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Okt 2020

Rasieren, bis der Arzt kommt

Themen: Neues |

Abtlg.: Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?

Tatsächlich scheint es einige Leute zu interessieren, was ich esse, worauf ich schlafe, und womit ich fahre. Üblicherweise ist meine Morgentoilette in diesem Themenmix tabu, aber wenn sich wirklich mal was ändert, fühle ich mich zur Mitteilung verpflichtet.

Rasieren war bei mir immer ein heikles Thema. Ich rasiere nass. Aus Prinzip. Männer machen das so. Maschinen sind was für Memmen. Einzige Ausnahme: wenn ich arg lange mal nicht zum Rasierer gegriffen habe, werden die zu langen Stoppeln mit einem Bartschneider aus dem Gesicht geraspelt. Danach dann Nassrasur. Es ist mehr als ein Vorgang – es ist ein Ritual.

Ich rasiere mich allerdings nicht oft, vielleicht einmal die Woche. Weil ich in meinem Beruf keine babyglatte Haut brauche und meine LvA findet, dass es mir gut steht.

Ich kann mich noch erinnern, was für eine Quälerei die Rasur in meinen jüngeren Jahren war. Damals war meine Haut so straff und mein Zweiklingen-Rasierer so gnadenlos, dass eine Rasur einer Schlachtung gleichkam. Es ging nie ohne Blut ab. Und dann Aftershave drauf – YIKES! Und zum guten Schluss mit dem Salzstift die Wunden verschließen. Ätzend.

Ich habe mir oft einen "Rasierer aus der Zukunft" vom MAD Magazin gewünscht:

Mehr Klingen und die schlaffere Haut des Alters hat mich irgendwann mit dem Prozedere versöhnt. In den letzten Jahren war ich durchweg in der Lage, mich ohne Massaker zu rasieren. Dazu reichten No Name-Rasierer mit drei, vier oder fünf Klingen vollkommen aus.

In den letzten Monaten hat sich die Situation aber merklich verschlechtert. Die neuen Rasierer vom Discounter werden in Nullkommanix kratzig und ich habe echte Schwierigkeiten, die üblichen Problemzonen des Männergesichts (Kinngrübchen, Nasenfalten) ohne nervige Schaberei glatt zu bekommen. Liegt’s am kalkhaltigen Wasser in München? Haben die Discounter die Qualität ihrer Rasierer schleifen lassen, aber nicht die Klingen?

Ich entschied mich, etwas zu tun, was ich sonst gerne großmäulig verweigere – ich schaute mich erstmals in meinem Leben nach einem Markenrasierer um. Und nach der Lektüre diverser Tests war klar – es musste wohl ein Gillette Fusion 5 sein, der allerorten hervorragend abschneidet.

Nun meide ich Markenrasierer vor allem deshalb, weil ich nicht nur die Rasierer zu teuer finde, sondern die Klingen. Das ist wie mit Druckertinte – darüber kriegen sie dich. Ich wußte aber auch, dass Klingen zum Amazon Prime Day günstiger verhökert werden. Also kaufte ich mir – Gutschein sei Dank – erstmal relativ günstig so ein Wunderding mit beweglichem Kopf:

Ich erwartete nicht viel – nur eine bessere und schnellere Rasur.

Das Ergebnis als verblüffend zu bezeichnen wäre eine Untertreibung. In der Tat rasiert der Gillette DEUTLICH besser als auch die edelsten Rasierer vom Discounter. Alles geht mit einem Strich runter, Kinngrübchen ist endlich kein Thema mehr. Die Klinge gleitet wahrnehmbar weicher und hat auch keine Probleme mit längeren Barthaaren.

Vor allem aber hat der Gillette Fusion 5 ein Feature, das – wie die Sprachbedienung meines Chromecast – im ersten Augenblick unnötig klingt, aber einen absoluten Mehrwert darstellt: eine weitere Einzelklinge auf der Rückseite des Scherkopfes. Damit kann man exakt die Stellen unter der Nase erreichen, an denen Rasierer ob ihrer aktuellen Größe oft scheitern. Kein Schnickschnack, sondern eine wirkliche Erleichterung, die ich schon nach fünf Rasuren nicht mehr missen möchte.

Und weil mich der Fusion 5 so begeistern konnte, habe ich mir beim Prime Day dann auch gleich eine Packung mit 8 Klingen für sehr wenig Euro geschossen.

Das allein wäre aber noch kein Grund, hier Produktwerbung zu betreiben. Es stellt sich aber heraus, dass der Fusion 5, den ich mir gekauft habe, noch mehr kann. Und davon wusste ich nix. Weil ich doof bin und die Beschreibung bei Amazon nur überflogen habe.

Schaut euch mal dieses Bild an:

Da ist ein Einschaltknopf (?) zu sehen. Und die Grafik impliziert Wellen irgendeiner Art. Ich bin natürlich sofort ins Bad – und siehe da – den Knopf hat mein Gillette auch. Ist mir allen Ernstes nie aufgefallen. Ich drücke drauf und…

Das. Ding. Summt.

Es. Vibriert.

Das Rätsels Lösung: ich habe unwissentlich die "Power"-Variante des Rasierers gekauft. Die hat eine Batterie und vibriert. Ich gestehe, dass ich das nie und nimmer absichtlich in den Warenkorb gelegt hätte. Aber nun bin ich neugierig.

Ich habe KEINE Ahnung, was das soll. Auf einer wohl fast mythischen Ebene soll die Vibration die Rasur noch angenehmer gestalten. Ich ärgere mich, dass ich mich heute morgen rasiert habe und das deshalb nicht sofort ausprobieren kann.

Mein Nassrasierer vibriert. Sachen gibt’s.

Na ja, auf jeden Fall lautet das Fazit meiner aktuellen Experimente: Entgegen dem, was der Wortvogel noch vor einem Monat im Brustton der Überzeugung behauptet hätte, sind Qualitätsrasierer von Markenherstellern den No Name-Klingenschwingern wohl doch deutlich überlegen und der höhere Preis resultiert nicht allein aus der kapitalistischen Raffgier. Ein Information, die ich schon vor zehn Jahren hätte brauchen können…



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DJ Doena
DJ Doena
24. Oktober, 2020 19:51

Ich rasiere mich seit Jahren nur noch einmal alle ein bis zwei Monate und das heißt bei mir, dass der Langhaarschneider ohne Aufsatz genommen wird und einmal radikal ums Kinn und über den Kopf gegangen wird. OK, ums Kinn herum vielleicht einmal öfter als über den Kopf (d.h. einmal im Monat ums Kinn, einmal alle zwei Monate den Kopf mit).

Was ich nie rausgefunden habe und was mich neugierhalber interessiert: Für wieviele Nassrasuren sollen die Klingen eigentlich genau halten? Damals, als ich mich noch nass rasiert habe, hatte ich immer das Gefühl, dass die Dinger sehr schnell stumpf werden. Ich hatte damals Wilkinson genommen und bei drei Klingen waren die auch schon angekommen.

Heino
Heino
24. Oktober, 2020 22:03
Reply to  DJ Doena

Ich muss mich mindestens alle 2 Tage mit dem Fusion rasieren und benutze den seit Jahren, daher kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Klingen höchstens 5 Rasuren hinbekommen. Ich hatte aber auch schon oft stumpfe Klingen dazwischen, die bei der zweiten Rasur Wunden erzeugten. Trotzdem ist das der beste Rasierer, den ich bisher gefunden habe

Mencken
Mencken
24. Oktober, 2020 23:24
Reply to  Heino

Ich nutze immer noch den Gillette Sensor, wobei ich mich auch spätestens jeden zweiten Tag rasieren muss.
Grundsätzlich gilt meines Wissens auch, dass weniger Klingen hautfreundlicher sind, was zumindest bei mir auch zutrifft. Überrascht mich daher, hier ganz andere Erfahrungswerte zu vernehmen.
Auf jeden Fall sind Rasierer aber ein Produkt, bei denen die Markenware klar besser ist, insofern liegt es also vielleicht auch nur daran.

Aris
Aris
25. Oktober, 2020 00:32

Ich mag es überlesen haben, aber zu empfehlen ist der Kollege https://blog.nassrasur.com/
Er hat nicht nur gute Beschreibungen, warum man doch besser den herkömmlichen Hobel benutzen sollte. Es sind auch sonst sehr sehenswerte Links
Disclaimer: Ich trage Bart.

Markus
25. Oktober, 2020 10:54

Ich habe mich in meinem gestamten bisherigen Leben noch nicht einmal nass rasiert. Immer nur mit Maschine.

Heino
Heino
25. Oktober, 2020 19:08
Reply to  Markus

Habe ich früher auch, aber da ich davon Pickel bekomme, habe ich auf Nassrasur gewechselt

Thadiun Okona
Thadiun Okona
25. Oktober, 2020 20:23

Bin gespannt, wofür der Knopf ist.

Dietmar
26. Oktober, 2020 07:38

Nass, Rasiermesser, ganz very old school.

Dietmar
26. Oktober, 2020 20:56
Reply to  Torsten Dewi

Ich war nie weg, werde mich aber weitgehend raus halten.

tim
tim
26. Oktober, 2020 13:38
Reply to  Dietmar

Das probiere ich jetzt auch aus. Bin schwer gespannt. Ab heute gehts los.

Dietmar
26. Oktober, 2020 20:57
Reply to  tim

Das ist – geil. Und es macht Spaß. Immer noch, nach jetzt zwanzig Jahren.

Tim
Tim
26. Oktober, 2020 21:43
Reply to  Dietmar

Hoffentlich überlebe ich das erste Mal. Meine Freundin wird mit der Notfallrufnummer im Handy daneben stehen! 😉

Dietmar
27. Oktober, 2020 05:21
Reply to  Tim

😀

comicfreak
comicfreak
30. Oktober, 2020 14:59
Reply to  Dietmar

So richtig mit Lederriemen an der Wand und Schaum aufschlagen? <3

Dietmar
5. November, 2020 05:16
Reply to  comicfreak

Den Lederriemen brauchen wir für andere Dinge … höhöhö

Ernsthaft: Nein. Das ist ein Stecksystem mit einem Monoblade. Fühlt sich für mich einfach ideal an.

Und ich befürchte, wir haben @Tim verloren. Meldet sich nicht mehr, um vom Erfolg zu berichten, nachdem er sich in akute Lebensgefahr brachte….

Klaus
Klaus
26. Oktober, 2020 17:37

Ich rasiere mich seit jeher elektrisch und finde das Getue um die Nassrasur meist recht peinlich. Einem Gesicht sieht man die Art der Rasur nicht an, sofern für den Vergleich gute Produkte genutzt wurden. Dennoch kenne ich zahlreiche Männer, die Elektrorasierer verteufeln, als würde man ihnen mit der Trockenrasur in ihr persönliches Lieblingsmüsli pinkeln.
Meiner Meinung nach sollte jeder einfach das nutzen, was ihn in seinem Tempo an sein Ziel bringt. Wenn Methode A die Haut reizt, wird halt Methode B genutzt. Die Eier werden dadurch nicht größer oder kleiner.

Als Pro für die Nassrasur würde ich die Schnelligkeit ansehen (bei mir dauert es 5-10 Minuten mit dem Elektrorasierer, abhängig vom gewünschten Ergebnis), sofern man denn kein heiliges Ritual daraus macht. Als Contra sehe ich die Kosten, die Verletzungsgefahr (your mileage may vary) und die Verschwendung von Zeug (Klingen, Wasser, Schaum, Pflaster, Klopapier, Salben, Aftershave, Salzstift usw.).
Der gute Elektrorasierer kostet anfangs einen Batzen Geld und kostet danach nur noch Strom und Wasser. Die Klingen tausche ich alle paar Jahre (Rasur etwa 1x die Woche). Nervig bei dieser Art der Rasur ist, dass ab und zu einzelne Haare stehen bleiben, die man dann mit der Zweitklinge auf der Rückseite entfernen muss.
Interessanterweise versuchen die Hersteller auch hier, die Druckerpatronenmasche anzuwenden: Es gibt für meinen Rasierer eine Reinigungsstation mit dazugehöriger Reinigungsflüssigkeit, die in Kartuschen verkauft wird. Sobald die Kartusche in die Station eingelegt ist, beginnt der Countdown, denn das Zeug ist auf Alkoholbasis und der verflüchtigt sich mit der Zeit. Die Station jammert schon nach wenigen Tagen/Wochen, dass sie eine neue Kartusche will. Und die kosten natürlich einiges an Geld und gehören wieder in die Kategorie "Verschwendung von Zeug".
Mit Wasser lässt sich der Rasierer ebenfalls reinigen (Dauer: Etwa 10 Sekunden) und der in der Anleitung herausbeschworene schnelle Schärfeverlust durch diese Art der Reinigung ist bei mir noch nicht aufgetreten.

Bleibt nur noch zu sagen: Meiner vibriert von Haus aus. Keine Ahnung, was das soll, ist so angenehm oder unangenehm wie mit einem Nichtvibrierer. Bin gespannt, ob es für dich bei der Nassrasur einen Unterschied macht.

Martin
Martin
13. November, 2020 21:46
Reply to  Klaus

Was nutzt Du denn für ein Wunderwerk der Technik? Überlege gerade von meinem Philipps (etwas viel älteres Modell) umzusteigen.
Der Form halber: ich rasiere auch mal Nass. Dann mit einem Bambus-Rasierer von DM.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
27. Oktober, 2020 04:35

Ich rasiere Nass und auch trocken (zumindest pre Corona, inzwischen nur noch Nass, da 1x die Woche). Bin damals mit dem Fusion 1 eingestiegen, hatte da auch die Powervariante gekauft. Die Rasur ist definitiv sehr sauber, kein Vergleich zu den Schächtermesser vom Discounter, die ich mal zu Testzwecken gekauft hatte, sind einfach nur schmerzhaft. Was ich allerdings NIE verstand, ist diese Powerfunktion. Ich habe die nur ein paar mal genutzt, allerdings keinen ernsthaften Mehrwert gefunden. Angeblich sollen die Vibrationen wohl dabei helfen, die Haare besser zu erwischen, aber wie gesagt, ich habe keine ernsthaften Vorteile bemerkt.
Was allerdings passiert, ist, dass das Ding wegen der Batterie viel viel einfacher rostet und die Batterie gerne dadrin auch schön ausläuft. Habe inzwischen durch ähnliche Aktionen auch den normalen und der ist viel stabiler als der mit Power. Da das mit den Rasierern ja im Grunde wie bei Druckern ist, ist das ja ein eher vernachlässigbares Problem, da man dann eben alle 2-3 Jahre einen neuen kaufen muss, aber wer wie ich ungern Sachen wegwirft, läuft langfristig besser mit dem ohne Power. Falls du die Powerfunktion nicht nutzt, solltest du aber definitiv die Batterie entfernen und nicht wie ich einfach vergessen.

Wegen Trockenrasieren: Ich benutze nen Trockenrasierer normalerweise aus Bequemlichkeit, da braucht man keinen Spiegel für und man kann das halt überall machen. Habe aber auch sensible Haut, weswegen ich den nur Nutze um den Dreitagebart wegzubekommen. Wenn die Haare zu lang sind, ist meine Haut sonst den halben Tag irritiert. Daher gilt im Home Office auch nur alle 1-1,5 Wochen eine Nassrasur.

Olaf Kröger
Olaf Kröger
27. Oktober, 2020 21:36

Wie war’s denn jetzt mit dem Vibrierknopf? (Ich habe diese elektrische Oral-B-Zahnbürste. Wenn ich mir vorstelle, daran einen Nassrasierer zu befestigen, kommt bei aller Phantasie nicht ein NOCH angenehmeres Rasiererlebnis heraus.)

Andy Simon
Andy Simon
4. November, 2020 22:06

Bin derzeit von Shavent begeistert. Hatte ich bei Startnext entdeckt, und das Ding löst das Müllproblem mit einzeln austauschbaren Halbklingen (300 Stck für 9 Euro halten dann mal gut 3 Jahre). Vielleicht auch eine Prüfung wert …

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[…] hatte ja neulich erwähnt, dass ich auf einen Marken-Rasierer umgestiegen bin, der zu meiner Überraschung eine […]