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Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 4, Film 1: SOUND OF VIOLENCE

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2021. Regie: Alex Noyer. Darsteller: Jasmin Savoy Brown, Lili Simmons, James Jagger, Tessa Munro

Offizielle Synopsis: Als junges Mädchen erlangte die bislang taube Alexis ihr Gehör zurück, als sie den Mord an ihrer Mutter miterleben musste. Heute glaubt sie als Musikdozentin fest an die therapeutische Kraft von brutalen Klängen, mit denen sie in ihrer Arbeit verbissen experimentiert. Eines Tages erkennt sie erste Anzeichen, dass ihr Hörvermögen erneut nachlässt, und die Suche nach authentischen Sounds für ihre Heilung droht zu eskalieren.

Kritik: Wer den Film gesehen hat, der wird’s wissen: die Inhaltsangabe ist mal wieder Kappes. So wird ein Schuh draus: Die taube Alexis stellt fest, dass ihre Synästhesie zu orgasmischer Extase führt, wenn sie brutale Geräusche hört. Die Suche nach dem nächsten Kick treibt sie zu immer grausameren Verbrechen.

Alder, ich kann nicht mehr. Ich werfe das Handtuch. Ich bin raus. Macht euren Scheiß doch ohne mich.

SOUND OF VIOLENCE ist der SLAXX oder der M.F.A. des diesjährigen Festivals. Ein selbstbesoffener Pseudo-Horrorfilm, mit dem minderbegabte Filmemacher ihre Message unter das Volk bringen wollen. Hier produziert sich eine Blase von LA-Kiddies, deren Verständnis der Welt in Uni-Diskussionsgruppen über Gender-Gerechtigkeit und Rassismus geprägt wurde.

So ist Alexis natürlich farbig, queer, behindert, eine talentierte Künstlerin und modelhübsch obendrein. Eine Parodie hätte das Casting nicht besser hinbekommen. Und weil sie farbig, lesbisch, behindert und eine talentierte Künstlerin ist, wird über die erste Hälfte der Laufzeit erstmal eifrig versucht, ihre brutalen Exzessen als total verständlich zu rechtfertigen, als Recht auf Befriedigung des eigenen Fetisch. Wer gibt UNS das Recht, sie zu verurteilen, nur weil sie gerne dafür sorgt, dass Menschen körperlich missbraucht werden?!

Nichts, aber auch gar nicht fühlt sich hier "echt" an – keine der Figuren, keine der Situationen, keiner der Dialoge. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Alex Noyer (der in der Tat aus der Künstler/Musiker-Szene kommt) mal einen Artikel über Synästhesie gelesen hat und unbedingt was zu dem Thema machen wollte. Das ist üblicherweise kein Ersatz für eine tatsächliche Story.

Nun ist es schlimm genug, wenn ein Film derart plump versucht, seine Hauptfigur durch ein paar angesagte Minderheiten-Attribute zu immunisieren – aber spätestens nach 45 Minuten wird deutlich, dass man damit keine 90 Minuten zusammen bringt. Also wird angedeutet, dass das vielleicht doch alles eher humorvoll gemeint ist. Der Rest ist dann eine willkürliche Abfolge von Füllszenen, eine gänzlich irrelevante Ermittlung, und ein Ende, das eher einem Abbruch gleich kommt.

Ich fordere jeden Zuschauer heraus, mir zu erklären, was die Funktion der Polizistin in diesem Film sein sollte. Oder wie man sich beim Harfespiel fast umbringt.

Es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Oder umgekehrt.

Schade um das Bemühen der Darsteller (Jasmin Savoy Brown ist demnächst auch im neuen SCREAM zu sehen) und eine teilweise sehr schöne Kameraarbeit.

Fazit: Dümmster Hipster- und Woke-Horror, der seine selbstgerechte "art for art’s sake"-Plotte nicht mal über die halbe Laufzeit retten kann und dann auseinander fällt. Die 0 von 10 Punkten sind als Mittelfinger zu verstehen.

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Jessi H
Jessi H
5. November, 2021 17:34

Ich verstehe diese Kritik überhaupt nicht! Das ist einer der besten und schönsten Filme des Fantasy Filmfests seit dem überragenden "Little Joe" vor wenigen Jahren.