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Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 3, Film 2: THE BOY BEHIND THE DOOR

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2020. Regie: David Charbonier, Justin Powell. Darsteller: Lonnie Chavis, Ezra Dewey, Micah Hauptman, Kristin Bauer van Straten

Offizielle Synopsis: Ein unbeschwerter Nachmittag sollte es werden, doch beim Baseballtraining kommen die unzertrennlichen Freunde Bobby und Kevin nie an. Stattdessen landen sie gefesselt in einem stickigen Kofferraum und anschließend in einem einsamen alten Haus, in dem niemand ihre Schreie hört. Bobby gelingt unbemerkt die Flucht, aber er kann unmöglich seinen Freund im Stich lassen – also kehrt er zurück in das dunkle Labyrinth aus Zimmern und Korridoren, in dem hinter jeder Ecke ein neuer Schrecken lauert. Doch was wirklich hinter all dem steckt, kann er da noch nicht erahnen.

Kritik: Keine Sorge – der letzte Satz der Inhaltsangabe ist natürlich Kappes und soll nur Zuschauer bei der Stange halten, die für den zweiten Akt des Films noch auf eine Überraschung im Sinne von ZOMBIES! oder ALIENS! hoffen. Gibt es nicht. Das hier ist wieder einer dieser typischen "allein im Haus mit Bösewichten"-Filme wie auch SEE FOR ME gestern. It is what it is.

Mit SEE FOR ME teilt THE BOY BEHIND THE DOOR (ein so langweiliger wie unpassender Titel) diverse weitere Gene: Es geht um Personen, die den Schurken an keiner Stelle gewachsen sein sollten (Jungs im Alter von ca. 10-12 Jahren) und am Ende ist das Überleben auch ein Sieg über die Benachteiligung, ein Schritt in ein reiferes, selbstgesteuertes Leben.

Vor allem teilt TBBTD mit SEE FOR ME aber die Tatsache, dass er so strunzdumm konstruiert ist, dass wir bei aller Kompetenz in Sachen Inszenierung und Schauspielerei keine Sekunde glauben können, dass DIESE Geschichte tatsächlich SO ablaufen würde.

Fangen mit der Ausgangsidee an: NIEMAND würde zwei völlig normale Vorstadtjungs für Kinderpornos entführen. NIEMAND! Das gäbe augenblicklich einen gigantischen Medienzirkus und landesweite Suchaktionen. Und NIEMAND würde das zweite entführte Kind einfach im Kofferraum lassen im Gedanken, das werde dann schon irgendwann ersticken. NIEMAND! Und dass Bobby, als er sich befreit hat, nicht schlicht Nachbarn oder die Polizei verständigt, sondern beim Tatort bleibt, um Kevin zu retten, lässt sich eben NICHT mit dem Versprechen erklären, Kevin nie allein zu Haus zu lassen (see what I did there?). Und wenn wir schon diese ersten 10 Minuten an keiner Stelle glauben mögen, wie steht’s dann um den Rest des Films?

Nicht gut.

Obwohl dieser "Kids gegen Kinderschänder"-Thriller eigentlich sehr spannend abläuft und man den Darstellern keine Vorwürfe machen, werden im Minutentakt Kopfpatscher rausgehauen, die das Publikum teilweise zum Gelächter nötigten. Hier wird einfach auf Drehbuchebene in einem Maße geschlampt, dass es nicht mehr entschuldbar ist. So werden zwei, drei Szenen darauf verschwendet, dass Kevin das Gitter zu einem Lüftungsschacht aufschraubt. Das wird danach dann nicht mehr erwähnt.

Mein Favorit ist aber die Sache mit dem Halsband. Aus unerklärlichen Gründen haben die Kinderschänder Kevin ein Halsband angelegt, das ihm Stromschläge verpasst, sobald er bestimmte Sensoren erreicht. Warum er das Halsband nicht einfach abnehmen kann? Warum es die Sensoren anscheinend nur an der Treppe, nicht aber an den Fenstern oder dem Balkon gibt? Warum die Stromstöße so schwach sind, dass Kevin mit ein wenig Mut dann eben DOCH fliehen kann? Warum die Stromschläge bei Erreichen des Sensors anschlagen, nicht aber beim Entfernen? Ich sag’s euch: damit Kevin am Schluss eine Gangsterin mit einem Polizei-Taser grillen und dabei "how does it feel, ey? HOW DOES IT FEEL?!" brüllen kann.

I just can’t. I can not. I have lost the ability to can. Das erinnert an den großartigen I COME IN PEACE mit Dolph Lundgren, in dem der Alienkiller nur deshalb immer "I come in peace" sagt, damit Lundgren ihn am Ende mit einem geknurrten "And you go in pieces, asshole" verabschieden kann.

Schade, wirklich schade. Im überbevölkerten Rahmen des "allein im Haus"-Thrillers hätte TBBTD durchaus im oberen Drittel mitspielen können, aber die wirkliche permanenten Hirnfürze im Drehbuch wissen das gekonnt zu verhindern.

Es sei nur der Vollständigkeit halber angemerkt, dass ich durchaus gemerkt habe, wie viele Spannungsszenen sich bei Kubricks SHINING bedienen. Es hilft nur nix.

Fazit: Ein durchaus kräftig inszenierter Thriller mit mehr Dampf als SEE FOR ME, der sich aber durch permanente Strunzdummheiten im Skript so lange in den Fuß schießt, bis er in den dritten Akt nur nur noch humpeln kann. 4 von 10 Punkten.

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