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Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 2, Film 3: LET THE WRONG ONE IN

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

Irland 2021. Regie: Conor McMahon. Darsteller: Karl Rice, Eoin Duffy, Anthony Head, Mary Murray

Offizielle Synopsis: Eine Vampir-Invasion droht Dublin zu überrollen. Angefangen hat das Schlamassel mit einem ausgelassenen Junggesellinnenabschied in Transsilvanien. Doch Braut Sheila und ihre Freundinnen sind seit der Rückkehr wie ausgewechselt. Blutdürstig und äußerst unverfroren beißt sich die Gang durch die Clubs der Hauptstadt. Mittlerweile hat es auch den Hals des nicht besonders hellen Deco erwischt, der sich mit plötzlichen Nebenwirkungen wie Sonnenallergie und Spiegelbildverlust heillos überfordert fühlt und Unterschlupf bei seinem kleinen Bruder Matt sucht. Augenblicklich ist ihnen Vampirjäger Henry auf den Fersen, Sheilas verlassener beinahe Angetrauter, der auf Rache sinnt.

Kritik: Regisseur Conor McMahon ist ein Netter und ein echter Nerd, das machte die Videobotschaft gleich zu Beginn klar. Letztlich ist er aber – wie die Protagonisten in seinem Film – eine tragische Figur: alle paar Jahre hat er dank fleißiger Förderung durch irische Steuerprogramme genug Geld, um einen Genrebeitrag zu drehen, der hart zwischen No- und Low-Budget schwankt und auf Festivals rumgereicht wird. Danach geht das Produkt auf Scheibe und in die Vergessenheit. Waschen, trocknen, weitermachen. McMahon wird niemals einen Marvel-Blockbuster drehen und wenn die Förderhähne Irlands abgedreht werden, wird er vermutlich als Lagearbeiter oder Taxifahrer enden. Ein kleiner Fisch im Kinoteich, künstlich am Leben gehalten von Lokalpolitikern, die tatsächlich an eine "irische Filmkultur" glauben, deren Existenz sie mit Steuergeldern eher mühsam aufrecht erhalten.

Und so hat LET THE WRONG ONE IN auch genau den Ruch dieses Milieus: ein "Comedy"-Skript, das ich in ca. 48 Stunden hätte schreiben können, ein paar schrabbelige Locations, ein paar regionale Darsteller, Anthony Head (BUFFY) als "Stargast", und mit den Vampiren als Aufhänger eine Rechtfertigung, die Genrefestivals der Welt für ein, zwei Jahre zu bereisen.

Ich will nicht zynisch klingen, auch wenn ich es vielleicht bin, aber das hier ist kein Film, das ist "eine Sorte Film", eine Produktkategorie. Kann man sich anschauen, kann man auch ein oder zweimal drüber lachen, aber letztlich ist es Graubrot ohne wirkliches Talent, die irische Version deutscher Filme, die ich mit Sätzen wie "Echt? DAS ist das Bestes, was wir hierzulande erwarten können?" aburteile.

Irland ist zu England das, was Kanada zu den USA ist. Die Filme wirken immer wie Kopien der dritten Generation, farbärmer, billiger und etwas abgenutzt. LET THE WRONG ONE IN ist demnach der irische ATTACK THE BLOCK – und es ist leicht zu sehen, warum sowohl die Macher als auch der Cast von ATTACK THE BLOCK große Karriere gemacht hat, während die Beteiligten von LET THE WRONG ONE IN nicht aus der eigenen Blase heraus kommen.

Andererseits: Comedy. Vampire. Besoffene Iren. Damit schon besser als viele der vagen Kunst-Dramen, mit denen das FFF uns gerne "verwöhnt".

Fazit: Eine launige, aber nie wirklich hysterisch komische Vampir-Slapstick-Farce mit sympathisch erzählten, authentischen Figuren, aber ohne große Highlights. Ein typisches Kind des irischen Filmförderungsprogramms. Im erwartbaren Mittelmaß mit 6 von 10 Punkten.

 

P.S.: Schwer irisch. Hätte zeitweise Untertitel brauchen können.

 



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Nico
Nico
22. Oktober, 2021 22:07

Hallo 🙂 Im Titel vom Post steht "See for me", aber das ist ein anderer Film. Das hier war "Let the wrong one in" (steht auch richtig so im Fließtext)

Lieben Gruß!

Edit: bin großer Fan dieser Reviews <3

Last edited 8 Monate zuvor by Nico
Tobias
Tobias
7. November, 2021 05:43

Was für ein Schrott! Wozu macht man sowas? Pubertärer Humor, TV Look und durchweg hässliche und unsympathische Darsteller. Das einzige, worüber ich dabei ein bißchen lächeln kann, ist unfreiwillig komische Sprache, ansonsten reinste Zeitverschwendung