Fantasy Filmfest 2022, Tag 7, Film 4: HUNT
Themen: Fantasy Filmf. 22, Film, TV & Presse, Neues |Südkorea 2022. Regie: Lee Jung-Jae. Darsteller: Lee Jung-Jae, Jung Woo-Sung, Jeon Hye-Jin, Heo Sung-Tae, Go Youn-Jung, Kim Jong-Soo, Jung Man Sik
Offizielle Synopsis: Südkorea 1983, der Diktator steuert das Land mit eiserner Hand. Oppositionelle werden kaltgestellt, Revolten blutig niedergeschlagen. Wer nicht schweigt, verschwindet in den Folterkellern der Geheimdienste. In eben jenen Behörden regiert die Paranoia: Der Norden will uns vernichten! Überall (Doppel-) Spionage und Verschwörungen! Die Beamten Kim Jung-Do und Park Pyong-Ho werden auf einen nordkoreanischen Agenten angesetzt, Deckname Donglim. Existiert er tatsächlich? Niemand weiß es. Folgenschwer: Kim und Park sollen nicht miteinander, sondern gegeneinander ermitteln – und werden mit Informationen gefüttert, der jeweils andere sei der Verräter.
Kritik: HUNT ist, das gleich mal vorab, eine brillante Rekonstruktion der koreanischen Unruhen Anfang der 80er, als der Feind von außen und von innen kam und die Sicherheitsbehörden der Nachkriegszeit sich als ineffektiv und korrupt heraus stellten. Die Teilung des Landes war noch nicht beschlossene oder akzeptierte Tatsache und die uns vertraute Zweiteilung Deppendiktatur/Demokratiedynamo war noch in der embryonalen Phase.
Der Film fängt dabei hochoktan mit einem Attentatsversuch in Washington an und sprintet danach atemlos durch immer neue Enthüllungen, Wendungen und Perspektiven. Obwohl Park Pyong-Ho als Hauptfigur inszeniert wird, wird immer wieder angedeutet, dass Kim Jung-Do nicht der offensichtliche Bösewicht ist – und das Ende stellt jede These dann noch mal völlig auf den Kopf.
Allerdings, und das ist der Pferdefuß, habe ich dem Frankster nach einer halben Stunde zugeflüstert "hast du irgendeine Ahnung, worum es geht?". Er hat den Kopf geschüttelt und die perfekte Analogie gefunden: "Das ist so, als würdest du einem Koreaner ohne Vorbereitung den Film DER BAADER MEINHOFF KOMPLEX zeigen."
Trotz aller Schauwerte und der großartigen Darsteller, die durchaus in der Lage sind, auch westliche Zuschauer prima durch die Laufzeit zu schleifen, überfordert HUNT Zuschauer aus dem nicht-asiatischen Raum, weil er intimes Wissen über seine Zeit voraussetzt. Und das ist sein größtes Manko.
Fazit: Ein großartig inszenierter Polit/Actionthriller vor authentischer Kulisse, der damit hadert, dass sein komplexes Handlungsgeflecht für Nicht-Koreaner kaum zu durchschauen sein dürfte. Daher nur 7 von 10 Punkten.
Der Frankster meint: "Ich liebe koreanische Filme, aber ohne Kenntnisse der historischen Ereignisse in Südkorea in den frühen 80er-Jahren saß ich nur fasziniert da, bestaunte die Actionszenen und hatte eigentlich keine Ahnung, worum genau es geht."
Perfekt zusammen gefasst. So habe ich das auch empfunden:
Ich glaube schon, dass ich hier einen guten Film gesehen habe. Allerdings kamen bei mir die üblichen Probleme hinzu:
Schade, ich glaube mit etwas mehr Ruhe hätte man hier sicherlich einen guten Film gehabt, der als Historienfilm sicher mehr zu erzählten gehabt hätte, als der Actionfilm, der er letztlich eigentlich sein wollte.
Ich kann dem Wortvogel und S-Mans Kommentar nur zustimmen. So viele der handelnden Personen haben hier eine geheime Agenda verfolgt, dass der einzige von dem ich mit Sicherheit sagen konnte, dass er kein Doppelagent ist der südkoreanische Präsident war – das machte es oft etwas frustrierend dem Geschehen zu folgen. Und das Finale fiel dann auch noch mal extra lang aus, wo ich innerlich schon damit gerechnet habe, dass der Film seine losen Enden aufräumt und Schluss macht.
Ein wirklich edel gefilmter (vor allem für ein Regie-Debüt!) Spionage-Thriller, der dazu noch mit einer Menge knackiger Action aufwartet. Ich finde auch, der Film schafft es, die Enthüllung von Donglims Identität recht lange hinauszuzögern, ohne dass man sich als Zuschauer verarscht vorkommt. Ich war sehr gut unterhalten!
Allerdings war ich wie der Wortvogel und die anderen Kommentatoren auch ein bisschen verwirrt, weil ich auch keine wirklichen Vorkenntnisse über die koreanische Militärdiktatur in den 80ern hatte. Auf der anderen Seite hat mir das Lust gemacht, mich mehr über diese Epoche zu informieren.