08
Nov 2022

Kino Kritik: BLACK PANTHER – WAKANDA FOREVER (spoilerfrei)

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2022. Regie: Ryan Coogler. Darsteller: Tenoch Huerta, Angela Bassett, Letitia Wright, Martin Freeman, Winston Duke, Julia Louis Dreyfus, Lake Bell, Lupita Nyong’o, Richard Schiff u.a.

Story: T’Challa ist tot, verstorben an einer mysteriösen Krankheit. Die Supermächte der Welt trachten danach, endlich das wertvolle Vibranium in die Hände zu bekommen. Weil sie dabei von Wakanda eine Abfuhr kassieren, schauen sie sich anderweitig um – und finden am Meeresboden nicht nur riesige Vorräte des wertvollen Supermetalls, sondern auch eine feindselig gestimmte Unterwasser-Zivilisation. Kann Shuri in die Fußstapfen ihres Bruders treten und einen weltweiten Konflikt vermeiden?

Kritik: Nein. Kann sie nicht. Ich verrate jetzt gleich mal das größte Manko von WAKANDA FOREVER: Letitia Wright. Die Klamotten, die Frisur, die Dialoge, die weinerliche Art eines aufmüpfigen Teenagers – eine Vollkatastrophe.

Inwieweit das ihre Schuld ist, kann man durchaus diskutieren. Shuri war nie als Hauptfigur vorgesehen, sondern immer nur als T’Challas kleine Schwester, die aus unerklärlichen Gründen so eine Art Superwissenschaftlerin ist. Weder die Figur noch ihre Darstellerin sind in der Lage, einen Blockbuster dieses Formats zu tragen. Es hilft auch nicht, dass man dem toxischen Segment des Fandoms in die Hände spielt, in dem man ihr die Superkräfte quasi in den Schoß legt. Als könne man von einer Frau nicht erwarten, dass sie für die härteren körperlichen Anforderungen des Jobs trainiert…

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Klar kann niemand etwas dafür, dass Chadwick Boseman so früh verstorben ist. Aber schaut man sich WAKANDA FOREVER an, dann ist schmerzhaft offensichtlich, dass man den Part recasten oder durch eine ähnlich gelagerte Figur hätte ersetzen müssen. Boseman/T’Challa war “Der Nagel” (ein Begriff, den ich der gleichnamigen DC-Graphic Novel entliehen habe), der nicht nur die Handlung, sondern auch die Figurenkonstellation zusammenhielt. Er war das Zentrum dieses Teils des MCU, ohne ihn funktioniert der immer schon sehr herbei fabulierte Mythos von Wakanda nicht. Und 161 Minuten lassen sich nicht mit Randfiguren füllen.

Darüber hinaus geht mir hier noch mehr als im Vorgänger auf die Nerven, dass Wakanda als so eine Art Superzivilisation und schwarzes Utopia gezeigt wird, dessen Bewohner den schurkischen Weißen moralisch, wissenschaftlich, spirituell und militärisch weit überlegen sind. Ist das wirklich die Mär, die schwarze Kids ins Kino lockt und ihnen weismacht, dass die Afro-Amerikaner all ihr Leid nur den Kolonialisten und Sklavenhändlern “verdanken”? Und die Mehrheit der non-BiPoC-Kinogänger – auch weltweit – schluckt das bereitwillig?

Meine These: in spätestens 10, 20 Jahren wird man erkennen, dass diese alberne Überhöhung aus der Klischeekiste des Afrofuturismus letztlich auch nur folkloristische Propaganda ist wie die Legende vom “edlen Wilden” in den Winnetou-Filmen oder bei AVATAR.

Die Strategie könnte auch ganz böse nach hinten losgehen: Wenn WAKANDA FOREVER floppt, dann ist er der Gegenentwurf zu TOP GUN: MAVERICK und könnte als Beleg herhalten, dass auch die Major-Studios falsch liegen, wenn sie auf Blockbuster mit Minderheiten-Befindlichkeiten setzen, statt Filme für ein größtmögliches Publikum zu entwickeln.

Kurz noch zur Story: Inhaltlich ist Schmalhans Küchenmeister – aus nicht näher erfindlichen Gründen kommt es zum Krieg zwischen Wakanda und dem Unterwasser-Reich von Namor, dessen Azteken-Outfit samt Flügelchen an den Knöcheln mich zeitweise schwer hat kichern lassen. Weil moralische Ambivalenz mittlerweile der Standard ist, wird nie wirklich klar gemacht, ob der nun böse, fehlgeleitet oder vielleicht sogar einer von den Guten ist. Man könnte sogar argumentieren, dass der Film alle rassistischen Klischees erfüllt, weil die “exotischen Stämme” sich grundlos und begeistert abmurksen, während der “weiße Mann” sich raushält und die Kriegsbeute einheimst.

Kaukasier kommen – in Form von Freeman und Dreyfus – nur im Rahmen eines minimalen Subplots vor, der vermutlich der Vorbereitung anderer Franchise-Bestandteile dient, hier aber null komma null nix beiträgt. Das MCU hält sich raus.

Der Rest des Films wird mit CGI von der Stange gefüllt.

Wo andere MCU-Filme auch bei hummeldummen Drehbüchern wenigstens noch mit Charme, Humor, kuriosen Nebenfiguren oder knackiger Action punkten können, zieht WAKANDA FOREVER komplett blank. Flocki Breitsamter und ich waren uns, als das Licht im Saal wieder anging, sofort einig: “Da hat uns jetzt wirklich nix dran geschert.”

Es ist erschütternd, dass BLACK PANTHER: WAKANDA FOREVER nur deswegen nicht der schlechteste MCU-Film ist, weil ETERNALS noch öder und THOR: LOVE & THUNDER noch bescheuerter war.

Fazit: Ein Debakel, dem mit dem Hauptdarsteller auch die Hauptfigur verloren gegangen ist und das sich lustlos durch die Marvel-Standards schleppt, bis der Nachspann wie eine Erlösung erscheint. Absolut auslassenswert.



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milan8888
milan8888
8. November, 2022 18:28

Ojeh – ich fand ja den ersten BP schon furchtbar öde.

jimmy1138
jimmy1138
8. November, 2022 19:02

Wie funktioniert das eigentlich mit den Kräften?

Wenn ich mich recht erinnere, hat Killmonger im ersten Teil die Pflanzen zerstört, die Black Panther seine Kräfte verleihen. Gibt’s da jetzt irgendeinen Ersatz?

Ansonsten hört sich das wieder mal nach “in 45 Tagen dann auf Disney+” an. Danke.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
8. November, 2022 19:20

Kinobesuch erspare ich mir dann und auch auf DVD ist der Kauf fraglich. Nach den schwachen Black Widow, Shang Chi und Eternals gab No Way Home wieder Hoffnung, Strange 2 war dann schon eine leichte Enttäuschung und Thor 4 einfach nur noch frustrierend. Und bis auf WandaVision waren die Miniserien auch alle nur mässig, mit She-Hulk scheint man aber die Latte noch deutlich tiefer gelegt zu haben.

Ich LIEBE das MCU bis Phase 3, aber inzwischen hoffe ich nur noch, dass Guardians 3 die Vorgänger wenigstens halbwegs erreicht und dass auch Deadpool noch einmal funktioniert, wetten würde ich aber nicht mehr drauf.

Bei BP – Wakanda 2 hatte ich schon vorher ein schlechtes Gefühl, aber nachdem ich die Witzfigur gesehen habe, die Namor darstellen soll, hat mich deine Kritik leider nicht mehr überraschen können, Shuri fand ich von Anfang an als Figur nervend und unglaubwürdig.

Last edited 28 Tage zuvor by Thomas G. Liesner
Edin Basic
Edin Basic
8. November, 2022 20:01

Ich weiss es hört sich bescheuert an.Ich hätte T’Challa neu gecastet mit Michael B.Jordan.

jimmy1138
jimmy1138
9. November, 2022 10:26
Reply to  Edin Basic

Das wäre glaube ich etwas zuviel gewesen.
Eine andere Möglichkeit: Man bringt eine (gute) Killmonger-Variante aus dem Multiverse als Black Panther zurück.

Marcus
Marcus
11. November, 2022 09:55
Reply to  jimmy1138

Mir hat die vor dem Start geäußerte Fan-Theorie gefallen, dass der Film während dem Snap spielt und am Ende Black Panther einfach wieder herbeiblippt, die Maske abnimmt und dann recastet ist.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
9. November, 2022 09:49

161 Minuten? Wtf?! Bei Avengers kann ich solche Längen ja voll verstehen, aber bei sowas wie Wakanda Forever ist das doch ein absoluter Abturner. Damals gabs ja auch noch kein Disney+, ich warte jetzt die 2 (oder sinds doch 3?) Monate und gucks mir dann dort an. Mich hat das MCU im Kino jedenfalls mit Phase 4 verloren. Fand nur Doctor Strange gut, alle anderen Filme waren bestenfalls OK. Da hatte mich Spider-Man noch am meisten überrascht, weil ich große Hoffnung hatte, er aber letzten Endes doch nur als guter Abschluss für Maguire und Garfield dient. Thor war ja schon nah dran an Beleidigung und Black Widow viel viel viel zu spät um interessant zu sein. Shang-Chi hatte mich auch noch überrascht, aber auch nur, weil ich null erwartet hatte. Eternals war ein einziger Unfall

Mison
Mison
9. November, 2022 23:27

Man fragt sich etwas, ob das MCU gerade auseinanderfällt. Ehrlich gesagt bestand zumindest in den ersten Jahren für mich der grosse Reiz darin, dass man die Geschichten zumindest grundsätzlich noch in unserer Welt verorten konnte.
Mittlerweile sind wir für mich am who cares-Punkt angekommen, in dem die Filme eigentlich nur noch selbstreferenziell ein immer kleineres Publikum ansprechen wollen und mir einfach wurscht sind, weil sie in einem vollkommenen Paralleluniversum spielen. Im Nachhinein war auch Endgame nur wirklich gut als Abschluss einer zehnjährigen Serie, nicht in sich.

Wird interessant, ob Disney hier irgendwann die Reissleine zieht oder die Kuh mit zehn Filmen und vier Serien im Jahr zu Tode melkt.

Marcus
Marcus
11. November, 2022 10:14

So gerne ich das würde, kann ich hier nur in Details widersprechen.

Shuri fand ich jetzt nicht so schlimm – Letitia Wright gibt echt alles, aber gegen das Manko, dass sie eigentlich nur eine Nebenfigur ist, die vom Drehbuch in die Hauptrolle gedrängt wird, kommt sie nicht wirklich an. Als es am Ende, spoilerfrei ausgedrückt, ernst wird, habe ich wirklich erwartet, dass sie Okoye (oder von mir aus Nakia) zum neuen BP macht. Weil sie selber eben nur ein Nerd ist und sich im Labor wohler fühlt als auf dem Schlachtfeld, und ihr das Kampftraining fehlt. Hätte auch gut zu ihrer Ablehnung von Tradition gepasst, dass sie entscheidet, dass der BP nicht mehr unbedingt der König sein muss, sondern der oder die Beste für den Job als Wakandas Beschützer.

Dafür empfand ich Tenoch Huerta noch stärker als Fehlbesetzung. Der ist einfach zu klein und von zu untersetztem Körperbau, um irgendwie imposant zu wirken. Das ist kein Monarch mit Superkräften, das ist Vati beim Badespaß am Strand, der in seinem grünen Höschen hinter den spielenden Kindern herräumt.

Aus Spoilergründen verzichte ich mal auf Kommentare zu Problemen im Plot. An “Moment mal, wieso eigentlich… ach so, weil es so im Drehbuch steht”-Beats herrscht leider kein Mangel.

Insgesamt glaube ich, dass hier irgendwo ein ziemlich guter Film drinsteckt, über eine trauernde Schwester, überfordert mit der Bürde der Verantwortung, deren kleines Land von allen Seiten bedroht ist und die einen anderen Monarchen in vergleichbarer Situation trifft, der bei der Verteidigung seiner Heimat gar keine Skrupel mehr kennt, und damit erstmal wie ein ziemlich überzeugender Ausweg aus ihrer Lage aussieht.
Schade nur, dass dieser Kern in einem so schlampig geschriebenen, dummen Drehbuch vergraben ist.

6/10.

Jan
Jan
13. November, 2022 18:31

“The sequel demolished the record for a November opening in North America, soaring past the previous high-water mark of $158 million set by 2013’s “Hunger Games: Catching Fire.” Globally, the superhero adventure netted a spectacular $330 million with $150 million of that figure coming from 55 overseas markets.” … so viel zur Anziehungskraft von “Blockbustern mit Minderheiten-Befindlichkeiten”.

Trantor
Trantor
15. November, 2022 23:47
Reply to  Torsten Dewi

„Richtigkeit meiner Meinung“ …

Thies
Thies
13. November, 2022 20:56

Erst mal ein kleiner Service-Post für alle die noch reingehen wollen. Nur eine Nachspannszene nach den Hauptcredits. Wer danach kein Gefallen an dem zweiten Rihanna-Song findet kann gehen.

Thies
Thies
13. November, 2022 21:06

Zum Film selber spoilerfrei nur soviel, dass ich mich einerseits von kurzen Längen abgesehen gut unterhalten gefühlt habe, aber schon kurz nach dem Abspann auf dem Klo anfing darüber nachzudenken wie wenig Substanz das doch alles hatte. Ein überlanges Spektakel – gerade das Finale hätte gehörig gestrafft werden müssen und den Plot um Martin Freeman hätte man auch folgenlos entfernen können – und am Ende bleibt ein Gefühl von “Viel Lärm um nicht allzu viel”. Mehr Details kann ich natürlich nur ansprechen, falls noch eine Spoiler-Zone eingerichtet wird, aber ich fürchte das Ganze ist viel zu flüchtig, als das ich dann noch viel zu diskutieren hätte.

Matts
Matts
14. November, 2022 16:55

Ich bin mit dem Film etwas gnädiger – vor allem, weil ich einen der Hauptkritikpunkte des Wortvogels nicht teile: Für mich funktioniert Shuri als Hauptfigur. Und Letitia Wright macht wirklich das Beste aus dem, was sie bekommt.
Ich sehe aber auch vollkommen, dass es hier so einige Probleme gibt. Der Film ist deutlich zu lange, macht zu viele Baustellen auf einmal auf, und der Konflikt zwischen Wakanda und Talokan ist sehr konstruiert.
Ich finde ihn trotz allem einen der besseren Filme in Phase IV (ok, das mag jetzt keine besonders hohe Hürde sein…).
Zusammen mit ETERNALS wirkt es wirklich so als ob Marvel mittlerweile versucht, seine Formel etwas aufzubrechen: Weniger Humor und mehr “ernste” Themen (Bewältigung von Trauer, Definition der eignen Existenz).