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Sep 2020

Fantasy Filmfest 2020 (18): GET THE HELL OUT

Themen: Fantasy Filmf. 20, Film, TV & Presse, Neues |

Taiwan 2020. Regie: I-Fan Wang. Darsteller: Ya-Yen Lai, Hao Chen He, Yatauyungana Paicx, Tsung-Hua Tuo, Chung-Huang Wang, He-Syuan Lin

Offizielle Synopsis: Alles beginnt mit der resoluten Mrs Ying-Ying. Ihr Leben lang hat sie darum gekämpft, Abgeordnete zu werden. So hofft sie den korrupten, sogenannten Volksvertretern endlich Paroli zu bieten. Aktuell will sie mit allen Mitteln verhindern, dass in ihrer beschaulichen Heimat eine Fabrik für chemisch aufgemotzte Pflanzen gebaut wird. Zu Recht, denn die verursachen den Zombie-Schlamassel! Diverse Zufälle, schlechtes Timing und einige waghalsige Martial-Arts-Attacken bringen den schüchternen Security Guard Wang an Ying-Yings Seite. Werden es die zwei schaffen, das demokratische System zu verteidigen, mit den Zombiehorden aufzuräumen, ein Gegenmittel zu finden, Ying-Yings Vater und Dorf zu retten und sich ihre Liebe zu gestehen?

Kritik: Die Asiaten haben in den letzten Jahren in Sachen westlich orientierter Horror durchaus aufgeholt – bestes Beispiel ist vermutlich der furiose TRAIN TO BUSAN, dessen Fortsetzung PENINSULA hier leider nur fleißig betrailert, aber nicht ins Programm genommen wurde. Dieses hohe Level erreicht GET THE HELL OUT zwar nicht, aber das liegt auch an der niedriger gelegten Messlatte: er möchte nur spielen. Bezeichnend, dass der Regisseur in seiner Grußbotschaft nur sagte "ich finde, es ist ein interessanter Film und hoffe, dass er Ihnen gefällt". Mehr muss wohl nicht.

Und so ist GET THE HELL OUT auch nicht mehr als eine überdrehte Splatter-Face mit einer eingesprenkelten Liebesgeschichte, in der gebissen und gestorben wird, in der das Blut in Fontänen spritzt und Schnellfeuergewehre großkalibrige Projektile pusten. Drollige Soundeffekte und so ziemlich jeder Effekt, den die Editing-Software hergibt, verstärken noch den Eindruck, dass hier Kirmes statt Kino auf der Speisekarte steht.

Bonuspunkt für die Verwendung eines C64-Heimcomputers in der Zentrale des Bösewichts!

Der Subtext, und es gibt tatsächlich einen, lässt sich vermutlich nur von Leuten identifizieren, die sich etwas mit der aktuellen politischen Lage im asiatischen Raum auskennen. So wird Taiwan von China nicht als eigenständiges Land anerkannt und droht immer wieder, vom Weltreich geschluckt zu werden. Die hier eingeschleppte Tollwut aus "St. Arian" steht natürlich für den Einfluss Chinas auf die taiwanesische Politik, macht Politiker zu Zombies und willenlosen Monstern. Es gibt Kollaborateure und Feiglinge, die wenigen Anständigen haben kaum eine Chance, Widerstand zu leisten. Am Ende müssen sich alle progressiven Kräfte zusammentun, um den Feind zu besiegen.

Aber das ist Beiwerk, ohne das GET THE HELL OUT nicht minder rasant und unterhaltsam ist. Warum dieses perfekte Midnight Movie in München ausgerechnet um 14.45 Uhr läuft, wird ein Geheimnis der Veranstalter bleiben.

Fazit: Durchgeknalltes Zombie-Comic mit Cartoon-Charakteren, das durch schiere manische Energie Entertainment erzeugt und für Kenner der asiatischen Politkultur noch ein paar Bonus-Gags vorhält. Also warum keine 7 von 10 Punkten?

P.S.: Die Fähigkeit, Untertitel sehr schnell zu lesen, ist dem Vergnügen zuträglich.

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Nummer Neun
21. September, 2020 11:09

Mit dem Film war ich überfordert. Nicht nur wegen der schnellen Untertitel, sondern er war mir zu bunt, zu schnell, zu chaotisch, zu schrill, zu durchgeknallt. Nach dem Trailer hatte ich so etwas schon befürchtet, so kam es dann auch. Auch wenn einige Gags gut saßen und das Blut in strömen floß.