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Jul 2020

Fantasy Filmfest 2020: Im Zeichen Coronas

Themen: Film, TV & Presse |

Ich ahnte schon sehr früh, dass die Pandemie meinem alljährlichen Besuch des Fantasy Filmfest einen Stock zwischen die Beine werfen würde. Doppelt ärgerlich, weil ich doch wieder in München wohne und die Teilnahme endlich nicht mehr mit stundenlangen Fahrten und vierstelligen Hotelkosten verbunden ist. Es hätte ein einfaches, entspanntes Jahr werden können – stattdessen ist es Chaos.

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Vor das FFF hat der liebe Gott bekanntermaßen die FFF Nights gesetzt. Diese wurden zuerst verschoben, was angesichts der überschaubaren Länge des Festivals kein Drama sein sollte – aber ich hatte Karten für Doc Acula und mich in Nürnberg gekauft, wie es seit Jahren Tradition war. Das bedeutete bei jeder Verlegung des Termins auch neue Buchung für mein Hotel vor Ort. Zeitweise war ja nicht mal sicher, ob das Festival überhaupt stattfinden würde.

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Und dann starb Doc Acula. Einfach so. Ich hielt die Grabrede und ließ mir von den FFF-Veranstaltern das ausgelegte Geld für seine Dauerkarte zurück erstatten. Meine eigene Dauerkarte behielt ich, auch wenn schon klar war, dass ich ohne ihn kaum Spaß haben würde. Es war dann eh hinfällig: als der Termin im Juli endlich anstand, hatte ich meine Campylobacter-Enteritis. Keine Chance, damit nach Nürnberg zu fahren und womöglich Leute anzustecken. Nerds sind gestraft genug. Ich ließ die Dauerkarte verfallen.

Aber das große FFF muss sein. Weil ich seit 1990 dabei bin, also seit 30 Jahren. Ununterbrochen. Das ist eine Frage des Rituals, des Karmas. Kein FFF ohne mich. Am Ende gewinnt, wer übrig bleibt,

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Nun wurde das FFF auch wieder mehrfach verschoben. Schlimmer noch: das Programm und die Kinos kamen ins Schleudern. Weil: Filme haben oft nur ein begrenztes Festival-Fenster, bevor sie auf Scheibe und ins Streaming gehen. Ist das Fenster zu, ist das Fenster zu. Und diverse der schon fest geplanten Filme brachen nun weg. Außerdem können Kinos nicht beliebig 10-12 Tage freiräumen, schon gar nicht jetzt. Die Veranstalter des FFF mussten also "on the fly" immer wieder umplanen.

Seit gestern – so die Nachricht – ist aber nun alles wieder in trocknenen Tüchern, auch wenn das Fantasy Filmfest 2020 nicht mit dem regulären Festival vergleichbar sein wird: 5 Tage statt 12, 20 Filme statt 50. Ein Festival "light". Die genauen Termine findet ihr hier.

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Ein bisschen ärgert mich, dass München nicht wie geplant zuerst dran ist. Das war ja immer ein Service, den ich meinen Lesern gerne geboten habe: Entscheidungshilfe für die Filmauswahl in den anderen Städten. Es ist auch nicht ideal, dass das Festival heuer wieder im Cinema stattfindet. Ein schönes Kino, keine Frage, und der Veranstaltungsort der ersten (geschätzten) 20 Jahre, aber mangels Innenraumfläche dem social distancing eher abträglich, besonders wenn es draußen regnet.

Egal. Ich bin dabei, mit Dauerkarte – und ihr müsst dieses Jahr halt mit 20 Reviews vorlieb nehmen. Ist vielleicht auch mal ganz nett, nicht immer hardcore zu fahren.

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16.–20.09.2020 – be there or be square.



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Heino
Heino
24. Juli, 2020 20:29

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spass. Für mich wird es zum dritten Mal in Folge ausfallen, weil ich einen neuen Job habe und die Arbeitszeiten es nicht erlauben. Aber auch, wenn das nicht der Fall wäre, hätte die Sitzplatzbegrenzung es extrem unwahrscheinlich gemacht, dass ich an Karten gekommen wäre.

Matts
Matts
25. Juli, 2020 17:52

Auch wenn es dieses Jahr ein kleines FFF wird, bin ich froh, dass es stattfindet.
Und freue mich schon auf die Reviews!

Dietmar
26. Juli, 2020 08:38

"Ich hielt die Grabrede" Das Schwierigste daran, Atheist zu sein, ist, dass der Trost nicht mehr da ist, jemand könnte vom Himmel herab sehen und sich darüber freuen. Ich kannte ihn nicht persönlich, aber bin sicher, er würde sich darüber gefreut haben.

Last edited 17 Tage zuvor by Dietmar
Dietmar
26. Juli, 2020 11:53
Reply to  Torsten Dewi

Selbstverständlich, und für Dich. Aber ich bin sicher, Du hast eine gehalten, über die er sich gefreut hätte. Ich finde, das ist auch wichtig; auch für Freunde und Verwandte.

Thies
Thies
26. Juli, 2020 21:03

Die vielen Verschiebungen sowie die Verkürzung auf 5 Tage hat für mich den angenehmen Effekt, dass ich in Hamburg das komplette Festival mitnehmen kann. Hier hatte für die FFF-Nights das Savoy erstmals seit dem Lockdown seine Türen wieder geöffnet. Um im Saal die Mindestabstände einhalten zu können wurden zwischen den Besuchern großzügige Lücken eingeplant. So war die Vorstellung am Samstagabend vielleicht gerade zu einem Drittel gefüllt und dass bei einem attraktiven Titel. Ob sich das Kino so auf Dauer halten kann wird sich zeigen, aber es sorgte dafür dass auch im Foyer nie Gedränge aufkam.

Ebenso spannend bleibt die Frage mit welchen Filmen die Kinos bestückt werden können. Die Blockbuster wurden alle verschoben. Selbst der im Programmheft für den Juli terminierte "Tenet" von Christopher Nolan hat inzwischen keinen festen Start mehr. Im Cinemaxx laufen immer noch die gleichen Filme wie vor dem Lockdown, die aber inzwischen alle auch über die Streamingdienste verfügbar sind. Das Savoy hat zwei kleine Reihen mit Klassikern aufgelegt.

Thies
Thies
9. August, 2020 03:32
Reply to  Thies

Kurzes Update: Die Klassiker-Reihe wurde erweitert. Gestern habe ich mir, um der Hitze zu trotzen, hintereinander "E.T." und "Reservoir Dogs" angesehen. Beide Vorstellungen waren freundlich gesagt nur mäßig besucht. So wird der Neustart für die Kinos wahrscheinlich nicht gelingen. Warten wir also weiter auf "Tenet" und das FFF.