Ich habe mich in den ersten Jahren dieses Blogs sehr viel mit der BILD auseinander gesetzt – mit ihren Lügen, Hetzkampagnen, Anstachelungen, Selbstbesäufnissen. Dann installierte die Webseite einen Adblocker-Blocker und zu meiner eigenen Überraschung war ich raus. Das Springer-Blatt war mir nicht mal wert, den Adblocker für die Seite zu deaktivieren. Und es war… befreiend. Tatsächlich ist es so, dass man besser damit lebt, bestimmte Dinge einfach nicht zu wissen. Zumal Julian Reichelt es scheinbar mühelos schafft, noch einen Tacken skrupelloser und zynischer den Volkszorn zu befeuern als sein Vorgänger Kai Diekmann.

Aber die BILD hat mich eingeholt. Weil ich morgens, wenn ich Brötchen kaufe, in „meinem“ Supermarkt am Zeitungsstand vorbeikomme. Dann schaue ich natürlich nach der Schlagzeile. Und rege mich auf. Die BILD hat mittlerweile das System perfektioniert, den Hass der Menschen aufeinander hochzupeitschen und sich dann erschrocken über die resultierende (verbale wie tatsächliche) Gewalt zu echauffieren. Sie ist der Brandstifter, der die Arbeit der Feuerwehr kritisiert.

Und so habe ich mich entschlossen, ab heute mal etwas Neues zu probieren – ich eröffne den BILD-Pranger. Jedes Cover, das ich für aufrührerisch, propagandistisch, hetzend oder menschenverachtend halte, werde ich zeitnah hier posten. Kein Kommentar, keine weiterführenden Erklärungen, nur ein regelmäßiges:

Julian Reichelt, das hier haben SIE zu verantworten:



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Jake
Jake

Dann installierte die Webseite einen Adblocker

Wohl eher einen Adblocker-Blocker, oder? 😉

DMJ

Wow, wahrlich auffällig widerwärtig er Aufmacher!
Besonders schön der Kontrast zu dem klitzekleinen Kästchen zu Becker daneben.

(Klar, man kann die Fälle nicht vergleichen, aber … es fällt schon auf, wie der große Zorn sich aufs kleine Ziel fokussiert.)

Uli
Uli

„Dann installierte die Webseite einen Adblocker-Blocker und zu meiner eigenen Überraschung war ich raus.“

Lustig, genau so ging es mir auch. Fast muss man Springer dankbar sein.

Joris
Joris

Ja immer die kleinen gegen die kleineren. Wird schon schiefgehen.

Dietmar

E-kel-haft.

Thomas H.
Thomas H.

Echt ekelhaft. Aber solche Menschen gibt es leider wirklich, auch wenn den hier wahrscheinlich die BILD erfunden hat.

Howie Munson
Howie Munson

Klar gibt es Menschen, die wirklich nur das System ausnutzen wollen. Aber denen sind die Sanktionen eh wurscht, weil sie wisssen, wie sie die vermeiden. Von echten Betrügern ganz zu schweigen.

BILD will aber ALLE Bedürftige über diesen groben Kamm scheren, damit sich das Druckerzeugniss gut verkauft und Friede bloß nicht mehr Steuern zahlen muss.

Dietmar

BILD will aber ALLE Bedürftige über diesen groben Kamm scheren

So traurig und widerwärtig wie wahr.

Comicfreak
Comicfreak

.. Und die Hetze wirkt.
In einer spargruppe hat ein Mitglied gepostet, dass er neben Hartz IV einen nebenjob hat und fast das ganze Geld gespart hat.
Ihr glaubt nicht, wieviel Hass sich über den Ersteller gekübelt hat

Dietmar

Ist ja auch eine Sauerei, mit Harz IV reich zu werden! (Ironie; falls jemand das nicht bemerkt)

Als die Agenda 2010 von Schröder startete, war meine Erinnerung an meine Arbeit als Hauptsachbearbeiter im Sozialamt noch sehr frisch. Ich kann mich gut daran erinnern, wie die Narrative geschwungen wurde, man müsse die Sozialhilfe reformieren, um Missbrauch zu sanktionieren. Es gab Politiker, die ihr Wahlprogramm darum herum strickten. Der Punkt ist: Diese Sanktionen gab es schon immer. Und sie wurden auch angewendet. Ich wendete sie an. Nur war ein Großteil der Sozialhilfeempfänger nicht die durchtriebenen Betrüger, sondern allein erziehende Mütter.

Geist&Reich
Geist&Reich

Und allein erziehenden Müttern ist es verboten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen? Das ist auch so ein Narrativ, das es zu hinterfragen gilt.

Ich kenne drei alleinerziehende Mütter. Alle drei arbeiten. Keine bezieht, außer Kindergeld, Leistungen vom Staat. Es handelt sich aber natürlich um Frauen, die einen Schulabschluss und eine Ausbildung haben. Dass es ohne schwierig wird, ist klar, ist aber kein Politikversagen, sondern das Versagen dieser Frauen.

Dietmar

Und allein erziehenden Müttern ist es verboten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen?

Ich kenne Dich nicht, aber in aller vorauseilender Vorsicht und möglicher Freundschaft möchte ich doch darauf hinweisen, dass Leute, die meinen, mir mit Strohmann-Argumenten kommen zu können, von mir den Arsch aufgerissen bekommen. Ich habe auf so einen Scheiß keinen Nerv.

Jetzt bist Du ja auch Deinen misogynen Schwachsinn losgeworden, da stellt sich die Frage: Irgendetwas Inhaltliches zum Artikel, oder geht dieser Quatsch weiter? Lass mich raten: Als nächstes erklärst Du uns, dass an allem die Flüchtlingspolitik schuld ist.

Howie Munson
Howie Munson

Dass es ohne schwierig wird, ist klar, ist aber kein Politikversagen, sondern das Versagen dieser Frauen.

Und Versager sollten eigentlich komplett entfernt werden, aber da das ja noch nicht gesellschaftfähig ist, muss man sie wöchentlich demütigen und unter Druck setzen, bis sie es selbst einsehen, was „das beste für alle ist….“

Strohmannargumente sind schon was tolles….. NICHT!

Howie Munson
Howie Munson

Ich dachte es wäre deutlich, dass ich das nicht ernst meinte…. sorry…

Dietmar

Ja, da gehe ich ein wenig steil.

Dietmar

Natürlich komme ich runter. In der Sache beharre ich aber darauf und sage das auch, dass der Kommentar da oben misogyn und insgesamt Hilfeempfänger diskreditierend ist.

Dietmar

Nichts an dem Kommentar von „Geist&Reich“ ist solches. Dass gerade Mütter, die alleine sind, auf soziale Hilfe angewiesen sind, was früher in der Sozialhilfe eingegliedert war, rechtfertigt in keiner Weise solch einen Blödsinn, wie der Kommentator dort abgesondert hat. Meine Fälle waren Mütter, die gerade Neugeborene zuhause hatten, manchmal gerade frisch von ihrem Mann/Partner getrennt waren und kein anderes Einkommen erhalten konnten, oft Frauen, die ihren Unterhalt für sich und die Kinder nicht bekamen, Frauen, die sich mit geringfügiger Beschäftigung oder im Niedriglohnsektor abarbeiteten und ergänzend Hilfe erhielten. Die meisten Fälle waren in der Regel eine begrenzte Zeit in der Sozialhilfe und verließen sie, wenn sich die Frauen selbst versorgen konnten.

Diese flachen Angriffe („selbst schuld“) kotzen mich buchstäblich an, weil sie die Hilfeempfängerinnen pauschal diskreditieren und, mag überraschend für den Kommentarhelden da oben sein, „Schuld“ kein Beurteilungsfaktor in der Hilfe eines Sozialstaates ist und sein kann! Wenn ein Idiot mit überhöhter Geschwindigkeit schuldhaft an einen Baum fährt, hilft man dem. Es ist vollkommen egal, ob die Frau selbst „schuld“ war! Wie soll diese „Schuld“ auch aussehen? Sich dem Mann nicht genügend zur Verfügung gestellt? Sich nicht prostituiert, um Geld zu verdienen? Den Säugling nicht alleine zuhause gelassen, um irgendwo zu putzen?

Schuld ist ein straf- und ordnungsrechtlicher, kein sozialhilferechtlicher Begriff. Und er ist ein religiöser Begriff. Moralisch müsste man von Verantwortung sprechen.

Diese Frauen erhielten für begrenzte Zeit erforderliche Hilfe, um sie und ihre Kinder zu versorgen. Gleichzeitig mussten sie solche Idioten-Attacken wie die da oben aushalten.

Dieses „Die Frauen müssen ihren Hintern hochkriegen, damit ich sie respektiere“ ist unfair, weil sie genau das in der Regel tun.

Dietmar

Das sind so Dinge, die mir keine Ruhe lassen, wenn ich zur Ruhe kommen will:

Ich kenne genug, die das gänzlich ohne Fremdhilfe durchziehen (meine Mutter war eine). Das verdient Respekt.

Richtig. Sehe ich auch so. Meine Mutter flüchtete als Jugendliche unter entsetzlichen Bedingungen und mit Erlebnissen, die niemand haben sollte. Sie baute mit meinem Vater ein kleines Haus, in das etwas später auch ihre Eltern einzogen. Dann starb ihr Erstgeborener einjährig im Krankenhaus; sie fuhr nach seiner Erkrankung bis zu seinem Tod wochenlang täglich zweimal mit dem Fahrrad 20 km eine Strecke zum Stillen da hin und dann wieder zurück, um auf unseren Selbstversorgerhof zu arbeiten. Sie entband allein und ohne jede Hilfe meine älteste Schwester im tiefsten Winter in dem fast ungeheizten Neubau, während mein Vater versuchte, sich zu Fuß durch Schneewehen kämpfend den vier Kilometer entfernten Ort durch den Wald zu erreichen, um den Arzt zu holen. Meine Schwester und mein Bruder begleiteten sie, wenn sie als Lohnkraft für örtliche Bauern auf dem Feld arbeitete; sie saßen stundenlang spielend im Gras. Als wir vier Kinder waren, starb mein Vater schlagartig und unerwartet mitten im Satz, als er seine Kolonne auf der Baustelle einwies. Meine Mutter arbeitete mehr, um uns über Wasser zu halten, denn weil mein Vater durch Diphtherie-Folgen viel krank war und relativ wenig gearbeitet hatte (immerhin hat er es trotzdem zum Schachtmeister einer Baufirma gebracht), war die Rente zu klein für die Familie. Nach vier Jahren kam mein Ziehvater (ein Typ wie ein Westernheld: Wortkarg, derber Humor, Gefühle zurückhaltend und wenn er in einer Kneipe zulangte, das machte er selten, aber doch immer mal, war es auf der anderen Seite buchstäblich schlagartig still) und damit ihr zweiter Mann in unser Leben. Meine Mutter und er wollten heiraten. Es gab ein Gespräch mit dem Pastoren (Kemner hieß der und ist der Gründer des „Geistlichen Rüstzentrums Krelingen“; da werden auch schon gerne mal amerikanische geistliche Wunderheiler eingeflogen. So einer war das). Der meinte, er würde keine Frau trauen, die herumhure. Witwe sei Witwe. Meine Mutter hatte Angst, dass mein Ziehvater ihn niederschlagen würde. Aber er lachte ihn lauthals aus, was dem Mann, der so viel auf Respekt hielt, gar nicht gefiel, sie gingen und heirateten nie. Mein jüngerer Bruder wurde geboren, meine Mutter war erneut mit einem Mädchen im 6. Monat schwanger, da verunglückte mein Bruder 17-jährig als Beifahrer tödlich. Meine Mutter fuhr mit meinem Ziehvater zum Unfallort, mein Bruder saß immer noch unverletzt scheinend tot mit offenen Augen im Fahrzeugwrack, der wenige Wochen ältere Fahrer und Schulfreund aus unserem Dorf war buchstäblich zerfetzt und nicht mehr identifizierbar. Einen Tag nach den Beisetzungen brach meine Mutter zusammen und verlor das Kind. Meine Großmutter wurde bettlägrig, meine Mutter pflegte sie jahrelang und arbeitete gleichzeitig im Vogelpark als Küchenhilfe. Es gab schwere Unfälle in unserer Familie, mein Großvater wurde Pflegefall, meine Mutter pflegte ihn ebenfalls jahrelang neben der Arbeit im Vogelpark. Als die Mutter meines Ziehvaters alterskrank wurde, wollten seine Geschwister keine Pflege übernehmen, also kam sie zu uns und meine Mutter pflegte sie neben der Arbeit ebenfalls bis zu ihrem Tod über Jahre. Mein Ziehvater erkrankte an Krebs, sie pflegte ihn, bis er starb. Keiner musste in ein Pflegeheim, das machte alles sie. Meine Schwester erkrankte an einem inoperablen Hirntumor, meine Mutter und ich waren an ihrem Sterbebett alleine, als sie ging. Unserer Mutter Stimme war das Erste, was meine Schwester hörte und das letzte.

Sozialhilfe hat meine Mutter nie beantragt. Der Anspruch wäre da gewesen. Ich habe nicht nur bildlich gesprochen viel auf die Fresse gekriegt, weil uns anzusehen war, aus welchen finanziellen Verhältnissen wir stammten. Meine andere Schwester war immer tougher als ich und kam damit besser klar, konnte aus wenig viel machen, war/ist hübsch, kleidet sich geschickt, war immer sozial kompetent und hatte viele Freunde. Ich war ein verratzter, kleiner, denn ich war der jüngste, scheddriger, verängstigter, traumatisierter Rotzlöffel und Einzelgänger. Aber Sozialhilfe kam nie in Frage. Nach dem Tod meines Vaters hat es Monate gedauert, bis der Rentenanspruch meiner Mutter geprüft wurde. Sie hat aber bis zum Umfallen gearbeitet und ist nicht zum Amt gegangen.

Jedes ihrer Erlebnisse war traumatisch. Die Kriegserlebnisse sind für ein Kind und junges Mädchen hoch traumatisierend. Die Todesfälle in meiner Kindheit gingen an mir, weil ich ich meinen Bruder vergötterte und Großeltern liebte, nicht spurlos vorbei. Sie hatte nie die Gelegenheit, sie zu verarbeiten und musste irgendwie immer weiter machen, was ebenfalls Spuren bei uns hinterließ.

Sich nie helfen lassen, alles alleine schaffen, stark sein. Das ist eine unfassbare Lebensleistung und trotzdem nennt der Pastor (!) sie eine Hure.

Das, genau das ist die Haltung, die Müttern, die diese Hilfe zurecht (!), und ich finde, meine Mutter hätte das auch tun sollen, ohne ihr einen Vorwurf zu machen, denn ich bewundere sie dafür, mit solchen Kommentaren wie dem, den ich so attackierte, entgegen schlägt.

Deshalb gehe ich steil.

frater mosses von lobdenberg

Hat sich der Reichelt schon für die Reichweite bedankt, dieDu ihm schenkst?

sergej
sergej