28
Dez 2020

Kino Kritik: WONDER WOMAN 1984

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

USA 2020. Regie: Patty Jenkins. Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Pedro Pascal, Kristen Wiig, Robin Wright, Connie Nielsen, Oliver Cotton, Lucian Perez, Gabriella Wilde u.a.

Story: In Jahr 1984 trauert Diana Prince alias Wonder Woman immer noch der großen Liebe ihres Lebens Steve Trevor nach. Umso entgeisterter ist sie, als dieser plötzlich wieder vor ihr steht – obwohl er doch im Ersten Weltkrieg umkam. Die mysteriöse Wiedererweckung steht im Zusammenhang mit einem Götterkristall, der Wünsche wahr werden lassen kann. Leider gerät der Stein auch in die Hände zweier Personen, deren Interessen wenig altruistisch sind und Wonder Woman muss bald wieder die Rettung der Welt in Angriff nehmen.

Kritik: Auf WONDER WOMAN 1984 liegen große Hoffnungen. Nicht nur muss die Amazone das DC-Kinouniversum irgendwie am Laufen halten, während es mit Rohrkrepierern wie SUICIDE SQUAD und BIRDS OF PREY torpediert wird – zum Ende des "annus horribilis" 2020 richtet auch noch ganz Hollywood seine Augen auf den Film, denn nun muss (mit der Ausnahme des Testballons MULAN) bewiesen werden, dass Kino irgendwie auch ohne Kinos geht, dass ein limitierter Start auf großen Leinwänden mit einem zeitgleichen Streaming-Release ab- und ausgeglichen werden kann. Denn das wird ja aller Voraussicht nach das Erbe von Corona zumindest im Jahr 2021 sein.

Ob WONDER WOMAN 1984 daran scheitert oder nicht, ist nach aktuellem Stand lediglich eine Frage der Perspektive. Der relative Erfolg der ersten Woche hat Warner angeblich ermutigt, WONDER WOMAN 3 auf die Startrampe zu schieben. Die Bilanzbuchhalter sind bisher also zufrieden. Andererseits war WONDER WOMAN 1984 auch konkurrenzlos allein auf weiter Flur und kaum zwei Stunden nach dem Streaming-Release in der ganzen Welt problemlos als Raubkopie abrufbar war, gerne auch in Dolby Stereo und in 4K-Auflösung. Das kann der mittelfristigen finanziellen Auswertung nicht gut tun.

Dass der Film zudem noch ein totaler, überlanger Käse ist, hilft auch nicht gerade, die Zukunftsaussichten rosig zu gestalten.

Und damit habe ich die Katze ja auch schon aus dem Sack gelassen. Nach einem soliden ersten WONDER WOMAN-Film, der zwar keine Bäume ausriss, aber wenigstens durchgehend überzeugende Unterhaltung bieten konnte, setzt Patty Jenkins die Fortsetzung derart konsequent vor die Wand, dass man kaum von einer Verkettung unglücklicher Umstände reden kann. Hier wurde der Regisseurin und der Hauptdarstellerin (Gal Gadot fungiert auch als Produzentin) so freie Hand gelassen, dass alles, wirklich ALLES aus dem Ruder gelaufen ist.

Die Probleme sind mannigfaltig, die Ursache ist es nicht: man hat die kompetenten Autoren des ersten Films durch die Regisseurin selbst und ausgerechnet Geoff Johns ersetzt, den spiritus rector des Arrowverse. Und so sieht WONDER WOMAN 1984 dann auch aus: eine krude Mischung aus Soap-Elementen, blamabler Kalenderweisheiten, suppiger Sentimentalität und CGI-Fights von Computer-Figuren, die wie ein schlechter Platzhalter für echte Actionszenen wirken.

Was fürs Fernsehen reicht, ist auf der Kinoleinwand ein massiver Rückschritt.

In seinen besten Momenten ist WW84 gerade mal passabel – in seinen schlechtesten erinnert er fatal an CATWOMAN und SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE. Und das ist keine Übertreibung: ja, er ist über weiten Strecken so schlecht.

Ich sehe mich außerstande, die zweieinhalb Stunden orientierungsloses Stolpern durch Comedy, Drama, Romantik und Klischee stringent zu besprechen. Ich kann nur eine Reihe von Punkten aufführen, die für sich genommen schon fatal sind, in der Kombination aber einen Rohrkrepierer lange nicht gesehenen Ausmaßes ergeben.

Es beginnt schon beim Look: WW84 spielt in den 80ern, so wie CAPTAIN MARVEL in den 90ern spielte. Man gönnt sich Zeitkolorit bei den Kostümen, Requisiten, Autos und der Musik. Schau mal, eine Spielhalle! Guck, Aerobic! Da drüben, Yuppies! Aber im Gegensatz zu MARVEL fühlt sich die Welt von WW84 an keiner Stelle anders an als eine teure Kulisse, gebaut von Menschen, die in den 80ern nicht dabei waren und das tatsächliche Feeling der Dekade nicht replizieren können. Was zumindest im Fall von Patty Jenkins eigentlich nicht sein kann, denn sie ist Jahrgang 1971.

Die Erzählstruktur ist so offensichtlich neben der Spur, dass jeder "coffee boy" bei Warner seine Chefs hätte warnen können/müssen. Die ersten 11 Minuten werden an eine Rückblende verschwendet, die mit Holzhammer vorab schon mal die Botschaft des Film trompetet für den Fall, dass die Zielgruppe nur aus debilen Idioten besteht. Hätte man komplett weglassen können. Es folgt ein Prolog von 6 Minuten, der ebenfalls wirkt, als hätte man ihn nur deswegen gedreht, weil sich Zuschauer sonst darüber beschweren könnten, dass Wonder Woman erst eine unfassbare Stunde später überhaupt mal einen nennenswerten Auftritt hat.

Hätte man die beiden einleitenden Sequenzen weggelassen, wäre WW84 nicht nur deutlich schneller in die Puschen gekommen – man hätte den Film auch fast schon auf eine erträgliche Laufzeit reduziert. Stattdessen schaltet der Film erst in den dritten Gang, wenn andere Streifen schon beim Nachspann sind, nämlich nach geschlagenen 80 Minuten.

In seinem Bemühen, ein "menschlicherer" (aka weiblicherer) Superheldenfilm zu sein, verstolpert sich WW84 als nächstes bei den Bösewichten, die lediglich emotional verkrüppelte Loser sind, einer davon sehr augenscheinlich an Donald Trump angelehnt. Beider Bösartigkeit resultiert daraus, dass sie sich nicht genug geliebt fühlen – I shit you not. Und das führt natürlich dazu, dass a) sie am Ende nicht besiegt, sondern geläutert werden müssen und b) alles verziehen wird (ungeachtet aller verursachten Schäden an Mensch und Material).

An Tim Burtons BATMAN wurde mal kritisiert, dass sein Bruce Wayne keine Probleme hatte, die man nicht mit ein paar Stunden Psychotherapie hätte hinbiegen können. Bei WW84 sollen wir glauben, dass verhuschte Archäologinnen und geschmacksbefreite Turbokapitalisten die ganze Welt über die Klinge springen lassen, weil man sie nicht oft genug genug geherzt hat. Der einzige Vergleich, der mit dir dazu einfällt, ist der jämmerliche Electro aus dem zweiten Spider-Man-Film mit Andrew Garfield.

Während Pedro Pascal an "Maxwell Lord" noch sichtlich Spaß hat und schauspielerisch mehr einbringt, als von ihm verlangt wird, erwischt es Kristen Wiig als "Barbara Minerva" ganz hart. Ich mag Kristen Wiig. Wirklich. Die ist eine grandiose, furchtlose Comedienne, die uns bei ihren sieben Jahren in SATURDAY NIGHT LIVE viele Geschenke gemacht hat:

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Von ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung ist nichts mehr übrig. In WW84 versagt sie an einer dünnen und dummen Figur, die noch dazu in ihrer "final form" komplett von einer erbärmlichen CGI-Kreatur übernommen wird, die man spätestens nach dem CATS-Debakel im letzten Jahr nicht übers Planungsstadium hätte hinauskommen lassen dürfen. "Wonder Woman vs. Cheetah" schwankt zwischen peinlich und lächerlich und fusioniert beide Attribute letztlich kongenial.

War der erste WONDER WOMAN noch halbwegs ordentlich inszeniert, zeigt sich bei WW84 sehr schmerzhaft, dass der inszenatorische Köcher von Patty Jenkins nur eine begrenzte Menge an Pfeilen bereit hält: bei der Action sklavisch auf CGI und die immer gleichen Kamera-Setups setzend, stellt sich schnell Langeweile ein. Da fehlt jeder Pfiff, jedes Gespür für Wahnwitz und das richtige Quentchen "over the top". Es hauen sich Render-Figuren frisch von der Festplatte. Das ist Dienst nach Vorschrift im Stil von GREEN LANTERN und X-MEN: DARK PHOENIX.

Nun wäre all das vielleicht enttäuschend, aber immer noch nicht schlecht im Sinne von miserabel. Was WW84 total ins Kreuz tritt, ist (wie oben angedeutet) die Handschrift der neuen Autoren. Hier schämt man sich als Zuschauer für Dialoge, hier wundert man sich über Nebenfiguren, die mit Pappmaché noch freundlich umschrieben sind, hier kratzt man sich wegen permanenter unaufrichtiger Emotionen der Protagonisten am Kopf. Keiner redet oder benimmt sich wie ein echter Mensch, Diana und Steve wandeln nicht durch eine Wirklichkeit, sondern durch Computerspiel-Level, die komplett von miserabel programmierten NPCs bevölkert sind. Stellvertretend sei da nur der Typ genannt, der anscheinend rund um die Uhr besoffen durch Washington läuft und Frauen sexuell belästigt. Der wäre nicht mal als ironische Brechung lustig.

Oder nehmen wir die Szene, in der Diana ihren Steve nach siebzig Jahren Sehnsucht endlich wieder in den Armen hält. Hier sind nur zwei Reaktionen möglich: sie dreht vor Freude und Überwältigung total am Rad oder sie reagiert abweisend, weil sie weiß, dass etwas nicht stimmen kann. Stattdessen fällt sie ihm mäßig begeistert um den Hals, als wäre er gerade von einer langen Kreuzfahrt zurück gekommen. Das ist… falsch.

Da ist auch unheimlich viel gelangweilte Schlamperei dabei. So fliegen Diana und Steve mit einem Jet von Washington nach Kairo. Wir sollen nicht nur glauben, dass Doppeldecker-Pilot Steve auf Anhieb ein hypermodernes Kampfflugzeug steuern kann, sondern auch, dass ein Jet mit einer maximalen Reichweite von 2000 Meilen (inkl. Extra-Tanks – ich hab’s recherchiert) mal eben 6000 Meilen fliegt. No one gives a shit.

Ich könnte stundenlang jede Szene des Films derart auseinander pflücken, jeden Dialog. Das würde Spaß machen, wäre aber letztlich eine sinnfreie Stilübung.

In diesem schrottigen, abgeschmackten Umfeld scheinen sogar die darstellerischen Qualitäten von Gal Gadot und Chris Pine sichtlich abzunehmen.

Ich habe selten einen Superheldenfilm gesehen, der so wenig weiß, was er eigentlich erzählen will und der trotz der erheblichen aufgebrachten Mittel so völlig versagt. Da ist es schon wieder passend, dass die Post Credits Sequenz total armselig und irrelevant ist. Man hätte sie – wie die Prologe – weglassen können, vielleicht sogar sollen.

Damit sollte klar sein, was ich von WONDER WOMAN 1984 halte. Kommen wir nun zu der Frage, wer schuld ist an dem Debakel. In meinen Augen? Der Erfolg von WONDER WOMAN vor drei Jahren. Klingt komisch, ist aber so. WONDER WOMAN hat 2017 im Alleingang das von Publikum und Presse schon abgeschriebene DC-Kinouniversum noch mal rumgerissen. Patty Jenkins und Gal Gadot wurden als "new Hollywood" gefeiert und auf ein feministisches Podest gestellt, das ihnen nicht nur mehr Geld garantierte, sondern mehr Einfluss und die totale Unabhängigkeit bei der Produktion. Wie die Wachowski-Brüder nach MATRIX konnten sie die Fortsetzung ohne kritische Aufsicht nach eigenem Gusto drehen. Und wie bei den Wachowski-Brüdern nach MATRIX zeigt sich, dass zu viel künstlerische Freiheit im Bereich des Blockbuster-Kinos auch schwer nach hinten losgehen kann.

Dass manche Kritiker diesen Schmonzes schon wieder als "camp" schönreden wollen, ist wenig verwunderlich, aber trotzdem beschämend.

Kann ich denn gar kein gutes Haar an dem Film lassen? Na schön, vielleicht zwei: WW84 ist nicht so zynisch und moralisch korrupt wie BIRDS OF PREY. Und die hier im Review präsentierte farbsatte Promo-Artwork (die nicht den Look des Film widerspiegelt) ist eine Augenweide.

Fazit: Ein viel zu langer, viel zu langweiliger und in jeder Szene unglaubwürdig und hohl wirkender Möchtegern-Blockbuster auf dem Niveau zusammen geschnittener TV-Episoden, der im Vergleich zu WONDER WOMAN geradezu beschämend misslungen ist.

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Heino
Heino
28. Dezember, 2020 21:55

Wow, das ist mal ein Verriss. Schade, nach den ordentlichen Trailern hatte ich doch Hoffnung, dass der gut sein könnte. Aber dann ist es ja kein Verlust, dass ich den erst auf Netflix sehen werde

Andreas
Andreas
28. Dezember, 2020 23:25

Ken Levine (M.A.S.H., Cheers, Frasier…) sieht es auf seinem grandiosen Blog genau wie du: http://kenlevine.blogspot.com/2020/12/wonder-woman-1984-my-review.html
Herrlich: ich verfolge seit Jahren regelmäßig zwei Blogs von meinungsstarken TV-Autoren – die Eindeutigkeit der Reviews zu diesem Film sparen mir zweieinhalb Stunden Lebenszeit. Danke!

Aris
Aris
29. Dezember, 2020 00:13

Schade, ich mochte den ersten Film und vor allem mochte ich Mitte der 80er Wundergirl (ich war 12). Man kann über die Ausstattung (z. B. Damengambit) viel erreichen, ich weiss nur nicht, ob es das Jahrzehnt einfach nicht hergibt oder ob es schlecht umgesetzt ist ("Super 8" konnte es, "Stranger Things" sowieso).

S-Man
S-Man
29. Dezember, 2020 01:56

Ich fand den ersten Film schon absoluten Mist und die Trailer zu diesem sind Trailer zu deinem Text.

Danke, mehr muss ich nicht wissen. Bye, Leinwand-DC!

Dietmar
29. Dezember, 2020 06:06

Heute hat man alle Möglichkeiten, alles, was man will, auf die Leinwand zu bringen. Und das Ergebnis ist eine Welle unerträglichen Schrotts von Dilettanten*innen (hier gehört die Genderfizierung wirklich mal hin). Man muss den technischen Möglichkeiten nichts mehr abringen, um Erstaunliches auf die Leinwand zu bringen, eine CGI-Firma macht das schon, was man sich so vorstellt. Alles, was man sich so vorstellt. Wenn man dann noch "Botschaften" hat, die nichts anderes sind als Zeitgeistaussagen aus der Trivialitäten-Kiste und Küchenpsychologie, kann man diese super von der Leinwand aus über das geneigte Publikum kotzen.

Er wird sein Publikum finden, das ihn verteidigt. Es gab in "Voyager" eine Episode, in der der Doktor auf einem Planeten seine Vorliebe für klassische Musik auslebte und für seinen Gesang berühmt wurde. Dann wurde er von einem noch größeren Star verdrängt, der einfach nur unzusammenhängenden Blödsinn sang, aber schneller und höher und mit größeren Sprüngen. Der Doktor musste erkennen, dass das, was an der Musik wertvoll war, nämlich die tiefe Emotionalität und Kunstfertigkeit, nicht das war, worauf das Publikum abfuhr. Für die Bevölkerung der Stadt ging es nur um Oberflächliches, das dann als größere Kunst gefeiert wurde, als die tatsächliche Kunst. Ich musste mal einem begeisterten Kollegen zuhören, der mit leuchtenden Augen von "Die Hard V" schwärmte. Die Sprüche, die Action, Vater rettet Sohn, John McClane, boah! Und einem ehemaligen Orchesterspieler, der mir erklärte, dass ich die erste Star-Wars-Trilogie nur deshalb besser finde, weil ich alt sei und sie nostalgisch verklärte. Alle Filme nach Episode I seien viel besser! Viel bessere Bilder, viel mehr Action, mehr Laser-Schwert-Kämpfe, mehr Raumflüge! Erwachsene Menschen sagen so etwas!

Ich hätte mir so gewünscht, dass Wonder Womans Geschichte gut weitererzählt wird. Allein schon, weil Gal Gadot so toll ist. Aber dafür müsste man Filmemacher haben, die etwas zu sagen haben, das über Klischees hinausgeht, und mehr Ideen als bombonbunten Bombast.

Das ist so ärgerlich.

Last edited 4 Monate zuvor by Dietmar
jimmy1138
jimmy1138
29. Dezember, 2020 09:53

"Der relative Erfolg der ersten Woche hat Warner angeblich ermutigt, WONDER WOMAN 3 auf die Startrampe zu schieben."

Das Zauberwort ist mMn "angeblich" – das fühlt sich so an wie bei "The Last Jedi", als man im Vorfeld alle Zweifel am Feld ausräumen wollte, indem man Rian Johnson eine Trilogie zugeschanzt hat, von der man seither kaum was gehört hat.
Marvel hat mit seinem MCU jetzt ein Jahr Pause eingelegt – die haben ihr Momentum in meinen Augen komplett abgetötet und eventuell haben viele Zuseher mit dem Kapitel MCU schon geistig abgeschlossen. Bei DC gab es dieses Momentum nie und z.B. die kuriose Situation, daß Aquaman ein Erfolg wurde, aber die Verantwortlichen bereits abgesägt wurden.
Daß WW84 jetzt in die Kinos und auf HBO Max kam, hat in meinen Augen v.a. einen Grund: AT&T muß HBO Max, dessen Start komplett verhunzt wurde, irgendwie vom Boden wegbekommen und WW84 hatte offensichtlich schon das Marketingbudget verpulvert. Für HBO Max ist AT&T ja auch bereit ihr gesamtes Lineup von 2020 zu opfern und zeitgleich auf der Streamingplattform zu bringen – was die Produktionspartner a la Legendary weniger lustig finden.
In China und Japan, wo die Box Office Zahlen meines Wissens nach in etwa auf Normalniveau sind, hat WW84 auch eher versagt. Nächstes Jahr eventuell übernächstes Jahr wird man wohl sehen, ob sich der Kinomarkt auch im Westen wieder erholt oder ob die Zukunft wirklich nur in Streaming liegt. Dann muß man sich wohl kräftig umorientieren, was die Produktionskosten angeht. Könnte aber auch der Kreativität förderlich sein.

Zum Film selbst: Gerüchteweise hat man schon weit im Vorfeld von einem schlechten Skript gehört – hat Geoff Johns wieder mal bewiesen, daß er zwar Comics aber kein TV oder Kino schreiben kann? Und kann man mittlerweile schon vom "Star Wars"-Fluch sprechen? Zuerst Treverrow mit "Book of Henry", dann Benioff &Weiss mit GoT Staffel 8 und jetzt Patty Jenkins mit WW84…

Dietmar
29. Dezember, 2020 17:00
Reply to  Torsten Dewi

Da bin ich wirklich gespannt, wie sich das entwickelt! Der Marvel-Comic-Kosmos ist doch groß und man könnte noch interessante Geschichten mit den etablierten Helden erzählen. Aber "Endgame" hat alles so perfekt zu Ende gebracht, dass ich mir das nur schwer vorstellen kann; heißt aber nix: Ich konnte mir auch nur schwer vorstellen, dass ich einen Film mit einem sprechenden Waschbären im Weltall toll finden könnte.

Ich befürchte, dass Marvel den Weg von "Captain Marvel" weitergehen wird und eine Serie mit überpowerten Mädchen und Frauen abschießen wird (Female Thor und so weiter) und "Aussage" über Unterhaltung stellen.

Der Erfolg von "Aquaman" ist auch so einer, der sich uns dreien hier nach weihnachtlichem Gemeinschaftsgucken so gar nicht erschließt. Momoa ist ein Charmebolzen und eine körperliche Urgewalt, das macht Spaß, und Nicole Kidman mag ich einfach. Aber da hörte es bei uns auch schon auf.

Last edited 4 Monate zuvor by Dietmar
jimmy1138
jimmy1138
29. Dezember, 2020 20:48
Reply to  Torsten Dewi

Durchaus möglich und, daß Marvel mit ihrer nicht ganz so prickelnden Phase 4 Covid nicht so viel kaputtgemacht hat, hat durchaus was für sich. V.a. wenn die tatsächlich die Fantastic 4 und X-Men (vielleicht sogar wieder mi Hugh Jackman als Wolverine) ins MCU bringen, fährt der Hypetrain wieder mit Höchstgeschwindigkeit.
Worauf ich mehr hinauswollte: DC hatte nie die Kontinuität, das verantwortliche Personal muß andauernd Dinge auslöffeln und für Sachen den Kopf hinhalten, die von den Vorgängern auf Schiene gebracht wurden. Und derzeit wartet man gefühlt eigentlich nur darauf, wie der Snyder-Cut ankommt.
Währenddessen scheint AT&T die Comicssparte komplett zuzudrehen.

Heino
Heino
29. Dezember, 2020 20:54
Reply to  jimmy1138

Der FF-Reboot wurde doch schon von Feige angedeutet, wenn ich mich recht entsinne

Vader Ryderwood
Vader Ryderwood
1. Januar, 2021 21:24
Reply to  Torsten Dewi

Grossartiger Bud!

Torsten
Torsten
29. Dezember, 2020 10:23

Kleine Korrektur: Kristen Wiig war 7 Jahre im Ensemble von SNL; danach war sie lediglich ein paar Mal – wie in der vergangenen Ausgabe – als host dabei.

Dirk
Dirk
29. Dezember, 2020 10:39

Ich würde den Film nicht ganz so harsch aburteilen wie Du, aber im Prinzip war ich auch ziemlich enttäuscht. Und nach dem überflüssigen Intro hab ich auf die Uhr geschaut und mir gedacht "Ok, die 11 Minuten hätte man sich auch komplett sparen können", also genau deine Meinung, denn die haben genau NICHTS zu dem Film beigetragen (außer Robin Wright und ein paar anderen etwas Kohle zu bringen). Und die Story fand ich jetzt auch nicht überragend, insgesamt war er schon ziemlich schwach. Da hatte ich mir wirklich mehr erhofft.

Dietmar
29. Dezember, 2020 17:02
Reply to  Dirk

(DISCLAIMER: Ich bin wirklich nur interessiert und nicht auf Streit aus.)

Was lässt Dich den Film denn milder beurteilen, bzw. was hat Dir denn besser gefallen als Torsten?

Feivel
Feivel
29. Dezember, 2020 10:57

Auf die Rezension habe ich gewartet – was schon fast unangenehm ist, da ich nur meine Erwartung erfüllt sehen wollte (und sah).
Ich war schon beim Trailer arg irritiert. Der hatte für mich nichts, was in irgendeiner Weise die Epoche aufgreift – außer, dass sich ein attraktiver Mann eine Hüfttasche umschnallt. Prop comedy, wie lustig..
Die von dir gelobte promo artwork sieht für mich auch eher nach Kostümparty aus.. Aber das soll wohl so (?).

Off topic: Vielleicht ist Coma (2020) ein Film, der dir Spaß machen könnte zu rezensieren. Russische Science-Fiction (eigentlich eher Fantasy), sehr bildgewaltig, aber in den Dialogen erkennbar nicht "westlich". Alles mit erstaunlich kleinem Budget gemacht. Ein B-Movie, der es auch auf die A-Seite hätte schaffen können.

Feivel
Feivel
29. Dezember, 2020 11:59
Reply to  Feivel

Nachtrag: gibbet gerade für lau bei prime.

Comicfreak
Comicfreak
29. Dezember, 2020 13:08
Reply to  Feivel

Danke, werd ich mir mal anschauen

Matts
Matts
29. Dezember, 2020 11:36

Oh je, das ist wirklich schade. Ich hatte mich ja auf den Film gefreut. Nicht dass ich irgendeine Möglichkeit hätte, ihn in absehbarer Zeit zu sehen.
Aber mittlerweile würde ich mir schon fast alles angucken wenn nur endlich die Kinos wieder aufmachen würden…

Martin
29. Dezember, 2020 11:46

Danke für die Warnung.

Klaus Schmiedli
Klaus Schmiedli
1. Januar, 2021 23:36

Der film ist grenzdebil männer alle schweine natürlich gewinnt eine schwarze amazone den Wettkampf und der herr lord der als kind wie ein Palästinenser aussieht und dann doch noch weiss ist hat nen asiatischen boy. Der film ist geistige masturbation da strickt weiblich. Ein witz. Das mit dem Flugzeug war so schräg. Schon fast surrealistisch.

Dietmar
2. Januar, 2021 15:32
Reply to  Torsten Dewi

Wenn Popcorn schon erlaubt ist, könnte man sich ja darüber hermachen, dass jemand, der Grenzdebilität vorwirft, sich hartnäckig der Orthografie verweigert. Das ist schräg.

Ich finde, dass es diesen Trend durchaus gibt, und der nervt mich tierisch. Ob dieser Vorwurf auf diesen Film passt? Da verlasse ich mich auf Dein Urteil. Wegen grundsätzlich guter Erfahrungen. Ich werde mir jedenfalls nie ein eigenes Urteil bilden können, denn da verlasse ich mich…ach, das hatte ich ja schon.

Last edited 4 Monate zuvor by Dietmar
Mark Wolf
Mark Wolf
3. Januar, 2021 13:01

Nach dem Film dachte ich bei mir: Der Film spielt nicht nur im Jahre 1984, er wirkt auf mich, als wäre er auch in dieser Zeit gedreht worden.
Fand mich für einen Augenblick sehr originell, bis ich diesen Gedanken in den meisten Rezensionen wiederfand. "Superman III", " "Supergirl" oder auch der hier erwähnte "Superman IV" kommen einem dabei in den Sinn.
Gewöhnlich bin ich ziemlich gutmütig, aber in diesem Fall war ich auch ziemlich baff, immerhin hatte WW84 reichlich Vorschußlorbeeren erhalten, die so gar nicht zu dem passen wollten, was da päsentiert wurde. Man fragt sich, warum da nicht etwas nachgebessert wurde. In manchen Foren läuft jetzt bereits eine Diskussion, ob Diana sich nicht einer Vergewaltigung schuldig gemacht habe, denn die Art, wie Steve Trevor von den Toten zurückkehrt, wirft da tatsächlich ein paar Fragen auf. Und auch da wundere ich mich, dass dies in unseren sensiblen Zeiten nicht bedacht wurde.

jimmy1138
jimmy1138
3. Januar, 2021 17:27
Reply to  Mark Wolf

Warum spielt der Film eigentlich im Jahr 1984 ? Die Handlung könnte man mit kleineren Änderungen auch in der Jetztzeit, d.h. nach Justice League hineinversetzen.
Da dachte sich wohl wer "80er Nostalgie wie Stranger Things ist grad voll in". Daß das die – großzügig ausgedrückt – "Kontinuität" des DCEU (wo Wonder Woman praktisch 100 Jahre lang untergetaucht war) verletzt, hat hier auch niemanden gestört.
Aber wie schon gesagt – die bisherige DCEU wird sowieso recht bald mit dem Flashpoint Film einen Reboot bekommen…

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
5. Januar, 2021 03:15
Reply to  jimmy1138

Ja, kann mich an nicht viele Szenen erinnern, die nicht auch in der Jetzt-Zeit funktionieren würden. zB die Szenen im Weißen Haus würden so nicht mehr funktionieren, aber hätte man ja auch umdichten können. Ansonsten alles kein Problem, anstatt Russen hätte Max Lord eben aus versehen mit nem Terrorfürsten paktiert und Schwupps sind die Atombomben in Anflug auf die USA.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
5. Januar, 2021 03:19

Wie wahrscheinlich haltet ihr eigentlich die These, das Handsome Guy erst bei den Nachdrehs reingeschrieben wurde? Irgendwie ist ja vieles recht inkonsistent mit dem. Diana meint ja zB das Handsome Guy gar keinen Pass hat und bis auf den Anfang wird Handsome Guy ja eh nicht thematisiert. Die letzte Szene wirkt auch so künstlich hinzugefügt.

Dietmar
5. Januar, 2021 10:15
Reply to  Torsten Dewi

Möglicherweise hat man dann dabei den Überblick verloren, dass WW noch inkognito ist und sie in ihr Outfit gepackt. Klingt wie Dummheit oder Oberflächlichkeit. Angesichts des Ergebnisses vielleicht aber auch nicht so unwahrscheinlich.

Dietmar
5. Januar, 2021 10:30
Reply to  Torsten Dewi

Ah! Danke!

sergej
sergej
5. Januar, 2021 22:52

Beim Stern findet man den Film auch nicht gut:

Blutleer und enttäuschend: Warum "Wonder Woman 1984" ein einziges Desaster ist

https://www.stern.de/kultur/film/-wonder-woman-1984—warum-der-blockbuster-ein-einziges-desaster-ist-9553630.html

sergej
sergej
17. Februar, 2021 11:36
Reply to  sergej

Zeit online zum Film:

Superheldin ohne Plan

Mit "Wonder Woman" belebte Patty Jenkins das Superheldinnen-Genre neu. Der Nachfolger ist nicht nur deutlich schlechter, er legt auch Schwächen des ersten Films bloß.

https://www.zeit.de/kultur/film/2021-02/wonder-woman-1984-gal-gadot-patty-jenkins-sky/komplettansicht

Dietmar
17. Februar, 2021 19:29
Reply to  Torsten Dewi

Ich will nicht meckern, aber das ist das Erste, was ich so eigenartig finde, dass ich die Kritik nicht lesen würde: "Der Nachfolger … legt auch Schwächen des ersten Films bloß."
Was soll das?

Last edited 2 Monate zuvor by Dietmar
Martin Däniken
Martin Däniken
22. Januar, 2021 14:54

Sehr sehenswert:
https://www.youtube.com/watch?v=bncCt5PYD9g
Und nachdenkenswert bezüglich "Geist sucht/besetzt Körper" Geschichten…
Auch wenn es die Guten tun, in bester Absicht

Tobias
Tobias
21. Februar, 2021 10:12

So nach langer Wartezeit habe ich den Film auch gesehen, ohne mir die Kritiken vorher anzusehen. Am Ende des Filmes war ich fast eingeschlafen und konnte nicht glauben, dass das wirklich der "echte" WW84 Film sein sollte. Eher dachte ich an Asylum und Co.

trackback

[…] Das ist leider symptomatisch: Die letzte Episode von FAWS gibt sich alle Mühe, eine "sowohl als auch"-Schiene zu fahren und die Gegner als lediglich fehlgeleitet darzustellen. Nur leider widerspricht das allen vorherigen Geschehnissen, bei denen sie sich wie die klassischen eiskalten Überleichengeher eines typischen Superheldenfilms verhalten haben. Ich kann ja verstehen, dass Marvel (auch mangels Alternativen) versucht, seine Antagonisten und Antagonismen etwas vielschichtiger zu gestalten, aber das funktioniert hier so wenig wie mit Maxwell Lord und Barbara Minerva bei WONDER WOMAN 1984. […]