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Feb 2022

BRAVO-Zeitreise: Altes für die Jungen

Themen: BRAVO!, Film, TV & Presse |

Ich habe in den letzten Monaten nicht mehr so viel über die Digitalisierung meines Archivs berichtet. Das heißt nicht, dass ich nicht fleißig war. Nach diversen Versuchen mit Overhead-Scannern und Handys und Profi-Kopierern bin ich am Ende dort gelandet, wo ich hätte anfangen können: beim simplen Duplex-Multifunktionsdrucker in meinem Home Office. Der hat mir zum Jahreswechsel 21/22 mehrere tausend Seiten alter Zeitschriften klaglos gescannt.

So vermelde ich denn heute: Ich habe sie alle. Alle Ausgaben der BRAVO von 1957 bis 1990, alle Ausgaben der TITANIC von 1978 bis 2020, alle Ausgaben der CINEMA von 1977 bis 2000, alle Ausgaben des deutschen MAD von 1967 bis 1995, alle Ausgaben ZACK von 1972 bis 1980. Dutzende weitere Magazine mit weniger Ausgaben (VAMPIR, PHANTASTISCHE ZEITEN, X-RATED, TURI2 EDITION). Noch umfangreicher: die Ordner mit den englischsprachigen Zeitschriften.

Das nimmt nicht nur weniger Platz weg – ich habe auch alles in der Cloud sofort verfügbar, wenn ich mal was suchen sollte. Mein gesamtes Medienarchiv habe ich nun auf dem Handy. Und wer meint, dass man so etwas doch niemals braucht, der irrt: es hat sich schon erstaunlich oft als extrem praktisch erwiesen.

Mit der SPLATTING IMAGE bin ich noch nicht fertig, aber das wird. Es fehlen noch einzelne Ausgaben der VAMPIR. Von den englischsprachigen Heften dürfte sich ruhig mal wer an die frühen Jahrgänge der SFX geben, das schaffe ich selber nicht – die zwölf Ausgaben der Schwesterzeitschrift CULT TV sind aber aufgetaucht.

Was fehlt? Ich hätte gerne den deutschen PLAYBOY der 80er gescannt, der war Teil meiner Jugend. Und die HÖRZU der 80er, für die dasselbe gilt.

Nun sehe ich den Sinn dieser ganzen Sammlungen auch darin, dass ich Erinnerungen mit euch teilen kann. Mit der BRAVO machte ich ja neulich schon den Anfang – und mit der BRAVO soll es heute auch weitergehen. Ich habe auf Facebook nämlich in den letzten Wochen immer wieder interessante Cover eingestellt, die teilweise heftig diskutiert wurden. An dieser Stelle sammle ich das noch mal, und zwar in chronologischer Reihenfolge.

August 1956 – die erste BRAVO überhaupt.

Die ersten 31 Ausgaben der BRAVO trugen die Unterzeile “Die Zeitschrift für Film und Fernsehen”. Danach hieß es 18 Ausgaben lang “Die Zeitschrift mit dem jungen Herzen” – mit einer Ausnahme: Ausgabe 16/57 trug noch mal die alte Unterzeile. Ab Ausgabe 34/57 hörte man dann ganz mit den Unterzeilen auf.

Als Meat Loafs Album BAT OUT OF HELL Ende der 70er ein globaler Bestseller war, gönnte die BRAVO dem übergewichtigen Sänger mit den schwitzigen Haaren nicht einen einzigen Cover-Aufmacher. Als “Rock” waren damals nur Status Quo und AC/DC covertauglich. Armselig. Also im Gedenken an einen anderen großen Toten – ein Cover von 1957:

Ende der 60er ein fast so häufiger Cover-Boy wie Rex Gildo – und 2022 steht “der Tiger” immer noch voll im Saft. Schmunzelvergleich: Auf diesem Bild ist Tom Jones so alt wie Justin Bieber heute. Und ja, 1968 verriet die BRAVO ihren Leserinnen noch nicht alles über Analverkehr, sondern über die Aussteuer.

Volker, der “Junge des Jahres 1975”. Das sagt viel über die Schönheitsideale der 70er aus. Ich hätte Bruce Lee gewählt.

Geil, geiler, Jürgen Marcus!

Penny McLean – mehr Schlag in der Hose geht nicht.

Die 70er waren eine andere Zeit: BRAVO fand die gerade mal fünfzehnjährige Kinski-Tochter “erregend”…

1977 – die BRAVO erklärt ihren Lesern den Punk.

BOAH! Wenn ich diese Ausgabe damals gesehen hätte – das Poster hätte vermutlich zehn Jahre lang die Wand im Kinderzimmer geziert.

Eine Sternstunde des Kinos UND des Fernsehens! Dazu die korsettierte Jodie Foster, Cat Content, UND eine Anleitung “Wie Du einen Freund kriegst” – was mehr konnte man sich 1980 wünschen?!

Dieses Cover berührt gleich zwei Themen, die ich immer wieder diskutiere: In den 70ern war die Sexualität junger Mädchen deutlich enttabuisierter als heute – Nastassja Kinski, die Fotos und Filme von David Hamilton, die Schulmädchen-Reports. In diesem Fall die gerade mal 15jährige Desirée Nosbusch als Pinup, das sein Bikini-Höschen einladend aufklappt. Heute käme niemand mehr darauf, so etwas abzudrucken. Es zeigt aber auch, dass bei Fräulein Nosbusch die viel kolportierte Empörung über die eigenen Nacktszenen (nach dem Motto “ich konnte ja nicht ahnen, dass man das alles sehen kann!”) auch Spuren von Heuchelei enthielt. Sie hat sich gerade in jungen Jahren sehr deutlich über ihre Äußerlichkeit vermarktet.

Oktober 1982 – Zeitenwende. Der zynische Schlagetotfilm WHO DARES WINS bekommt dank “Profi” Lewis Collins ein Poster spendiert, Nasti ist ausnahmsweise nicht nackt, die Neue Deutsche Welle startet durch, nach ihrem Sensationsauftritt im MUSIKLADEN kommt erstmals “Rock-Mieze” Nena (klein) aufs Cover. Vor allem aber: nach ein paar Experimenten in den Wochen zuvor werden die Buchstaben des BRAVO-Logos nun dauerhaft unterschiedlich eingefärbt. It’s the 80s, baby!

Die 80er waren ein ewiger Gewissenskonflikt: Duran Duran und Nena Sticker? Gerne! Aber dann rumlaufen mit einem Modern Talking-Cover? Niemals!

Auch die BRAVO trommelte 1985 für LIVE AID – das Cover ist ein 80er-Popkonzentrat der Spitzenklasse.

Die Wende vom monochromatischen Porträt-Cover mit O.W. Fischer, Pierre Brice und Marianne Koch zur Pop-Collage machte die BRAVO übrigens Mitte 72 – ich vermute, man stellte einen neuen Art Director an. Danach galt: mehr aufs Cover packen, als manche andere Zeitschriften im Heft unterbringen. Das hier scheint mir eins der krassesten Beispiele zu sein. 1985 Overload.

Im Vorfeld von Tim Burtons BATMAN wurde erstmals die TV-Serie zum Flattermann mit Adam West ausgestrahlt. Bis dato war in Deutschland ja nur der Kinofilm BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM zu sehen gewesen. Die BRAVO machte ein großes Fass über mehrere Hefte auf – dass die “neue” Serie schon satte 23 Jahre auf dem Buckel hatte, ließ man geflissentlich unter den Tisch fallen.

Was sind eure spezifischen BRAVO-Erinnerungen? Was war “eure” Ära? Wer waren eure Stars? Glam Rock oder Eurodance, Disco oder Techno?



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Jake
Jake
2. Februar, 2022 11:54

Auf diesem Bild ist Tom Jones so alt wie Justin Bieber heute.

Was zur Hölle?!

In den 70ern war die Sexualität junger Mädchen deutlich enttabuisierter als heute – Nastassja Kinski, die Fotos und Filme von David Hamilton, die Schulmädchen-Reports. In diesem Fall die gerade mal 15jährige Desirée Nosbusch als Pinup, das sein Bikini-Höschen einladend aufklappt. Heute käme niemand mehr darauf, so etwas abzudrucken.

Das Reizwäsche-Poster von Jodie Foster in der 80er-Ausgabe fällt übrigens auch in diese Kategorie. Das Bild stammt aus dem Film “Jahrmarkt”. Bei den Dreharbeiten war Foster noch minderjährig (16 oder 17).

Jake
Jake
2. Februar, 2022 14:01
Reply to  Torsten Dewi

Klar, das ist natürlich ein Unterschied. Ich hätte jetzt auch nicht kommentiert, wenn’s ein Foto gewesen wäre, das in einem Artikel zum Film abgedruckt worden wäre. Als Poster hat es für mich allerdings schon auch ein Geschmäckle.

Last edited 10 Monate zuvor by Jake
Jake
Jake
2. Februar, 2022 14:26
Reply to  Torsten Dewi

Das “Geschmäckle” natürlich aus heutiger Sicht, bezogen auf Deinen Satz “Heute käme niemand mehr darauf, so etwas abzudrucken”. Damals hat das keinen gejuckt, klar.

Simop
Simop
2. Februar, 2022 12:26

Puh, die abgebildeten 80er-Jahre Hefte hatte ich. Erst vor wenigen Jahren habe ich einen uralten Ordner mit unter anderem genau diesen Stickern final entsorgt 😂

Marko
2. Februar, 2022 12:40

Fantastisch. Das ist gelebte, ich würde sogar sagen: sinnvolle Nostalgie. Ich bin mehr im Bereich Computerspielzeitschriften unterwegs, aber auch ich genieße es, ein Jahrzehnte umfassendes Digital-Archiv zu besitzen. Langsam überlege ich, mir eine eigene Lebenschronik in Jahresordnern anzulegen, jeder Ordner gefüllt mit den Medien, die mich damals prägten, plus persönliche Erinnerungen, Fotos und Dokumente. Das Sortieren und Pflegen stelle ich mir außerordentlich befriedigend vor.

Jens
Jens
2. Februar, 2022 13:22

Ich bin ein bißchen sehr neidisch auf die Zack-Sammlung!
Die hinterlassenen Hefte meines Cousins waren seinerzeit die einzige Motivation für die ansonsten eher nervigen Besuche bei Onkel und Tante…
Mein Lebenstraum ist bis heute ein 911er Targa wie ihn Rick Master fuhr.
Dan Cooper, Michel Vaillant… Ich habe gerade derbe Flashbacks!

tokra
tokra
2. Februar, 2022 15:39

https://archive.org/details/magazine_rack

ist hoffentlich den Magazin-Interessierten bekannt. Gerade alte Computerzeitschriften sind recht gut gepflegt.

Stefan
2. Februar, 2022 16:11

“Who Dares Wins”. Da lief vor meinem geistigen Auge sofort das Computerspiel ab, das ich damals auf dem C128 gezockt habe.
https://www.youtube.com/watch?v=WbdSvfxf6eQ

Moepinat0r
Moepinat0r
2. Februar, 2022 19:53

Als Kind der 90er ist mir die bravo primär als Mädchen-heft in Erinnerung geblieben, folglich hat sie mich auch nie interessiert. Naja, bis auf die random Nackedeis, die sie in jedem Heft abgelichtet haben…
Was hatte das eigentlich damit auf sich? Was haben sich Jugendliche damals damit erhofft, sich vor aller Welt zu entblößen? So weit ich das in Erinnerung habe, waren das ja ganz normale teenies, keine Sänger oder Schauspieler, die irgendwas zu promoten hatten. Glaub das würde heutzutage gesellschaftlich auch komplett anders bewertet werden als damals.

S-Man
S-Man
2. Februar, 2022 20:10
Reply to  Moepinat0r

Ich stimme zu. Ich kenne die Bravo auch ausschließlich als Mädchenzeitung. Keiner meiner männlichen Freunde hat (offen) Bravo gelesen. Aber natürlich hat man immer (natürlich totaaaal ironisch) mitgelesen, wenn es sich mal anbot und die irgendwo rumlag. Wie bei der BILD…

Volker
Volker
2. Februar, 2022 20:38

Auf die Splatting Image bin ich echt neidisch. Meine Sammlung hat irgendwann der Schimmel gefressen. Digital wäre das nicht passiert.
Was hält die Verlage eigentlich davon ab, mit dem eigenen Archiv selber Geld zu verdienen?

Fake
Fake
2. Februar, 2022 22:32
Reply to  Volker

Ich vermute mal Urheberrechte – afaik müssten die alle Texter, Fotografen und Zeichner um die Erlaubnis für die digitale Veröffentlichung/Vertrieb fragen, da die ja ursprünglich nur für Print lizensiert wurden.

Volker
Volker
3. Februar, 2022 06:37
Reply to  Torsten Dewi

Danke für die Erklärung. Was für ein Krampf.

Maximilian Frömter
Maximilian Frömter
3. Februar, 2022 11:37

Das Jürgen-Drews “Kissogramm” ist ein merkwürdig angemessenes Tüpfelchen auf dem i für das Horror-Cover. Ansonsten tolle Erinnerungen an die 80er. Ich und meine Freunde hatten damals das etwas spezielle Hobby, in Altpapiercontainern nach alten “Playboys” etc. zu fischen. Meist musste man sich mit dem Beifang von “Bravo” begnügen – besser als nichts. Selbst gekauft habe ich die Zeitschrift nur, wenn coole Sylvester Stallone Poster oder Sticker beilagen.

Marko
3. Februar, 2022 13:30

Zu den Computerspielezeitschriften ein kleiner Nachtrag, weil es hier noch nicht erwähnt wurde: Auf der Seite kultmags.com kann man, völlig legal, ein großes Archiv an deutschen PDF-Jahrgängen herunterladen. Von ASM über PowerPlay bis hin zu PC Games & Co. ist da eine große Bandbreite vorhanden.

Ist vielleicht für den ein oder anderen hier ganz interessant zum Schauen und/oder Sammeln.

Matts
Matts
3. Februar, 2022 17:03

Das war mal wieder ein echt cooler Trip in die Vergangenheit. Danke dafür!
Die BRAVO hab ich tatsächlich nie gelesen – wahrscheinlich wegen des auch schon in anderen Kommentaren erwähnten Rufs als “Mädchenheft”.

Mark
Mark
3. Februar, 2022 17:32

Ich würde manches geben für die Jahrgänge der Hörzu von 1975 bis Ende der 80er. Leider sind die Ausgaben bei ebay reichlich teuer, während die Cinema, von denen ich ganze Jahrgänge demnächst zum Altpapier geben will, keinen interessiert.

Maximilian Frömter
Maximilian Frömter
4. Februar, 2022 10:59
Reply to  Torsten Dewi

Ein ehemaliger Kollege (Aus meine “Ice Planet”-Zeit! Wann kommt Dein Artikel?) von mir hatte tatsächlich alle Ausgaben der “TV Movie” gesammelt und ich konnte das nie verstehen. Möglich, dass er sich damit jetzt eine stabile Altersvorsorge aufgebaut hat, aber der wahrscheinlichere Grund dafür ist, dass er doch ein ziemlicher “Hoarder” war.

Gerrit
Gerrit
4. Februar, 2022 04:03

Ein Nenn-Onkel hatte einen Job in der Bauer-Druckerei. Komischerweise fiel mir das erst während der Pubertät auf. Da ich an Mädchen sehr interessiert war, wollte ich wissen, was die interessiert, darum und weil sie mich nichts kostete, las ich die Bravo. In der Bauer-Druckerei wurde übrigens auch derber Schweinkram gedruckt, daneben wirkt die Bravo wie das Liborius – Blatt…