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Sep 2022

Fantasy Filmfest 2022, Tag 5, Film 4: OGRE

Themen: Fantasy Filmf. 22, Film, TV & Presse, Neues |

Belgien, Frankreich 2021. Regie Arnaud Malherbe. Darsteller: Ana Girardot, Giovanni Pucci, Samuel Jouy, Yannik Mazzilli, Fabien Houssaye

Offizielle Synopsis: Der achtjährige Jules und seine Mutter Chloé sind gerade in der französischen Provinz angekommen. Um ein neues Leben fern von den Erschütterungen der Vergangenheit zu beginnen, hat Chloé die Stelle als Dorflehrerin angenommen. Der Umzug aus der Stadt bedeutet jedoch eine große Umstellung und auch die Dörfler beäugen die Neuankömmlinge mit Skepsis. Seit dem ungeklärten Verschwinden eines Jungen kommt die eingeschworene kleine Gemeinde nicht zur Ruhe. Die Angst vor einem Biest geht um. Der Arzt Mathieu wiederum macht der attraktiven Chloé schnell Avancen, während er Jules auf immer übergriffigere Weise in die Schranken zu weisen versucht. Bald ist Jules überzeugt: Mathieu ist das Biest, das es auf die Kinder abgesehen hat, und seine Mutter und er sind in großer Gefahr.

Kritik: Ich bin so müde. Ich kann keine alten Häuser mehr sehen, in denen die Treppenstufen knarzen und die gemusterten Tapeten an der Wand Falten werfen. In denen die Menschen sich des nachts immer in der Dunkelheit voran tasten, statt das verdammte Licht anzumachen. Kinder, die immer nur in die Ferne starren und sich jeder Kommunikation verweigern. Stilles, ertragenes Leid, das in geflüsterten Gesprächen angedeutet wird. Die Welt als Jammertal, in der jeder Einbruch der Dunkelheit das Tor zur seelischen Leere öffnet.

In OGRE soll es um einen OGER gehen, kruzifix! Warum dreht sich dann alles um eine junge Lehrerin, die vom Ex verdroschen wurde und einen Neuanfang sucht? Warum sehen wir permanent dem autistischen Jules zu, der folgenlos sein Hörgerät an- und abstellt? Warum wird der aufkeimenden Beziehung zwischen Chloé und Mathieu mehr Raum gegeben als allem, was irgendeine Form von Spannung erzeugen könnte?

Klar ist der Oger nur eine Metapher, Parabel, oder welches andere Stilmittel hier korrekt genannt werden könnte. Er steht für die Überwindung der Angst vor dem Neuen, der toxischen Männlichkeit aus dem Dunkel, für das Finden der eigenen Kraft. Jules besiegt mit dem Oger die eigene Vergangenheit und öffnet seine kindliche Welt für die Möglichkeit einer neuen Vaterfigur.

Screentime des Ogers: ca. 40 Sekunden.

Ich bin so müde. Wo sind die Filme, die sich an ihren Locations freuen, die von Helden erzählen, die in Geschichte(n) eintauchen und das phantastische Genre als Spielplatz und nicht als Friedhof sehen? Nicht hier, wie es scheint.

Fazit: Eine sehr offensichtliche und wieder mal lähmend langsam erzählte Allegorie, die im Finale dann doch noch den Schwenk ins Okkult-Territorium macht. Too little, too late. 5 von 10 Punkten.

Der Frankster meint: “Psycho-Grusel aus Frankreich aus der Sicht eines kleines Jungen, der große Veränderungen in seinem Leben verarbeiten muss.”



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Marcus
Marcus
12. September, 2022 13:52

Scheint das nur so, oder ist das Festival heuer etwas… fußlahm?

comicfreak
13. September, 2022 12:18

Als Dorfbewohner jwd regt es mich langsam auf, dass es hier gruseliger sein soll als in der Großstadt

Zorc
Zorc
13. September, 2022 15:52

Der Text klingt eher nach maximal 3/10. Was muss ein Film tun um bei dir in die wirklich niedrigen Bewertungsgefilde abzustürzen?

Thies
Thies
17. September, 2022 01:50

Der Film hätte auch nach zwei Dritteln voller Andeutungen auf grausame aber wahrscheinlich natürliche Todesarten noch die Biege zum echten Horror nehmen können, wenn er denn den Mut gefunden hätte auch mal Butter bei die Fische zu geben und wirklich konkret zu werden. Der Möglichkeiten hätte es viele gegeben: z.B. hätte sich der Arzt als ähnlich Besitz beanspruchender Psychopath erweisen können, wie der Ex vor dem die beiden geflohen waren. Damit hätten wir vor der beeindruckenden Naturkulisse ein an “The night of the hunter” angelehntes Finale sehen können. Statt dessen gab es mal wieder ein bisschen Drama vor einer hübsch anzusehenden Fototapete – immerhin dynamischer inszeniert als “Valley of shadows” vor ein paar Jahren.