15
Feb 2022

Kino Kritik: UNCHARTED

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2022. Regie: Ruben Fleischer. Darsteller: Tom Holland, Mark Wahlberg, Tati Gabrielle, Antonio Banderas u.a.

Offizielle Synopsis: Der clevere Dieb Nathan Drake wird von dem erfahrenen Schatzsucher Victor „Sully“ Sullivan angeworben, um ein Vermögen zu bergen, das Ferdinand Magellan vor 500 Jahren verloren hat. Was als große Heist-Aktion beginnt, entwickelt sich für das Duo zu einem rasanten Wettlauf um die Welt, um den Schatz vor dem skrupellosen Moncada zu erreichen, der glaubt, er und seine Familie seien die rechtmäßigen Erben. Wenn Nate und Sully alle Hinweise entschlüsseln und eines der ältesten Rätsel der Welt lösen können, haben sie die Chance, eine Beute im Wert von fünf Milliarden Dollar und vielleicht sogar Nates lange verschollenen Bruder zu finden…

Kritik: Die Verfilmung der UNCHARTED-Videospiele war ja nun schon eine ganze Weile in der Mache. Die Fans hatten immer Nathan Fillion als den perfekten “Nathan Drake” gesehen, aber er ist nun mal TV-Schauspieler und Tom Holland ist Marvel-Superstar. Da gibt es eine klare Hackordnung.

Man kann die Frage stellen: wie gut KANN ein Film wie UNCHARTED überhaupt sein? In besten Fall kommt ein gelackter Blockbuster dabei raus, der in gut getakteten Abständen Rätsel and Action an Rätsel and Action reiht und eventuelle Lücken im Skript mit coolen Sprüchen füllt. Die Welt des Amerikaners ist sein Abenteuerspielplatz. Mehr ist angesichts der Vorlage nicht drin und jede Veränderung in Richtung tatsächliches Drama würde die Fans verärgern.

Klar muss man den Figuren ein bisschen mehr Background geben, den Darstellern ein bisschen Raum, um die Charaktere mit Leben zu füllen. Die mechanischen Ziele der Spiele (Hinweis A, Gegenstand B, Gewinn C) müssen mit persönlichem Einsatz und Beziehungen unterfüttert werden. Realismus rauffahren, weil es hier nicht um gerenderte Modelle von der Festplatte geht – Realismus runterfahren, weil das Finale mit anderen Blockbustern konkurrieren muss.

Und genau das ist es dann auch geworden: eine angemessen gute Adaption einer monströs erfolgreichen Videospiel-Reihe, die rausholt, was man aus so einem Stoff rausholen kann. Kein großer Wurf für das Kino, aber das war eben auch nie Verhandlungsmasse.

Es drängt sich der Vergleich zu RED NOTICE auf, der in Sachen Figurenkonstellation und “globetrotting treasure hunting” die gleichen Felder beackert. UNCHARTED ist tatsächlich im relativen Sinne besser, denn seine Darsteller verlassen sich nicht ganz so sehr auf den Autopiloten (Gadot schön, Ryan lustig, Rock kräftig), die exotischen Schauplätze sind nicht alle schmerzhaft offensichtlich der Greenscreen entsprungen und vor allem das Finale wartet mit einem Spektakel auf, das mich rechtschaffen beeindruckt hat. Und ich bin wahrlich nicht mehr leicht zu beeindrucken.

Aber wie gesagt: “besser” als RED NOTICE ist in diesem Fall nicht wirklich “gut”. UNCHARTED bleibt immer strikt in den Vorgaben und den Möglichkeiten seines Genres gefangen. Wer diese Sorte Film mag, macht nichts falsch. Aber wer damit nichts anfangen kann, wird auch hier nicht bekehrt.

Ich könnte nun noch ein paar Details bemäkeln – die vorgezogene Actionszene zu Beginn ist ein offensichtlicher Taschenspieler-Trick, um den Zuschauer über den erfreulich ruhig erzählten ersten Akt zu hieven und riecht nach “studio interference” im Schneideraum. Der Plot ist so hanebüchen, dass man als Zuschauer sein Gehirn in Standby zwingen muss, um sich nicht im Kinosessel zu winden. Die erste von zwei großen Action-Sequenzen leidet massiv unter dem “Knetgummi-CGI-Männchen”-Syndrom. Dafür ist der Rest des Films erfreulich geerdet und die Darsteller hängen sich sichtbar rein. Aber nichts davon ist ein “dealbreaker” oder ein “dealmaker”. It is what it is.

Fazit: Generischer Abenteuer/Schatzsucher-Film im LARA CROFT-Stil, der sämtliche Absurditäten mit sympathischen Darstellern und viel handgemachter Action überspielt und zumindest bis zum Nachspann gut unterhält.

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8 Kommentare
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Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
15. Februar, 2022 10:07

Also genau wie erwartet abgeliefert. Damit kann man leben. Muss ja zum Glück nicht jede Videospielverfilmung den Qualitätslimbo machen wie Resident Evil.
Am Ende sind die Filme ja nur dazu da die Marke bekannter zu machen und so neue Fans anzuziehen.

Marcel
Marcel
15. Februar, 2022 11:08

Die Spielereihe ist seit 2016 abgeschlossen, insofern geht es tatsächlich eher darum die Bekanntheit der Marke noch etwas abzuschöpfen, als dass man sich hier um Cross-Promo bemüht.

Marcel
Marcel
15. Februar, 2022 10:58

Nathan Fillion und JK Simmons wären für Fans der Spiele tatsächlich die Idealbesetzung gewesen. Eines der Markenzeichen der Serie ist, dass die längeren Kletter- und Actionsequenzen zwischendrin immer mit leichtherzigem Geplauder der Protagonisten aufgelockert wurden, was ja Fillion auch immer ganz gut hinbekommen hat. Allerdings muss man zugeben, dass Fillion mittlerweile 10 Jahre zu alt für die Rolle ist.

Allerdings hat Spidey ja auch immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, insofern könnte das schon passen, auch wenn Holland im Vergleich zum Spiel-Charakter wiederum 10 Jahre zu jung ist.

Dein not great, not terrible Urteil reicht mir in dem Fall, um mich auf den Film zu freuen.

PurpleDragon
PurpleDragon
15. Februar, 2022 13:29
Reply to  Marcel

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist der Film zeitlich vor den Spielen angesiedelt, die Darsteller “dürfen” also jünger sein als im Spiel. 😉

jimmy1138
jimmy1138
15. Februar, 2022 16:51
Reply to  Marcel

Und Tom Holland (bzw Mark Wahlberg) sind 10 Jahre zu jung. Bzw würde ich in einem generischen Abenteuerfilm – den Status der beiden Schauspieler mal ausgeklammert und nur die Altersverteilung betrachtend – ja eher Wahlberg als Hauptdarsteller und Tom Holland als Sidekick besetzen.

Goran
Goran
15. Februar, 2022 13:17

Wie erwartet, also gerade so noch kurzweilig.

Da ich mit Holland aber leider einfach nicht wirklich warm werde, rein persönlich zieht der mich einfach nicht mit und ich ihn für Drake wirklich fehl besetzt halte, kann ich mir den nach dieser Einscchätzung dann auch sparen.

Schade.

Last edited 7 Monate zuvor by Goran
Matts
Matts
16. Februar, 2022 13:31

Da stimme ich zu. Das hier ist sicher nicht die neue Offenbahrung unter den Action-Adventure Filmen, hat aber einige Sachen gemacht, die mir echt gut gefallen haben. Gerade das Finale fällt für mich in die Kategorie: “Ok, das ist ziemlich dumm – aber auch ziemlich cool!”
Ich würde auf jeden Fall auch den angeteasten nächsten Teil gucken – sofern der hier genug einspielt, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen.
Was mich etwas überrascht hat, ist als ich in den Credits gesehen habe, dass Ramin Djawadi die Musik gemacht. Und die fand ich eher so beliebig-langweilig. Der Mann hat schon bewiesen, dass er das deutlich besser kann.