USA 2020. Regie: Jeff Fowler. Darsteller: James Marsden, Tika Sumpter, Jim Carrey u.a.

Story: Die superschnelle Igel-Kreatur Sonic kommt aus einer anderen Dimension auf die Erde, um sich vor seinen Verfolgern zu verstecken. In der Kleinstadt Green Hills findet er ein neues Zuhause, auch wenn er sich den Einwohnern nicht zeigen darf. Eine unvorsichtige Demonstration seiner Speed-Kräfte ruft das Militär auf den Plan. Nun muss Sonic den Kleinstadtsheriff Tom Wachowski um Hilfe bitten, um nicht zur Laborratte des bösen Robotnik degradiert zu werden.

Kritik: In die Pressevorführung dieses Films bin ich eher zufällig gestolpert – Peter Osteried meinte nach BIRD OF PREY beiläufig "gleich kommt noch SONIC im anderen Kino – nimmste den auch mit?". Ich nahm den auch mit.

SONIC, das sollte man vorweg schicken, ist keine Umsetzung eines gleichnamigen Videospiels mit dem Maskottchen von Sega aus den 90er Jahren. Stattdessen nimmt der Film die Figur Sonic und ihre Eigenschaften als Aufhänger, um daraus ein familientauglisches Action-Abenteuer zu stricken.

Der Streifen kommt dabei nicht ohne Ballast – als der erste Trailer veröffentlich wurde, kam es zu einem massiven Shitstorm, weil die Titelfigur bei der Übertragung aus der 16bit-Ära in die Kino-CGI doch sehr an Charme verloren hatte. Das real wirkende Fell und die menschlichen Zähne, kombiniert mit kleinen Augen und einer schlanken Gestalt, verdienten sich schnell das Label "Alptraumfutter".

Glücklicherweise war Sonic komplett CGI und Paramount entschied sich, die Figur nochmal zu überarbeiten. Das Ergebnis kann man im direkten Vergleich begutachten:

Besser. Deutlich besser. Und: warum nicht gleich so?

Der Rest des Films? Ist weniger Aufhebens wert. Es ist ein Standard-Abenteuerfilm für Vier- bis Vierzehnjährige, die das Original-Spiel und damit die Figur vermutlich nicht kennen und die nur ins Kino wollen, weil ein "cooler blauer Igel" auf dem Plakat zu sehen ist. Freunde der Vorlage sind hier falsch – das ist keine Adaption für Nerds, die nach SUPER MARIO BROS. und DOUBLE DRAGON neues Futter suchen.

In seiner Kantenfreiheit und Kindertauglichkeit gehört SONIC eher neben CATS & DOGS oder DIE SCHLÜMPFE. Ihn mit den gleichen Maßstäben zu messen wie einen Marvel-Blockbuster oder einen Sommer-Kinoevent, ist nicht zielführend.

Die Story hält sich strikt an das 0815-Schema des Fremdlings, der auf der Erde landet und Freunde findet, die ihn vor den Bösen bewahren und ihm zeigen, dass Zuhause dort ist, wo man geliebt wird. Malt den Igel braun an und würgt ihm den Hals lang, dann könnte das auch ein (deutlich hurmorigeres) Remake von ET sein.

Die Tatsache, dass SONIC sich geradezu sklavisch ans Klischee hält, sorgt auch dafür, dass der Film relativ straff bleibt, niemals langweilt und alle Fragen, die er stellt, auch beantwortet. Damit finde ich ihn unterhaltsamer und kurzweiliger als den deutlich fahrigeren POKEMON MEISTERDETEKTIV PIKACHU, der sich bei gerade mal fünf Minuten mehr Laufzeit doppelt so lang anfühlte.

Dank der Speed-Force von Sonic ist die Action relativ schnittig und in sorgsam getakteten Dosen untergemischt. Regie-Neuling Jeff Fowler weiß, wann man aufs Gas und wann man auf die Bremse treten muss, um die prä-pubertäre Zielgruppe nicht zu überfordern. Von den menschlichen Darstellern wird Gesichtsverleih auf TV-Format verlangt und geliefert, es gibt keine Ausfälle. Nur Jim Carrey gönnt sich einen Ausflug in die Grimasse, als würde er immer noch THE MASK hinterher trauern. Das ist weder tief noch bemerkenswert, aber durchaus launig.

Schauspieler, Effekte, Action, Musik – eigentlich alles bewegt sich auf dem Niveau "prima" ohne größere Ausschläge nach oben oder nach unten. It is what it is.

Und weil ich der Erste bin, der sonst über sowas meckert: Das Stunt-Casting von YouTuber Julian Bam ist kein Defizit. Der Mann spricht Sonic durchaus pfiffig und mit ausreichender emotionaler Bandbreite.

Ich bin jetzt in der seltsamen Situation, SONIC gut zu finden und dennoch nicht wirklich meiner Zielgruppe empfehlen zu können. Für die meisten Wortvogel-Leser zielt er einfach zu niedrig in Sachen Anspruch. Wer aber Kinder hat, Patenkinder, kleinere Geschwister oder einfach ein sehr kindliches Gemüt, der sollte sich vom Kinobesuch keinesfalls abgehalten fühlen. Und falls ihr reingeht: Es gibt eine Post Credits-Sequenz, also sitzen bleiben.

Fazit: In seiner Vorhersehbarkeit banaler, aber durchaus unterhaltsamer und sympathischer Abenteuerfilm für ein junges Publikum.



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Achim
Achim

Manchmal werden Filme auch nur gemacht, um einer definierten Zielgruppe zu gefallen.
Der Anspruch scheint erfüllt worden zu sein.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner

Der Trailer machte mir schon Spass – dann werde ich meinem kindlichen Gemüt und meiner mittleren Tochter dann wohl mal wieder einen Kinoausflug gönnen…

Seb

Gestern sah mein Sohn (12 und mit Sonic besser vertraut als ich) im Kino erstmals den Trailer. Er drehte sich wortlos zu mir und machte den Daumen runter. Den Daumen hoch gab es dann zum James Bond Trailer.

martzell

Vielleicht wollten die Sonic passender zur Realwelt gestalten. Komisch dass die neuerdings immer das Uncanny Valley vergessen. Sonic war im Trailer leicht unheimlich und Cats ist ein Alptraum.

Moepinat0r
Moepinat0r

Will nur kurz anmerken, dass Sonic zwar nicht mehr den Kult-status wie in den 90ern hat, der jüngeren Generation aber immer noch sehr vertraut sein dürfte. Sega haut immer noch alle paar jahre Spiele und TV Serien mit dem Igel raus.

sergej
sergej

YouTuber Julien Bam spricht in "Sonic the Hedgehog" den kleinen animierten Igel, wofür er Kritik einstecken musste. So denkt er darüber.