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Mrz 2022

Spoilerzone: THE BATMAN

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Ich mühe mich ja mittlerweile, meine Reviews weitgehend spoilerfrei zu halten. Eine Ausnahme ist das Fantasy Filmfest, das die meisten von euch die Filme kaum jemals zu sehen bekommen. Das Problem: Ich MÖCHTE ja spoilern. Ich MÖCHTE über Logikfehler und Twists sprechen. Also mache ich ab heute – wenn es anliegt – eine Spoilerzone auf. In diesen Artikeln werde ich berichten, was mir aufgefallen ist und im Review keinen Platz hat. Darum solltet ihr diesen Bereich auch nur betreten, wenn ihr den Film selber gesehen habt – oder es euch schlicht nicht schert, wenn ihr gespoiltert werdet.

Ab hier gilt: proceed at your own risk.

THE BATMAN ist ein guter Film, das steht außer Frage. Aber man merkt ihm doch an, dass er sich an bestimmte Spielregeln halten und bestimmte Anforderungen erfüllen muss, die etwas im Gebälk knirschen. Es mangelt nicht an gut inszenierten, harten Kampfszenen. Schauen wir uns aber mal die drei Action-Highlights an, die den Begriff Blockbuster rechtfertigen sollen:

  • Batman springt vom Hausdach und sein Cape wird ein Wingsuit
  • Batman verfolgt den Pinguin im Batmobil auf dem Highway
  • Eine Flutwelle durchspült die Innenstadt von Gotham

KEINE dieser Szenen ist notwendig. Bruce hätte sich traditionell vom Haus abseilen und den Pinguin gleich am Anfang seiner Flucht rammen können. Die Flutwelle ist kompletter Murks, weil in der Arena sowieso eine Großveranstaltung mit tausenden VIP-Gästen stattfindet. Die Riddler-Truppe hätte einfach mit Maschinengewehren draufhalten können. Die Flut erfüllt keinerlei Funktion, sie forciert nichts, sie enthüllt nichts.

Es scheint mir sehr offensichtlich, dass Reeves hier die Wünsche des Studios nach Remmidemmi bedient hat und nicht die Notwendigkeiten der Story.

Wo wir gerade bei der Riddler-Truppe sind: es ist natürlich schon ein wenig inkonsequent, die Fights auf den Gangways über der Arena stattfinden zu lassen, die Bösewichte dann aber anzuleinen, damit sie ja nicht zu Tode stürzen (dem Rating und dem Credo Batmans geschuldet),. Ebenfalls in diese Schublade gehört Batmans gezischtes "no guns", als ob ihm nicht klar wäre, dass Polizisten NATÜRLICH ihre Dienstwaffen dabei haben und brauchen.

A propos Enthüllung: dass Bruce aus dem Teppichwerkzeug schließt, dass sich eine relevante Info unter dem Teppich befindet, ist ebenso hanebüchen wie die Tatsache, dass er es in der Sekunde tut, als die Bomben tatsächlich hochgehen.

Reden wir auch mal über das "44 Below". Ich glaube weder, dass städtische Honoratioren bei einem Gangster-Club nicht mal die Hintertür nehmen, noch dass dieser mindestens 20 Jahre existieren kann, ohne zumindest dem "größten Detektiv der Welt" aufzufallen (Selina erzählt ja, dass ihre Mutter sie bereits als Kind dorthin mitgenommen hat).

Die Szene, in der Selina Falcone konfrontiert, ist nicht sehr plausibel gebaut. Selinas Absicht, ihn zu erschießen, wird durch das Auftauchen eines Lakaien gestört. Gerade DADURCH hätte sie die perfekte Gelegenheit, Falcone abzuknallen. Er ist abgelenkt. Was hält sie auf? Und da sie wegen Annika sowieso Rache nehmen will, ist das zusätzliche Level "er ist mein Vater!" völlig verschenkt. Das kommt aus der Schublade "Drehbuchschreiben für Anfänger".

Der Moment, in dem der Riddler-Lakai "I am vengeance" sagt und Bruce zur Introspektion zwingt, ist fast schon ein "Martha!"-.Moment. Es wird völlig verzweifelt so hingebogen, damit es zur gewollten Erkenntnis des Helden passt.

Die ganze "rata alada"-Nummer fand ich extrem überzogen. Sowohl die Idee, dass sich hinter "You are El" der Begriff URL verbirgt, als auch die Tatsache, dass diverse Figuren sich den Schuh anziehen (Taube, Batman, Pinguin, Falcone). Bei Falcone ist es besonders absurd, denn NIEMAND bezeichnet Falken als "Ratten der Lüfte".

Es hakt sowieso an der Logik, nach der Riddler Bruce ans Leder will: "sins of the father" ist kein Argument. Bruce kann nichts für die (angeblichen) Verfehlungen von Thomas Wayne und alle anderen Opfer des Riddler sind korrupte Verbrecher. Die Story versucht lediglich, den Kampf Batman/Riddler "personal" zu machen, auch wenn die Motivation des Bösewichts das nicht hergibt.

Eigentlich gefällt mir die Tatsache, dass Batman in diesem Film nicht aus dem Nichts auftaucht und nach ein paar ominösen Sätzen wieder verschwindet ("how does he do that?"). Batman begleitet Gordon an Tatorte, geht durch Nachtclubs, greift in der Öffentlichkeit ein. Prima. Aber es passt halt gar nicht zum Prolog des Films, in dem Batman erzählt, dass die Schatten seine Waffe sind, dass die Bösewicht immer nur glauben, ihn zu sehen.

Wenn die gesamte Oberliga von Gotham korrupt ist – wie konnte Jim Gordon sauber bleiben?

Wie konnte 20 Jahre niemandem auffallen, dass die Mittel aus dem Renewal-Programm niemals der Stadt zugute kommen?

Ist Mitchell mit 30 erstmals Bürgermeister geworden?

Wer zur Hölle baut eine Stadt an der Küste UNTER Meeresspiegel?

Wieso wurde Bruce 20 Jahre lang in Ruhe gelassen – hätte Falcone nicht versuchen müssen, ihn ebenfalls auf seine Seite zu ziehen?

Und noch ein wenig Erbsenzählerei zum Schluss. Ich LIEBE das Kostüm. Sicher das beste, das es je in einem BATMAN-Film zu bewundern gab. Es macht vor allem Sinn: Die Kappe gibt dem Kopf ausreichend Bewegungsfreiheit (siehe Burton/Keaton als Gegenbeispiel), aber genau deswegen braucht das Cape einen Kragen, um den Nacken zu schützen. Einzig ein oft vorgebrachtes Argument greift auch hier: warum überhaupt ein Cape? Es ist in den Kampfszenen mitunter ersichtlich, dass es Bruce behindert. Bösewichte können ihn einfach dadurch aus dem Gleichgewicht bringen, in dem sie daran zerren. Es kann hängen bleiben, sich über seinen Kopf schlagen, verheddern. Es. Ist. Unpraktisch.

Die Antwort darauf lautet natürlich: He’s Batman. He wears a cape.

Wer sich übrigens selber ein Logo im THE BATMAN-Stil bauen will, kann das tun.

Das ist so die erste Sackladung an Sachen, die mir zu THE BATMAN noch eingefallen sind. Stimmt ihr zu? Würdet ihr widersprechen? Habt ihr andere Hühnchen mit dem Film zu rupfen? Lasst es mich wissen.



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Goran
Goran
3. März, 2022 14:16

Erstmal Danke für Review und Spoilerzone.

thor
thor
3. März, 2022 14:31

"Wer zur Hölle baut eine Stadt an der Küste UNTER Meeresspiegel?"

Niederländer ? 😉

thor
thor
3. März, 2022 16:39
Reply to  Torsten Dewi

Naja, aber so wie es gerade aussieht wird in Zukunft vieles unter dem Meeresspiegel gebaut sein 😀 😀

Matts
Matts
6. März, 2022 14:39
Reply to  thor

Stimmt. Die Antwort ist vielleicht globale Erwärmung. So kaputt wie die Welt im Film ist schreitet sie schneller voran ; )

Franz
Franz
4. März, 2022 17:38

I like. Ich bin mittlerweile mehr daran interessiert, was Kenner und Könner an einer Produktion finden, als diese tatsächlich zu sehen. Ein Grund, warum ich den Critical Drinker gerne anschaue. Es wird (im bescheidenen Rahmen eines Youtube-Videos) auf die tatsächlichen handwerklichen Fehler geschaut, im guten, wie im schlechten.

Und wenn sichs dann doch mal ergibt, verändert es den Unterhaltungswert in eine Richtung, die zumindest ich mag.

Also gerne mehr davon.

gerrit
gerrit
6. März, 2022 09:42

Nur ein komplett Lebensmüder würde sich mit einem Wingsuit in Häuserschluchten fallen lassen… Oder sich aus einer Höhe von mehr als 5 Metern in Wasser plumpsen lassen, in dem er danach knien kann. Ab davon: Ich dachte, nach Nolan könnte nichts mehr kommen. Aber dieses Team hat mich widerlegt. Allein die Stimme. Und der Beleuchter/Verdunkler hat einen Oscar sicher.

Julian
Julian
6. März, 2022 09:58

Der Riddler gibt am Ende zu einen persöhnlichen Groll gegen Bruce Wayne zu haben. Daher halte ich es für Glaubwürdig das er die Chance nutzt Bruce auf seine Todesliste zu setzten auch wenn dieser es eigentlich nicht verdient hätte.

Das die Flut komplett sinnlos ist, ist mit im Kino nicht aufgefallen. Dafür aber wie bescheuert es ist den Evakuierungstreff für eine Flutkatastrophe unter Strassenniveau zu haben.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
23. Mai, 2022 11:24
Reply to  Torsten Dewi

Ja, das mit der Arena habe ich null verstanden. Die Bomben bringen nix zum Drama außer einen schicken Schauwert. Und die werden nichtmal genutzt, die nächsten Einspieler könnten auch in einer sehr verregneten Nacht spielen – Flut sieht für mich anders aus. Das ist so inkonsequent das Ganze, da würde mich nicht wundern, wenn das durch Studiointervention reinkam oder aber ein großer Teil des Drehbuchs kurzfristig umgeschrieben wurde.
Zudem hätte der Riddler doch viel mehr Impact gehabt, wäre das eben nur bei der Wahlveranstaltung passiert. Oder sollte das Chaos wegen der Evakuierung vielleicht den Terroristen länger Zeit geben rumzuschießen?

Matts
Matts
6. März, 2022 14:47

Angesichts der Tatsache wie dark & gritty der Film ist, war ich tatsächlich überrascht, dass alle beteiligten Mtglieder der Rogues Gallery den Film überleben. Wenn ich mich grade nicht irre, ist der einzige andere Film, wo das passiert ist, BATMAN AND ROBIN. (Ok Carmine Falcone hat´s erwischt, und der Charakter ist auch eine feste Größe im Batman-Lore).
Was denkt ihr eigentlich über das Joker Cameo am Ende? Angesichts der Kürze will ich jetzt nicht sagen "Schlimmster Joker Ever" – aber gebraucht hat´s das wirklich nicht. Das sah auch sehr nach Studio-Forderung aus.

S-Man
S-Man
8. März, 2022 21:28

ENDLICH kann ich die beiden Artikel lesen… Puuh, war das hart!

Ich persönlich fand den Film im Großen sehr gelungen. Es ist zwar lang, aber nicht langweilig. Er hat den Mut, die langsamere Erzählweise der großen Batman-Klassiker auf die Leinwand zu bringen. Das hast du ja auch geschrieben, ich hätte hier "The Long Halloween" als Beispiel gebracht, aber wir meinen das Gleiche. Und das durchaus mit Erfolg.

Für mich war der Film eine rundum klassische Batman-Geschichte. Düster. Detektivgeschichte, spannende Umsetzung der Charaktere.

Jetzt das Aber und der Punkt, an dem ich dir zumindest im Moment noch, extrem widerspreche: Ich werde mit der Figur des Batman selbst nicht warm. Ich komme partout nicht an Robert Pattinson ran. Ich mag sein Gesicht nicht, seine Statur hat absolut nix von Batman, seine Stimme ist nicht Batmans. Das Kostüm scheitert für mich einerseits an ebenjenem Kragen, den du gut findest. Ich finde ihn grauenhaft. Und das Cape wirkt irgendwie immer… fehl am Platze. Es hängt einfach nur so runter wie ein einfacher Stofffetzen und endet für mein ästhetisches Empfinden zu weit oben. Obwohl es der Handlung zuträglich ist, komme ich auch nicht damit klar, dass Batman an eine Tür klopft und sich dann durch einen Club drängelt. Batman klopft nicht an. Batman ist einfach da.

Und kommt es zu dem, was du treffend beschrieben hast: Es dreht sich nicht nur um Batman. Die Figur kann völlig losgelöst von der Story betrachtet werden. Die Figur kann gut oder schlecht gefunden werden, unabhängig ob man die Story gut oder schlecht findet. Damit hadere ich als Hardcore Batman-Fan sehr. Tolle Batman-Geschichte, mindestens gewöhnungsbedürftiger Batman. Ich hätte gern den Nolan/Bale-Batman in dieser Story gesehen. Ich glaube, das wäre für meinen Geschmack perfekt. Oh, wie vermisse ich Bale gerade!

Zu den eigentlichen Action-Problemen des Films wurde genug gesagt. Dennoch meine 5ct dazu: Ich fand den Wingsuit-Einsatz spannend. Auch gefiel mir der Beginn der Szene: Batman ist endlich auf einem Hochhaus. Endlich die berühmte Batman-auf-Gargoyle-Szene! Stattdessen Überraschung und Zurücktaumeln. Das kam sehr überraschend, aber ich musste schmunzeln. Doch das Ende der Szene war einfach nur absurd. Batman klatscht mit voller Wucht gegen die Brücke. Jeder, auch ein gerüsteter Batman wäre auf der Stelle tot. Er steht auf, als wäre nix gewesen. Ebenso die finale Szene am Stromkabel. Erst schneidet er ein Starkstromkabel durch, das hätte ihn das erste Mal umgebracht. Dann stürzt er aus irrer Höhe in brusttiefes Wasser. Zweites Mal tot. Wenn man im Zusammenhang von Batman von "unglaubwürdig" reden kann… dann hier. Das war leider sehr schade und hätte nicht sein müssen.

Die letzte Anmerkung zum Thema "Zeit" und "das hätte alles schon vor Jahren auffliegen müssen". Generell gebe ich dir recht. Allerdings hätte ich es so verstanden, dass der Film erst im zweiten Batman-Jahr spielt. Am Anfang schreibt er irgendwo in ein Tagebuch mit dem Titel "2. Jahr" oder so ähnlich. Auch die Äußerungen der Nebencharaktere ala "Endlich wirst du mal bekannt" oder so, zeigen doch eine sehr frühe Phase des Charakters. Dennoch hätte er es gewusst. Es ist fucking Batman! Nur eben nicht schon vor Jahrzehnten.

Final: Warum zur Hölle schon wieder Joker? Hatten wir nicht genug Joker in den letzten Jahren? Hat Batman nicht zigdutzend spannender Gegner? Warum immer wieder Joker?