06
Jul 2020

Den Kanal voll: YouTube-Delikatessen

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Heute stelle ich euch zehn YT-Kanäle vor, die mich in den letzten Monaten beeindruckt, unterhalten oder schlicht entzückt haben.

ROWAN J. COLEMAN macht im Grunde genommen das, was ich in den 90ern gemacht hätte, wenn es YouTube gegeben hätte – und die Erlaubnis auch für deutsche Content-Produzenten, Clips aus Serien und Filmen zu verwenden. Seine gleichzeitig knappen und ausführlichen Besprechungen vieler populärer Science Fiction-Serien entsprechen meinen SCIENCE FICTION TV GUIDES, nur mit dem Vorteil, dass der Konsument tatsächlich konkret sehen kann, worum es geht. Bonus dafür, dass Coleman so ziemlich exakt auf meiner Geschmackswelle surft:

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Die POSTMODERN JUKEBOX ist ein so unfassbar populärer Kanal, dass ich eigentlich unterstellen muss, dass jeder von euch schon zu den fünf Millionen (!) Abonnenten gehört. Das primäre Konzept: Bekannte Hits und Titelmelodien werden mit wechselnder Besetzung als klassischere Cover-Versionen im Stil von Jazz, Ragtime, Swing etc. neu eingespielt und inszeniert. Das ist meistens sehr lauschig hörbar, gerne auch mal schräg wie hier:

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JULIE NOLKE ist eine amerikanische (?) Komikerin, die für mich in etwa den gleichen komödiantischen Drive hat wie Martina Hill, auch wenn sie im Grunde genommen immer eine leicht neurotische Version ihrer selbst spielt (zumindest hoffe ich, dass die Neurosen nur gespielt sind). Ihre Sketche rangieren von aufdringlich albern bis clever hinterfotzig – hier mal was für den Humorpöbel:

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Für die LIEBES LAND produziere ich ja viele Reportagen, u.a. über altes Handwerk. Viele der Traditionen sind aber nicht vom Aussterben bedroht, sondern bereits ausgestorben – man erfährt über sie nur noch in Heimatmuseen oder bei Schauvorführungen. Da ist es umso wichtiger, dass Dienstleister wie DIGITAL HERITAGE SERVICE Dokumentar- und Schulfilme qualitativ hochwertig ins digitale Zeitalter retten. Hier wird authentisch in die Werkstätten und Scheunen des letzten Jahrhunderts geschaut, hier bekommt man einen Eindruck, wie hart prä-industrialisierte Arbeit war. Die Letzten Ihres Standes, indeed. Klar ist das oft lähmend zäh, weil es nicht versucht, Spannung zu erzeugen, sondern nur begleitend zuschaut. Aber das entwickelt eine gänzlich eigene Sogwirkung:

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Etwas moderner und deutlich knackiger produziert ist die herzerwärmende Reihe PASTA GRANNIES, bei der italienische Omas ihre typischen Pasta-Gerichte für die Kamera zubereiten. Das reflektiert so oft ein hartes Leben, eine Hingabe an die Familie, ein Auskommen mit dem Notwendigsten, dass man einen gänzlichen neuen Respekt für Nudeln & Co. bekommt:

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Dass man auf YouTube durchaus was lernen kann, ohne gleich die YouTube-Universität besuchen zu müssen, ist bekannt. So habe ich mich begeistert durch alle Videos von LITTLE CAR geklickt, der mit viel Mühe die Entstehung verschiedener Marken, Produkte und Umstände beschreibt, vom Telex über den Paternoster bis zu Hot Wheels-Modellautos. Wirklich geflasht hat mich die unglaubliche Geschichte der originalen London Bridge:

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Nicht weniger von der Gefahr auf Bildung durchseucht, aber in seiner zeitlichen Beschränkung durchaus auch für die Smartphone-Jugend konsumierbar ist 100 SEKUNDEN PHYSIK, bei dem sogar ich grundlegende wissenschaftliche Prinzipien endlich mal verstanden habe:

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Machen wir uns mal wieder etwas locker – klar ist es eine dufte Sache, Trailer in HD und digitaler Bildqualität zu sehen. Aber es hat seinen ganz eigenen Charme, überhitzte Ankündigungen der neusten "Kino-Superhits – demnächst in diesem Theater!" in genau der schrabbeligen Bild- und Tonqualität zu genießen, die ihrer Zeit entsprechen. Viel Remmidemmi-Entertainment kann man dabei aus dem Kanal VHS TRAILER PARK ziehen:

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Als nächstes empfehle ich genau genommen nicht einen Kanal, sondern eine Playlist auf einem Kanal – "Forgotten Failures" rekapituliert große Entertainment-Projekte, die seinerzeit krachend gescheitert sind. Ich bin allerdings schon so alt, dass diese Failures für mich gar nicht forgotten sind – ich habe sie seinerzeit miterlebt und schmerzlich in Erinnerung behalten, wie z.B. die total überhypte "Chevy Chase-Show" ("more entertainment than you deserve!"):

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Und schließlich SOME RANDOM GUY, der die Hits der 80er und 90er zu kompakten Paketen schnürt, die einen schneller in die Jugend zurück befördern als alte Liebesbriefe. Alle Nr.1 in Deutschland der 80er in 12 Minuten? Kein Problem:

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Watch it now, thank me later!



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Andreas
6. Juli, 2020 10:46

Wer das Konzept von Postmodern Jukebox mag und auch nur einen leichten Hang zu Funk-Musik hat, sollte einen Blick auf die Scary Pockets werfen. Auch hier: wechselnde Besetzungen, die Klassiker der 60er bis zu aktuellen Stücken mit ordentlich Funk versehen. Meine Empfehlung für den Einstieg: „Enter Sandman“ von Metallica (https://youtu.be/V20qoh8xOs4). Bitte, danke. 😉

Dietmar
6. Juli, 2020 11:27

Postmodern Jukebox ist klasse! Ich bin seit Jahren Fan. Von Morgan James (https://www.youtube.com/channel/UCV6eZKvhVPz2EAeHwQqYjiA) ganz besonders. Sie hat bei einem Live-Auftritt Ahas "Take on Me" gesungen. Den Anfang durch alle Oktaven! Gigantisch! Und ich habe ein Autogramm von ihr. Jaha! Als Postmodern Jukebox in Luxemburg gastierte, bin ich hin und habe das Konzert besucht. Scott Bradlee hat sich vom Publikum drei Lieblingsmusiker nennen lassen. Dann hat er über Musik dieser Leute frei am Klavier improvisiert. Einfach großartig! Dann waren sie in Bremen zu Gast. Ich mit Familie und Freunden hin: Scott Bradlee war nicht dabei, stattdessen ein überambitionierter Pianist, der wildes Klimpern mit intelligenter und virtuoser Improvisation verwechselte. Der Soundmann in Bremen hatte offenbar einen Gehörschaden, denn er nahm nicht wahr, dass alle (!) Instrumente basslastig abgenommen waren. Die raffiniert-witzigen Arrangements gingen in einem dumpfen, überlauten Klangbrei unter. Selbst der Stepptanz und die Klarinette dröhnten! Das muss man erst mal hinbekommen…

100MinutenPhysik trolle ich ein wenig: Sie propagieren tatsächlich stumpf den Hyperloop-Quatsch. Das ist ein Armutszeugnis für jemanden, der über Physik aufklären will.

Neu abonniert habe ich, von den Kanälen, die Dich auch interessieren könnten, Filmento (https://www.youtube.com/channel/UCG_nvdTLdijiAAuPKxtvBjA), The Critical Drinker (https://www.youtube.com/channel/UCSJPFQdZwrOutnmSFYtbstA) und Physics Girl (https://www.youtube.com/channel/UC7DdEm33SyaTDtWYGO2CwdA). Filmento geht sehr stark auf die Bauprinzipien von Drehbüchern und Filmen ein, The Critical Drinker stärker auf Inhalt und Aussage; so grob zur Orientierung. Beide finde ich sehr treffend und witzig.

Dietmar
6. Juli, 2020 11:29

Morgan James: What not to like?
https://www.youtube.com/watch?v=k8NBjUjyub8

Heino
Heino
6. Juli, 2020 18:27

Oh ja, Postmodern Jukebox sind super. Die habe ich auch vor 2 Jahren live sehen können, das war ein echtes Vergnügen.

hilti
hilti
7. Juli, 2020 01:34

Aus der Reihe "Der letzte seines Standes" gibts auch einige der Episoden auf Youtube: https://www.youtube.com/user/ruedigerlorenzfilm/videos

Jake
Jake
7. Juli, 2020 08:35

Weil hier Postmodern Jukebox und Scary Pockets erwähnt werden: Wer auf härtere Klänge und markigen Gesang steht, kann mal in den Kanal von Frog Leap Studios reinschnuppern. Die machen Metal-Cover aus populären Songs. Auch sehr erfolgreich mit fast 4 Mio. Abonnenten, diversen Album-Veröffentlichungen und weltweiten Konzert-Touren.
https://www.youtube.com/watch?v=MH9FyLsfDzw ("Africa" von Toto)

Andreas Wurz
Andreas Wurz
7. Juli, 2020 11:17
Reply to  Jake

Ab heute einen Abonnenten mehr
Danke dafür

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
7. Juli, 2020 09:08

Vielen Dank für die Tipps, da werde ich mal ausführlich reingucken 😀

Matts
Matts
7. Juli, 2020 14:39

Auch von mir vielen Dank für die Tipps! Von ein paar der Channels hab ich schon gehört, aber bisher noch keinen davon tatsächlich besucht.
Ich bin immer auf der Suche nach etwas zum Hören für die monotonen Arbeitsabschnitte. Einiges hiervon könnte definitiv dafür taugen.

sven
sven
7. Juli, 2020 19:44

Der Digital Heritage Service macht Digitalisierungen für das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, auf deren Kanal gibt es auch viele Schätze: https://www.youtube.com/c/AlltagskulturenimRheinland/
Die Köhlerei im Kermeter oder die Tonpfeifenbäckerei sind in ihrer ruhigen Art heute ungewohnt, aber sehr interessant.
Das Institut hat auch eine Reihe mitgefördert die Kinokultur im Ruhrgebiet dokumentiert: https://heimatkino.de/episoden