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Jun 2021

Fantasy Filmfest Nights XL 2021 (3): THE PAPER TIGERS

Themen: FF Nights XL 2021, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2020. Regie: Bao Tran. Darsteller: Alain Uy, Ron Yuan, Mykel Shannon Jenkins, Jae Suh Park, Matthew Page, Joziah Lagonoy, Ken Quitugua, Phillip Dang, Andy Le u.a.

Offizielle Synopsis: Lange her sind die glorreichen Tage der „Three Tigers“, von deren erstaunlichen Kung-Fu-Künsten die ganze Welt sprach. Irgendwann aber gingen die Drei ihrer Wege und verloren sich aus den Augen. Erst der plötzliche Tod ihres geliebten Masters Cheung vereint die ehemaligen Champs wieder. Für Danny, Hing und Jim sind die Zeiten von Adlerkralle und Drachenfaust vorbei, heute bestimmen eher Arthritis, Scheidungsprobleme und Übergewicht ihren Alltag. Doch der Funke des Ehrenkodex erwacht wieder, als gemunkelt wird, dass Master Cheung gar nicht an einem Herzanfall starb, sondern mit den sogenannten „Poison Fingers“ getötet wurde – eine Technik, die nur äußerst wenige aus dem Kung-Fu-Olymp beherrschen. Wild entschlossen setzen die Three Tigers ihren ganzen Mut und längst vergessene Muskelpartien ein, um den Mörder zur Strecke zu bringen.

Kritik: Es gibt Filme, die sind schlecht, weil sie nicht gut sein wollen. Das cineastische Äquivalent zum auf die Straße spucken. Hingerotzt und liegen gelassen. Es gibt aber auch Filme, die schlecht sind, obwohl sie gut sein wollen. Filme reinen Herzens und hehrer Absichten, deren Scheitern man ihnen nur schwer übel nehmen kann. Bei denen das Attribut „sympathisch“ zutreffend, aber eben nicht ausreichend ist.

PAPER TIGERS ist ein sehr sympathischer Film.

Ich verstehe, was die Macher erreichen wollten. Eine Komödie im HANGOVER-Stil, aber nicht so ruppig, mit Erkenntnissen über Verantwortung und das Älterwerden, mit Martial Arts als positivem Lebensstil und nicht als Prügelwerkzeug. Ein Film, in dem Freundschaft und Familie mehr gelten als die Stärke der Fäuste.

Nur leider ist das konzeptionell aufrichtiger, als es im Ergebnis überzeugend ist. Die Idee mag stimmen, aber sie ist zu dünn. Letztlich sehen wir drei alternden Freunden zu, die von Fight zu Fight ziehen, immer unterlegen, aber immer irgendwie siegreich. Es wird unheimlich viel geredet, jede Szene ist ungefähr doppelt so lang, wie es der Dramaturgie zuträglich ist. Was die drei Tiger erreichen wollen und was mit dem Ende erreicht wird, bleibt weitgehend vage. Ist der Sifu gerächt? Ist der Killer zur Rechenschaft gezogen? Das bleibt letztlich unbeantwortet – wichtiger ist, dass die drei Tiger nun Sozialarbeit in der Community leisten. Und der Actionfan in mir so: gäääähn…

Die Schauspieler sind dabei durchweg sympathisch und die Kämpfe sympathisch hausgemacht. Auch der Versuch, aus vermeintlichen Gegnern letztlich Verbündete zu machen, ist sympathisch gegen den Strich des Genres gebürstet. Aber das ist alles viel zu viel sympathisch, und viel zu wenig spannend.

Letztlich ist PAPER TIGERS nicht nur ein Film über die Selbstfindung in der Midlife-Crisis, sondern eine kastrierte Version des Kampfsport-Films, den wir lieben. Bei allem Verständnis für die Befindlichkeiten unserer drei Tiger: Steven Seagal muss nie über seine Gefühle reden, Chuck Norris ist nie von seinem Meister menschlich enttäuscht, und Dolph Lundgren diskutiert nicht über das Sorgerecht. PAPER TIGERS gibt sich Mühe, seine Protagonisten als Beta-Männchen zu Helden zu stilisieren, aber da kann ich nicht mit, sorry.

Am Ende wurde ich das Gefühl nicht los, dass sich hier ein Haufen Nachwuchs-Filmemacher (vom Regisseur über die Darsteller bis zu den Fightern) ein familienfreundliches Schaustück produzieren wollten, um sich in Hollywood zu empfehlen. Talent zeigen, aber niemandem auf die Füße treten. Das ist leider nur halb gelungen, weil es halbgar umgesetzt wurde.

Props aber für die Figur des Angeber-Fighters Carter, der ein bisschen aussieht wie Jason Jones nach einer Steroid-Kur. Um den Typen könnte man eine super Comedy schnitzen.

Fazit: Eine konzeptionell interessante Klopper-Komödie, die nie ausreichend Tempo aufnimmt und sich in zu vielen Gesprächen über das Wesen männlicher Befindlichkeiten verliert. 5 von 10 Punkten.

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Matts
Matts
19. Juni, 2021 18:50

Ich fand ihn einigermaßen launig. Gerade im sonst ziemlich ernsten Line-up der XL-Nights möchte ich ihm seine Daseinsberechtigung nicht absprechen.
Und ich wiederspreche energisch der Annahme, dass Beta-Männchen keine Helden sein können.