er der weltweiten Presse als neuer James Bond vorgestellt wurde. Wir haben das Bild handsigniert im Flur hängen. Ehrensache, dass ich in die Fußstapfen von 007 trete, allen Warnungen der LvA zum Trotz:

Bewerbung ist raus!

Zum Abend hin merke ich: Es rumort was in mir. Die Nase beginnt zu laufen, ich fange an zu husten. Erkältung? Heuschnupfen? Corona? Ich decke mich mit Medikamenten ein und wir verbringen einen ruhigen Abend, aber eine unruhige Nacht im Hotel.

Der Tag der Abreise ist gekommen und angesichts meines Zustandes bin ich darüber nicht unglücklich. Ein Test vermeldet “corona negative”, aber was heißt das schon? Mies geht es mir trotzdem. Wir wollen eigentlich ins 39 Steps Café zum finalen Frühstück, aber das scheint es schon nicht mehr zu geben. Also ins My Place Café gleich nebenan:

So lässt es sich leben. Wir vertrödeln den Mittag mit etwas “light shopping”. Was die Souvenirs angeht, sind wir ein wenig enttäuscht: nur in einem kleinen Shop in Westminster finden wir Tassen und Shirts, die bereits das “echte” Krönungsfoto zeigen – allerdings in jämmerlicher digitaler Qualität. Also kaufen wir doch “pre coronation”-Zeug, das wenigstens im Regal nach was aussieht. In einer U-Bahn entdecke ich das Plakat für ein Musical, das mich fast augenblicklich die nächste Reise planen lässt:

Am Flughafen finden wir tatsächlich noch eine Sonderedition der leckeren Kekse von Walker’s. Nicht für mich – die ist dem Frankster fest versprochen:

Wir essen chinesisch. Einziges Ärgernis: Sämtliche Ladesäulen in Heathrow sind ausgefallen, wir können weder Smartphone noch Tablet noch Macbook laden. Glück gehabt, dass ich im iPhone noch genügend Strom habe, um meine digitale Bordkarte vorzeigen zu können. Den Flug verdöse ich mangels Alternativen.

Gegen 23.30 Uhr landen wir in München, das Gepäck kommt fix und der Wagen hat brav auf uns gewartet. Kaum eine Stunde später sind wir wieder daheim. Das Katzenpack freut sich einen Wolf und wird erstmal eine Stunde lang beschmust, bevor wir ins Bett fallen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass meine Nacht wegen des schmerzenden Hustens eher kurz sein wird. Damit liege ich richtig.

Seither sind zwei Tage vergangen, mit geht es immer noch relativ elend, aber laut Test bin ich weiterhin negativ. Verstehe einer die Welt und ihre Viren. Egal, arbeite ich halt weiter an der nächsten Filmverbrechen-Fotostory.

Das Fazit dieser Reise? Es war mal wieder ein Knaller, London ist ein sich ständig wandelnder Zirkus, und wir werden garantiert keine weiteren drei Jahre bis zum nächsten Besuch verstreichen lassen.



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Howie Munson
Howie Munson
10. Mai, 2023 20:20

Klar hätten wir all das auch daheim auf dem Fernseher miterleben können

Aber nicht mit deutschen Fernsehen, das war echt unerträglich was ARD und RTL vor sich hin kommentiert haben…
(ich sag nur “unglaublich schwere und unbequeme Goldkutsche“, “Harry fährt den Wagen vor zum Flughafen...” und “Fly by Tricolore für FRA, NED, LUX – ach eigentlich ganz Europa” mehr hab ich auch nicht ertragen…)

Was das Ende betrifft: echte Grippe ist halt auch Mist, von daher gute Besserung.

Last edited 1 Jahr zuvor by Howie Munson
naits
naits
11. Mai, 2023 00:43

Schön diesen Bericht zu lesen. Ich hatte bisher nur einmal die Gelegenheit nach England zu kommen. Dürfte dann aber nicht. Später habe ich meiner Frau vorgeschlagen Mal nach England zu reisen. Dies würde aber mit der Begründung abgewiesen: wenn ich Verwandtschaft sehen will fahr ich gleich nach Indien. Schade 😑

Gnislew
11. Mai, 2023 10:03

Beim nächsten Mal noch The Burnt City (https://www.theburntcity.com/) als Theaterstück mitnehmen und den kostenlosen Blick auf London vom Sky Garden genießen (https://skygarden.london/).

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
23. Mai, 2023 10:05
Reply to  Gnislew

Sky Garden ist wirklich super. Cocktails beim Sonnenuntergang schlürfen und die Stadt überblicken. Nur für den Einlass sollte man ein wenig Zeit mitbringen.

Kai
Kai
12. Mai, 2023 09:28

“General Butt Naked” aka Joshua Milton Blahyi gab bzw. gibt es wirklich. Der lebt noch (Jahrgang 71) 🙂

Sven
Sven
12. Mai, 2023 10:36

Ein schöner Bericht, danke dafür!
Den ersten Absatz könnte man auf mich und New York ummünzen:-)

Martin Däniken
Martin Däniken
13. Mai, 2023 17:55

Ashens hat eine schöne? Zusammenstellung zusammengestellt:
Coronation Tat Special | Ashens – YouTube