Tunesien 2018. Regie: Abdelhamid Bouchnak. Darsteller: Yasmine Dimassi, Aziz Jbali, Bilel Slatnia, Hela Ayed, Hedi Majri, Bahri Rahali

Offizielle Synopsis: Die Journalistikstudenten Yasmine, Bilal und Walid drehen einen Dokumentarfilm. Thema: Die Legende der Hexe Mongia, die seit Jahrzehnten im Verlies einer Psychiatrie eingekerkert sein soll und dort Pfleger in Angst und Schrecken versetzt. Durch Kontakte gelingt es den Dreien, die verwahrloste arme Frau tatsächlich aufzuspüren. Eine zutiefst unheimliche Begegnung, die sie zu weiterer Recherche antreibt und alsbald zu einer isolierten Gemeinde weit entfernt von jeder Zivilisation führt. Der Anführer der Sippe scheint etwas zu betont freundlich, die Frauen dagegen kriegen den Mund kaum auf. Hin- und hergerissen zwischen Höflichkeit und einem unguten Gefühl willigen die Studenten ein, zum Abendessen zu bleiben. Eine lange, unheilvolle Nacht bricht über sie herein.

Kritik: Dies ist das Festival der wenigen Ausreißer. Ein russischer Film, ein tunesischer – der Rest des Programms kommt fast ausschließlich von den üblichen Verdächtigen: USA, Kanada, Südkorea, GB/Irland. Schade, in früheren Jahre war die Bandbreite größer. Ich habe iranische und polnische Filme hier gesehen, argentinische und thailändische, israelische und türkische. Die sind nicht immer gut, aber das Salz in der Suppe und daher einer der Gründe, warum ich so gerne nach  Berlin komme.

Und so sehe ich DACHRA auch eher als Abwechslung und werte ihn nicht nach den gleichen Maßstäben wie andere Genre-Vertreter. Er kommt aus einem Land, das kaum Kino-, geschweige denn Horrorvergangenheit hat. Hier wird versucht, einen ersten zarten Schritt auf den internationalen Markt zu machen. So etwas sollte einen Welpenschutz haben, der vielleicht nicht alles entschuldigt, aber doch milde stimmt.

Genau genommen ist das nur begrenzt nötig. DACHRA ist zuerst einmal sehr gut darin, seine Geschichte nachvollziehbar und gradlinig zu erzählen und dabei das Gefühl von Unwohlsein und Anspannung konsequent zu steigern – konsequenter auch als viele Filme aus deutlich profilierteren Ländern. Die gleichzeitige Freundlichkeit der Gastgeber und ihr Unwillen, die Filmstudenten wieder ziehen zu lassen, erzeugen eine fühlbare Spannung, einen unausgesprochenen Konflikt zwischen den Höflichkeiten.

Auch die Darsteller sind gut, zumindest für diese Sorte Film, die primär quasi-dokumentarisches Spiel verlangt. Man glaubt ihnen, dass sie sind, wer sie zu sein vorgeben.

Und statt – wieder: wie so viele andere – zum Ende hin einfach alles in Geschrei und Gerenne aufzulösen, hat DACHRA tatsächlich einen sauber konstruierten Abschluss, der viele lose Fäden zusammenknüpft. Das passt.

Ist Tunesien damit eine Entdeckung für wagemutige Horrorfans? Soweit möchte ich nicht gehen. DACHRA ist mit zwei Stunden sicher eine halbe Stunde zu lang und vieles wird in Echtzeit erzählt, was dringend gestrafft gehört. Letztlich hätte man den Figuren auch etwas mehr Eigenleben gewünscht und den Schlüsselszenen etwas mehr Drive.

Das hier ist… okay. Aber weil Kontext zählt, ist es gleichzeitig auch… gut.

Fazit: Eine Art tunesischer WICKER MAN mit spröden Bildern und zähem Flow, der seine grüne Ampel auch dem Reiz der gänzlich fremden Kultur verdankt und dem Respekt vor dem Einsatz der Macher. 7 von 10 Punkten.

Philipp sagt: Hat einige Längen, baut aber auch sehr schön seine Story auf und bringt einen interessanten Zweit-Twist.



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Thies
Thies

Den hätte ich mir sicherlich gerne angesehen, aber es war für mich einfach der falsche Zeitpunkt. Wenn man eh schon ermüdet ist dann wirkt ein fast zwei Stunden langer Film aus fremden Kulturkreisen in der Spätvorstellung unter der Woche nicht mehr so attraktiv. Noch dazu, wenn man aus Erfahrung das Personal kennt, das einen bei der Heimfahrt im Nachtbus erwartet.