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Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 4, Film 4: OSS 117: FROM AFRICA WITH LOVE

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

Frankreich/Belgien 2021. Regie: Nicolas Bedos. Darsteller: Jean Dujardin, Fatou N’Diaye, Pierre Niney, Natacha Lindinger, Wladimir Yordanoff

Offizielle Synopsis: Wir schreiben das Jahr 1981 – Discomusik ist auf dem absteigenden Ast, US-Präsident Ronald Reagan bereitet sich auf die Amtseinführung vor und in Frankreich verehrt man immer noch das Baguette als Kulturgut. Auch in der Pariser Geheimdienstzentrale ist einiges los: Gerade erst ist Agent OSS 117 den Händen der russischen Folterknechte in der Hölle Afghanistans entkommen, aber statt die sexy Spionagelegende gebührend zu feiern, setzt man ihm den dauergewellten Jüngling Serge (alias OSS 1001) vor die Nase und beordert ihn sang- und klanglos zur Strafarbeit in die Computerabteilung.

Kritik: Ich habe den ersten OSS 117-Film geliebt. Mit dem zweiten Teil hatte ich dann schon meine Schwierigkeiten. Dieser Nachzügler ist, das schicke ich einfach schon mal vorweg, der endgültige Sargnagel der Franchise. Eine Totgeburt, die wie eine Abtreibung wirkt, denn das Drehbuch ist offensichtlich angetreten, die Figur OSS 117 nicht als sympathisch tumben Retro-Agenten, sondern als zutiefst rassistischen und unbelehrbaren Widerling zu zeichnen. Kein Film, eine Abrechnung.

Was bisher immer die comedy-treibende Unterströmung der OSS-Parodie war, wird nun zur Anklage erhoben: der Agent ist ein kolonialistischer Schlagetot im Dienste der hassenswerten "grande nation", metaphorisch wie faktisch impotent, seine eigenen homoerotischen Neigungen verleugnend und an keiner Stelle auf irgendeine Form von "Gerechtigkeit" aus.

Bis auf den Prolog und den Vorspann wird deshalb auch gar nicht mehr versucht, die Bond-Filme zu imitieren, ihre Eleganz, ihren Charme, ihre Extravaganz. Stattdessen treiben wir uns in politischer Mission in Afrika um, sehen Diktatoren von Bananenrepubliken und den nicht minder fragwürdigen Rebellen zu und etablieren den metrosexuellen OSS 1001 als neuen Idealtyp des Agenten für das 21. Jahrhundert.

Ich habe selten einen Film gesehen, der seine eigene Hauptfigur derart verachtet – und dabei übersieht, dass es sich doch nur um eine Karikatur dessen handelt, was verachtet wird. Parodie IST Abrechnung – es besteht kein Grund nachzutreten.

Alles, was diesen Film noch zusammenhält, ist die unbestreitbare Präsenz Jean Dujardins, der stur sein Ding macht – und immer noch ein guter Ersatz für Daniel Craig als ernsthafter James Bond wäre. Er stemmt sich tapfer gegen die Verballhornung von OSS 117, verweigert sich einer offenen Darstellung des behaupteten rassistischen Kerns der Figur. Es ist ein sichtlich mühsamer Kampf.

Ich hatte mich auf einen neuen OSS 117-Film gefreut – sogar auf die Tatsache, dass der Film 1981 spielt und damit die Roger Moore-Ära perfekt parodieren könnte. Aber das wird nicht eingelöst. Und das ist sehr schade. Deckel drauf.

Fazit: Eine missgünstige Demontage einer großartigen Figur, die mehr eine Abrechnung mit Kolonialverbrechen sein möchte als eine Bond-Parodie. Nur um des Charmes von Jean Dujardin willen überhaupt 5 von 10 Punkten.

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Tobias
Tobias
10. November, 2021 06:01

Ich hatte Spaß! Herrlich unkorrekt in Zeiten der totalen political correctness. Da kann ein alter weißer Mann sich totlachen ohne sich selber allzu ernst zu nehmen… ich muss aber auch zugeben, die ersten beiden Teile nicht gesehen zu haben. Ich hab’s jedenfalls genossen, ein bißchen Popcorn Kino am Freitagabend, der herrliche Retrolook und das gute alte 80er Feeling, Coole Autos, russische Bösewichte und heisse Rebellinen überzogen mit schmutzigem französischem Macho-Humor. I like!