19
Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 2, Film 4: RAGING FIRE

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

Hongkong 2021. Regie: Benny Chan. Darsteller: Donnie Yen, Nicolas Tse, Angus Yeung, Patrick Tam Lan Qin, Deep Ng, Henry Prince Mak

Offizielle Synopsis: Officer Bong führt seine Einheit seit Jahren mit Durchsetzungskraft und kühlem Kopf zu einer beeindruckenden Erfolgsquote. Doch mit seiner kompromisslosen Prinzipientreue macht er sich nicht nur Freunde im Dezernat. Aus heiterem Himmel und reiner Schikane ziehen ihn seine Vorgesetzten nun plötzlich von einem Riesencoup gegen eine Drogenbande ab, der der Höhepunkt seiner Karriere werden sollte. Die Sache endet in einem Blutbad, bei dem sämtliche Kollegen abgeschlachtet werden. Dem erfahrenen Cop ist sofort klar, dass hier mehr dahintersteckt als ein verpatzter Deal. Bong beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …

Kritik: CRASH BOOM BONG wäre ein schöner deutscher Titel. Ich sach ja bloß…

Ich mache es mir heute mal einfach. Vor vier Jahren habe ich zu SHOCK WAVE Folgendes geschrieben:

Der Hongkong-Actionfilm ist ein ganz eigenes Genres, das mal eine anständige akademische Aufarbeitung verdient hatte. Nach Jahren des Trash- und Kulissen-Daseins in den 70er und frühen 80er Jahren wurde die Kronkolonie in den späten 80ern und frühen 90ern zum Schauplatz einiger wirklich bahnbrechender, innovativer Spektakelproduktionen. Regisseure und Darsteller wurden zu Stars, die Budgets stiegen, digitale Effekte revolutionierten den Look und die Stunts.

Aber mit dem Rückfall Hongkongs an China ist ein neuer Geist eingezogen. Viele Filmemacher haben sich willig der neuen Führung unterworfen und die Filme wirken (auf mich zumindest) deutlich kastrierter, sicherer, untertäniger, auch wenn sie nach außen immer noch auf dicke Actionhose machen. Ich bin sicher, Martin Beck könnte dazu einiges sagen, der kennt sich in dem Metier erheblich besser aus als ich.

Und so ist "Shock Wave" auch nicht der mitreißende Kracher, sondern "nur" ein grundsolider Actionfilm, in dem der total perfekte, sensible Supercop gegen den total skrupellosen, eiskalten Bösewicht antritt. Regierung und Polizei bilden dabei den moralischen Kern, ganz wie von der chinesischen Führung gewünscht, während sich das Kapital längst mit dem Verbrechen gegen die Menschen verschworen hat.

Für RAGING FIRE gilt: what he said.

Natürlich ist das super inszeniert, die Action ist teilweise spektakulär, die Fights sind krachend, das Männer-Melodram fast schon homoerotisch – aber es hält sich eben auch genau an die Vorgaben eines Landes, das seine Polizisten als tapfere Aufrechte in einem Meer aus Korruption und Klüngelwirtschaft dargestellt sehen möchte. Und angesichts der Vorgänge in Hong Kong der letzten zwei Jahre schmeckt das sehr bitter.

Action-Legende Donnie Yen (58) wird unter der deutlich gestrafften Haut auch langsam erkennbar älter und zieht im Charisma-Duell mit Nicholas Tse (41) den Kürzeren. Der Rest der Besetzung besteht aus austauschbaren grauen Anzügen, ID-Badges, Dienstwaffen und großformatigen SUVs. Wer das sucht, findet hier die volle Packung.

Fazit: Ein hochkarätiger Hongkong-Blockbuster mit exzellenter Action und vielen szenischen Highlights, der allerdings stur den Klischees des Genres verhaftet bleibt und brav das Hohelied der chinesischen Polizei singt. Eher was für Einsteiger als für Veteranen dieser Sorte Film. 8 von 10 Punkten.

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P.S.: Regisseur Benny Chang ist 2020 an einer Form von Krebs gestorben, die kurioserweise primär in Asien auftritt. Die "behind the scenes"-Momente im Nachspann huldigen ihm und zeigen, wie viel bei diesen Produktionen mittlerweile vor Greenscreen gedreht wird.

 



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Matts
Matts
27. Oktober, 2021 13:28

Jenseits des linientreuen Pathos findet man hier auf jeden Fall launige und gut gemachte Action. Ich denke, Benny Chang hätte sich mit einem schlechteren Film verabschieden können.
Auf mich wirkte das schon fast wie eine HongKong-Version von HEAT. Der Finale Shootout hat sehr daran erinnert. Und statt Al Pacino und Robert De Niro, die sich in einem Diner gegenüber sitzen, haben wir Donnie Yen und Nicholas Tse, die sich auf die Fresse hauen. Damit kann ich leben.