Ich bin kein Gamer. Ich bin ein Casual Gamer. Das heißt, dass ich nicht spiele, um einen Highscore zu erreichen oder ein Spiel zu vollenden. Ich spiele, weil ich zehn Minuten Zeit habe, weil ich in der Badewanne sitze oder im Flieger. Spiele sind für mich keine Herausforderung, nur Ablenkung.

Das war schon immer so. Als ich in den 80ern meinen ersten C64 mit Hunderten von Raubkopien besaß, spielte ich eher aus der Neugier heraus, was die Games denn so zu bieten hatten. Wie war die Grafik, wie war der Sound, wie war der Spielverlauf? Wirklich „durchzocken“ war nie meine Motivation und meine Kumpel, die in der Schule ganz hibbelig waren, weil zuhause noch BARD’S TALE auf Pause stand, habe ich nicht verstanden. Beim SNES in den 90ern war es ähnlich – ich fand es spannend, neue Spiele auszuprobieren, nicht aber, den letzten Screen zu erreichen.

Mit der LvA habe ich die perfekte Ehefrau gefunden, nicht nur generell, sondern auch im Bereich Casual Gaming. Sie mag genau die selben Games wie ich, wenngleich sie immer wieder Zeit in Match3-Spiele investiert, was mir zu hektisch ist. Gemeinsam sitzen wir gerne vor Knobelaufgaben ohne enges Zeitlimit, Spiele, bei denen man Zeit zum Nachdenken braucht und hat.

Im Grund genommen haben uns vier, fünf Games durch das gesamte letzte Jahrzehnt gebracht. Ein paar magere Euro für Hunderte Stunden Spielspaß. Das hier sind die Dauerbrenner, die bei uns in der „heavy rotation“ laufen, seit wir sie auf die Rechner geladen haben. So manchen Abend haben wir in deren Welten verbracht, so manchen trüben Tag verdaddelt. Die kriegen unser Gütesiegel und unsere Empfehlung.

Bookworm Deluxe

Über das Spiel habe ich früher schon geschrieben. Eine Buchstabenknobelei, die Kombinationsgabe und Wortschatz erfordert, in unserem Fall sogar auf englisch.

Bookworm Deluxe ist unser Klassiker. Wir haben es schon gespielt, als wir uns gerade frisch kannten. Seit zehn Jahren gehört es zur Grundausstattung auf jedem Rechner, den wir installieren. Und nun das Drama: Unter Catalina auf dem Mac laufen 32bit-Anwendungen nicht mehr. Kein Bookworm – KREISCH!!! Es dürfte niemanden wundern, dass wir ein älteres Macbook Air aus genau diesem Grund nicht updaten.

Einschub: Ich weiß, es gibt andere Wege, 32bit-Apps auch auf modernen Macs zu starten (Parallels, Vine, Bootcamp, Online-Version). Aber das ist alles nix für uns. Die sollen endlich eine 64bit-Fassung veröffentlichen!

Around the World in 80 Days

Around the World ist ein Match3-Game, das im Hintergrund die Story von Jules Verne erzählt. Hier kann man tatsächlich verlieren, was in diesem Genre eher eine Seltenheit ist. Das Spiel macht derart süchtig, dass es bei einem Ibiza-Urlaub zu einer echten Tragödie kam, als meine Frau, die das Spiel bereits einmal komplett geschafft hatte, bei Level 64 von 81 scheiterte. Ich habe sie selten so wütend und frustriert erlebt.

Ganz generell ist Around the World ein exzellentes Beispiel für das Genre, von dem ich auch diverse kostenlose Varianten (z.B. Frozen Free Fall) empfehlen kann. Spielt sich auf dem Tablet besser als auf dem Rechner.

The Lost Cases of Sherlock Holmes

Auch über dieses Hidden Object Game habe ich bereits geschrieben. Es ist nach heutigem Maßstab sehr simpel, was die Grafik und die Spielmechanik angeht, aber genau deshalb ist es ein perfekter Einstieg in das Genre Wimmelbild-Spiel, bei dem man auf einem vollgemüllten Bildschirm Gegenstände (Beweisstücke) finden muss. Mag hier auch technisch nicht das große Rad gedreht werden, so fängt Lost Cases doch die Atmosphäre der Holmes-Geschichten ganz wunderbar ein.

Card Crawl

Dieses Fantasy-Kartenspiel habe ich auf meinem Tablet absurd lange und absurd oft gespielt. Über ein Jahr war es mein ständiger Zeitvertreib. Es ist das perfekte Beispiel für das Prinzip „easy to learn, difficult to master“. Und wenn man die Stunden investiert, kann man neue Level und Figuren freischalten, die dem Verlauf noch mal ganz neue Aspekte abgewinnen. Es ist grafisch ansprechend, perfekt ausbalanciert und auch aural so unaufdringlich, dass es nie nervig wird.

Als meine SD-Karte auf dem Tablet den Geist aufgab, verlor ich meinen Spielstand. War mir eher wurscht, weil ich meine heftigste Card Crawl-Phase da schon hinter mir hatte. Ich kam im Aufstieg-Bereich nicht weiter, das Ende meiner Talente schien erreicht. Eher aus Gewohnheit installierte ich das Game frisch noch mal, checkte die Einstellungen – und war erneut für ein halbes Jahr verloren. Was mich freute: beim zweiten Durchgang lernte ich, die Sonderkarten besser einzusetzen und den Aufstieg-Bereich deutlich professioneller anzugehen.

Rummikub

Ich würde vermutlich heute noch permanent Card Crawl spielen, würde nicht ein Neuzugang alle meine Aufmerksamkeit fordern. Es trug sich zu, dass gute Freunde uns nach einem gemeinsamen Essen zu einer Partie Rummikub aufforderten. Ich hatte von dem Spiel nur gehört, aber auch hier galt die Maxime „easy to learn, difficult to master“. Wir spielten zu viert, ganz klassisch mit Brettern und Steinen am Wohnzimmertisch.

Nach einem Abend mit vielen verlorenen Partien war ich auch verloren – an Rummikub. Ich schaute daheim sofort nach einer digitalen Variante und war erfreut, dass 2019 sogar eine massiv aufgebohrte Variante für Tablets veröffentlicht worden war. Nun ist es oft nicht einfach, Brett- und sonstige Familienspiele in den Computer zu hieven, ohne den Spielspaß zu kastrieren, aber im Fall von Rummikub ist das perfekt gelungen. Das Legen der Steine, der Wechsel zwischen den Spielern, die Sounds, die Grafik, das ist alles extrem smooth umgesetzt. Man kann auch festlegen, wie lange ein Zug dauern darf oder ob man gegen Kontrahenten aus dem Netz spielen möchte. Kurzum – aktuell hat Rummikub das klassische Card Crawl als Zeitfresser abgelöst.

Eine Haken habe ich allerdings entdeckt – das Spiel hat einen nervigen Bug. Wenn man die erlaubte Zug-Zeit z.B. auf 15 Sekunden reduziert, kann es vorkommen, dass der Computer-Gegner seinen gesamten Zug nicht aufs Brett bekommt. Dann muss er ALLES zurücknehmen, was er bereits gelegt hat. Und in dieser Schleife landet er dann in jeder Runde. Ein menschlicher Spieler merkt, wenn ihm die Zeit davon läuft und legt nur, was er im Rahmen des Countdowns kann. Für den Rest wartet er auf die nächste Runde. Der Computer ist da zu dumm. Hier muss die KI vom Hersteller nachgebessert werden.

Und nun schaue ich mal, ob es eine prima Fassung von UNO digital gibt…



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Klaus
Klaus

UNO gibt es unter anderem für die Switch, falls dir das die Anschaffung wert ist. Ansonsten könnte dir Slay the Spire noch gefallen: Ein Kartenspiel, bei dem du gegen NPCs antrittst, während deines Laufs dein Deck aufbaust und nach einer Niederlage quasi wieder bei Null beginnst. Ich finde das ganz nett für etwa halbstündige Sessions zwischendurch. Gibt es für PC, Switch usw. – ob auch für Tablet, müsstest du recherchieren.

S-Man
S-Man

Rummikub hatte ich vor Jahrzehnten mal von meiner Oma geschenkt bekommen. Das fand ich irgendwie sinnbefreit, weil in der Familie seit Jahren „Räuber Romme“ gespielt wurde. Absolut gleiches Prinzip, nur eben mit klassischen Romme Karten anstelle von Plastik Chips. 🙂

Aber freut mich, dass es dir gefällt!

Card Crawl hatte ich nach einem Tipp von dir mal versucht, aber das hatte mir damals irre viel Akku gezogen. 10min spielen hatte 50% Akku gekostet. Keine Option. Könnte das mal wieder versuchen, vielleicht haben sie nachgebessert.

Matts
Matts

Das alles ist jetzt so gar nicht meine Tasse Tee – aber trotzdem ist es immer interessant, etwas aus einer anderen Ecke der Gaming-Community zu hören.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Finde die Faszination für diese Art „Spiele“ immer interessant – meine Mutter würde nie einen Controller in die Hand nehmen, seitdem es Smartphones gibt, ist sie aber komplett Match3-süchtig (Candy Crush oder eine ähnliche Abart). Mir erschließt sich nämlich der Sinn des bloßen Zeitvertreibs ohne Ziel nicht so recht. Bei einem „richtigen“ Spiel gibt es irgendwann ein Ende und damit eine Art von Belohnung, die oben genannten Spiele sind ja auf „unendliche“ Spielzeit ausgelegt (und werden mitunter seitens der Hersteller manipuliert, so dass man vielleicht doch ein wenig Geld ausgibt). Daher finde ich die Switch großartig – selbst wenn man nur 10 Minuten Zeit hat, kann man ein wenig vorankommen und dann wieder in den Standby gehen – ohne lästiges Booten der „großen“ Konsolen (bzw. des PCs)