07
Mrz 2022

First Look: GUARDIANS OF JUSTICE, OUR FLAG MEANS DEATH, TROPPO, THE BOYS PRESENTS: DIABOLICAL

Themen: Film, TV & Presse |

Ich habe diese Woche ein wenig Freizeit genutzt, um diverse Serien-Neustarts zu schauen. Ein paar stehen noch aus (z.B. MURDER IN PROVENCE), andere habe ich erstmal auf Halde gelegte (die zweite Staffel PICARD ging mir bereits nach zehn Minuten unsäglich auf den Senkel). Wie üblich schaue ich mich dabei eher etwas abseits vom Mainstream um, weil – Mainstream kann jeder.

THE GUARDIANS OF JUSTICE

Den Anfang macht eine neue Superheldenserie, die wie THE BOYS, JUPITER’S LEGACY und INVINCIBLE ein dunkles Spiegelbild der Justice League präsentiert, um daraus eine genüssliche und gewalttätige Dekonstruktion des DC-Universums zu stricken. Es ist erstaunlich, wie sehr allein die Tatsache, dass eher selten das MCU gespiegelt wird, ein Beleg dafür ist, dass eben doch Superman und Batman deutlich ikonischere Figuren sind als Captain America und Hawkeye.

In den erstmal sieben Folgen auf Netflix geht es um die Zeit "nach Marvellous Man", in der die verbleibenden, deutlich minderen Helden versuchen müssen, das Erbe ihres Anführers anzutreten – was auch dadurch erschwert wird, dass MMs Ableben einen Haufen Fragen offen lässt.

Die Tatsache, dass ich vorher rein gar nichts von THE GUARDIANS OF JUSTICE gehört hatte, ist vielleicht damit zu entschuldigen, dass es sich eben nicht um eine dieser blankpolierten Edel-Serien im MCU/DCEU-Stil handelt:

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Ja, das ist eine sehr räudige, kantige Nummer, dynamisch und brutal, mit erkennbar geringem Budget, aber einer wilden Entschlossenheit, den Mangel an Möglichkeiten durch Exzesse wett zu machen: Realfilm, Zeichentrick, 8bit-Computergrafik – alles geht und alles vermischt sich zu einer inhaltlich vertrauten, stilistisch aber aus allen Nähten platzenden Comicpunk-Miniserie, auf die man sich einlassen muss – oder eben nicht.

Klar knirscht das an vielen Ecken und Enden, einige der Darsteller sind bestenfalls okay und Kostüme wie das von Knight Hawk laden eher zum gepflegten Gekicher ein – aber hier wird endlich mal nicht versucht, auf ganz dicke Hose zu machen, hier gibt es feurige Bratwurst statt fettes Heldensteak. Mir gefällt’s – was sicher auch an der erfreulich knapp bemessenen Laufzeit liegen mag.

THE GUARDIANS OF JUSTICE ist übrigens das "brain child" von Adi Shankar, der (vermutlich von sich selbst) gerne als "indischer Quentin Tarantino" bezeichnet wird und in jungem Alter schon eine beeindruckende Menge an soliden Credits in den Bereichen Film, Fernsehen und Webvideo mitbringt. In seiner ständig durchschimmernden Selbstüberschätzung (und der Tatsache, dass er auch in TGOJ selber eine kleine Rolle spielt) erinnert er mich aber eher an den "indischen M. Night Shyamalan" (was redundant ist, ich weiß).

Nichtsdestotrotz: "Fetzig" ist ein Attribut, das man heute viel zu selten für Serien verwenden kann und darum bleibe ich dran.


OUR FLAG MEANS DEATH

Eine Piraten-Comedy aus der Werkstatt von Taika Waititi mit Rhys Darby, dem ewigen Nebendarsteller aus FLIGHT OF THE CONCHORDS, WHAT WE DO IN THE SHADOWS und GUNS AKIMBO? Sign me up!

Nicht so schnell.

Ob einem OUR FLAG MEANS DEATH gefällt, ist sehr stark abhängig davon, wie man diesen Trailer aufnimmt:

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Ist das rasend komisch? Schmeißt es euch förmlich vom Sofa? Oder ist das ein Fall von "wenn DAS exemplarisch für die ganze Serie steht…"?

Meine Vermutung ist, dass man den ganz besonderen Humor von David Jenkins mögen muss. Er hat die Serie erfunden und von ihm stammte schon PEOPLE OF EARTH, was auch nicht so mein Ding war. Die erste Episode von OUR FLAG MEANS DEATH besteht im Grunde aus missmutig rumsitzenden "Piraten", die darüber nachdenken, ihren lahmarschigen Kapitän von der Planke hüpfen zu lassen.

Ich versteh’s nicht. Ist das komisch? Soll das komisch sein? Wird das noch komisch?  "Drollig" ist vielleicht das gnädigste Adjektiv, das mir einfällt. Aber "drollig" reicht nicht, um mich weiter am Fernseher zu fesseln. Bei diesem Segelschiff herrscht Flaute.

Our flag means schnarch.


TROPPO

Bei TROPPO verstehe ich schon den Titel nicht, denn die achtteilige Miniserie des australischen Fernsehens basiert auf einem Bestseller mit dem deutlich knackigeren Titel CRIMSON LAKE. Den hätte man beibehalten sollen.

Es geht um die psychisch angeknackste Amanda Pharrell, die als Tätowiererin ebenso erfolglos ist wie als Privatdetektivin, und die sich eher aus Not mit dem Ex-Cop Ted Conkaffey zusammen tut, dessen Sauferei noch sein geringstes Problem ist. Die Suche nach einem verschwundenen Ingenieur wird für beide eine Chance, auch mit eigenen Dämonen ins Gericht zu gehen:

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Das ist sehr, sehr solide Krimikost mit sympathisch schrägen Charakteren und einem Blick in eine ganz andere Ecke von Australien als z.B. in THE TOURIST. Zwar braucht es eine Weile, bis man sich in der Figurenkonstellation zurecht findet und ein Interesse für den tatsächlichen Fall entwickelt, aber dann kann die ziemlich edle Produktion durchaus fesseln.

Wer seine Krimis gerne hartgekocht und in sich abgeschlossen mag, ist hier richtig.


THE BOYS PRESENTS: DIABOLICAL

Ich gestehe, dass es mir noch nicht gelungen ist, in THE BOYS reinzukommen, obwohl mir die erste Episode seinerzeit sehr gut gefallen hat. Ich weiß auch, dass das eine Scharte ist, die es noch auszuwetzen gilt. Aber kein Grund, mir nicht dennoch den ersten Ableger der Serie zu Gemüte zu führen – Zeichentrick:

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Man merkt es schon: stilistisch hängt man sich an Vorbilder wie Tex Avery, Rick & Morty, Anime und das DCEU. Jede Folge hat einen anderen Look, eine andere Tonalität. An Gewaltexzessen und Humor wird nicht gespart und auch Leute wie ich, die mit THE BOYS nicht bis in die Details vertraut sind, dürften sich amüsieren. Dank der geringen Laufzeit von ca. 15 Minuten pro Episode ist DIABOLICAL aber natürlich eher eine Fingerübung, eine hübsche Überbrückung bis zur nächsten offiziellen Staffel. LOVE, DEATH & ROBOTS ist besser, aber das hier ist auch weit entfernt von schlecht.



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Thomas Hortian
7. März, 2022 10:23

THE GUARDIANS OF JUSTICE hab ich auch schon durch (okay, Kunststück bei sieben Episoden von 25-35 Minuten Länge). Fand ich ganz nett, wenn auch viel zu wenig eigenes eingebracht wird; das ist inhaltlich eigentlich fast alles von THE BOYS, POWERS und vor allem WATCHMEN geklaut. Der wilde Stilmix wirkt gerade anfangs eher unbeholfen. Ab der dritten Episode findet das zum Glück etwas gradliniger zusammen, da wechseln dann nur noch Realfilm, eine dominante Zeichentrick-Variante und die Videospiel-Sequenzen in den Kämpfen. Es zeugt dennoch von enormer Kreativität, die nur richtig kanalisiert werden will. Ich mag die Grobheiten, die billigen Sets und Kostüme, selbst die fette 80s-Retro-Kelle wird hier mal konsequent reingehämmert (auch wenn es dank alternativer Geschichtsschreibung doch recht komische 80er-Jahre sind). Das Staffelfinale fand ich dann aber seltsam unbefriedigend. Darf aber gerne noch eine zweite folgen (was auf dem Markt derzeit aber schwierig sein dürfte, die letzten beiden Superhelden-Serien hat Netflix sang- und klanglos abgesetzt).

Kai
Kai
7. März, 2022 11:14

Ist "Raised by Wolves" Mainstream? Egal, Staffel 2 ist ja gerade am Start und ich bin schon ganz wuschig. 🙂