16
Okt 2020

STAR TREK DISCOVERY Staffel 3 oder: Wir müssen reden…

Themen: Film, TV & Presse |

Ich habe mir gestern Abend die Mühe gemacht, die erste Episode der dritten Staffel von DISCO anzuschauen. Und die Formulierung "die Mühe gemacht" ist dabei nicht zufällig gewählt. In den letzten Wochen habe ich ja auch STAR TREK LOWER DECKS geschaut (wohl LDS abgekürzt). Ich könnte nun zwei Reviews schreiben, aber selbst wenn die seitenlang wären, wären sie zu kurz. Weil sie zu kurz greifen würden. Die aktuellen Star Trek-Serien zu besprechen braucht Kontext. Und darum erstmal nur kurz:

STAR TREK LOWER DECKS: Eine launige, stilistisch eindeutig TNG verpflichtete Zeichentrickserie, die weder die Brillanz von FUTURAMA noch den Zynismus von RICK & MORTY erreicht, aber im Rahmen des Trek-Universums trotz etwas zu hysterischer Figuren durchaus unterhalten kann. Klar ist der weiße, männliche Hetero-Fähnrich der Depp vom Dienst und die wahre Heldin das schwarze Mädchen, aber damit lässt sich leben. Leider schwankt die Qualität der Episoden massiv, echte Schnarcher wechseln sich mit schönen Meta-Plots über Sinn und Zweck der Sternenflotte ab. Die besten Folgen schaffen in 20 Minuten, was andere Trek-Serien in ganzen Staffeln nicht zustande bringen. Trotzdem ist es ernüchternd, dass ich nach der ersten zehnteiligen Staffel nur die erste und die letzte Folge als "essential viewing" bezeichnen würde.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

STAR TREK DISCOVERY versucht es mit einem erneuten Reboot, diesmal gibt man das ganze bisher etablierte Universum zu Gunsten einer VOYAGER/ANDROMEDA-Plotte auf, in der unsere Helden sich in einem neuen Umfeld befinden und versuchen, die alte Ordnung wieder aufzubauen. Schon die Hurerei mit superteuren Effekten und prächtigen Locations in den ersten Minuten lässt erahnen, dass Story und Figurenentwicklung mal wieder nicht an oberster Stelle auf der Agenda standen. Stattdessen wird wirr und unbefriedigend ein neues Setup präsentiert, in dem die einzige Konstante der permanente Stresszustand von Michael Burnham ist. Nicht gut, aber wenigstens anders schlecht als bisher? Das KANN nicht genügen. Zumal DISCOVERY nun aussieht wie ein teurer Klon von VAGRANT QUEEN. Es ist bezeichnend, dass die Vorschau auf die Staffel, die an die Episode angetackert wurde, keinerlei Interesse für das Schicksal der Discovery (Schiff wie Serie) generieren kann.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Meine Meinung zum Ende von PICARD könnt ihr hier noch mal nachlesen. In kurz:

Als überdehntes und selbstverliebtes Ensemble-Drama, das alles neu machen will, sich aber vom Alten nicht lösen kann, muss PICARD jedenfalls trotz einiger netter Momente und klassischem Trek-Feeling eher als Rohrkrepierer gesehen werden, der allenfalls die beinhärtesten (und damit schmerzbefreitesten) Trekker überzeugt.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

So haben alle drei Trek-Serien des Jahres 2020 bisher bestenfalls milde Enttäuschung, schlimmstenfalls echte Verärgerung hervor gerufen.

Man kann DISCO, LOWER DECKS und PICARD letztlich nicht besprechen, ohne über den Zustand von STAR TREK allgemein zu sprechen. So sehr ich die Defizite der Franchise für eine Ansammlung teils dramatisch falscher Einzelentscheidungen auf höchster Ebene halte, so sehr kann ich auch nicht mehr leugnen, dass es um ein systemisches Problem geht. Die Fehlentscheidungen sind nicht passiert – sie sind gewollt. Sie sind Ausdruck eines Verständnisses dessen, was Star Trek im 21. Jahrhundert sein soll – und eines Unverständnisses, was Star Trek war und kann.

STAR TREK is broken.

Dabei meine ich nicht mal die Kelvin-Timeline. Ja, die Kinofilme sind beginnend mit dem zweiten, dann aber mit dem dritten Teil endgültig aus dem Ruder gelaufen. Man hat zu viel aus zu wenig gepresst, aber das Konzept ist immer noch "true trek": Eine Crew aus Helden, Freunde durch dick und dünn, die den Weg ins Unbekannte wagen. Klassische Motive wie im Piratenfilm, im Western, im Märchen. Vom Schwert zum Colt zum Phaser, vom Pferd zum Auto zum Raumschiff. Star Trek ist ein Mythos, weil es verstanden hat, wie Mythenbildung funktioniert. Der Kern der klassischen Heldenreise ist die männliche Figur (nicht notwendigerweise ein Mann), die mutig voran schreitet, Armeen hinter sich scharen und gegen mächtige Widerstände bestehen kann. Die für die unwidersprochen gute Sache kämpft. Wir stellen weder unsere Helden noch ihre Ziele in Frage, weil sie Ideale sind.

PICARD ist die Geschichte eines alten, prä-senilen Mannes ohne Macht, der mit einer humanitären Mission vermeintliche frühere Versäumnisse ausgleichen will.

STAR TREK DISCOVERY ist die Geschichte einer dauernd gestressten Föderations-Offizierin, die aus persönlichen Gründen permanent die Prinzipien der Sternenflotte unterläuft und damit sogar Kriege anzettelt.

STAR TREK LOWER DECKS ist die Geschichte von ein paar Fähnrichs (Fähnrichen?), die an Bord ihres zweitklassigen Schiffes nichts zu sagen haben und die großen Abenteuer bestenfalls am Rande miterleben.

Das ist kein neues Star Trek, das ist falsches Star Trek. Das ist nicht Star Trek. Das ist der Versuch, dem empfundenen Zeitgeist zu huldigen, in dem man einer Franchise, die dafür nicht gebaut ist, einen weiblichen Spin gibt, die Alten und die Unerfahrenen auch mal an die Macht lässt. Das kann man machen – aber nicht in Star Trek, nicht als treibende Kraft einer ganzen Serie. Es gibt einen guten Grund, warum das Konzept von LOWER DECKS bei TNG genau für EINE launige Episode in Staffel 7 reichte. Weil es ein Nebenaspekt ist und die Franchise nicht tragen kann.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Und weil das sehr offensichtlich ist, flüchten sich die Macher immer wieder in die alten Muster – und produzieren Szenen, die Fans begeistern, aber letztlich die neuen Figuren verhöhnen, weil sie ihnen die Kontrolle entreißen.

Die besten Momente in PICARD gehören Seven of Nine und vor allem dem Finale mit Commander Riker und der Sternenflotte. Der Rückgriff auf alte TNG-Muster ("Weapons hot, deflectors to full!") sind die einzigen Szenen, in denen noch mal Leben in die Bude kommt. Ich würde lieber eine Staffel DIESES Rikers sehen als eine weitere Staffel DIESES Picards.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die besten Momente in DISCOVERY gehören Pike und seiner Crew der Enterprise, weil der "swagger" von Captain Kirk wieder sichtbar wird, weil auf einmal Neugier und Aufbruchsstimmung herrschen, weil Star Trek eben doch am besten funktioniert, wenn eine coole Crew mit einem geilen Schiff durch die Galaxis jettet.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die besten Momente von LOWER DECKS gehören den Anspielungen auf die diversen anderen TREK-Serien und ganz besonders dem Staffel-Finale, wenn (SPOILER!) wieder mal Riker mit der TITAN auftaucht, um eierschaukelnd jedes Problem mit seinem dicken Phaser zu lösen. Und WIEDER denkt man: könnte die zweite Staffel nicht besser von dem handeln?!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Und ich bin nicht mal ein Riker-Fan!

Ich habe mich lange dagegen gewehrt, weil ich diesen Kulturkrieg und die bequemen Verallgemeinerungen verabscheue – aber Star Trek hat ein "woke"-Problem. Zu viele Figuren, die nur geschaffen wurden, um vermeintliche Zielgruppen zu bedienen. Zu viele Plots über die emotionalen Zustände der Protagonisten, zu viel Innerlichkeit. Eine zu klare Verweigerung klassischen und damit als "männlich toxisch" empfundenen Abenteuers. Eine fatale Überinterpretation der angeblichen Relevanz von Star Trek – einer Serie, die seinerzeit als "Planwagen-Reise im Weltraum" konzipiert wurde und deren erzählerische Botschaften immer ein erfreuliches Nebenprodukt und nie Selbstzweck waren.

Die Misinterpretation von männlicher Potenz nicht als storytreibende Vorwärtskraft, sondern als toxisches Unterdrückungsmittel zieht sich durch ALLE neuen Star Trek-Produktionen: von der Weinerlichkeit Boimlers in LDS, der mentalen Korruption Tylers in DISCO bis zum körperlichen Verfalls Picards in PIC – der Mann in Star Trek darf nicht mehr im Mittelpunkt stehen, darf nicht viril und kraftvoll sein. Und weil das natürlich nicht funktioniert, wird aber genau dieser Typus wieder ausgebuddelt, sobald die Serien irgendeinen Köder brauchen, um die Trekker in die nächste Staffel zu locken.

Es ist fast schon ein Witz: die Szenen, die ich oben als die besten aus dem aktuellen Stapel von Trek-Serien präsentiert habe, sind genau jene, die das Gegenteil dessen repräsentieren, was die Showrunner so stolz als ihr neues Credo verteidigen.

Star Trek hat ein Macht-Problem im Sinne von "ein Problem mit Macht". Die Fähnriche (Fähnrichs?) sind nur untere Ränge, Burnham ist eine diskreditierte Offizierin, Picard in Rente und ohne nennenswerten Einfluss bei der Föderation. Man mag das für einen erfrischenden Bruch mit den Konventionen halten, aber leider funktionieren Geschichten wie in Star Trek nur, wenn die Figuren auch tatsächlich Einfluss auf die Handlung nehmen können. Es gibt einen Grund, warum der Held im Western meistens ein Sheriff ist, der Held im Krimi meistens ein Kommissar und der Held in der Arztserie üblicherweise ein Doktor. Sie sind das Zentrum des Dramas, treffen die relevanten Entscheidungen, tragen die Verantwortung. Versucht man, Figuren aus der Peripherie in den Mittelpunkt der Story zu stellen, ergibt sich ein dramaturgisches Ungleichgewicht, das man bestenfalls mal für eine Episode thematisieren kann (siehe wieder "Lower Decks" von TNG oben), das aber keine Serie tragen kann.

In fast allen aktuellen Trek-Serien merkt man die Mühe der Autoren, gleichzeitig treibende Handlungen zu entwerfen und dann die Protagonisten in deren Mittelpunkt zu drängen. Die Brücken-Crew in LDS muss ausfallen oder abwesend sein, Burnham muss den Captain überstimmen oder umgehen, Picard greift permanent auf einflussreiche Freunde aus alten Zeiten zurück – unnötige Umwege, die viele der Drehbücher wirr und wenig plausibel machen.

Macht man sich das klar, dann wird auch sehr deutlich, warum die letzte Episode LDS so gut funktioniert – nicht nur taucht Riker mit der dicksten Kanone der Sternenflotte auf, unsere Helden werden auch temporär in Kommandopositionen auf der Brücke ihres Schiffs versetzt. Für ein paar kostbare Minuten wird das impotente LDS-Konzept zu einer klassischen Star Trek-Konstellation umgebaut. Und es funktioniert. Mühelos. So mühelos, wie Pike in einem DISCO-Universum voller halbgarer Charaktere funktioniert. Weil er nicht vermeintlichen Bedürfnissen gesuchter Zielgruppen gerecht entwickelt wurde, sondern weil er einen unzerstörbaren Archetyp darstellt: den des souveränen Helden.

Das ist vielleicht der Kern dieses Beitrages und mein Problem mit ALLEN aktuellen Trek-Serien: es fehlt an souveränen Helden. An Kirks, Picards, Archers. Die müssen (wie oben bereits geschrieben) nicht mal Männer sein.

Ich weiß, dass die neue Generation Science Fiction großartige Serien über gebrochene, komplexe Figuren hervor gebracht hat: ALTERED CARBON, THE 100, THE EXPANSE. Aber das ist nicht Star Trek. Star Trek hat eine andere Geschichte, andere Gene, eine andere Verantwortung.

Zu glauben, in der Flut aufwändiger, komplexer und moralisch ambivalenter SF-Serien könne Star Trek seine Einzigartigkeit behalten, in dem es genau diesen Mustern nachäfft, ist (offen)sichtlich ein Irrweg. Star Trek war nie komplex. Star Trek war immer simpel – in seinem "world building" wie in seinen Charakteren. Was hier als Nachteil gesehen wird, war immer die Stärke. Pike und Riker beweisen das. Mich konsterniert die mangelnde Bereitschaft der Showrunner, das einzusehen und umzusetzen.

Ich halte es fast schon für zynisch, wenn Burnham im Promo-Material zur neuen Staffel DISCO die geschundene Flagge der Föderation hoch hält – wenn DISCO jemals für etwas stand, dann für die Ablehnung all dessen, was die Föderation ausmacht zu Gunsten einer vagen "wir stehen für was!"-Rhetorik ohne echten Inhalt.

Aber vielleicht liegt das Problem nicht nur in den Führungsetagen von Paramount und CBS oder im "writers room".

Der Fisch Star Trek stinkt nämlich wahrlich nicht nur vom Kopf her. Seit TNG waren die Trekker immer schon eins der Probleme von Star Trek. Ihr Geld hält die Franchise am Laufen – und ihr Geld sitzt locker. Man hat mitunter das Gefühl, dass Paramount eine Serie STAR TREK: REMODEL rausbringen könnte, die monatelange Sanierungsarbeiten an der Enterprise zeigt, und die Fans wären begeistert. Es ist kein kritisches Fandom vorhanden, das durch seinen Anspruch und das damit verbundene Risiko Paramount unter tatsächlichen Druck setzt, inhaltlich potente und dem Trek-Universum verpflichtete Produkte zu liefern.

Ich nehme mich da gar nicht aus: auch ich schaue alles, wo Star Trek draufsteht und stützt damit die aktuelle Ausrichtung der Franchise. Wir mögen uns über die Produzenten und Autoren beschweren – aber wir sind ihre Komplizen.

Und schließlich kann man an dieser Stelle auch durchaus Kritik an den führenden Stimmen der Star Trek-Berichterstattung üben. Machen wir uns nichts vor: die meisten und lautesten Schreiber zum Thema verdienen Geld an Star Trek. Sie sind keine unabhängigen Journalisten mehr, die ihre Meinung frei äußern können. Sie produzieren Bücher, Artikel, Zeitschriften zur Franchise – und damit hängen sie am fetten Euter von Paramount/CBS. Star Trek heftig zu kritisieren würde ihr Geschäftsmodell und damit ihre Einnahmen schädigen. Sie können es sich weder leisten, bei den Produzenten noch bei den Trekkern in Ungnade zu fallen.

Aber natürlich sehen auch sie den Zustand der Franchise. Die Lösung? Eine unfassbare Anzahl vager Artikel und sowohl/als auch-Beiträge, in denen man irgendwie schon zugibt, dass vielleicht in toto nicht alles rund läuft, aber irgendwie doch toll und tuffig und super – und auf jeden Fall dranbleiben! Ich lese Texte, in denen auf durchaus kluge Analysen der Fehler von Star Trek ein davon so entkoppeltes positives Fazit folgt, dass ich unterstellen muss, dass das Honorar mittlerweile einer virtuellen Pistole an der Schläfe gleichkommt.

Star Trek ist gut, auch wenn es schlecht ist. Im äußersten Notfall redet man sich darauf hinaus, dass SF-Serien halt eine Weile brauchen, um ihren Rhythmus zu finden – eine Legende, die seinerzeit für TNG erfunden und seither für alle Trek-Serien als Entschuldigung heran gezogen wurde. Geht das nicht, verweist man darauf, dass die Serie zumindest irgendwie besser geworden ist (oder wenigstens andere Fehler macht als bisher). Letzter Strohhalm? Das Potenzial, das die Serie auf jeden Fall besitzt, aber nur gerade noch nicht ausreizt. Keine Franchise wird derart nach ihrer Reputation und nicht nach ihrem Ist-Zustand schön geschrieben wir Star Trek.

So ist Star Trek als Franchise eine Art perpetuum mobile: Fans mit geringem Anspruch, eine gekaufte Presse ohne Eier und Produzenten ohne Vision bilden ein perfektes Dreieck. Alle sind… na ja, zufrieden wäre der falsche Ausdruck… alle sind an Bord, weil die Alternative "kein Star Trek" unvorstellbar ist. Es kommt genug Geld rein, es geht genug Geld raus. Letztlich ist die Franchise damit auf dem Niveau von RESIDENT EVIL und FAST & FURIOUS angekommen.

Dass Star Trek mal mehr war, mal für was stand, mal echte Begeisterung auslösen konnte? Geschenkt.

Auf der Strecke bleiben die Fans, die Star Trek tatsächlich nicht wegen des Labels, sondern wegen der spannenden Figuren und der großartigen Geschichten geschaut haben.

Aus diesen Gründen glaube ich auch nicht wirklich, dass die nächsten Trek-Serien etwas ändern werden. Dass Pike in STAR TREK: STRANGE WORLDS wieder im Kirk-Modus agiert. Dass STAR TREK: PRODIGY die Absurditäten etwas dekonstruiert. Dass STAR TREK: SECTION 31 überhaupt noch kommt. Weil man von den falschen Leuten mit den falschen Ideen nicht plötzlich die richtigen Entscheidungen erwarten kann.

Es braucht einen Reboot vom Reboot des Reboots. Nicht nur vor den Kameras, auch hinter den Kulissen.

Not just live long… prosper! PROSPER!



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
36 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Christian Siegel
16. Oktober, 2020 12:08

Ich bin in einzelnen Details nicht ganz bei dir (so hat mich gerade auch die von dir nicht als essentiell eingestufte neunte LDS-Folge als herrliche und auch durchaus kritische Persiflage auf die Star Trek-Filme überzeugt), finde durchaus, dass es sehr wohl noch kritische Stimmen gibt (dich, Zukunftia sowie – so viel Eigenwerbung und -lob sei erlaubt – meiner einer), und sehe vor allem auch das Problem des modernen "Star Trek" eher in inkompetenten Drehbuchautoren und dem Mangel an Utopie und Aufbruchstimmung denn im Anbiedern an die "woke"-Bewegung. Im Großen und Ganzen – und insbesondere der Feststellung, dass das Problem des modernen Star Treks ein so strukturelles wie personelles ist – bin ich da aber bei dir. Leider.

Last edited 11 Tage zuvor by Christian Siegel
Christian Siegel
16. Oktober, 2020 12:14

Ach ja, und noch ein ganz wichtiger Nachsatz zu "sehe das Problem des modernen Star Trek eher in": Einem mangelnden Verständnis der aktuellen Produzenten, was sowohl Reiz als auch USP von "Star Trek" ausgemacht hat. Früher war "Star Trek" Vorreiter. Heute ist es Mitläufer, und dabei der Konkurrenz unweigerlich – und konstant – unterlegen.

Christian Siegel
16. Oktober, 2020 12:53
Reply to  Torsten Dewi

Hm, steht doch eigentlich eh da. Ich sage nicht, dass das Anbiedern an die "woke"-Bewegung nicht *ein* Problem des modernen Star Trek ist. Ich sehe es nur nicht als das Hauptproblem. Allein mit besseren Drehbüchern (mit einem besseren Verständnis für Figuren, Motivation, Handlungs- udn Spannungsaufbau, und inheränter Logik) wäre z.B. schon enorm viel geholfen. Demgegenüber halte ich die von dir angesprochene – und zweifellos auch vorhandene – woke-Problematik für vernachlässigbar.

LDS ist da ein gutes Beispiel: Trotz aller woke-Elemente und der von dir zitierten (zu) überdrehten Figuren hat die Serie für mich wesentlich besser funktioniert als Discovery und Picard. Weil man – abseits des im Konzept steckenden Problems der Konzentration auf Nebenfiguren (wo ich voll und ganz bei dir bin, das ist auch mein größtes Problem mit der Serie) es besser versteht, gute Geschichten zu erzählen, und ein besseres Verständnis davon hat, was "Star Trek" ausmacht. Zudem hatte man in zehn Folgen LDS mit Thematiken wie der "Bufferzeit" mehr zu sagen, als in zwei Staffeln DIS und einer Staffel PIC. Diese Dinge finde ich letztendlich wesentlich wichtiger, als wie "woke" eine Serie ist (nämlich in beide Richtungen).

Zusammengefasst: Es ist weniger eine Frage des "Ich stimme nicht überein" (deshalb tue ich mir auch mit Gegenargumenten schwer), als eine Frage der Gewichtung. 😉

Christian Siegel
17. Oktober, 2020 14:49
Reply to  Torsten Dewi

Dass das woke-Problem bis zu den Drehbüchern durchschlägt, ist klar. Aber: Zahlreiche Schwächen die ich seit Anbeginn bei Discovery an den Drehbüchern bemängle (z.B.: Figuren die keine Persönlichkeit haben sondern nur einen Zweck innerhalb der Handlung erfüllen, Kontinuitätsfehler, ein trotz fortlaufender Geschichte oftmals völlig vermurkster Aufbau [siehe: Airiam erst in jener Episode näher vorzustellen, wo man sie aus der Serie schreibt], logische Ungereimtheiten, unzählige kosmische Zufälle auf denen die Drehbücher teilweise aufbauen damit sie sich wie von den Autoren gewünscht entwickeln können, und nicht zuletzt die ewig gleiche einfallslose Story von der Rettung der "Welt" [auch wenn die Definition davon, was unter "Welt" zu verstehen ist, zugegebenermaßen variiert], die "Star Trek" – spätestens – seit J.J. Abrams plagt) würde ich jetzt in keinem ursächlichen Zusammenhang zu "woke" sehen.

Und bei "Weil die Protagonisten nicht im Mittelpunkt des Plots stehen" muss ich dir sogar vehement widersprechen, weil genau das ist für mich einer der zentralen Kritikpunkte an Discovery: Dass es nicht mehr um das Kollektiv geht, sondern nur mehr um eine einzige Figur: Michael Burnham. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des "Discovery"-Universums. Bereits von Anbeginn – aber umso mehr beim Auftakt der dritten Staffel. Alles andere um sie herum ist letztendlich nur Schaufensterdekoration, bzw. Mittel zum Zweck, um sie in Szene setzen zu können.

Last edited 9 Tage zuvor by Christian Siegel
Christian Siegel
17. Oktober, 2020 16:56
Reply to  Torsten Dewi

Ok, das kann ich so unterschreiben :-).

Tim
Tim
16. Oktober, 2020 14:06

Du deutest es an: Das Problem des neuen Star Trek ist vielleicht der Poststrukturalismus. Geschichten erzählen sich über das "Was" und nicht über das "Was nicht": Kritik ist immer sensationell kritisch, aber mies in der Konstruktion. Das ist auch das Grundproblem mit Wokeness/PC/Linke Identitätspolitik.
Dazu ist der aktuelle Druck zu produzieren wohl verdammt hoch, i guess. Wir sehen zwar High Product Value – Geld ist ja da -, aber maue Storys, weil wenig Zeit zum Entwickeln. So stülpt man eben fix Klischees aus dem Gender/Left Identity Millieu über, ist wenigstens hip.
Das ist nicht nur ein Star Trek-Problem, 90%-95% der aktueller Streaming-Serien wirken auf mich gleich: Teuer, aber trotzdem dröge, verfehlt, verwässert.

Tim
Tim
16. Oktober, 2020 14:53
Reply to  Torsten Dewi

Die Folgen damals waren abgeschlossen, klarer strukturiert und somit besser zu schreiben. Die Versuchsanordnung war immer gleich. Du hast das mal so schön beschrieben: Vielleicht kommt der horizontale Ansatz hier in die Quere.

Tim
Tim
16. Oktober, 2020 15:13
Reply to  Torsten Dewi

😉 Womöglich hast du recht. Aber woran liegt es dann, dass die meisten Serien ähnliche Probleme haben? Ich langweile mich tot! In Netflix' "Away" über eine fiktive Mars-Mission handelt eine komplette Folge von den Highschool-Problemen der Kommandantinnen-Tochter (und – natürlich – von einer lesbische Liebe). Hallo?

Tim
Tim
16. Oktober, 2020 15:19
Reply to  Tim

(Wobei, es sind zum guten Teil einfach Wohlfühl-Konsens-Produktionen. Sie wagen nix. Insofern gibts deinem Post nichts mehr hinzuzufügen).

tim
tim
16. Oktober, 2020 19:57
Reply to  Tim

Apropops: Andrew Sullivan frisch heute über Wokeness.
Lesenswert.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
16. Oktober, 2020 17:09

" Letztlich ist die Franchise damit auf dem Niveau von … FAST & FURIOUS angekommen."

Passt doch, Justin Lin hat in beiden Franchises Regie geführt – das Crossover kann kommen ;D

OnkelFilmi
OnkelFilmi
16. Oktober, 2020 22:57

Die Dreharbeiten zu Season 4 beginnen bereits in etwas mehr als zwei Wochen.

Abgesehen von LOWER DECKS bin ich jetzt erstmal durch mit STAR TREK. Geht nicht mehr. Stick a fork in it.

Im Dezember kommt wenigstens THE EXPANSE zurück…

frater mosses von lobdenberg
17. Oktober, 2020 04:42

Ja, Torsten, wir habens begriffen, Du willst lieber wieder den jungen Shatner im zerrissenen Pyjama-Oberteil sehen, wie er ein ums andere Mal auf die erste Direktive kackt und Probleme mit dem Phaser „löst“. Na, dann guck doch ST:TOS und werd bleib glücklich damit. Ich habe oben bei „Das ist nicht Star Trek.“ zu lesen aufgehört. Ich habe einfach keine Lust mehr, mir immer und immer und immer und immer wieder erklären zu lassen, was Star Trek sein darf und was es nicht sein darf. Und nein, ich werds Dir jetzt auch nicht erklären, Du weisst es ja schon.

Gute Nacht, Ende und aus, tera’ngan.

Michael Becher
Michael Becher
17. Oktober, 2020 10:34

Ich hab gestern die erste Folge angeschaut und bin echt fassungslos…
Es wird schon wieder nur rumgeheult und geschrien, Wackelkamera in den Kampfszenen, Phaser scheinen keine Stun-Funktion mehr zu haben, alles wird gleich weggeballert. Ich kann bei den Charakteren wieder keinerlei glaubhafte Motivation für ihr handeln erkennen. Das vor Pathos triefende Ende hat mir dann den Rest gegeben.

Ob das jetzt "Star Trek ist oder nicht" ist meiner Ansicht nach da sogar schon zweitranging. Es hat aber definitiv nichts von dem, was ich immer an Star Trek geliebt habe. IMHO wieder miserabel erzählt und macht einfach keinen Spaß anzuschauen. Das können auch die tollen Effekte nicht retten. Ich für meinen Teil muss leider sagen das ich raus bin. Um Discovery mache ich ab jetzt einen Bogen. Es schmerzt mich einfach zu sehr was aus der Franchise gemacht wurde.

Ich hätte per se noch nicht einmal etwas dagegen, Star Trek mal komplett neu zu Interpretieren, so eine eine Art "Dark Trek". Vielleicht hinkt der vergleich, aber für mich ist The Boys z. B. eine klasse Dekonstruktion des Superhelden Genres. Was wäre, wenn in Star Trek alle Arschlöcher sind? Die Brücken-Crew sind die Seven, der Captain eine Art Homelander. Gut, wenn ich drüber nachdenke haben wir das ja schon mit dem Spiegeluniversum… Das trägt wahrscheinlich doch nur ein-/ zwei Folgen.

Michael Becher
Michael Becher
17. Oktober, 2020 14:08
Reply to  Torsten Dewi

Ja, kenne ich und fand ich auch klasse. Genau das hatte ich im Kopf, und es war für zwei Folgen klasse. Bin mir aber nicht sicher wenn ich genauer drüber nachdenke ob das Konzept im Star trek Universum eine ganze Serie tragen könnte…

Exverlobter
Exverlobter
17. Oktober, 2020 13:55

"STAR TREK LOWER DECKS ist die Geschichte von ein paar Fähnrichs (Fähnrichen?)"

Für irgendwas muss meine Wehrdienstzeit bei der Bundeswehr ja gut gewesen sein, deswegen kann ich hier mal was konstruktives was dazu beisteuern.

Irgendwie hat es sich durch die Synchro in Deutschland, die oftmals falsch liegt, etabliert, dass auf den Raumschiffen in Star Trek "Fähnriche" ihren Dienst tun.

Mal zur Klarstellung: Ein "Fähnrich" ist ein Dienstgad eines Offiziersanwärters, also jemandem der die Ausbildung noch gar nicht durchlaufen hat, also im Kontext von Star Trek auf der Sternenflotten-Akademie noch für Prüfungen büffelt. Wenn man die Englische Originaltonspur von Trek sich anhört ist meistens von "Ensigns" die Rede, also bereits voll ausgebildeten Offizieren, halt auf der untersten Ebene. Im Deutschen enspricht das in etwa dem Leutnant, während der "Lieutenant" dann dem deutschen Oberleutnant entspricht.

DJ Doena
DJ Doena
17. Oktober, 2020 19:32
Reply to  Exverlobter

Korrekt. Weil ich (zu) viele Jahre J*A*G geguckt habe, hatte ich mir mal einen Chart mit den Diensträngen gebastelt. Der US Navy Rang Ensign (der am ehesten mit Starfleet vergleichbar ist) ist NATO Code OF-1, was dem deutschen Leutnant (zur See) entspricht: http://doena-soft.de/ranks/officers.html

jimmy1138
jimmy1138
18. Oktober, 2020 10:15

Keine Enttäuschung, kein Ärger über den Discovery-Staffelauftakt – eher Apathie und mentales Entkoppeln von der Star Trek Franchise. Für mich ist das nur mehr ein knallbunter Andromeda-Abklatsch, wo es zufällig eine Föderation ist.
Genauso wie geistig The Orville Star Trek ist, wo die Föderation zufällig nicht Föderation heißt. Und um den Konnex zu Lower Decks herzustellen: Bei The Orville dürfte McFarlane auch kapiert haben, daß das Originalkonzept (ein drittklassiges Schiff mit viertklassiger Besatzung) nicht funktioniert hätte – alle Figuren, die noch im Piloten als inkompetent rüberkamen sind mittlerweile verläßliche Crew-Miglieder.

Zum "State of the franchise": Viele machen es alleine an Kurtzman fest, der als Sündebock herhalten muß und in Fankreisen sicherlich auch keinen guten Ruf hat, nachdem er schon einige Franchises an die Wand gefahren hat. Bei Star Trek Fans umso mehr, nachdem er nach Eigenangaben kein besonderer Fan ist.
Gerüchteweise soll "Strange new worlds" unter der Führung von Akiva Goldsman stattfinden – böse Zungen sprechen zwar von einem "lateral move", aber ich gebe Star Trek da noch eine letzte Chance.

Was das "Macht-Problem" betrifft: Ja, kann man so unterschreiben. Auch in alten Star Trek Serien kam die Admiralität eher nicht so gut weg, aber die Atmosphäre am Schiff war immer militärisch und Insubordination mMn immer mit einem moralischen Konflikt verbunden – und es gab oft auch Konsequenzen (z.B. Tom Paris kommt in Arrest, Worf wird von Data runtergeputzt, Kirk degradiert…). Die einzige Ausnahme war in meinen Augen, als Riker sich gegenüber Jellico wie ein ungezogener Teenager verhielt. Im "new Trek" hingegen steht Insubordination am Beginn jeder Hauptfigur (Kirk in 2009 Trek, Burnham im Piloten, Picard), die Crew verhält sich so, als ob sie für das Erfüllen simpelster Aufgaben ein Goldsternchen im Mitteilungsheft erwartet,

AlphaOrange
AlphaOrange
18. Oktober, 2020 10:52

Ich gehe deine These über die machtlosen Figuren total mit. Aber damit, dass Star Trek hier eine Sonderolle haben soll, die für andere Serien nicht gilt, tue ich mir schwer und kann auch deine Beispiele nicht nachvollziehen.

"großartige Serien über gebrochene, komplexe Figuren hervor gebracht hat: ALTERED CARBON, THE 100, THE EXPANSE. Aber das ist nicht Star Trek. Star Trek hat eine andere Geschichte, andere Gene, eine andere Verantwortung."

Diese Serien funktionieren doch nicht deshalb, weil sie nicht Star Trek sind, sondern weil sie ihren Figuren ausreichend Potenz und Bedeutung verleihen. Carbon außen vor, das sah ich nicht. The 100 startet unter seinen Jugendlichen mit einem zu füllenden Machtvakuum, aus dem sich schnell Anführer ergeben. Und bei den Erwachsenen ist die gesamte Führungsriege im Cast. The Expanse schreibt ebenfalls jeder Rolle Bedeutung zu. Holden ist Captain seines Schiffes, Amos kloppt Leute weg und hält die Technik instand, Alex ist ein Spitzenpilot, Avasarala sitzt im irdischen Machtzentrum. Niemandem schreibt dass Drehbuch mehr Bedeutung zu als die Rolle hergibt.

Gebrochen und komplex, ja. Aber das ginge auch in Star Trek. Da scheitert es aber eher daran, dass den Figuren einfach die Relevanz fehlt. Besonders bei Disco:
Burnham ist Specialist für -undefiniert- und bekleidet zunächst keinen offiziellen Rang. Eigentlich kann und darf sie nichts und gerät immer nur durch dumme Zufälle ins Geschehen.
Stamets erforscht Pilze. Auf nem Raumschiff. Das ist eigentlich sein einziger Job. Stamets ist NICHT der Chefingenieur, das ist jemand anderes.
Genauso wie Culbert NICHT der Chefarzt ist. Das ist jemand anderes.
Tilly hat ebenfalls einfach keine Bedeutung auf dem Schiff.

Es müssen nicht immer der Captain und seine Brückcrew auf Außenmission gehen. Aber die Figuren, die erzählt werden, müssen einen Grund haben, warum sie wichtig sind. Das ist kein Star-Trek-spezifisches Problem, aber die anderen Serien haben es halt richtig gemacht.

Davon ab: mir gefiel der S3-Auftakt wieder Erwarten ganz gut nachdem ich die ersten beiden Staffeln ziemlich murksig fand. Aber mir gefiel auch der Auftakt von Picard, also ist Abwarten angesagt.

AlphaOrange
AlphaOrange
19. Oktober, 2020 17:57
Reply to  Torsten Dewi

Okay, das kann ich tatsächlich besser nachvollziehen.
Guter Punkt, der interessante Fragen aufwirft. Denn ich gehe mal einfach davon aus, dass du nicht der einzige auf der Welt bist, dem das auffällt und wir nicht die einzigen, denen das einleuchtet. Das müssen zumindest einzelne Personen bei CBS ja auch ahnen. Trotzdem wurde in den ersten beiden neuen Trek-Serien nicht auf das erfolgversprechende Pferd gesetzt. Lower Decks zähle ich nicht, das bedient grundsätzlich ein anderes Genre und anderes Publikum, da ist nachvollziehbar, wenn man einen anderen Eskapismus bedient.
Mal sehen, ob uns Strange New Worlds auf den alten Pfad zurückführt. Das Setup stimmt zumindest schon mal deutlich zuversichtlicher.

Jake
Jake
19. Oktober, 2020 14:13

Ich musste die erste Folge nach 20 Minuten abbrechen. Dieses permanente Overacting der Hauptdarstellerin ist einfach nur nervtötend. Ständig am Heulen oder am Rumschreien, aufgerissene Augen, gefletschte Zähne. Der Ausnahmezustand ist die neue Normalität. Danke, aber nein danke. Für mich war’s das endgültig mit DISCO, ich quäle mich nicht nochmal durch eine komplette Staffel.

Riverstomp
Riverstomp
19. Oktober, 2020 16:12

Nachdem von einigen Kritikern anfangs verhaltene bis positive Signale kamen hatte ich mir die erste Folge der dritten Staffel von DISCO in der Hoffnung angesehen dass es nun endlich besser werden würde. Ich Narr. Die Schauwerte/Settings/Tricks waren toll, keine Frage. Aber am Kern hat sich nix geändert. Style over Substance.

Die Ursache der schon lange anhaltende Krise der StarTrek Franchise wurde mal von RedLetterMedia sehr treffend auf den Punkt gebracht (das war glaub ich in deren Besprechung von Picard): Früher war StarTrek von Nerds für Nerds. Dann merkten die Konzerne dass da richtig viel Geld gemacht werden kann. Und dann haben die "Jocks" das Ruder übernommen. Sie brachten viel viel Geld mit, aber seitdem sind Explosionen und CGI wichtiger als alles andere um das ganze massenkompatibel zu machen.
Sehr schön war auch ein Video von RedLetterMedia in denen Mike und Rich ihre Top 5 STNG Folgen besprachen und wo dann kurz STNG und DISCO bezüglich ihrer Storymuster verglichen wurden : https://youtu.be/m-hGLHOzvgs?t=1257

Joris
Joris
19. Oktober, 2020 16:27

"Trotzdem ist es ernüchternd, dass ich nach der ersten zehnteiligen Staffel nur die erste und die letzte Folge als "essential viewing" bezeichnen würde."

Hust, hust…dieerstestaffelTNGwarauchziemlichübel.

"Die besten Momente in PICARD gehören Seven of Nine"

Das war mMn in Voyager auch der Fall. Selbst wenn man ihren albernen Borg-Cat suit ignorierte, was mir damals nicht immer einfach fiel.

Schade das ST so produziert wird wie es aktuell der Fall ist. Mir gingen schon die neuen Filme gehörig auf den Sack, vor allem der erste und dritte. Von Picard und Disco habe ich jeweils nur ein paar Folgen geschafft, so enttäuscht war ich von beiden Serien. Es bleibt mir wohl nur Orville und ein Blick auf Lower Decks und natürlich Treck fremde Serien wie The Expanse, To the Moon und hoffentlich Foundation.

Kaio
Kaio
20. Oktober, 2020 13:20

Ich habe gestern erst die Folge gesehen. Wow. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich glaube mittlerweile dass die Autoren absichtlich das Gegenteil von dem tun was, wenn es kritische Berichte gibt, im allgemeinen kritisiert wird. Ich meine es ist eine der am meisten geäußerten Kritiken an Discovery dass viel zu viel Fokus auf Michael Burn’Em liegt. Und sie starten Staffel 3 mit einer Burn’Em Solo-Episode wo sie 60 Minuten lang schreien, grunzen und ballern darf. WTF.
Was ist eigentlich daraus geworden dass sie Vulkanisch erzogen wurde? Das war mal der Aufhänger für ihren Charakter, jetzt wird nur noch geschrien, geheult und unüberlegt Instinkten gefolgt. Das komplette Gegenteil von dem.

Und noch so ein Ding der mich extrem gestört hat. Was sollte der permanente Adventure-Dudel-Soundtrack der die ganze Folge ohne Unterbrechung lief? Sowas assoziiere ich normal mit ganz billig produzierten Fantasy TV Serien. Das passt zu Trek mal sowas von überhaupt nicht.

Thadiun Okona
Thadiun Okona
20. Oktober, 2020 19:39
Reply to  Kaio

Die Auftaktepisode wirkt wie ein hypermotorischer Zusammenschnitt einiger Deleted Scenes von "Star Trek: Beyond" mit ein bisschen rotem Gebüsch vom "Star Trek Into Darkness"-Intro. Hinter dem picknicken Spannung, Logik, Sinn und Trek-Spirit, derweil jene Figur, deren Narrative mit der Woke-Namensgebung begann und sogleich endete, langweiliger durch die Gegend hetzt, als Abrams es je inszenieren könnte. Sie sieht in Actionszenen auch einfach nicht gut aus.

Fleißbienchen dagegen für David Ajala. Von "Jupider Ascending" über "Night Flyers" und "Supergirl" nun zu dem Ding hier. Manchmal muss man im Leben Scheiße fressen, schon klar, aber so viel? Armer Kerl. Scheinbar dazu verdammt, immer das eine Leuchtfeuer im Einerlei zu sein. Ein echter Sympath, dessen enormes Charisma ihn weit tragen wird. Vielleicht kriegt er ja mal gute Sci-Fi ab, bevor die Sonne ausbrennt.