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Sep 2020

Fantasy Filmfest 2020 (4): BRING ME HOME

Themen: Fantasy Filmf. 20, Film, TV & Presse, Neues |

Südkorea 2019. Regie: Kim Seung-Woo. Darsteller: Lee Young-Ae, Yoo Jae- Myung, Park Hae-Joon, Lee Won-Geun, Kim Yi-Kyeong, Park Kyung-Hye

Offizielle Synopsis: Nach sechs quälenden Jahren vergeblichen Suchens nach ihrem vermissten Sohn, erhält Jung-yeon endlich einen seriös anmutenden Tipp, der sie zu einem kleinen Fischerort führt. Doch dort empfängt eine Mauer des Schweigens die Mutter, geradezu feindlich verhalten sich die Dorfbewohner und selbst die ansässige Polizei verhöhnt sie nur. Aber Jung-yeon hat längst nichts mehr zu verlieren und der Ort ist verdächtig. Zu allem bereit, entfesselt sie einen bitteren Kampf gegen Moloch und Wahnsinn, und um das Leben ihres geliebten Yoon-su. Ein Kampf, der bis zur letzten Filmminute erschütternd und unvorhersehbar bleibt.

Kritik: Auch hier wird in der offiziellen Inhaltsangabe mal wieder ein größeres Fass aufgemacht, als der Film letztlich füllen kann. Ja, all das passiert in BRING ME HOME, aber wir haben es hier mitnichten mit einem explosiven Thriller zu tun – 90 von 108 Minuten folgen wir der depressiven und freudlosen Jung-yeon bei der Suche nach ihrem Sohn, die fast unerträglich wird durch unser Wissen, wie nah sie dem Ziel mitunter scheinbar kommt. Das Unglück der Menschen in diesem Film – es ist hausgemacht, weil sie egoistisch sind und brutal. zynisch und korrupt. Wie ich schon zu THE WITNESS schrieb, scheinen die Koreaner sich als systemkonforme Wegducker zu verstehen, die Transgressionen mit Apathie und Abwehr begegnen. Wer Gerechtigkeit sucht oder Solidarität, ist hier falsch.

Das hört sich nicht nach einem geeigneten Film für das Fantasy Filmfest an? Stimmt auch. BRING ME HOME ist schwermütig bis zur Lethargie, trotz einiger gut gesetzter Schocks. Wenn er im dritten Akt doch noch so eine Art Ausbruch in die Gewalt versucht, wirkt es unpassend und misstönend. Ähnlich wie bei INHERITANCE fehlt die stimmige Idee, den ersten zwei Akten einen plausibles Finale zu bauen.

Das soll nicht heißen, dass BRING ME HOME keine Pluspunkte einfährt: Die Darsteller sind hervorragend, manche Szenen herzzerreissend, und der emotionale Verfall der Eltern durch den Verlust des Kindes absolut nachvollziehbar. Aber es ist zu allererst halt ein Drama und damit auf einem Festival, das immer noch den Begriff "Fantasy"im Namen trägt, leider falsch.

Wie sagte der Veranstalter hinterher grinsend zu mir? "Wir sind schließlich nicht zum Vergnügen hier."

Kurioserweise wirkt BRING ME HOME mit 108 Minuten deutlich länger als INHERITANCE mit 111 Minuten. Man sieht mal wieder: Zeit ist relativ.

Fazit: Ein über weite Strecken deprimierendes Drama über Kindesentführungen, die Schmerzen der Opfer und die Unmenschlichkeit der Täter, das auf der Zielgerade nur sehr holperig den Schwenk in den Rachethriller sucht. 5 von 10.

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Matts
Matts
18. September, 2020 19:47

BRING ME HOME ist definitiv ein Film, der an die Substanz geht. Und das wahrscheinlich umso mehr, wenn man selbst Kinder hat.