Ich habe mal wieder in ein paar neue(re) Serien reingeschaut. „First Look“ deshalb, weil ich in den meisten Fällen nur die erste und die zweite Folge gesehen habe. Im Zeitalter des vertikalen Storytellings mag das nicht für ein endgültiges Urteil reichen, aber oft genug setzt es ausreichend Duftmarke, um den Daumen zu heben oder zu senken.

Und gleich für den ersten Kandidaten breche ich diese Regel auch schon, denn die LvA und ich haben alle acht Folgen von CARNIVAL ROW angeschaut.


Carnival Row

In einer Steampunk-Welt, die an das viktorianische London erinnert, leben nach vielen Kriegen die Menschen und diverse Fantasywesen unruhig beieinander: es gibt Feen, Satyre, Kobolde und Trolle. Inspektor Rycroft Philostrate, den gleich mehrere Geheimnisse mit den Kreaturen verbinden, versucht eine Mordserie aufzuklären, die von einem bisher unbekannten Monster verübt wird. Dabei stößt er auf die Fee Vignette, die er einst liebte und verlassen musste. Währenddessen kochen auf der politischen Ebene die Zustände im Reich Burgue hoch und der wackelige Frieden droht endgültig zu kippen.

Wow. Seit ALTERED CARBON hat mich keine Miniserie mehr derart fasziniert und begeistert. Eigentlich unter der Schirmherrschaft von Guillermo del Toro entwickelt, baut CARNIVAL ROW eine komplexe Welt mit vielen Figuren und Fraktionen, die im Laufe der acht Episoden clever miteinander verbunden werden. Das ist nicht nur ungeheuer aufwändig und extrem überzeugend inszeniert, sondern auch sehr packend erzählt. Trotz der Breite der Leinwand wird mit so kräftigen Farben gemalt, dass man nie die Übersicht verliert oder die Figuren verwechselt.

Hinzu kommt, dass CARNIVAL ROW eine ganze Reihe von aktuell relevanten Themen plakativ, aber nie oberflächlich in die Laufzeit steckt: Immigration, Rassismus, religiöser Extremismus, Klassenkampf, politische Korruption. Das macht nicht nur satt, das hat auch Nährwert.

Ich war nie ein Fan von Orlando Bloom und Cara Delevingne – aber beide spielen hier sehr überzeugend neben einer Hundertschaft von beeindruckenden Charakterköpfen. Ihre Geschichte der Zentrum, der Planet, um den alle Satelliten kreisen. Und zu meiner Freude finden alle relevanten Plots ein sehr befriedigendes Ende, das doch genug Aufbruch in sich trägt, um die bereits georderte zweite Staffel zu rechtfertigen.

Über den eigentlichen Inhalt hinaus ist CARNIVAL ROW ein Aushängeschild, was die modernen Streaming-Anbieter leisten können. Premiumfernsehen, jeden Cent wert.

Jetzt schon mein TV-Favorit des Jahres.



avatar
6 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
6 Comment authors
HeinoJorisTanjaThiesRudi Ratlos Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Dietmar

*notier*

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Da warte ich aus Faulheit noch auf die Synchro – klingt aber gut.

Thies
Thies

Das klingt vom Konzept her wie „Bright“ als Serie. Deiner Kritik nach aber wesentlich besser umgesetzt.

Tanja
Tanja

*auf Liste setz*

Joris
Joris

Danke für den Tipp. Gerade mit der besseren Hälfte die ersten Folgen geschaut.
Wirklich super. Gerade Cara Delevingne überzeugt richtig.
Ich hoffe die Serie wird ein Erfolg und rechtfertigt die, sicher sehr hohen, Produktionskosten.

Heino
Heino

Jetzt bin ich nach den überwiegend negativen Kritiken doch überrascht. Aber da das nicht auf Netflix läuft, werde ich mir vorerst keine eigene Meinung bilden können