15
Jan 2021

TV Kritik: WandaVision

Themen: Film, TV & Presse |

Story: Hexe Wanda und Android Vision leben das Vorstadt-Leben vieler glücklicher Paare – im Amerika der 50er, 60er, 70er Jahre. Doch zwischen den drolligen Sitcom-Plots mit den neugierigen Nachbarn und bulligen Bossen schieben sich immer wieder seltsame Brüche in die heile Welt – was genau machen Wanda und Vision in dieser artifiziellen Umgebung? Wer – oder was – steckt dahinter?

Kritik: Mit einer herkömmlichen Kritik kommt man einem Projekt wie WANDAVISION nicht bei. Es ist konzipiert, schräg zu sein und jede Erwartung der Zuschauer zu unterlaufen. Ich habe vor ein paar Jahren mal anhand der Sendung THE SOUP erläutert, dass es zur perfiden Macht der Medien-Monopole gehört, dass sie nicht nur ihren Mainstream produzieren, sondern gleichzeitig auch noch dessen Brechung, um selbst an den Zuschauern zu verdienen, die des hohlen Kommerzes überdrüssig geworden sind. WANDAVISION ist eine Serie für alle, denen der glatte Marvel-Stil zum Hals raus hängt – produziert von Marvel.

You can check out any time you like, but you can never leave. 

Und so bin ich hin- und hergerissen. Es ist einerseits toll, dass eine so konsequent opake Serie den Weg auf die Bildschirme findet. Andererseits ist sie von Disney/Marvel – die hauen raus, was sie wollen. Einerseits ist es mal was anderes, nicht gleich nach dem Piloten zu wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind oder was der große Plan ist. Andererseits ist es dem Zuschauerinteresse durchaus förderlich, zumindest ansatzweise zu verstehen, was erzählt werden soll. Einerseits ist WANDAVISION auf launig unschuldige Art und Weise anders. Andererseits ist "anders" kein Synonym von "besser". Einerseits bin ich nach den ersten zwei Folgen entschlossen, dran zu bleiben. Andererseits hat das auch damit zu tun, dass die Folgen nur eine halbe Stunde lang sind und nach 9 Folgen Schluss mit der Serie ist. Es schaut sich weg.

Gerade die Tatsache, dass die Folgen sich über 95 Prozent der Laufzeit an die Sitcom-Konventionen der jeweils gezeigten Ära halten und nur in winzigen Details auf einen unterliegenden Plot hindeuten, hat mich stellenweise frustriert. Die erste Stunde tritt auf der Stelle und die künftigen Episoden werden beweisen müssen, ob das nur ein cleveres Ablenkungsmanöver war oder wir es insgesamt mit einer Serie zu tun haben, die eher erzählerische Fingerübung sein möchte.

Ich gönne Bettany und Olsen aber den sichtlichen Spaß, den sie bei der Sache haben. Immer nur Nebenrolle im großen Spektakel ist ja auch nicht schön.

Fazit (nach zwei Episoden): Im Stil klassischer Schwarzweiß-Sitcoms angelegte Superhelden-Farce, die bewusst aus dem MCU heraus tritt und sich als Experiment erst nach dem Staffelende endgültig wird beurteilen lassen.

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Comicfreak
Comicfreak
15. Januar, 2021 22:07

Ich warte drauf, dass das irgendwo kostenfrei oder als DVD erhältlich ist

Marcus
Marcus
16. Januar, 2021 00:34
Reply to  Comicfreak

Es steht zu befürchten, dass du da lange drauf warten wirst. Die ganzen neuen Marvel-Serien sind für Disney im Wesentlichen ein Investment, um Disney+ zu pushen, sodass ein Release auf irgendeinem anderen Wege aus Sicht der Großen Maus keinen Sinn macht.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
18. Januar, 2021 02:59
Reply to  Marcus

Kommt denke ich mal auch drauf an, wie wichtig die Serien für das MCU wären. Falls eine Serie da maßgeblich zum Verständnis der Filme ist, könnte ich mir schon vorstellen, dass die eine Serie rausgeben. Aber Wandavision ist sowieso zu abgedreht fürs TV, bezweifle, dass das überhaupt ein Sender kaufen würde, wenns feilgeboten werden würde.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
18. Januar, 2021 11:35

Da ich (Xbox sei Dank) noch 30 Tage Disney+ für lau bekommen kann, warte ich, bis die Serie komplett durch ist und schau sie dann in einem Rutsch im Paket mit dem ollen Mando. Das kommt dem "für lau" noch ziemlich nah ;D

jimmy1138
jimmy1138
18. Januar, 2021 16:29

Ich habe schon das Gefühl, daß ich bereuen werde, daß ich beim Großteil der ersten zwei Folgen nur mit einem Auge zugesehen und einem Ohr zugehört habe. Da waren eventuell zig Anspielungen und Hinweise, auf das was kommt, die ich schlichtwegs verpaßt habe.
Auch hier kann man diskutieren (ähnlich wie bei The Mandalorian): Ist der wöchentliche Release besser als Binge? Im Binge Modus gäbe es jedenfalls nicht die (wochentlichen) Diskussionen, die Fantheorien, sondern die Serie wäre quasi an einem Abend durch und recht bald wieder vergessen.
Und findet hier in Sachen Marvel nun tatsächlich ein Paradigmenwechsel statt? Das Credo war bisher, daß das Geschehen im Kino die TV Serien beeinflußt, aber nicht umgekehrt. Was ja durchaus vernünftig war – die Serien haben wohl nur ein Bruchteil jener geschaut, die für einen MCU-Blockbuster ins Kino gepilgert sind. Angeblich soll aber Wandavision der Startpunkt fürs Marvel-Multiversum werden und in den Doctor Strange Film münden. Also, daß man den Film nicht versteht, ohne die Serie gesehen zu haben, das kann ich mir nicht so wirklich vorstellen.

Teleprompter
Teleprompter
6. Februar, 2021 10:48

Noch jemand bis Folge 5 vorgedrungen ? Wirklich Hut ab, wie sich das entwickelt.
Man muss Disney schon zusgestehen, dass die nach Mandalorian schon die zweite Serie gelauncht haben, die in ihrem jeweiligen Universum Maßstäbe setzt. Und anders als bei Star Wars mussten die hier ja auch nicht gegen weit verbreitete Fanverärgerung anschreiben und etwas "Gutmachen" – umso beeindruckender das Ergebnis.

Goran
Goran
15. März, 2021 01:33

Da ich mittlerweile die volle Bandbreite von Reaktionen von "Best Ever!" zu "Größter Mist den Marvel je gemacht hat!" gesehen habe, wo steht der Vogel?

trackback
12. August, 2021 16:55

[…] MCU "limited series" binnen eines Jahres – und die Messlatte ist sehr hoch gelegt. WANDAVISION war eine exzellente Meditation über Wirklichkeit und Wahrheit in der Realität der Superhelden, […]