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Dez 2021

Kino Kritik: SPIDER-MAN – NO WAY HOME (spoilerfrei)

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2021. Regie: Jon Watts. Darsteller: Tom Holland, Zendaya, Benedict Cumberbatch, Marisa Tomei, Jon Favreau, Paula Newsome und eine Sackladung erwartbarer und überraschender Gaststars

Story: Peter Parkers Leben ist die Hölle, seit die Welt erfahren hat, dass er Spider-Man ist (siehe SPIDER-MAN – FAR FROM HOME). Als die unerwünschte Popularität die Zukunftschancen seiner Freunde bedroht, bittet er Dr. Strange um Hilfe. Bei dem folgenden holperig und unsauber formulierten Zauberspruch geht jedoch einiges schief und die Konsequenzen könnten nicht nur für dieses Universum fatal sein…

Kritik: Das hier wird eine sehr frustrierende Kritik. Die Stars selber haben in einer Videobotschaft vor dem Screening gebeten, den Film nicht zu spoilern. Ich weiß, dass viele meiner Kollegen sich nicht daran halten werden. Ich weiß auch, dass viele Details bereits durchgesickert sind über das Multiverse und das Auftauchen der Bösewichte aus den früheren Spider-Man-Filmen von SONY. Die Gerüchteküche brodelt und ab heute wird der Deckel gelüftet. Aber ich kann, ich will mich dem nicht anschließen. Weil SPIDER-MAN – NO WAY HOME in der Tat mehr gewinnt, je weniger man vorab weiß. Er ist ein Blockbuster ebenso wie eine Wundertüte oder Weihnachten.

Aus diesem Grund muss ich mir so vieles verkneifen, das ich euch erzählen möchte. So viele Details, so viele Wendungen, so viele kleine und große Dramen – denn wahrlich, ich sage euch: der hier sollte besser THE ULTIMATE SPIDER-MAN oder SPIDER-MAN – NO WAY! heißen.

Kann es so etwas wie einen "perfekten Film" geben? Vermutlich nicht. Aber wenn man zugesteht, dass es einen perfekten Comic-Superheldenfilm geben kann, dann gesellt sich SPIDER-MAN – NO WAY HOME in die illustre Runde. Film, Meta-Film, Retro-Film, Crossover und doch ganz bei sich selbst, packt er das ganze Spider-Man-Universum von Marvel in gut zweieinhalb Stunden, schlägt es kaputt, sortiert es neu, und baut es wieder zusammen. Er erschafft passend zum Multiverse eine Multi-Continuity, die wirklich alles in eine Realität zwingt und harmonisiert.

Das ist so… phantastisch. So bezaubernd. So überlebensgroß. So erschütternd. So witzig. So einfallsreich. So unfassbar. Niemand, wirklich NIEMAND kann das Gigantomane so nahtlos neben das Intime stellen, der Explosion einen nicht minder gewaltigen Augen-Blick folgen lassen wie Marvel.

Es gibt im Genre der Superhelden-Filme eine Faustregel: zu viele Bösewichte sind der Franchise Tod. BATMAN & ROBIN, SPIDER-MAN 3, AMAZING SPIDER-MAN 2 – sie alle litten unter einem Overkill an Schurken. Aber selbst diese Faustregel muss mit SPIDER-MAN – NO WAY HOME ad acta gelegt werden, denn der Film jongliert mit einem halben Dutzend Protagonisten und einem ebenso großen Aufgebot an Antagonisten. Und dennoch wirkt das, was bei schwächeren Filme wie der Aufmarsch einer Prügelspiel-Truppe aussehen würde, aus einem Guß, perfekt unterworfen den Themen Verantwortung, Vergebung und Verarbeitung.

Ebenso wie NO TIME TO DIE und GHOSTBUSTERS: LEGACY ist SPIDER-MAN – NO WAY HOME ein Film, der sehr stark die Geschichte seiner Figuren aufgreift und deshalb mehr Wirkung entfaltet, je mehr man "drin" ist als Marvelite. Nicht missverstehen: auch als alleinstehender Blockbuster wird alles aufgeboten, was den Neuling begeistert. Aber innerhalb des Marvel-Kinos der letzten 20 Jahre bietet NO WAY HOME so unendlich viel mehr, und das geht weit über bloße Cameos wie im letzten CRISIS-Crossover hinaus. Das hier geht in die Vollen und an die Substanz. Ja, es gab diverse Szenen, da hatte ich Pipi in den Augen. Bei anderen hat das halbe Kino geklatscht. Die Darsteller, besonders jene, die ich an dieser Stelle nicht nennen darf, leisten Unglaubliches.

SPIDER-MAN – NO WAY HOME gelingt das Kunststück, mehr zu sein als der beste Spider-Man-Film. Er ist schlicht DER Spider-Man-Film. Und sein goldenes Licht strahlt auf alle Vorgänger, die ihm den Weg bereitet haben.

Wenn DAS nach den schwachen Intermezzi BLACK WIDOW und SHANG-CHI die erste volle Breitseite von Marvels Multiversum ist, kann ich nur sagen: her damit!

So fing vor 19 Jahren (!) alles an:

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Und jetzt das:

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We’ve come a long way, baby…

Fazit: Die Widerlegung aller (auch meiner) Unkenrufe, dass Marvel nach dem ENDGAME die Puste ausgeht. Der perfekte Blockbuster mit dem ganz großem Spektakel und den ganz großen Gefühlen.



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Tom
Tom
14. Dezember, 2021 18:00

"Die Darsteller, besonders jene, die ich an dieser Stelle nicht nennen darf"

Aha! (Glaube ich zumindest.)

Tom
Tom
16. Dezember, 2021 18:12
Reply to  Torsten Dewi

Okay, ich bin gespannt!

Marko
14. Dezember, 2021 19:15

Geilgeilgeil. Freu mich über die Kritik und auf den Film. Letzteres zwar sowieso, aber jetzt noch mehr.

Und herzlichen Dank für die No-Spoiler-Politik. Ich versuch den Film so schnell wie möglich zu gucken, damit mir das keiner versaut…

Sven
Sven
15. Dezember, 2021 08:10

Ich bedanke mich auch für so großartige "no-spoiler-Kritiken". Ich freue mich wie Bolle auf den Kinobesuch morgen, obwohl ich "Far from Home" recht schlecht fand.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
15. Dezember, 2021 20:59

Ticket für morgen ist gebucht – mein erster Kinobesuch seit Pandemie-Start, aber ich halte das Risiko für vertretbar mit frischem Booster und Zwangsabständen. Im Gegensatz zu Black Widow (habe ich in meiner MCU-Sammlung hinter Civil War gepackt, da passt sie zeitlich am besten hin bis auf die Endcredits), Chang Chi (besser als gedacht, aber reichte mir im Heimkino) und Eternals (werde ich wohl aus Gewohnheit holen, habe da sehr niedrige Erwartungen) will ich hier nicht ein halbes Jahr warten, bis die Blu-Ray erhältlich ist.

Moepinat0r
Moepinat0r
16. Dezember, 2021 20:37

Bisher war mein Interesse an dem Film eher so Mittel, aber nach dieser Kritik muss ich ihn mir doch möglichst bald geben. Was war übrigens deine Meinung zu „into the spider-verse“? Der wurde ja von vielen als Meisterwerk und teilweise auch als bester Spider-Man Film bisher gehandelt. Klingt so als wäre „no way home“ deutlich besser.

Oibert
Oibert
16. Dezember, 2021 21:33

Heute im Kino gewesen.
Volle Punktzahl – und in den ersten paar Minuten sogar noch mit der aktuellen Hawkeye Folge verbunden. Hat alle meine sehr hohen Erwartungen erfüllt!

Sven
Sven
17. Dezember, 2021 09:10

So, gestern gesehen und es war ein mehr als würdiger Abschluss der aktuellen Trilogie, die sogar "Far from Home" vergessen lässt, obwohl der darauf von Szene 1 an natürlich aufbaut.
Ansonsten muss ich aber sagen, dass es für mich nur eine wirkliche Überraschung gab – ich sag nur "Backstein". Das öffnet viele Türen und hat mich richtig gefreut – gefühlt hatte im Kino außer mir und meiner Frau wirklich keiner Ahnung, wer das war – traurig… (meine Tochter ist altersmäßig entschuldigt;-)
Die anderen Auftritte waren ja mehr oder weniger schon so durchgesickert, dass man das auch so im Vorweg mitbekommen hat, ohne näher danach zu suchen. Mehr sag ich nicht.

Sven
Sven
17. Dezember, 2021 10:44
Reply to  Torsten Dewi

Ja, da dürfte noch was kommen – ich freue mich diebisch darauf. Auch weil der "Backsteinfänger" eine der besten Marvel-Serien war/ist, die ich bis heute gesehen habe (und ich habe alle gesehen und bin bei Hawkeye auch up to date).
Zu Frau und Tochter habe ich im Scherz noch gesagt, dass Teile des letzten Abschnitts eine halbe Superhelden-Selbsthilfegruppe gewesen sind – You are amazing;-)

Matts
Matts
17. Dezember, 2021 11:19

Auch gestern drin gewesen. Spätestens nach dem Wortvogel-Review MUSSTE ich das Risiko eingehen (immerhin in Spätvorstellung mit Maske).
Es ist wirklich der absolute Wahnsinn, was dieser Film alles auffährt, ohne auseinander zu fallen. Ich bin sowas von begeistert! Ein kleines bisschen mehr J.J. Jameson hätte ich vielleicht gewünscht, aber der Film musste ja so schon genug jonglieren.
An einigen Stellen hat er mich sehr an INTO THE SPIDERVERSE erinnert (das sollte hoffentlich kein Spoiler sein – der Multiversum-Aspekt wird ja im Trailer schon sehr klar). Und von dem kommt ja nächstes Jahr auch der 2. Teil.
Sehr, sehr gute Zeiten für Spider Man!

S-Man
S-Man
19. Dezember, 2021 21:05

"Wenn man an Enttäuschungen glaubt…"

Genau so, bin ich in den Film gegangen.

Warum? Die Gerüchteküche und die letzten Marvelfilme haben mir gesagt: Das wird nix. Zu groß wäre das Ganze, um es in einen Film zu stecken, einen Teenie-Film noch dazu. Und dann tat ich noch etwas, was ich mir eigentlich immer bisher verkniffen habe, und las den ersten Satz deiner Kritik.

"Dies hier wird eine sehr frustrierende Kritik." Ich hörte auf zu lesen und fand mich in meinen Vorurteilen bestätigt.

Die Karten hatte ein Freund schon gekauft, also trotzdem rein. Ein Saal voller Teenies. Rechts neben mir erklärte nochmal ein gefühlt 14jähriger seinen 10 Buddies das MCU. Na das konnte ja Eiter werden.

Und dann DAS!

AMAZING!

Wo anfangen zu schwärmen? Wo weiter machen? Wo (niemals) enden?

Wir Hammer war das denn bitte?

NOCHMAL! NOCHMAL! Ich habe geheult, gelacht, geheult, gefeiert!

Danke, Gott des Films!

Ach ja, der "Backstein" hat mir ein lautstarkes "Oh, Yeah!" entlockt. Vier Filme später als ich gehofft hatte, aber trotzdem sensationell!

Heino
Heino
19. Dezember, 2021 21:10

Eben gesehen und ich bin schwer begeistert. Der Film dürfte nach aller Logik nicht funktionieren (zu viele Charaktere, zu viel Ballast aus der Continuity), aber irgendwie haben die Macher es geschafft, das perfekt auszutarieren, so dass nichts zu kurz kommt. Im Gegensatz zu Far from home wird es hier auch nicht mit dem Humor übertrieben, hin und wieder wird es etwas zu melodramatisch, dafür gibt es eine wirklich extrem rührende Szene kurz vor dem Ende, die sogar mir altem Zyniker die Tränen in die Augen getrieben hat. Der Multiverse-Aspekt wird hier noch besser als bei "Into the Spider-Verse" genutzt und die Paarung Strange/Spider-Man finde ich noch besser als die mit Iron Man. Es gibt wieder zwei Post Credit-Szenen, die beide wichtig sind.

S-Man
S-Man
20. Dezember, 2021 08:39

So, nach einer Nacht drüber schlafen (die Euphorie hält an) stellt sich mir eine Frage:

So großartig das Kinoerlebnis war, was vollständig außer Frage steht, wie wird es beim zweiten oder dritten Mal schauen sein?

Für mich besteht die "Magie" des Films in den Überraschungen, den unerwarteten wie den erhofften. Auch die Spannung, wie die vielen Protagonisten und Antagonisten wohl miteinander agieren/harmonieren können.

All das ist beim zweiten Mal schauen bekannt und damit weg. Kann sich der Film darüber hinaus mit seiner Story oder ähnlichem wirklich halten? Kann der Film so werden, wie bspw. (bleiben wir im MCU) der erste Avengers, Civil War oder eben auch Infinity War/End Game, die auch bei mehrfacher Wiederholung noch Spaß machen.

Bei diesem Film habe ich gerade nicht das Gefühl, dass die Story es hergibt, über die tollen Emotionen hinaus bestehen zu können. Kann mich aber auch täuschen…

Heino
Heino
20. Dezember, 2021 16:03
Reply to  S-Man

Naja, die Spider-Man-Filme waren inhaltlich nie hoch anspruchsvoll, da war eigentlich immer die Umsetzung wichtiger. Und die ist hier imho neben Spider-Man 2 am besten gelungen, daher bin ich eher zuversichtlich, dass der Streifen auch mehrfach gut ansehbar bleibt

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
21. Dezember, 2021 20:48

Endlich auch schauen können und ich bin noch begeisterter als erhofft – vor allem die Dialoge zwischen drei bestimmten Personen waren mit Kenntnis älterer Werk ein einziger Genuss und die Kritik, dass dem MCU-Spiderman ein wesentlicher Moment fehlte, hat sich ja auf unerwartete Weise erledigt. Vor allem bin ich froh, dass da keine Digital-Avatare auftraten, sondern die echten Darsteller!

Jake
Jake
22. Dezember, 2021 11:20

Normalerweise gucke ich keine Marvel-Filme im Kino, aber des Wortvogels überschwängliche Kritik hat mich dann doch neugierig gemacht und ins örtliche Lichtspieltheater getrieben. Ich und meine Begleiter wurden nicht enttäuscht. SPIDER-MAN – NO WAY HOME ist ein wahrlich tolles Kinoerlebnis!

dermax
dermax
26. Dezember, 2021 13:37

Hab mir damit an Heiligabend das Warten aufs Christkind verkürzt und kann den Jubelstürmen nur zustimmen, mehr Spider-Man geht einfach nicht. Wenn, dann gibts minimale Abzüge in der ersten halben Stunde, dass Peter und Friends als Verbrecher gebrandmarkt werden, ergibt wenig Sinn, auch hier wieder die Frage: wo sind all die anderen Avengers?
Und auch die Endkonstellation erzeugt Stirnrunzeln, aber da bin ich mal gespannt, wie damit umgegangen wird.
Ist es ein Spoiler, dass man nach der Mid-Credit-Sequenz gehen kann, weil am Ende nur noch ein Trailer folgt, den auch YT bietet?

Edin Basic
Edin Basic
28. Dezember, 2021 07:11

Danke an den Hausherren.Ohne seine wundervolle Kritik hätte ich den Kinobesuch nicht gemacht.
Der Cast des Films ist wunderbar.
Marisa Tomei ist für mich aber eine unglaubliche Wiederentdeckung.
30 Jahre nach Mein Cousin Vinny.
Die Szene mit Tom Holland.Ihr wisst schon welche.Da lösten sich die Schleusen.

Dietmar
2. Januar, 2022 20:50

Kommen gerade aus dem Kino. (Endlich mal nach so langer Zeit; so klasse unser Heimkino auch ist, ich liebe echtes Kino.) Ich war mir sicher: Nach "Endgame" ist auserzählt. Reicht. Na gut, gucke ich noch den einen Spiderman danach, dann ist aber gut. Und dann kommt der hier – und ich bin wieder Feuer und Flamme.

Inkonsequenz hat auch was für sich.

Dietmar
2. Januar, 2022 21:11

Ach, und das fällt mir auch noch ein: Mit einem Neffen haben wir gerade die Marvel-Kino-Filme durchgeguckt (Außer "Captain Marvel" und "The Increadible Hulk"). Und damit er auch gut auf den Kino-Besuch vorbereitet ist, "Spiderman 1 u. 2". Ich war überrascht, wie gut ich "Spiderman 1" heute noch finde. Ein wirklich guter Film.