09
Sep 2022

Fantasy Filmfest 2022, Tag 2, Film 3: OLD PEOPLE

Themen: Fantasy Filmf. 22, Film, TV & Presse, Neues |

Deutschland 2022. Regie: Andy Fetscher. Darsteller: Melika Foroutan, Stephan Luca, Anna Unterberger, Otto Koch, Bianca Nawrath, Paul Fasnacht

Offizielle Synopsis: „Du sollst die Alten ehren, denn einst wirst du werden wie sie,“ mahnt die Bibel. Doch die Realität sieht schmerzlich anders aus im deutschen Institutionsalltag. Eines Tages platzt den wie Tiere gehaltenen Rentner:innen einer vergessenen Einrichtung mitten im Nirgendwo der Kragen. Chop, chop! Als erstes wird das Pflegepersonal zerfleischt, dann macht sich die wild entfesselte Seniorenbande auf zur fröhlich feiernden Hochzeitsgesellschaft nebenan. Die traut ihren Augen kaum, als sie die Scheintoten auf sich zuwanken sieht. Was passiert hier gerade? Und Opa ist auch noch unter dem wütenden Mob. Aber Ella und ihr Ex Lukas haben nicht viel Zeit zu fackeln, denn es gilt ihre Kinder zu beschützen. Diese Nacht wird eine Menge Blutzoll fordern.

Kritik: “Du sollst die Alten ehren, denn einst wirst du werden wie sie,“ mahnt die Bibel. Ist das so? Ich konnte die Stelle nicht finden, lasse mich aber gerne belehren.

Andy Fetscher hatten wir vor 11 Jahren schon – mit seinem URBAN EXPLORER war ich damals nicht gnädig:

“Das Drehbuch ist wirklich hummeldumm. Mehr noch: es ist darüber hinaus noch erschreckend hilflos und inkompetent. Die Dialoge kommen mit dem Holzhammer und lassen jede Natürlichkeit vermissen, sämtliche Beteiligten verhalten sich wie die letzten Vollpfosten, ständig werden Logiklöcher umschifft, in die andere Filme ganze Ozeandampfer versenkt hätten. Wir sehen keine Figuren, wir sehen Schauspieler. Wir hören keine Gespräche, wir hören Dialoge. An keiner Stelle schafft “Urban Explorer” trotz der authentischen und aufgeladenen Location das Kunststück, uns auch nur für eine Sekunde vergessen zu lassen, dass wir uns in einem Film befinden.”

Leider gilt all das auf den Punkt auch für OLD PEOPLE – schlimmer noch: Fetscher schreibt die Dialoge noch plumper, die Dramaturgie ist diesmal noch plakativer, so dass der Film immer wieder in die Parodie kippt. Nichts, wirklich gar nichts ergibt hier Sinn. Alte Menschen sind keine Zombies. Sie haben keine Superkräfte, können niemanden infizieren. Den Grüppchen ausgemergelter Senioren könnte man mit einem mittelmäßig motorisierten BMW den Garaus machen. Von ihnen geht keine Gefahr aus – was die Behauptung der Apokalypse durch den Rentner-Aufstand auch komplett lächerlich wirken lässt. Wie bei den Hunden in THE PACK und den Kindern in THE CHILDREN versucht der Film ständig, irgendwelche absurden Szenarien zu bauen, in denen die tatterigen Antagonisten überhaupt in der Lage sind, den Helden eine Bedrohung zu sein. Und das sorgt in seiner mühsamen Herbeifaselung für genau die Heiterkeit, die der Suspense jeden Stachel nimmt.

Alles an OLD PEOPLE ist über-dramatisiert, über-inszeniert, über-polemisiert. Die Welt des Films ist eine Welt aus verfallenden Beton-Ruinen, in der alte Menschen sabbernd in ihrer eigenen Scheiße in Altersheimen vegetieren, während die Wohlstandsgesellschaft von ihrer Leben Lohn feiste Feste feiert. Das ist die Idee, und die ist gut – aber als Sozialkritik und nicht als “Night of the living dad” wie hier.

Es hilft nicht, dass in Polen gedreht wurde: die verfallenden Location haben zwar einen morbiden Charme, wirken aber so gar nicht wie das Deutschland, in dem der Film spielen will.

Der Prolog ist der beste Teil des Films – und sehr offensichtlich “after the fact” nachgedreht worden, um den Einstieg des Films etwas weniger dröge zu machen.

Es ist wie immer: Ich sehe einen Film wie MOLOCH, frage mich, ob der deutsche Film so etwas nicht kann, und der deutsche Film sagt “halt mal mein Bier”, um zu beweisen, dass er es nicht kann.

OLD PEOPLE wurde von der Constantin produziert und von Netflix finanziert. Wenn DAS der Maßstab ist, sollte ich dringend wieder anfangen, Drehbücher zu schreiben – etwas Besseres als OLD PEOPLE schreibe ich besoffen mit beiden Händen auf den Rücken gefesselt und der Nase auf der Macbook-Tastatur.

Fazit: Senioren als Zombie-Ersatz in einem apokalyptischen Horrorfilm, der erheblich zu doof für sein Thema ist. Bemühte Darsteller und eine exzellente Kameraarbeit können nicht retten, was nicht gerettet werden will. 3 von 10 Punkten.

Der Frankster meint: “Der Film hatte einige gute Szenen, war aber auch an mehreren Stellen unfreiwillig komisch. Allein bei der Vorstellung des kleinen Jungen mit dem Asthma-Inhalator ahnte ich schon dass “Old People” kein Meilenstein des deutschen Horrorfilms wird.”



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

11 Kommentare
Älteste
Neueste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Jake
Jake
9. September, 2022 14:45

“Du sollst die Alten ehren, denn einst wirst du werden wie sie,“ mahnt die Bibel. Ist das so? Ich konnte die Stelle nicht finden, lasse mich aber gerne belehren.

Korrekt heißt es: “Vor einem grauen Haupte sollst Du aufstehen und die Alten ehren – selbst dann, wenn sie in Hoodies gewandet sind und der Rapmusik frönen.” 3. Buch Mose 19:32

Mia
Mia
9. September, 2022 18:16

Ich bin verblüfft wie jemand, der der Meinung ist: er könne besoffen ein besseres Drehbuch schreiben:
so plump und beleidigend Filmkritiken schreiben kann. Da kommt wohl der Neid heraus, solch eine Chance nie bekommen zu haben. Kritik immer gern und evtl. auch hier und da berechtig, aber solch eine Ausdrucksweise zeugt von mehr Klamauk als angeblich der Film.

Thomas Bunzenthal
Thomas Bunzenthal
12. September, 2022 19:02
Reply to  Torsten Dewi

Immer dieser Neid…

Bärbel
Bärbel
10. September, 2022 13:56
Reply to  Mia

wie kann man sowas schreiben bzw. behaupten, ohne das wenigstens einmal kurz gegengecheckt zu haben?

wie plump und wenig reflektiert kann man sein?

Goran
Goran
10. September, 2022 14:25

In Berlin waren Regisseur und große Teile der Crew da und verschwendeten nach dem Film erstmal Ewigkeiten mit der Frage, wer denn nun runter auf die Bühne wollte. “Kommt jetzt einfach alle!”, war schwerer, als gedacht, so dass nach den passenden Einzelaufrufen irgendwann auch nach der Netflix Liason gerufen wurde.

Gab aber dann auch kaum Publikumsfragen.

Als Infos:

  • Man hatte schon alle Locations in Deutschland, hat sich dann aber für’s exotischere Polen entschieden.
  • Beim Casting, die Probleme den Alten mitzuteilen, was man wollte, so dass eine Dame mit “perfektem Feengesicht” dann auch gleich wieder abreiste, wenigstens klang das so, da sie lieber nur “Großmutter mit Kindern” gespielt hätte.
  • Der Kern der Geschichte wäre Fetcher vor so zehn Jahren in der Festivalpause beim Anblick einer Rollatoroma in den Sinn gekommen.
  • Der polnische Schaupieler des Hauptalten gab Fetcher zum Abschied eine Club Mate mit selbst gebrautem Whiskey.

Nebenfrage, interessiert sowas hier?

Last edited 24 Tage zuvor by Goran
Howie Munson
Howie Munson
10. September, 2022 22:51
Reply to  Goran

Nebenfrage, interessiert sowas hier?

Klar. (;

Last edited 24 Tage zuvor by Howie Munson
Hanni
Hanni
10. September, 2022 23:46

Ich fand den Film voll geil. Ich hab es so verstanden, dass man am Anfang denken sollte, dass es jetzt so eine deutsche Schmonzette wird, aber dann halt alle brutal abgemetzelt werden!!! Fand ich mega!!!