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Mrz 2020

Filmverbrechen-Fotostory: PENG! DU BIST TOT! oder: In Ingolfs Lederhose wird gejodelt (NSFW)

Themen: Film, TV & Presse, Fotostory, Neues |

Die deutsche “Komödie” der 70er und 80er ist eins meiner Steckenpferde – weil sie von einer schizophrenen Zerrissenheit geprägt ist, die selten für gute, aber fast immer für unvergessliche Filmabende sorgt. Machen wir uns nichts vor: mit dem Humor meint es der Deutsche ernst. Humor muss sein wie Karneval: für alle, frech, aber nicht böse, systemstabilisierend und vor allem vom Vorstand abgenickt. Ho ho ho und Schenkel klopfen. Das wurde zu selten, aber dann grandios torpediert:

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Klar – wo sollten die Deutschen nach zwei verlorenen Weltkriegen und einer Literatur aus schweren Dramen auch den britischen Humor her nehmen?

Und dieses Herrenwitz-Genre, bei dem man zur Pointe mit den Hacken knallen möchte, diese durch Lachen sanktionierte Spießigkeit, wurde in den 70ern erst von Titten, in den 80ern dann von der Jugendkultur durchseucht. Humor, Sex und Teenager – dass der Deutsche an dieser Mischung scheitern würde, war abzusehen. Der von mir schon gefrühstückte EIN KAKTUS IST KEIN LUTSCHBONBON gehört sicher zu den prägnantesten Beispielen dieser “Lustspiel-Kultur”, die wild und offenherzig sein will, aber unfassbar poofig und verklemmt wirkt; die “unerhört!” murmelt, während sie Corinna Drews auf die Möpse starrt.

Von der Sorte Film werde ich mir noch einige Exemplare vornehmen, heute soll es aber um die “neue deutsche Komödie” gehen, die im Fahrwasser der Neuen Deutschen Welle Mitte der 80er in die Kinos gespült wurde. Man wollte nun hip sein, neon, ein bisschen anarcho, tendenziell eher links, aber eigentlich unpolitisch. Das klassische Beispiel ist natürlich der FORMEL EINS-FILM, der trotz allem Fokus auf Stars und Jugendkultur erstmal mit einer Duschszene der Hauptdarstellerin beginnt:

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Eine verfilmte BRAVO, wenn man es genau nimmt. Ingolf Lück hat mal in einem Interview verraten, dass er den Film nie gemacht hätte, als neuer Moderator von FORMEL EINS aber verpflichtet war (ursprünglich hätte Schnarchnase Peter Illmann den Part übernehmen sollen). Die Story glaube ich übrigens keine Sekunde.

Ingolf Lück war auch so was wie ein Aushängeschild der Post-NDW-Ära: frech und hibbelig, aber nie wirklich aufmüpfig oder den Status Quo gefährdend. Ein Clown, den die Jugend cool finden konnte, ohne sich mit den Eltern zu überwerfen.

Und genau deshalb widme ich mich heute einem weiteren Lück-Werk, nämlich der Krimikomödie PENG! DU BIST TOT!. Ich gestehe, eigentlich wollte ich DIE STURZFLIEGER vom gleichen Autor sehen, aber den habe ich nicht akquirieren können. Wird nachgeholt, versprochen.

Ähnlich wie beim kürzlich besprochenen IS WAS KANZLER!?! kann ich nicht mehr sagen, warum ich diesen Film in den 80ern nicht schon gesehen habe. Ich war erklärter Lück-Fan und es ging ja um irgendwas mit Computers. Da war ich als C64-Nerd genau die Zielgruppe. Aber vielleicht reichte einfach wieder mal das Taschengeld nicht oder ich war mit 19 doch schon für diesen albernen Comedy-Kram zu alt.

Seither habe ich den Film immer mal wieder wie ein Hai den blutigen Fleischbrocken umkreist. Schon im zeitgenössischen Trailer war zu sehen, dass der Hightech-Aufhänger kompletter Kappes ist und dass hier versucht wird, sich massiv an die Zielgruppe anzubiedern. Wie schlecht kann, wie schlecht muss, wie schlecht darf das sein?!

Finden wir es heraus!

Achtung: Den Trailer stelle ich ans Ende dieses Textes, weil er nicht nur den kompletten Plot vorweg nimmt, sondern auch die besten Szenen verrät. Ich rate dringlich, ihn erst NACH der Lektüre dieses Beitrags anzuschauen!

Wir steigen ein mit ein paar beliebigen Gesichtern – Menschen, die eine Fähre verlassen. Hamburg, Rotterdam, Barcelona?

Wie es scheint, hatte man es damals noch nicht so mit Bildrechten – und immer wieder schön, wenn ungefragt gefilmte Menschen frech in die Kamera gucken.

Das nächste Bild präzisiert die Location – wir haben uns einen Ausflug nach New York gegönnt, immerhin:

Schnell wird klar – hier findet ein konspiratives Treffen statt. Der nervöse Mann mit dem Hightech im Koffer trifft “den Neger”:

Erster Volltreffer und ich hab’s gleich erkannt – das hier ist niemand anderes als Tony Todd, der Original-Candyman! Mit dieser Statistenrolle war er noch fünf Jahre von der Horror-Unsterblichkeit entfernt.

Es kommt zur Übergabe eines Mikro-Chips, standesgemäß im angefressenen Burger:

Klar, alles nur Prolog, wir können ja auch nicht die ganze Zeit in Manhattan bleiben. Kommen wir also zum Vorspann und damit zum “film proper”:

Ein Titel, der zwar knallig klingt, aber (ihr ahnt es) nix mit nix zu tun hat.

Beeindruckt haben mich die Credits auf zweierlei Ebene: sie sind ziemlich aufwändig animiert und über die Fahrt zum Flughafen von New York gelegt, was tatsächlich zur Handlung passt, denn Hacker Peters – soviel sei schon mal verraten – macht sich ja auf den Rückweg in die deutsche Heimat:

Nun ist Ingolf zwar unser aller Held, aber ich war baff, dass Rebecca Pauly als Erste genannt wird. Sie ist in den Trailern und auf den Postern ja nur minder repräsentiert. Faktisch ist sie aber die Protagonistin – SIE ist es, die den Plot in Gang bringt und am Laufen hält, wie wir gleich sehen werden. Lück ist letztlich nur “love interest”.

Es gibt aber noch mehr zu entdecken in den Credits:

Jawoll, der exzentrische Musiker und Kabarettist Piet Klocke (damals gerade 30) hat hier die sparsame, aber durchaus wirkungsvolle Musik beigesteuert.

Aha, das Drehbuch stammt also gar nicht vom an sich gut beleumundeten Autor Seelig (DER SCHNEEMANN, DER SANDMANN, SCHIMANSKI), sondern von Walter Kempley. Eine kurze Recherche zeigt, dass wir dem US-Autor Kempley gleich einen ganzen Sack Comedy-“Perlen” zu verdanken haben, die wir seinerzeit als genuin deutsch wahrnahmen: DIE ANDRO-JÄGER, DIDI DER DOPPELGÄNGER, ZWEI HIMMLISCHE TÖCHTER, DIE GIMMICKS.

In der Tat war es in den 70ern nicht so unüblich, sich von anglo-amerikanischen Autoren aushelfen zu lassen, um das deutsche Fernsehen etwas zu entstauben. Das haben wir beim SPRINGTEUFEL schon gesehen und gerade Michael Pfleghar (mit dem Kempley oft gearbeitet hat) war bekannt dafür, US-Vorbilder zu “adaptieren”.

Seelig hat hier also nur die Eindeutschung (und sicher auch kulturelle Anpassung) des Original-Drehbuchs vorgenommen. Soll mir recht sein.

Und wo wir gerade bei den Beteiligten sind:

Winkelmann war mal sowas wie die Hoffnung des deutschen Films. Mit DIE ABFAHRER und JEDE MENGE KOHLE (dem wir den Klassiker “Es kommt der Tag, da will die Säge sägen” verdanken) hatte er zwei großartige Milieufilme abgeliefert. Aber wie so viele Regisseure seiner Generation hat er sich vom System aufsaugen lassen, danach PENG! und in der Folge diverse TV-Filme gedreht. Darunter waren aber wenigstens noch Perlen wie DER LETZTE KURIER mit Sissi Perlinger.

Egal, weiter im Text. Der Hacker Peters sitzt im Flieger nach Deutschland neben der spießigen, aber hilfsbereiten Amerikanerin Andrea Flanagan, die als Deutschlehrerin an einer Sprachkonferenz in München teilnehmen will:

Wir halten mal fest: damals durfte man im Flieger noch rauchen. Der Rolli, die Perlenkette und die Brille sollen Flanagan voll langweilig aussehen lassen. Weit gefehlt: im Jahr 2020 ist das schon wieder total “nerd sexy”.

Peters erleidet einen Anfall – ein Story-Element, das im ganzen Film keine Bedeutung mehr haben wird und nur dafür dient, Flanagan und Peters zu verbinden:

Es wird übrigens so penetrant immer wieder zum Flieger raus geblendet, dass ich unterstellen muss, hier einen der Sponsoren des Film zu sehen:

Weil ein bisschen Exposition noch niemandem geschadet hat, macht Peters seiner Sitznachbarin ominöse Anmerkungen und tippt irgendwas in ein Gerät, das wohl kaum zur Erlangung der Weltherrschaft taugt:

Obendrein erfahren wir auch noch (mal), dass ein wichtiger Mikro-Chip gestohlen wurde. Man beachte übrigens, dass der tatsächliche Artikel vom regionalen Wahlkampf in New York handelt – heute kann man so etwas dank Standbild leicht entlarven:

Am Flughafen wartet bereits ein Schlapphut auf Peters, der sich einer direkten Konfrontation allerdings durch einen erneuten Anfall entzieht.

Hier versäumt der Film übrigens ein klassisches Motiv des Agentenfilms: Peters steckt Andrea nichts in die Tasche, um es vor den Bösewichten zu verstecken. Sie folgt ihm lediglich, weil sie sich ernsthaft Sorgen um seine Gesundheit macht. Das wirkt etwas schwachbrüstig, auch weil sie ihn in der Folge als “als harmlosen, netten Mann” bezeichnet, obwohl er die ganze Zeit total arschig zu ihr war.

Auftritt Ingolf Lück als unwissender Assistent von Peters – auch er unangemessen unfreundlich zu der sympathischen Amerikanerin:

Sowohl Kai als auch Andrea folgen der Ambulanz, in der sich Peters befindet (bzw. befinden soll – Spoiler!). Clever, dass wir durch die Aufschrift auf dem Wagen ein wenig mehr über das Verhältnis von Kai und seinem Chef erfahren. Augenscheinlich betreiben die beiden eine kleine Computer-Klitsche:

Die erste Empfangsdame im Krankenhaus ist zwar jung und hip frisiert, aber wenig gewillt, unserem Duo zu helfen:

Die Kollegin ist Kultschauspielerin Tana Schanzara, mit der Winkelmann schon in SUPER gearbeitet hatte, einer postapokalyptischen Version von CASABLANCA mit Udo Lindenberg in der Rolle von Ingrid Bergmann (let that sink in).

Das hier ist ein Gassenhauer von der Schanzara aus meiner Kindheit:

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Schon faszinierend, wie die Regisseure dieser Zeit ihre “Stamm-Schauspieler” immer wieder unterbrachten, und sei es nur in Nebenrollen mit ein, zwei Sätzen.

Jedenfalls stellt sich raus, dass Peters wohl unterwegs aus dem Krankenwagen geflüchtet sein muss – Fahrer PIET KLOCKE hatte da wohl nicht ausreichend aufgepasst:

Als Wahlmünchner macht es mir immer besonderen Spaß, Szenen in Filmen zu zu ordnen. In der Tat ist es plausibel, dass Kai und Andrea vom Flughafen (damals noch in Riem) zur Klinik in Bogenhausen gefahren sind und dann auf dem Weg in die Stadt über die Rosenheimer Straße auf den Gasteig zu fahren. Neben Ingolf Lücks Nasenspitze kann man fast das Café Rosenheim erkennen, in dem ich gut ein Jahr später mein erstes professionelles Interview mit Rainer Erler führen sollte:

Kai, von Andrea unerklärlich genervt, lädt die Amerikanerin in ihrem Hotel ab – dabei taucht ihr Gepäck auf, über dessen Verbleib im Flughafen ich mir schon ernsthafte Sorgen gemacht hatte. Es hat sich wohl in Kais Wagen einfach so materialisiert:

Ein weiteres Detail, das wohl witzig sein soll, aber voll ins Leere läuft – der schmierige Concierge deutet sehr offensichtlich an, dass es sich beim “Heidelberger Hof” um ein Stundenhotel handelt, was Andrea nicht versteht. Lederkrawatte for the win!

Wir erfahren zwar nicht wirklich, wie Peters seinen Anfall überstanden hat (seine Medizin war ja alle) oder wie er aus dem Krankenwagen flüchten konnte, aber wir sehen ihn erstmals vor einem Assembler-Programm sitzen und in die Tasten hacken. Er trägt notorisch Kopfhörer, von denen wir nie erfahren, was er damit hört. Musik? Code?

Zeitgleich (und das nicht zufällig) geht in einer großen Klinik eine Operation schief und ein Patient verstirbt. Die Ärzte können nur dumm drein schauen:

Andrea, erneut wie eine Gouvernante kostümiert, macht sich verspätet und verschlafen auf die Suche nach Kai, trifft aber erstmal dessen Freundin (?) Luna im “Blue Shell”, einer typisch deutschen Neon-Bar der 80er:

Luna spielt an einem Arcade-Automaten, repräsentiert durch griselige Pixel-Nahaufnahmen. Es zeigt sich hier bereits, dass PENG! keinerlei Interesse hat, Spannung durch Geschehnisse auf Monitoren zu generieren, wie bei dieser Sorte Hacker-Thriller eigentlich üblich. Wir werden noch merken – besser is’ das.

Luna gibt Andrea eine Notiz von Kai – er ist immer noch ein Flegel:

Es ist sehr offensichtlich, dass die beiden “wie Hund und Katz” sein sollen, nur um dann am Ende zueinander zu finden. Weil sonst kein Konflikt ansteht, ist Kai halt ein Arsch.

Andrea nimmt am Folgetag an ihrer Konferenz teil und muss sich vom Film wieder als total spießige Trulla verunglimpfen lassen – dabei ist sie bis zu diesem Zeitpunkt die einzige Figur, die Empathie zeigt und Sympathie verdient.

Kai “entführt” sie aus der Konferenz, denn er glaubt, Peters habe etwas mit dem schon erwähnten geklauten Mikro-Chip zu tun. Aus völlig unerfindlichen Gründen ist aktuell das Compulab-Auto kaputt. Man muss unterstellen, dass der Wagen am Drehtag einen Aussetzer hatte, denn im weiteren Verlauf wird das nicht wieder aufgegriffen:

In einem Lager der kleinen Firma sucht Kai nach Disketten mit den angeblich genialen Spielen, die Peters programmiert haben soll. Dabei taucht der Schlapphut auf, vermöbelt Kai und verletzt Andrea:

Man würde es nett von Kai finden, dass er sich erstmals um Andrea sorgt, aber dafür müsste der geile Lück der feschen Pauly nicht ganz so offensichtlich in die Bluse starren:

Kai nimmt Andrea mit zu sich in eine Art Firmen-Loft – so stellt man sich in den 80ern die Behausung typischer Nerds vor:

Kai hat auch eine digitalen Assistenten mit Spracherkennung programmiert, der Alexa erstaunlich treffsicher vorwegnimmt. Und eine Türkamera speichert ein digitales Bild unserer Helden mit geschätzt 0,00002 Megapixeln in vier Graustufen ab:

Schöne neue Welt!

Um nochmal zu verdeutlichen, wie total spießig Andrea ist, zeigt sie sich empört angesichts der unbeschwert nackigen Luna im Planschpool, den wohl jeder Nerd der 80er daheim stehen hatte – und das pubertäre Publikum bekommt was zu gucken:

Vermutlich weil NUMMER 5 LEBT! im Jahr zuvor so ein riesiger Hit in den Kinos war, hat Kai eine eigene Variante namens Max erschaffen – Metalschrott mit aufgetackertem Sinclair Spectrum und einer Stimme wie die Daleks:

Im Fernsehen wird derweil von dem Todesfall in der Klinik berichtet, den Kai messerscharf auf eines der “Spiele” von Peters zurückführt:

Er beschließt, die eigentlich schon gelöschten Disketten von Peters noch mal zu reaktiveren – der Vorgang der Rekonstruktion einer nur gelöschten, aber nicht neu formatierten  Diskette wird dabei relativ gut beschrieben, aber in der Folge wird immer wieder fälschlich von einem “dump” geredet.

Um den Plot erneut in Fahrt zu bringen, taucht der Schlapphut auf – wird aber von Max mit einem Baseballschläger aus dem Verkehr gezogen:

Kai vermutet, dass Peters die Spiele als Simulationen in größere Computersysteme einschleust, um so Menschen zu töten, ohne dass es einen Täter gibt. Bei einer Maschinenbaufirma könnte der nächste “Player” dran sein.

Eine der wenigen genuinen Computergrafiken, die wir im Film zu sehen bekommen – dass jemand das für ein tolles “Computerspiel” gehalten haben soll, scheint gewagt:

Die Zeit von Jürgen Möllemann ist abgelaufen!

Kleiner Scherz. Aber in der Tat macht ein von Peters gesteuerter Industrieroboter einen Ingenieur fertig:

Spannung, Action und Thrill – das sind ja gleich drei Sachen auf einmal. Das geht nun wirklich nicht! Darum lassen sich Kai und Andrea von der Polizei belehren, dass deren nagelneue Computer viel dickere Eier haben als die von Peters:

Kai fürchtet mittlerweile, dass den Computern nicht zu entkommen ist und er selbst als Mitwisser auf Peters’ Todesliste stehen könnte:

Man darf an dieser Stelle konstatieren, dass PENG! zwar in der konkreten Darstellung von Computertechnik total hinterher hinkt und im Detail erschreckend wenig Ahnung von den Zusammenhängen besitzt, aber in seiner Vision einer Welt, in der alles von vernetzten Computern abhängt, ziemlich den Nagel auf den Kopf trifft. Er ist nur mindestens zehn Jahre zu früh dran – hier wirkt das noch SEHR weit hergeholt.

Der Kommissar will noch mal mit Kai sprechen, wird aber vom ferngesteuerten Max abgeknallt – ein überraschend harter Moment in der bis dato harmlosen Komödie:

Um ihnen die Flucht zu ermöglichen, muss Andrea dem auf weibliche Reize programmierten Max ordentlich was bieten – relativ gesehen:

Doppeltes Pech – Kai steht nun vielleicht auf Peters’ Todesliste UND wird für den Mörder des Kommissars gehalten. Es bleibt nur Fersengeld geben:

In Andreas Stundenhotel kommt man für die Nacht unter – das klassische Hollywood-Motiv des “wir können uns nicht leiden, müssen aber ein Bett teilen” wird aufgewärmt:

Während sie dann doch in ihr Nachthemd schlüpft, wird Andrea bewusst, dass sie… ich würde ja gerne schreiben “Kai süß findet”, aber “geil ist” trifft es eher:

Kai ist der Sache nicht abgeneigt und ich verneige mich vor Winkelmann, dass man zuerst mal den männlichen Protagonisten nackt (samt Dödel) zu sehen bekommt, auch wenn ich den Anblick jetzt nicht sooo scharf finde:

Gleiches Recht für alle:

Es ist zwar jetzt nicht ganz sooo plausibel, dass die beiden begeistert pimpern, aber die Wirkung ist unübersehbar – Andrea ist am nächsten Tag deutlich entspannter. Die Message lautet leider “die musste nur mal ordentlich rangenommen werden”. Das hat, wenn man es einmal registriert, einen sehr unschönen Beigeschmack:

Dummerweise wird Andrea selbst im Mordfall verdächtig, wobei ich mich wundere, wie man sie anhand dieses Bildes in der Zeitung einwandfrei identifizieren kann:

Das könnte jede zweite Frau im München der 80er gewesen sein.

Mit neuem Elan (rangenommen, ihr erinnert euch) täuscht Andrea den Besitz einer Waffe vor und flüchtet aus dem Kongresssaal – warum sie da überhaupt aufgetaucht ist, bleibt ungeklärt.

Münchner Spurensuche: Kai fängt Andrea ab und hilft ihr, vor dem Mob zu fliehen. Es ist diese Szene, die uns eine erneute Einordnung des Drehortes erlaubt:

Eindeutig das Sheraton-Hotel im Arabella-Park mit dem Hypo-Gebäude im Hintergrund. In dem Hotel habe ich 1996 die katastrophal gefloppte FANTASTICON mit veranstaltet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier sehen wir auch eines der WIRKLICHEN Rätsel des Films – die Autos haben keine M-, sondern V-Nummernschilder. Heute steht das für Vogtland im Osten. Für was mag es damals gestanden haben, besonders in München?

Andrea und Kai fliehen in ein Kaufhaus – da gehen alle Alarmsirenen an, denn in der Nähe des Arabella-Parks gab es noch nie ein Kaufhaus. Sie drängeln einen Pimpf ab, der an einem ausgestellten C64 daddelt und spielen das Spiel “Agentenjagd”, dessen Lösung ihnen vielleicht den Hinweis auf weitere Opfer auf Peters’ Liste geben kann:

Okay, halt jetzt mal. Das ist ein C64. Selbst WENN wir unterstellen, dass man damit das Spiel spielen könnte, welches Peters sehr offensichtlich auf PCs programmiert hat, dann fällt immer noch auf, dass Kai keinen Datenträger dabei hat und das Spiel auf dem Rechner einfach so auftaucht. Darf ich auch kritisieren, dass das gesamte hoch komplexe Spiel, an dem Kai bisher gescheitert ist, von dem eben erwähnten Pimpf in weniger als 25 Sekunden komplett durchgespielt wird?

Es bleibt übrigens dabei, dass wir von den ganzen “Spielen”, von denen geredet wird, nie etwas zu sehen bekommen (mehr zu dem Thema hier). Es wird lediglich am Ende die Todesliste von Peters ausgespuckt:

Der Pimpf bekommt einen satten Schmatzer von Andrea, den er vermutlich erst ein paar Jahre später zu würdigen wusste – und den doofen Ratschlag, aber auch ab und an mal ein gutes Buch zu lesen:

Andrea und Kai sind zwar auf der Flucht, wollen aber dennoch weitere Morde verhindern – der nächste Todeskandidat sitzt in Frankfurt. Ich weiß nicht, wie sie unentdeckt dahin kommen wollen. Das ist aber nur ein sekundäres Problem, denn als sie die U-Bahn-Station betreten, sind sie weder in München NOCH in Frankfurt:

Das, meine Damen und Herren, ist meiner Recherche nach Berlin vor der Wiedervereinigung. Ein Schild zeigt “Schilling-Platz”, die Linie führt zum “Zoologischen Garten”. Ich lasse mir ja viel vormachen, aber das geht zu weit!

Ein in der Station patrouillierender Polizist hat ein großartiges neumodisches Funkgerät (?) dabei, mit dem er Andrea und Kai an die Zentrale verpfeift:

Die Tatsache, dass Andreas sexuelle Verstopfung gelöst wurde, zeigt sich, als sie Kai in der U-Bahn wollüstig ans Gemächt will – VOR KINDERN!

Kann ja sein, dass die Wandlung von der Stoffelschwester zum “sexy beast” komisch gedacht war, aber es wirkt rückblickend eher peinlich und ein wenig schmierig. Glücklicherweise bleibt Rebecca Pauly sympathisch genug, um der Figur damit nicht final zu schaden.

Ich wiederhole – das hier ist NICHT München:

Nun kommt es zur großen Actionszene, zum Fast & Furious-Moment von PENG!, zur fetten Suspense – es gelingt Peters, die U-Bahn fernzusteuern und auf Kollisionskurs mit einem anderen Zug zu setzen. Warum die mechanische Steuerung des uralten Zuges nicht mehr funktioniert? Wo der Fahrer hin ist? Warum die Leitstelle ihren eigenen Anzeigen nicht glauben mag? Fragen, die sich nur der Zuschauer stellt, nicht der Film.

Es gelingt Andrea (!), den Zug zu stoppen, weil Kai zu doof ist, auf die Idee mit der Notbremse zu kommen. Dafür weiß er aber plötzlich unerklärlicherweise, dass weiter hinten eine Weiche kommt, die er umstellen kann:

Die Züge knarzen gerade so aneinander vorbei, die Kinder sind gerettet (aber von der geilen Andrea vermutlich traumatisiert), und die Jagd nach Peters kann weitergehen:

Der Schlapphut taucht wieder auf, klärt die Lage: Peters hat eigentlich für die Russen gearbeitet, sich aber dann von den Amis kaufen lassen. Nun bringt er russische Agenten über seine eingespeisten Programme um. Das hat alles keinen größeren Kontext und macht auch nicht wirklich Sinn, zumal es die Funktion des geklauten Chips nicht erklärt. Aber wir haben über die Hälfte des Films rum, da will ich nicht nölen.

Kai versucht es mal mit einem Gegen-Hacking:

Leider braucht er dazu Computer-Netzwerke einiger Nerds, die ihm nicht gerade wohl gesonnen sind:

Und wer ist es wohl, der Kai da keinen Zugang zum Datenstrom geben will? Es ist der Rolf, der Zacher!

Rolf fucking Zacher als Hacker. Dass ich DAS noch erleben darf!

Am Ende einigt man sich doch und findet heraus, dass Peters sich ganz in der Nähe von Kais Wohnung aufhält. Nix wie hin, zumal eine krude “wire frame”-Grafik den nächsten Mordversuch ankündigt:

Doch Peters ist ja ein Genie, wie uns Kai seit 90 Minuten belegfrei versichert, und lockt erstmal den Schlapphut in die Falle:

Es stellt sich heraus, dass die ganze Halle mit Fallen gespickt ist, was zu einer visuellen Reminiszenz an Donkey Kong führt:

Wieder ist es Andrea, die allen Beteiligten den Hintern rettet, denn sie kann mit ihrem übergroßen Taschenspiegel den Laser von Peters auf seinen eigenen Computer zurückwerfen – und nein, ich fange nicht mal an, nach der Logik der ganzen Aktion zu fragen, das würde nur Kopfschmerzen geben:

Jetzt geht es frustrierend schnell: Peters Computer explodiert, Peters flüchtet, Andrea und Kai entkommen, sie will in die USA zurück, er fängt sie am Flughafen ab – Happy End, Nachspann:

MOMENT! Was ist mit Peters? Was ist mit den weiteren Opfern? Wer hat die tödlichen Programme? Wer beweist Kais Unschuld – und wie? Nichts, aber auch gar nichts ist mit diesem Ende erreicht oder abgeschlossen. Hat man auf eine Fortsetzung geschielt?

Buuuuhhhhh!!!

Aber was soll ich machen? Vorbei ist vorbei.

Die letzte Zeile in der Wikipedia-Inhaltsangabe zum Film, die ich gerade gelesen habe, ist übrigens falsch: Andreas sieht nicht Peters im Flieger, sondern nur einen Mann, der ihm sehr ähnlich sieht (ein klassischer Fakeout).

Also, wie fand ich den jetzt? Schlecht, weil zu gut. Das klingt paradox, ist es aber nicht. Bei PENG! hatte ich auf eine Trash-Granate gehofft, aber letztlich ist es eine erstaunlich solide Krimi-Komödie, die eher daran krankt, dass der hippe Titel und die crazy Artwork eine Anarchie versprechen, die der Film nicht einlöst. Im Kern erzählt PENG! die ganz traditionelle Geschichte einer Reisenden, die im fremden Land in eine Spionagegeschichte verwickelt wird und sich bei der Flucht vor den Häschern verliebt.

Das haben wir tausend Mal gesehen, u.a. bei Hitchcock mit DER UNSICHTBARE DRITTE. Die modernen Elemente, von den Protagonisten bis zum Computer-Bohei, sind letztlich Augenwischerei. Es sind auch genau diese Elemente, die wir nicht glauben wollen – Kai ist sehr behauptet “anti”, Andrea ebenso unglaubwürdig spießig. Und von den rudimentären Mechanismen der Computer scheint am Set wirklich niemand Ahnung gehabt zu haben.

Letztlich bleibt unerklärt, was der seltsam generische Peters überhaupt geplant hatte oder warum er den Mikro-Chip brauchte. Die Beziehungen zwischen den Personen werden zwar gesetzt, bleiben aber dünn – auch Luna ist ja so eine Figur, die eigentlich der Romanze von Andrea und Kai im Weg stehen müsste. Aber das versendet sich.

Man merkt dennoch, dass hier ein amerikanischer Autor dahinter stand, der sein Handwerk gelernt hat und weiß, wie man drei Akte sauber aufbaut, ohne den Zuschauer zu langweilen oder zu überfordern. PENG! ist letztlich sehr flott und ohne Aussetzer, auch wenn er natürlich weder in Sachen Action noch in Sachen Komik Bäume ausreißt. Winkelmann ist auch zu sehr Profi, als dass er sich die Zügel aus der Hand nehmen lassen würde. Seine gewisse Schnoddrigkeit ist durchaus präsent.

Problematischer finde ich, dass PENG! seltsam “zu spät dran” wirkt. Die gesamte Hantiererei mit Computern, die Besetzung, die hippe Attitüde – das wäre eher 1983 oder 1984 passend gewesen. Ich hatte auch immer im Kopf, dass PENG! VOR der FORMEL EINS-Zeit von Lück (oder zumindest parallel) produziert wurde. Aber der Film ist von 1987 und damit mindestens zwei Sommer zu spät dran für das Lebensgefühl, das er einfangen möchte. Wer weiß, wie lange das Drehbuch auch rumgelegen hat.

Nach meinen Recherchen hat es der Film nicht unter die Top 100 des Jahres 1987 geschafft. Die Kritik im LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS kann ich auf jeden Fall unterschreiben:

“Anfangs schleppend inszenierte Kriminalkomödie mit einigen spannenden Sequenzen, die in erster Linie vom komödiantischen Talent der Darsteller zehrt.”

Die CINEMA 4/87 brachte es natürlich mal wieder fertig, den Film in allen Details bis zu Ende zu erzählen (und die Möpse von Luna gleich zweimal ins Bild zu heben):

Ich war schon immer der Meinung, CINEMA-Redakteure gehören verhauen.

Die zeitgenössische SPIEGEL-Kritik monierte vieles, was mir auch aufgestoßen ist:

“Von vorgestrigem New-Wave-Mief über AKWs bis zur neuen deutschen Innerlichkeit, wird zuviel vermeintlich Zeitgeistiges aneinandergekleistert.”

Aber sie hat auch eine nette Pointe zu bieten:

Ich auch nicht. Dennoch ist PENG! über die ganze Laufzeit unterhaltsam – und damit bei mir natürlich falsch. Wie soll ich mich denn über so etwas angemessen lustig machen?!

Über die Jahre wurde der Film auch mit vielen anderen Artworks weltweit vermarktet, die den Krimi/Thriller-Aspekt deutlich besser hervor hoben:

Mein Favorit ist die hier, die noch mal einen Haufen Explosionen verwurstet, die im Film an keiner Stelle zu sehen sind:

Und hier noch der versprochene Trailer:

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Heino
Heino
21. März, 2020 17:47

Offensichtlich musste nicht nur Berlin, sondern auch Köln als Double für München herhalten. Das würde zumindest erklären, wie das immer noch existente Blue Shell ( eine echte Kölner Institution) da auftauchen konnte, sofern es nicht in München einen Laden gleichen Namens gab.

Achim
Achim
21. März, 2020 18:42
Reply to  Heino

Ich würde ja eher vermuten, die haben sich einen Namen für einen Neon-Club ausgedacht und wussten nicht, dass es in Köln diesen Namen gibt.
Gab es das Blue Shell in Köln denn 1987 schon?
Die Namen solcher Clubs nimmt man doch bevorzugt fiktiv.

MinkyMietze
MinkyMietze
22. März, 2020 11:48
Reply to  Torsten Dewi

Das sieht aber ganz schwer nach Köln aus; zumal es in der Altstadt (Salzgasse) schon seit ewig das argentinische Steakhaus “Ponchos” gibt. Und die Salzgasse ist genauso eng wie auf dem Bild zu sehen.

MinkyMietze
MinkyMietze
22. März, 2020 14:43
Reply to  Torsten Dewi

Vielleicht konnten sie so NRW-Länderförderuzng abgreifen; wäre ja nicht das erste mal im deutschen Film

Heino
Heino
22. März, 2020 19:43
Reply to  Achim

Ja, das Blue Shell gibt es schon fast 40 Jahre. Es ist allerdings nicht wie im Film zu sehen in der Salzgasse in der Altstadt, sondern in der Luxemburger Strasse am Barbarossaplatz

Dietmar
22. März, 2020 19:14

Zu Lück fallen mir nur zwei Qualitäten ein: Chronisch unlustig und nervig. Nie fand ich ihn je irgendwie lustig. Nicht ein Stück.

Oh: Talentfrei habe ich vergessen. Keinerlei Timing, keine funny Bones, kein Charisma. Viel zu große Karriere. Aber von dem Kaliber hat unsere Unterhaltungsindustrie immer wieder genug. *hulst*OliverPocher*hust*

Matts
Matts
23. März, 2020 12:55
Reply to  Dietmar

Ach naja. Damals bei der Wochenshow fand ich ihn schon annehmbar. Auch wenn er in Punkto Humor das kleinste Rädchen war.

Dietmar
23. März, 2020 20:38
Reply to  Torsten Dewi

Da mag das Problem liegen: Ich habe FORMEL EINS fast nie geguckt. War nicht meine Musik. Deshalb kann ich mit den Moderatoren auch nicht “anbinden”.

Moepinat0r
Moepinat0r
23. März, 2020 16:27
Reply to  Dietmar

Ich bin etwas jünger und hab ihn erst zu Zeiten der Wochenshow erlebt, aber die Einschätzung kann ich zu 100% unterschreiben. Egal wer neben ihm spielte, er war immer der unkomischste im Bunde und stank im direkten Vergleich mit Anke Engelke, Bastian Pastewka, etc. komplett ab. Vielleicht hätte er als einziger “straight man” in der Runde noch was reissen können, aber als untalentierter hampelmann taugte er nur zum Fremdschämen.

Jake
Jake
25. März, 2020 13:37

Mein Favorit ist die hier, die noch mal einen Haufen Explosionen verwurstet, die im Film an keiner Stelle zu sehen sind

Schon lustig. Da fehlt eigentlich nur noch ein Ninja, dann hat man das klassische Cover-Motiv eines Godfrey-Ho-Films.