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Sep 2022

Fantasy Filmfest 2022, Tag 3, Film 3: SOMETHING IN THE DIRT

Themen: Fantasy Filmf. 22, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2022. Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead. Darsteller: Justin Benson, Aaron Moorhead, Sarah Adina Smith, Vinny Curran

Offizielle Synopsis: Levi ist gerade nach L.A. gezogen. Sein Nachbar John wohnt hier schon länger und lässt sich inzwischen weder von den Rauchschwaden der Waldbrände noch von grinsenden Kojoten auf dem Highway beeindrucken – von dem auf mysteriöse Weise schwebenden Aschenbecher in Levis Bude allerdings schon. Die beiden beschließen, das außergewöhnliche Ereignis mit Filmaufnahmen zu Geld zu machen. Doch es kommt zu weiteren unerklärlichen Vorfällen, und beim Versuch, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, geraten John und Levi immer tiefer in einen gefährlichen Strudel wilder Verschwörungstheorien.

Kritik: “beim Versuch, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, geraten John und Levi immer tiefer in einen gefährlichen Strudel wilder Verschwörungstheorien” – das sind so Anheizer-Sätze am Ende der Inhaltsangaben, die den Zuschauer ködern sollen und die oft Kappes sind. Ich kann euch versichern: auf einen “gefährlichen Strudel wilder Verschwörungstheorien” wartet ihr in SOMETHING IN THE DIRT vergeblich. Hätte mich bei einem Film von Benson/Moorhead auch gewundert.

Ich bin ja ein Fan von Benson/Moorhead. Nicht nur deshalb, weil sie mit SPRING und THE ENDLESS zwei der faszinierendsten Filme der FFF-Geschichte abgeliefert haben. Ich mag sie vor allem, weil sie mittlerweile Kommerzware wie SYNCHRONIC und sogar Marvel-Serien wie LOKI drehen und trotzdem noch Zeit finden, weiter ihre sperrigen Independent-Filme für wenig Geld zu produzieren. Sie haben ihre Wurzeln nicht aufgegeben – SOMETHING IN THE DIRT ist der perfekte Beweis.

Das hier ist “micro budget cinema” in Reinkultur: über weite Strecken nur zwei Sprechrollen, gespielt von den Regisseuren. Die anderen Figuren: vermutlich corona-bedingt nur als dokumentarische Einspieler. Eine einzelne Location – ein herunter gekommener Apartment-Komplex. Der Aufhänger: eine seltsame physikalische Anomalie in Levis Wohnzimmer, die den Naturgesetzen zu spotten scheint und sich mit präzisen Methoden provozieren und verstärken lässt. Die Neugier weicht der Gier und die Frage, ob man mit den Grundfesten der Wirklichkeit spielen sollte, gerät gefährlich in den Hintergrund. Und schließlich die Frage: ist das alles überhaupt wahr?

Benson und Moorhead sind Meister darin, die Eckpunkte der geschaffenen Welten nicht ans Licht, sondern nur in den Halbschatten zu zerren. Was wir sehen oder zu sehen glauben, wird oft nicht hinreichend erklärt. Wir müssen es annehmen, um auf unsicheren Füßen voran zu schreiten. Dann ein Schritt zurück: alles Fake? Ist die Antwort womöglich viel einfacher – oder viel komplizierter als gedacht?

Der Reiz erwächst dabei nicht nur aus dem Mysterium, sondern auch darum, wie die Protagonisten damit umgehen. Levi und John sind in ihrem jeweiligen Leben falsch abgebogen und dann gestrandet. Die entdeckte Anomalie schweißt sie zusammen, kann aber nie kitten, dass beide Männer grundsätzlich verschiedene Lebensläufe und Erwartungen mitbringen. Die sich zwischen ihnen entwickelnden Spannungen sind das Resultat eines tiefen generellen Misstrauens.

Zugegeben, das ist nicht so wildromantisch und verklärt wie SPRING oder so mystisch-dramatisch wie THE ENDLESS – aber Benson und Moorhead gelingt es erneut, fast zwei Stunden lang spannend zu machen, was nicht spannend sein dürfte. Männer, die auf Aschenbecher starren.

Fazit: Ein selbst für Benson/Moorhead-Verhältnisse sehr verschrobenes und vages Mikro-Budget-Experiment, das mit SPRING und THE ENDLESS an keiner Stelle mithalten kann, aber dennoch durch eigenwillige Figuren und eine zu ihnen passende Story überzeugt. 7 von 10 Punkten.

Der Frankster meint: “Wow, was für ein abgefahrener Trip. Ich kannte die beiden Regisseure noch nicht und muss baldmöglichst ihre früheren Filme nachholen.”

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Goran
Goran
10. September, 2022 14:09

Zwei Charismavakua überstrecken die begrenzte Grundidee mit ständigen Wiederholungen, halbgaren Andeutungen und einem Haufen Veschwörungstheorien, die nirgendwo hinführen.

So sehen wir die Szene des obgigen Feuerscreenshot X-mal, immer und immer wieder. Ist das so passiert? WHO CARES?

Dazu absolut dämlicher Müll, wie die Sache, mit der Chemikerin: “Sie ist Doktor..”, wir vermuten Expertin, “..in Musik”.
Steht halt dafür, wie alles nur so vielleicht wahr ist, und doch nicht, oder doch, oder….
Leider sehen wir aber Aufnahmen, die eben nicht von irgendjemand innerhalb der Filmwelt gemacht wurden, eine gewisse Wahrheit wird damit gesetzt, den Film schert das aber auch nicht.

Wem’s Spass macht, hier elend lange Stunden zuzusehen, wie alles als halbgelogen präsentiert wird, jeder seine Geheimnisse hat, aber doch verbunden ist, oder nicht, oder doch……. bitte, ich empfehle sich im Internet irgendein ARG zu nehmen.

Last edited 24 Tage zuvor by Goran
AlphaOrange
AlphaOrange
17. September, 2022 23:03
Reply to  Goran

Bin hier leider auch eher bei Gorans Meinung und habe keine spannenden fast zwei Stunden erlebt. Das “was ist echt und was nicht” verfing bei mir überhaupt nicht, weil erstens wie schon erwähnt, der Film viel zu oft aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters zeigt, was alles echt ist, und zweitens das auch völlig egal ist, da hier keine Geschichte erzählt wird, die irgendwie davon beeinflusst wäre. Es gibt hier schlicht keinen Plot und die Figuren tragen keine zwei Stunden.
In der Mitte gab es mal eine Phase, die mich köderte, als deutlich wurde, wie die Theorien der Beiden ins Absurde driften und zwangsläufig ins Nichts laufen müssen, aber .. das taten sie dann halt auch und damit war die Luft für mich wieder raus.

Thies
Thies
17. September, 2022 23:34

Ich bin nicht so streng im Urteil, wie die Kommentare vor mir, muß aber gerade im Vergleich zu ihren ersten drei Filmen deutliche Abstriche machen. Ihr Grundgerüst ist immer noch die Hinweise auf größere im Hintergrund arbeitende Kräfte durch authentisch wirkende Figuren zu erden. Hier werden die Theorien die sie verfolgen im Verlauf des Filmes immer abstrakter und durch die ständigen Meta-Kommentare dann auch noch zusätzlich verfremdet. Das hat immer noch charmante Momente, aber die knapp zwei Stunden ziehen sich doch sehr in die Länge.

Last edited 17 Tage zuvor by Thies