09
Apr 2023

Weniger dran, mehr drin? Geld in die Börse statt an die Börse!

Themen: Neues |

Die Geschichte der Geldbörse ist – wie die Geschichte der Menstruation – eine Geschichte voller Missverständnisse. In Mittelalter versteckte man seine Dublonen und Dukaten im Gürtel, was auch so manchen Messerstich abfing. Mein Vater hatte in den 70ern eine Herren-Handtasche, deren chaotischer Inhalt durchaus vergleichbar war mit dem einer Damen-Handtasche – plus Schreckschusspistole, weil Taxifahrer. In den 90ern machte man sich mit peinlichen Gürteltaschen zum Honk. Never forget and never repeat:

Ich kenne Freunde, die sehr lange diese riesigen Kellner-Geldbörsen mit sich rumtrugen, die mit einer Kette an der Gürtelschlaufe der Hose befestigt werden. Das Problem hier wie bei den meisten Trägern für Wertgut: es sieht aus, als hätte man einen Tumor am Hintern. Ich wage die Behauptung, dass es schlicht unmöglich ist, mit so einem Trumm hinten rechts gut gekleidet auszusehen.

Was musste da nicht auch alles rein: Gelscheine, Münzen, Führerschein, Personalausweis, Kreditkarten, Visitenkarten, Mitgliedsausweise, Rechnungen, Bilder von den Enkeln, Kondome, Kinotickets. Und immer die Panik: wenn ich das Ding verliere, ist mein Leben ruiniert.

In den letzten Jahren hat ein Wandel eingesetzt – Mini- und Mikro-Geldbörsen (slim wallets) sind angesagt, die der Tatsache Rechnung tragen, dass wir immer wenige physisch mit uns rumtragen. Führerschein und Personalausweise sind auf Standard-Scheckkartenformat geschrumpft und bezahlt wird immer seltener mit Bargeld. In Asien ist es schwierig, noch Geldbörsen mit Münzfach zu bekommen.

Ich habe den Schritt vor ein paar Jahren vollzogen – weg vom Fullsize-Portemonnaie hin zur schlankeren Ledervariante im Format 10 x 7,5 Zentimeter. Selbst das bleibt oft genug in der Hosentasche, weil ich meine EC- und Kreditkarten längst auch auf meinem iPhone mit mir herumtrage.

Nun bin ich aber immer erpicht, mein Leben noch komfortabler zu gestalten und hatte deshalb diverse Mikro-Geldbörsen im Blick, die das Drumherum endgültig auf das kleinstmögliche Maß reduzieren. Ich fand nichts, was mich überzeugte – zumindest nicht genug, um meine Leder-Geldbörse dafür aufzugeben.

Vorgestern las ich jedoch von einem Schnäppchendeal, der einen testweisen Umstieg zumindest nahelegte – ein “Höhle der Löwen”-Deal für 14,99 Euro:

Von 10 x 7,5 Zentimeter runter auf 8,5 x 5,5 Zentimeter – immerhin.

Nun ist es relativ schwierig, den Umstieg von mini auf mikro in Wort und Bild zu beschreiben und die Unterschiede nachvollziehbar zu illustrieren – deshalb habe ich einen Videovergleich produziert:

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Das Ergebnis ist demnach eindeutig: für mich ist so ein Set aus Plastikteilen (und letztlich ist die Lockcard nichts anderes) keine Alternative. Würde ich nur noch mit 5 Karten und einem 50er-Schein rumlaufen, könnte ich gleich ein Gummiband drum herum spannen. Gleicher Effekt, weniger Kosten.

Allerdings bin ich bei Amazon auf eine weitere Variante gestoßen, die mir ein perfekter Mittelweg scheint, wenn meine Cerruti mal den Weg allen Irdischen geht:

Was mir daran gefällt: Sichtfenster für den Personalausweis und einfacher Zugriff auf Scheine. Kostet exakt so viel wie die rabattierte Lockcard.

Es ließe sich einwenden, dass die Lockcard aber erweiterbar ist durch zusätzliche Fächer für Schlüssel, Airtags und so weiter. Gut und schön, aber das berührt das Thema der “Übergangstechnologie”, das ich schon im Video angesprochen habe. Einfach ausgedrückt: Mittelfristig sind nicht nur Geldbörsen, sondern Schlüssel, Airtags, Münzen und sogar Führerscheine “out”. Alles wird digitalisiert. Es wandert von der Geldbörse ins Handy, vom Handy auf die Uhr, von der Uhr vielleicht in den Ring, vom Ring dann schließlich unter die Haut. Sein Hab und Gut physisch mit sich rumzuschleppen ist sooo 2010…

Fakt ist nun mal: Die Reduktion von Bargeld in Form von Münzen und Scheinen ist ja nur der Anfang. Gäbe es die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen, könnte ich heute schon problemlos meinen Führerschein und meinen Personalausweis in meiner Apple Wallet speichern und damit auf meine Geldbörse komplett verzichten. Mit einem entsprechenden Schloss ließe sich meine Wohnung digital entsperren.

Für mich kann die Entwicklung nicht schnell genug kommen. Ich bin ein Fan des non-materiellen Besitzes, des Verzichts auf analoge Repräsentationen von Wert und Person. Die digitale Geldbörse besitzt mannigfaltige Vorzüge, erleichtert den Zugang zu Waren und Dienstleistungen, lässt sich ohne Behördengänge erweitern und aufwerten.

Mir ist klar, dass ich damit ein Problem bequem ausblende: Handys und Smartwatches und digitale Ringe sind abhängig von Strom, vom Internetzugang und ganz banal von ihrer Funktionstüchtigkeit. Einfach ausgedrückt: meinen Perso kann ich auch noch vorzeigen, nachdem er mir ins Klo gefallen ist und ich ihn grob abgewaschen habe. Für mein iPhone kann ich diese Aussage nicht vollumfänglich treffen. Und es muss auch bloß mal der Akku leer sein, um bei der Verkehrskontrolle dumm dazustehen…

Dennoch sind die “slim wallets” in meinen Augen nur Resteverwalter – sie nehmen auf, was noch nicht endgültig in die digitale Sphäre gehoben werden konnte. Und in den extrem minimalistischen Versionen wie bei der Lockcard sehe ich zu viel Komfort und Haptik dem Formfaktor geopfert. Die Balance, die ich bei meiner Cerruti-Geldbörse empfinde, fehlt komplett.

Nun ist das nur meine Meinung und die ist sicher von meinem digitalen Lifestyle geprägt. Mich würde interessieren, wie das bei euch aussieht. Was ist eure perfekte Geldbörse? Zahlt ihr noch bar oder schon per Karte? Mit reinstecken oder kontaktlos? Oder statt Karte schon mit Handy? Oder statt Handy schon mit Uhr? Würdet ihr nicht nur euer Geld, sondern auch euren Personalausweis eurem Smartphone anvertrauen – nicht nur beim Kinobesuch, sondern auch bei der Auslandsreise? Haltet ihr die Entwicklung für wünschenswert, unaufhaltbar gar?

P.S.: Das Bild des “fanny packs” in diesem Beitrag habe ich mit MidJourney generiert – und prompt die Warnung kassiert, dass der Begriff “fanny” gesperrt sei (weil er auch Popo bedeuten kann). Einfache Umgehung des Problems: statt des grammatikalisch korrekten “fanny pack” das falsche “fannypack” eingeben.



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DJ Doena
DJ Doena
9. April, 2023 17:20

Frage: Auf Facebook schriebst du “Aber bei NETTO gibt es gerade dieses “Höhle der Löwen”-Modell für 14,99 Euro.” Hier im Youtube-Video sagst du “Lidl”. Bei Netto hab ich die nämlich nicht gesehen. Welches meinst du?

DJ Doena
DJ Doena
9. April, 2023 17:25

Ich persönlich habe ja das Ding hier: https://www.amazon.de/gp/product/B084VKLK8D/ und bin eigentlich sehr zufrieden damit. Allerdings habe ich meine Brieftasche noch nie im Leben am Hintern getragen, ich habe sie immer in der Vordertasche der Jeans.

DJ Doena
DJ Doena
9. April, 2023 17:30
Reply to  Torsten Dewi

:-p

S-Man
S-Man
9. April, 2023 19:27
Reply to  Torsten Dewi

Mich stört das Ding beim Sitzen und ich habe das Gefühl von mehr Kontrolle. Ich glaube, man kann viel besser aus der Arschtasche klauen, als aus der Vordertasche.

Oibert
Oibert
10. April, 2023 12:27
Reply to  Torsten Dewi

Hatte ich bis vorletztem Jahr auch immer – bis mir jemand beim einsteigen in die Ubahn die Brieftasche aus der hinteren Tasche geklaut hat. Seitdem nur noch vorne

S-Man
S-Man
9. April, 2023 17:41

Mittelweg.

Ich würde gern mein Portemonnaie verkleinern. Als erstes das Bargeldfach. Aber solange man in Deutschland noch Bargeld braucht (nach meinem subjektiven Empfinden irgendwie wieder mehr als noch vor einigen Jahren), geht das nicht. Das trifft primär auf Bäcker, Döner und öffentliche Klos zu. Sehr schade.

Auch Karten versuche ich zu reduzieren. Gelingt mir nicht 100%ig.

Was für mich gar nicht geht, sind digitale Wallets. Ich weigere mich, amerikanischen Konzernen mein gesamtes Leben, meine komplette Identität anzuvertrauen. Das hat Gründe des Rechts (Für die gilt anderes Recht als deutsches) und der IT-Sicherheit. Außerdem kommt die von dir angesprochene Verfügbarkeit hinzu. Ich will nicht von meinem Akku abhängig sein.

Selle
Selle
9. April, 2023 22:33
Reply to  S-Man

Natürlich gilt für die in Deutschland deutsches Recht, welches denn sonst?

Mein Geldbeutel (relativ schmaler Bellroy mit dem ich zufrieden bin) liegt dauerhaft im Handschuhfach (jaja, soll man nicht) falls doch mal eine Führerscheinkontrolle kommt oder der Parkhausautomat nur eine gesteckte Girocard akzeptiert und alle paar Wochen krieg ich Panik und schau kurz, ob er noch da ist. Ansonsten komme ich mit der Kombi GooglePay (plus ApplePay auf dem beruflichen Gerät), VR Pay für die letzten Giro-only-Läden und einem unter den Case geschobenen Zwanziger für Eisdielen und Glühweinstände hervorragend durchs Leben. Und falls es eng werden sollte kann man inzwischen auch mit dem Handy am Automat frisches Geld ziehen.

I for one begrüße diese Entwicklung und die Leere der Gesäßtasche sehr.

S-Man
S-Man
10. April, 2023 02:03
Reply to  Selle

Ja, in Deutschland gilt deutsches Recht. Natürlich. Aber die Daten, die in diversen digitalen Wallets gespeichert werden, liegen ggf. nicht nur auf deinem Handy, sondern (angeblich total sicher) auf den Servern der Anbieter. Und die stehen nun mal nicht zwangsläufig in Deutschland, ja noch nicht mal in der EU. Und dann gilt das Datenschutz- und sonstiges Recht des Auslands. Und das ist nicht unbedingt ein Vorteil. Gerade US-Anbieter sind bspw. gezwungen, Zugriff der Behörden zuzulassen. Und warum die Ami-Behörden Zugriff auf meine Identität bekommen sollten, wüsste ich erstmal nicht.

Davon abgesehen, dass Clouds recht regelmäßig leer geräumt werden von Unbefugten.

Selle
Selle
10. April, 2023 18:46
Reply to  S-Man

Für mich ist das eine Abwägung zwischen einem eher schwachen und dazu abstrakten Nachteil und einem sehr starken und konkreten (Komfort-)Vorteil aber ich verstehe natürlich jeden, der das für sich anders entscheidet.

Martzell
11. April, 2023 21:35
Reply to  S-Man

Google monetarisiert alle deine Daten. Apple schützt deine Daten und niemand außer dir, auch Apple nicht, kann darauf zugreifen. Apple treibt großen technischen Aufwand um das zu ermöglichen. Verarbeitung nur auf deinem Apple Gerät, Ende zu Ende verschlüsselt und trotzdem Cloudkomfort.

Trotzdem wird Apple in den Medien und der Vorstellung der Menschen mit den Datenkraken Facebook und Google in Verbindung gebracht.

S-Man
S-Man
12. April, 2023 01:06
Reply to  Martzell

Achso, ja klar. Apple sind die Guten. Verstanden, jetzt ergibt alles Sinn. Schade, dass die meisten Smartphones mit Android laufen. Damit wäre das mit den digitalen Wallets für die meisten ja nicht sinnvoll 😉

Selbst wenn, es hat noch in jedem noch so tollen Unternehmen oder noch so vertrauenswürdigen Organisation Datenlecks gegeben. Auf welchem Weg auch immer.

Es gibt auch keinen Grund, irgendeinem Tech-Konzern und dessen Versprechungen zu vertrauen. iCloud E2E Encryption wurde bspw. meines Wissens nach noch nicht von Unabhängigen auditiert.

Hinzu kommt, dass es immer wieder von diversen Regierungen versuchen (zB https://www.bbc.com/news/technology-64584001.amp, https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-06/datensicherheit-bundesinnenministerium-verschluesselung-gefahr) per Gesetz Backdoors in Verschlüsselungsverfahren einzurichten. D.h. ein Zugriff wäre jederzeit möglich, und wenn offizielle Seiten Zugriff haben, dann sicherlich irgendwann auch inoffizielle

Last edited 1 Jahr zuvor by S-Man
Exilant
Exilant
10. April, 2023 00:55

Ich hab das Apple Wallet welches per Magnet am Iphone klebt. Da passen insgesamt 3 Karten rein. In der Regel habe ich mit dem Führerausweis nur eine Karte drin. Je nachdem wo es hingeht kommt eventuell mal noch eine 2. Karte dazu. Zum Beispiel die Zutrittskarte zum Fitnessstudio oder die Krankenkassenkarte wenn es zum Arzt geht.

Glücklicherweise ist die Schweiz ein bisschen weiter mit der Digitalisierung, wodurch ich auch am Parkautomaten vom Wanderparkplatz auf 2000m mit meiner Uhr zahlen kann. Die Uhr ist auch mein Hauptzahlungsmittel mit der ich in 95% aller Fälle mein Geld loswerde. Die anderen 5% werden mit Twint(https://de.wikipedia.org/wiki/Twint) erledigt. Ich habe bestimmt seit 2 Jahren kein Bargeld mehr in der Hand gehabt.

Mencken
Mencken
10. April, 2023 12:54
Reply to  Exilant

Schon interessant, wie die Nutzungsvorlieben sich unterscheiden, ich hätte seit “glücklicherweise” “leider” geschrieben.

Mal interessehalber: Wo kommt denn die Aussage her, in Asien wäre es schwierig(er) geworden, noch Geldbörsen mit Münzfach zu bekommen? Das sehe ich bei den üblichen totalitären Staaten und manche Länder haben ja von jeher fast nur auf Scheine gesetzt, aber ansonsten wäre mir das komplett neu.

S-Man
S-Man
10. April, 2023 12:59
Reply to  Mencken

Ich kenne das nicht aus Asien, aber ich wollte in Argentinien eine neue Geldbörse kaufen, weil die ja ganz gut sind in Lederverarbeitung. Keine Chance, keine Geldbörse mit Bargeldfach.

S-Man
S-Man
11. April, 2023 10:41
Reply to  S-Man

Mir fällt gerade ein, das muss man fairerweise ergänzen, dass das wohl auch daran liegt, dass die fast nur noch Scheine haben, und selbst die sind nix Wert.

Das hatte ich beim letzten Post nicht bedacht, also hat das fehlende Bargeldfach auch andere Gründe.

Dennoch führt es letztlich dazu, dass viele nur noch mit Plastik zahlen, weil man einfach keine dicken Geldbündel durch die Straßen schleppen will.

Last edited 1 Jahr zuvor by S-Man
Selle
Selle
10. April, 2023 18:50
Reply to  Mencken

Ich weiß nicht, ob dass was mit Asien und weniger Bargeld zu tun hat. Amerikanische Freunde haben schon vor zig Jahren über meinen deutschen Geldbeutel gelacht und gemeint, das wäre eine purse, eine richtige wallet hatte auch schon damals oft kein Münzfach. In vielen Kulturen hat man einfach Münzen schon immer erst gar nicht mitgenommen oder lässig in der Hosentasche klimpern lassen.

Mencken
Mencken
13. April, 2023 17:22
Reply to  Selle

Das ist auch meine Vermutung, in vielen Ländern haben Münzen einfach nie eine große Rolle gespielt, aber ich glaube nicht, dass dahinter ein Trend weg vom Bargeld steckt.

Frank
Frank
10. April, 2023 18:19

Jede Karte braucht einen Schutz. Einfach nur mit Gummiband fixiert kann die Magnetstreifen oder Chips mechanisch beschädigen. Ich bleibe lieber suspekt bei der flachen (Cerutti?) Börse in der linken vorderen Hosentasche. Rechts die Haus- / Autoschlüssel.
Börsen in der Gesässtasche sind die Lieblinge von professionellen Taschendieben. Ausserdem hab ich schon einige Börsen auf Toiletten gefunden die den Hinternträgern einfach rausgerutscht waren. Hätte sie alle behalten sollen, einfach um deren Lernprozess zu beschleunigen. Aber als suspekter Typ hab ich die Teile abgegeben. Gibt ja schon genug Elend auf der Welt.

Gerrit
Gerrit
11. April, 2023 01:13

Geld immer in der vorderen Hosentasche. Egal in welcher Form. Alles andere kommt mir falsch vor. Allein schon wegen Taschendieben. Wir hatten mal einen Spezialisten zu Besuch, der hat sich vordraengelnd, Kundinnen in der Kassenschlange bestohlen.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
11. April, 2023 09:38

Kommt man in München ohne Bargeld aus? Hier in Berlin kommts ja immer aufs Alter des Geschäfts an. Viele alte Geschäfte sind noch abgeschreckt von den alten Apothekenpreisen für Kreditkarten, bieten maximal noch EC Karten an, die ja auch am aussterben sind. Hier gabs ja noch bis letztes Jahr auch genug Geschäfte, wo man für unter 10 Euro essen konnte, inzwischen nähert sich ja selbst der Döner dieser Schallmauer an.

Stefan
11. April, 2023 12:13

Ich nutze zum Bezahlen, wenn möglich, schon nur noch den Ring. Sofern Kreditkarten akzeptiert werden funktioniert das problemlos. In Verbindung mit der Curve Kreditkarte, bei der die “normalen” Kreditkarten hinterlegt sind kann ich auch bis zu sechs Wochen von der genutzten Kreditkarte auf eine andere umbuchen. So Brauch ich mir beim Bezahlen keine Gedanken machen welche Karte ich nutze, sonst buche einmal die die Woche alles auf die passende Karte (privat, geschäftlich, Haushalt) um.

Last edited 1 Jahr zuvor by Stefan
Stefan
11. April, 2023 12:51
Reply to  Torsten Dewi

Ring ist übrigens der hier https://www.pagopace.de/ (nicht verwandt oder verschwägert 😉)

Stefan
11. April, 2023 21:05
Reply to  Torsten Dewi

Lustig, diesen Ring kannte ich noch gar nicht, der begegnete mir vor ein paar Tagen in einem Café in Luckenwalde. Allerdings hat er nicht funktioniert.
Trägt man den dann auf dem Mittelfinger? Eine gute Möglichkeit, bei schlechtem Service einfach sein Missfallen auszudrücken (“Wo soll ich ihn auflegen?”).

Martzell
11. April, 2023 21:28

Ich schwöre auf das Fritzvold Tiny Wallet. Gefüllt wenige mm dünn trotz Münzfach. Weil es aufgeklappt in Hosen oder Jackentasche passt, weil nur so lang dass 50 Euroschein reinpasst aber nicht länger. 6 Kartenfächer. Material ist cooles veganes Papierleder das wie Leder altert.

Geldbörse ohne Münzfach und Scheine falten erforderlich ist mir viel zu umständlich.

Geldbörse mit Reißverschluss trägt zu dick auf für meinen Geschmack.

Auch peinlich für die europäische Geldbörsenindustrie: 100 und 200 Euroscheine waren zu hoch für Portemonnaies und die EZB hat diese in der Höhe reduziert.

Ich hoffe die immense Geldverschwendung laufend 1 und 2 Cent Münzen nachzuproduzieren, für die man nichts kaufen kann, wird abgestellt. Durchgedacht sollte es nur 5 und 25 Cent Euromünzen geben. In den USA war mein Münzfach schmal und übersichtlich. Scheine sollten umso größer sein umso weniger sie wert sind. Aktuell sind die Scheine die man weniger benötigt griffbereiter in der Börse.

Martzell
11. April, 2023 21:49
Reply to  Martzell

2er Stückelung gerne komplett abschaffen für mehr Übersicht: 5 Cent, 25 Cent, 1 Euro, 5 Euro, 10 Euro, 50 Euro, 100 Euro. Ende.

Martzell
11. April, 2023 21:45

Karten habe ich abgeschafft, also zuhause eingelagert. Alles im Handy. Führerschein, Perso und weitere Karten ohne Technik als Farbkopien auf dünnem Normalpapier dabei und die wurden bei einfachen Kontrollen oder Vertragsabschlüssen stets kommentarlos akzeptiert.

Krankenversichertenkarte und die Zugangskarte fürs Büro sind die einzigen zwei Plastikkarten in meinem Geldbeutel.

Last edited 1 Jahr zuvor by Martzell
Maximilian Frömter
Maximilian Frömter
13. April, 2023 12:42

Ich erkenne die Vorteile des Smartphones an, empfinde es aber durchaus als belastend, daß mittlerweile praktisch das ganze Leben auf Gedeih und Verderb davon abhängt. Wenn das Ding kaputt geht oder verloren wird, ist die Kacke noch deutlich mehr am Dampfen, als beim Verlust des Geldbeutels – wegen Onlinebanking, diversen 2FA-Aktivierungen usw.. Meins ging letzten Oktober kaputt und ich war einige Tage lang völlig unfähig, irgendwelche Transaktionen druchzuführen. Erst vor kurzem habe ich mich dazu durchgerungen, endlich eine neues zu kaufen, weil ich die Mühe, alle essentiellen Apps zu transferieren, gescheut habe. Bislang ist der Prozess immer noch nicht abgeschlossen und ich renne jetzt mit zwei Handies rum… Ich bin sicher kein Feind neuer Technologien, aber die Gefahr, unfreiwillig “ausgesperrt” zu werden und handlungsunfähig zu sein, ist sehr real, das habe ich am eigenen Leib gespürt.

Martzell
13. April, 2023 20:43

Ich vermisse auch die Papier-TAN als Fallback. Der umständliche Authentifizerungswahnsinn der Banken, der die Sicherheit gar nicht relevant erhöht, geht mir genauso auf die Nerven wie dass Apple wegen 2-Faktor-Authentifizierung es mir unmöglich macht ohne Applegerät mein Adressbuch, Kalender und Notizen in jedem Webbrowser zu öffnen, obwohl ich genau deswegen die Daten in der iCloud habe.

Wenigstens habe ich dank Apple nicht dein Problem des Umzugs aufs neue Handy. Das neue iPhone ist von dem was auf dem Bildschirm zu sehen ist vom alten nicht zu unterscheiden. Alle Daten und Einstellungen komplett 1:1 übernommen.

Luc
Luc
13. April, 2023 22:59

Mir ist klar, dass ich damit ein Problem bequem ausblende: Handys und Smartwatches und digitale Ringe sind abhängig von Strom, vom Internetzugang und ganz banal von ihrer Funktionstüchtigkeit.

Ein Problem, dass du sogar so bequem ausblendest, dass es gar keine Erwähnung findet, ist gleichzeitig das offensichtlichste und das mit dem größten Party-Pooper-Potential für all diejenigen, die gern noch eine Weile länger im puren Genuss der unbestreitbar spannenden, geradezu manisch-kreativen Transformation schwelgen wollen.

Die Art der real stattfindenden umfassenden Digitalisierung öffnet Schritt für Schritt (nicht: sofort) das Tor in die totale Kontrolle, und kein Staat dieser Welt – wie wir spätestens seit Edward Snowden wissen mit Sicherheit kein westlicher – wird diesem potentiellen Machtzuwachs widerstehen können. Man wird stattdessen (natürlich im Namen des Guten™) ganze Think Tanks damit beschäftigen, mit welchen Kampagnen und Slogans man demokratische Öffentlichkeiten davon überzeugen könnte, diese Kontrolle immer weiter zu akzeptieren (bereits sehr beliebter Ansatz: wegen Klimawandel!), und natürlich wird man manche offensichtlichen Freiheitseinbußen dadurch einzuhegen versuchen, dass bürokratische Entscheidungsstrukturen geschaffen werden (z.B. Gremien zur Frage, wer durch welches Verhalten welche Einschränkungen des Einsatzes seines rein digitalen Geldes erleiden muss, wie es in vielen kleinen Pilotprojekten bereits geschieht).

Im Militär- und Geheimdienstsektor gilt im Übrigen immer die Maxime, was machbar ist, wird auch gemacht; das weckt Begehrlichkeiten bei Polizei und sonstigem Instanzen der öffentlichen Sicherheit, die passenden politischen Argumente sind auch seit Jahrzehnten erprobt (mit dem Verbrechen Schritt halten, Ermittlungsdefizite, Effektivität der Spionageabwehr, Terrorismus!), und am Ende sitzen wir in einer neuen DDR, die wieder in zu vielen Leuten das Schlechteste hervorbringt, und fragen uns genau wie die Bewohner der ersten, wie es eigentlich soweit kommen konnte, weil es eben nie über Nacht geschieht und nie eine von Anfang an planende böse Absicht braucht.

Diese Entwicklung kann man verhindern, wenn man einen viel größeren und reichweitenstarken öffentlichen Diskurs darüber führt, in welchen Bereichen man die Digitalisierung technisch so gestalten kann, dass zentrale Konrolle unmöglich ist, und sich, wo das technisch unmöglich ist, darüber unterhält, einen möglichen Gewinn an Bequemlichkeit richtig abzuwägen gegen die jeweilige Aufgabe von Freiheitsgraden, die man im Zweifel vor lauter Selbstverständlichkeit gar nicht mehr wahrnimmt, bis sie plötzlich weg sind (z.B. die Freiheit, mit seinem Geld zu machen was man will, solange man nicht gegen Gesetze verstößt).

Zu diesem Diskurs gehört in meinen Augen mit Sicherheit dazu zu versuchen, sich nicht von der derzeit unbestreitbar schier grenzenlosen Faszination des the future is now! hinreißen zu lassen, sondern mit Bedacht zu genießen. Denn die der realen Digitalisierung inhärente Zentralisierungs-, Aggregations- und Kontroll-Logik führt mE nicht zur Star-Trek-Gesellschaft, sondern in die Schöne Neue Welt.

Luc
Luc
14. April, 2023 07:22
Reply to  Torsten Dewi

Sorry fürs Reinkacken. Nirgendwo habe ich über Midjourney&co. so viel gelernt wie hier bei dir, ich genieße deine Sicht auf diese Dinge durchaus auch 😄

Mencken
Mencken
14. April, 2023 20:48
Reply to  Torsten Dewi

Solange es keine unmittelbare persönliche Erfahrung sein muss, reicht doch der Blick nach China, Singapur, Russland oder Norwegen.

S-Man
S-Man
19. April, 2023 08:17
Reply to  Torsten Dewi

Ich sehe mittlerweile (oder zumindest aktuell) das Problem weniger bei Google als bei den zuständigen Regierungen. Ich kann aktuell nicht sagen, dass ich auch nur einem Pimpf im Bundestag soweit traue, wie ich spucken kann. Leider. Es ist mehrfach und wiederholt dazu gekommen, dass der Staat Werkzeuge, die nur unter Vorwand zum Einsatz gaaaanz böser, fieser Verbrechen eingeführt wurden, später für Banalitäten eingesetzt wurden. Ich will nicht, dass mein Leben für alles und jeden offen steht. Ich will nicht in einer Welt leben, in der die Polizei oder werauchimmer problemlos Zugriff auf meine intimsten Geheimnisse bekommt (Tagebücher, Geldflüsse, Pornosammlung, …). Ich fühle mich schlicht unwohl bei dem Gedanken, gläsern zu sein. Deswegen habe ich auch eine abschließbare Wohnungstür.

Und dann soll plötzlich der nächste Knut, der sich lange genug durch Korruption, Lügen, Verrat und wasweißich in der Politik gehalten hat, plötzlich Zugriff auf all das bekommen, einfach aus Lust und Laune heraus (jaja, richterlicher Beschluss und so… Auch eher ein theoretisches Konzept bei der Masse an Anträgen und dem Personalmangel).

Ich würde gern an den Rechtsstaat glauben. Ich würde auch gern an das Gesundheits- und Bildungssystem glauben. Aber leider habe ich wenig Vertrauen in die Politik der Misswirtschaft und fragwürdigen Hintertürchen-Absprachen.

Alles polemisch, ich weiß. Es gibt sicherlich auch gute Entwicklungen, aber gerade im Bereich der Strafverfolgung und Netzpolitik beobachte ich seit Jahren leider nur den Weg von schierer Inkompetenz hin zu Wie-können-wir-das-für-uns-nutzen?

Und selbst wenn das alles in unserer aktuellen Gesellschaft wohl kaum zu echten Einschränkungen im Leben führt, möchte ich um Gottes willen nicht erleben, was mit den heutigen technischen Mitteln und Befugnissen angestellt wird, wenn mal aus Versehen radikalere Kräfte an die Macht gewählt werden (Siehe AfD, die so manche sehr sehr erschreckende Anfragen bzgl. Herkunft, Religion, Sexueller Neigung, etc. gestellt haben – und bekanntermaßen gute Unterstützung in der Exekutive haben). DAS ist meine eigentliche Angst. Das ist der Grund, warum ich versuche, so ungläsern wie möglich zu sein (bzw. den für mich besten Mittelweg zw. Bequemlichkeit und eigener Datenhoheit bersuche zu finden, jeden Tag aufs Neue)

S-Man
S-Man
19. April, 2023 21:11
Reply to  Torsten Dewi

Ja, aber eben mit genau dieser Zusammenführung sammelst du doch deine komplette Identität an einer Stelle. Und dazu an einer, die weder technisch, noch rechtlich überprüfen kannst: Einem US-amerikanischen Konzern. Der Rest siehe oben. 😉

Anders sähe es aus, wenn ich die vollständige Kontrolle über Speicherort und Verschlüsselung habe. Aber spätenstens dann wird schwierig, weil a) wohl kaum jeder einen eigenen Server hat und b) dann dort die Daten in eigenen, verschlüsselten Containern speichert und c) diese dann jedes Mal ordentlich entschlüsselt (mit einem sehr sicheren Schlüssel, womit Biometrie nach aktuellen Standard wegfällt) und nach Gebrauch direkt wieder schließt. Ich möchte jedenfalls nicht meine 32 Sonderzeichen an jeder Kasse ins Handy eintippen – und der Typ hinter mir möchte auch nicht, dass ich das tue. Obwohl das mit dem Ring ist charmant, darüber muss ich mal nachdenken. Implantierter RFID Chip?

Edit: Hm, aber wenn mein Handy den Ring/RFID auslesen kann, was hindert einen Angreifer, den Ring ebenfalls (heimlich im Vorbeigehen auszulesen…). Ich muss mich da mal einlesen.

Last edited 1 Jahr zuvor by S-Man
Mr. Fox
Mr. Fox
19. April, 2023 09:30

Fanny ist zwar der Popo bei den Amis, aber die Muschi bei den Briten. Deswegen geht da nix bei Midjourney. 🙂