04
Aug 2022

Final Thoughts: THE ORVILLE: NEW HORIZONS (spoilers)

Themen: Neues |

Die dritte Staffel ist rum – vielleicht die letzte. Zumindest gibt es momentan keine Anzeichen, dass Hulu oder MacFarlane weitere Episoden planen. Was eine Schande ist. Denn THE ORVILLE ist wahrlich nicht perfekt, aber immer noch das perfekte Gegenmittel zum überblasenen und auf vom eigenen Aufwand besoffenen aktuellen STAR TREK-Universum. Es ist “das bessere Star Trek”, wobei “besser” auch diesmal primär heißt, dass sich THE ORVILLE an klassischen TNG-Motiven bedient und in Sachen Aufwand und Inszenierung eher an die 90er erinnert. Hier wird gezeigt, was das Drehbuch verlangt – nicht mehr. Das ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass THE ORVILLE mit einem deutlich geringeren Budget auskommen muss.

Den Umzug von Fox zum Streamer-Hulu merkt man primär an der Laufzeit der Episoden. Befreit von den Zwängen eines Platzes in der rigiden Programmschiene, kann Seth MacFarlane jede Episode so lange laufen lassen, wie es ihm passt. Und wenn ich das richtig im Auge habe, läuft keine Episode weniger als 60 Minuten, manche kratzen mit über 80 sogar an Spielfilmlänge. Das ist nicht nur positiv: mehr ist nicht immer mehr, mehr ist auch gerne mal dünn. Als Drehbuchautor kann ich ein Lied davon singen, dass es Sinn macht, die erste Fassung konsequent zu straffen, weil es die Konflikte und Figuren besser fokussiert. Man merkt THE ORVILLE an, dass man das hier nicht für nötig gehalten hat. Während die Arc-Episoden davon profitieren, weil sie sehr viel Handlung in die Laufzeit pressen, spürt man bei “kleineren” Episoden recht deutlich, dass Wasser getreten wird.

Darüber hinaus…

Die Effekte

Die ORVILLE-CGI mag mit STAR TREK nicht mithalten können, entwickelt aber einen ganz eigenen Charme. Manchmal sieht es fast nach DOCTOR WHO aus:

Auch in Sachen Monster lässt man sich nicht lumpen:

Vor allem zahlt sich aber das Design aus – besonders die Weltraumszenen der Serie wirken oft wie prächtige Wallpaper für den Desktop:

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Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, die Serie wäre unterernährt oder billig.

Klar ist STAR TREK mutiger und zeitgemäßer, aber THE ORVILLE richtet sich eher an Zuschauer, die sich wünschen, TNG und DS9 wären nie zu Ende gegangen. Es ist Retro-Trek von Fans für Fans.

Gerade weil jede Trek-Serie und TNG ganz besonders ein “mixed bag” aus Highlights und Rohrkrepierern war, stört es mich nicht mal groß, dass auch THE ORVILLE sich neben rasanten und anrührenden Episoden auch immer mal wieder in “message shows” verrennt, in denen uns moralinsauer vorgekaut wird, was man aktuell in Kalifornien als “woke” betrachtet.

Die Stories

Wenn ich mir die Staffel in der Übersicht anschaue, dann zerfällt sie relativ passgenau in drei Teile: Einzelepisoden, Story-Arc, und Transgeschichten. Das ist für mich auch die Demarkationslinie dieser Staffel: NEW HORIZONS ist immer dann gut, wenn die Folgen sich entweder auf den sich hochschaukelnden Konflikt der verschiedenen Sternenmächte oder die Befindlichkeiten der Crewmitglieder konzentriert. Dafür ist der gesamte Strang über die geschlechtliche Selbstbestimmung der Maclans anmaßend, verlogen und nicht mal als Pausenfüller erträglich. Hier werden Sachen durchgewunken, auf die man ohne das “Hollywood mindset” gar nicht kommen würde:

  • Es geht um das Recht, Transkinder operativ geschlechtlich umzuwandeln
  • Es geht um das Recht, diese Kinder dann für die Trans-Szene konspirativ und illegal einzusetzen – auch wenn die Folgen Folter und Tod sind
  • Es geht um die Auflösung intergalaktischer Verträge und der erkämpften Balance der Kräfte, um einer illegalen Trans-Organisation einen Platz unter den Mächtigen einzuräumen (und alle Verfehlungen zu ignorieren)

THE ORVILLE macht sich dabei keinerlei Mühe, ambivalent oder differenziert zu sein oder dem SF-Szenario gar neue Aspekte für das Thema abzugwinnen – die Autoren lassen keine zwei Meinungen zu. Wie üblich. Diese sehr offensichtliche Agenda hat mir die entsprechenden Episoden komplett verleidet. Wer da weniger empfindlich oder THE ORVILLE für diese Diversitäts-Einstellung dankbar ist, wird und darf es gerne anders sehen.

Wirklich, wirklich auftrumpfen kann THE ORVILLE aber mit den freistehenden Episoden, insbesondere der TWILIGHT ZONE-Hommage “Mortality Paradox” und dem extrem starken Zeitreise-Drama “Twice in a lifetime”, das erneut zeigt, dass Malloy der vielleicht interessanteste Charakter der ganzen Serie ist.

Der Story-Arc um die Gefahr eines neuen galaktischen Krieges und den Zerfall der Allianzen ist dafür ganz großes Tennis in bester BABYLON 5-Manier, auch wenn die Parallelen zu Trump und den globalen Populisten generell mitunter etwas zu holzhammerig sind. Es ist schade, dass die Serie nicht damit endet.

Ja, das Ende. Ich will hier keinen Vergleich zu GAME OF THRONES ziehen, das wäre billig und nur Öl ins Feuer. Aber es ist mir ein Rätsel, wie man diese “Sex and the City”-Episode als Finale einer großen Weltraumoper ausstrahlen kann. Heiratsantrag, Junggesellenabschied, haufenweise Frauen sitzen rum, kreischen und diskutieren, es werden sentimentale Reden geschwungen. Und wieder wird für lustig gehalten, was unter umgekehrten Vorzeichen als sexistisch nicht mal die erste Drehbuchfassung überlebt hätte – ein Robot-Stripper:

Echt jetzt, THE ORVILLE? In satten 81 Minuten hattest du keinen Platz mehr für einen tatsächlichen Plot, irgendwas mit Spannung, was Überraschendes, was zum Spielen? Drei Wünsche auf einmal gehen nun wirklich nicht? Was für eine Schlaftablette zum Abschied einer holperigen, aber immer unterhaltsamen Serie…

Ich verstehe durchaus, was MacFarlane vorhatte. Er wollte zum Abschied mit einer versöhnlichen Episode und einem allgemeinen Gefühl von Freundschaft und der Hoffnung auf Frieden aussteigen. Wie Picard, der sich am Ende von “Gestern, heute, morgen” zum Pokerspiel seiner Crew gesellt:

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Aber es gibt einen Grund, warum das bei STAR TREK nur der Epilog eines hochdramatischen Zweiteilers ist, der die Plots und Themen der Serie noch einmal perfekt klammert. Der versöhnliche Prolog trägt nun mal keine 81 Minuten. Da hat MacFarlane böse gepatzt und ich nehme ihm das besonders übel, weil es die Staffel insgesamt schwächer wirken lässt, als sie ist.

Die Figuren

Inhaltlich habe ich mich gefreut, dass diesmal kein so großer Fokus mehr auf die Beziehung von Ed und Kelly gelegt wurde. Ihr permanentes “will they/won’t they” hatte sich deutlich dünn gelaufen. Leider wird damit die Romanze von Dr. Finn und Isaac Dreh- und Angelpunkt der gesamten Staffel, was ich vergleichsweise öde fand, denn bei allen Hindernissen und Konflikten wissen wir ja, dass die beiden sich lieben. Hier rutscht THE ORVILLE immer mal wieder gerne in Soap-Territorium ab. Das gilt auch für die “schwule Ehe” von Bortus und Klyden.

Ich bin jemand, der Seth MacFarlane immer gegen die Hater verteidigt hat, aber die dritte Staffel macht sehr deutlich, dass er gegen wirklich charismatische Schauspieler wie Anson Mount in STAR TREK: STRANGE NEW WORLDS nicht anstinken kann. Schlecht gekämmt und mit dauerndem Dackelblick ist er das Beta-Männchen unter den Weltraum-Kapitänen. Angesichts der generellen Woke-ness der Serie mag das aber sogar gewollt sein: Ed Mercer ist ein Anführer, der im Konfliktfall erstmal divergierende Meinungen sammeln geht. Kann man machen.

Über die Problematik der Beziehung Lamarr/Talla hatte ich schon geschrieben.

Das neue Crewmitglied Charly Burke wirkt anfänglich etwas zu simpel gestrickt, entwickelt sich dann aber doch zu einer vielschichtigeren Persönlichkeit, der eine Love Story mit Malloy förmlich aufgedrängt wird – die dann aber daran scheitert, dass THE ORVILLE aus Quotengründen Burke für lesbisch erklärt, was wirklich NULL Relevanz besitzt. Schade:

Fazit

THE ORVILLE ist auch auf der Meta-Ebene eine Art “kleiner Bruder” von STAR TREK: sichtlich aus dem gleichen Genpool, aber etwas weniger legendär, etwas weniger laut, etwas weniger eierschaukelnd. Eine Serie, der man nicht stolz einen Orden an die Brust hängt, sondern der man ermutigend auf die Schulter klopft. Ed Mercer fährt nicht den Mercedes der Sternenflotte, sondern den Golf.

Gerade weil der Anspruch geringer ist, weil man den Vorbildern huldigt, fällt die Serie auch nicht tief, wenn sie mal stolpert. It is what it is. Und ich für meinen Teil würde gerne noch weitere vier, fünf Staffeln sehen. Hulu – engage!

Wer nun doch neugierig geworden ist – hier sind die Promos der Staffel:

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5 Kommentare
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Christian Siegel
4. August, 2022 12:17

kann Seth MacFarlane jede Episode ZU lange laufen lassen” – freudscher Vertipper? 😉

Zum Rest – inklusive Kurzmeinungen zu den einzelnen Folgen (wie zuletzt bei SNW) – äußere ich mich, wenn ich Gelegenheit hatte, das (hoffentlich nur Staffel-)Finale anzusehen.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
4. August, 2022 14:30

Durch die ersten zwei Staffeln arbeitsbedingt kurz durchgespult – der hier beschriebene 90er-Vibe trifft es ganz gut und in Zeiten von „The Expanse“ und Co. wirkt das Gezeigte doch schon arg billig.
Aber als Nicht-Star-Trek-Möger bin ich wohl auch einfach nicht die Zielgruppe *duckundweg*

Vader Ryderwood
Vader Ryderwood
4. August, 2022 15:56

Oh die Pokerrunde, Minute 2:29 hab ich als T-Shirt 🙂