Japan 2019. Regie: Mika Ninagawa. Darsteller: Tatsuya Fujiwara, Tina Tamashiro, Masataka Kubota, Kanata Hongo, Shinji Takeda, Takumi Saito, Eriko Satô u.a.

Offizielle Synopsis: Die junge Kanako wollte sich nur ein paar Yen dazuverdienen und findet sich plötzlich als Leibeigene in einem Sterne-Restaurant wieder. Flucht ausgeschlossen, denn bei den Mitgliedern des Privatlokals handelt es sich um Profikiller. Künftig heißt es für Kanako, im knappen Kleid die Gäste bedienen und Deckung suchen, wenn sie sich gegenseitig massakrieren. Aus dieser Alltagsroutine wird das Diner gerissen, als die lokale Mafia einen Tisch für ihr Sondierungsgespräch bucht – es geht das Gerücht, unter ihnen befände sich ein Verräter.

Kritik: Wenn Tim Burton in einer Tokioter Kellerbar ein Manga verfilmen würde…

… würde vermutlich trotzdem nicht DINER dabei rauskommen, machen wir uns nichts vor. DINER ist eine singuläre Erfahrung, ein Angriff auf alle Sinne gleichzeitig. Der macht keine Gefangenen – weder bei den Figuren noch bei den Zuschauern. Den hier kann man ab oder nicht. Experimente mit bewusstseinserweiternden Drogen und/oder Nahtoderfahrungen könnten helfen.

Denn siehe, die Inhaltsangabe der Veranstalter verkauft DINER als straightes Krimistück und nichts könnte von der Realität entfernter sein. Kanako lebt bereits in einer stilisierten Welt aus Chiffren und Symbolen, bevor sie durch einen Job als Fahrerin für Gangster in dieser bizarren Bar landet, die genauso gut einem Koma geschuldet sein oder im Wartezimmer zwischen Himmel und Hölle spielen könnte. Kanako hat ihr eigenes Hotel California gefunden.

You can check out any time you like, but you can never leave.

Und so ist Kanakos Werdung auch weniger mit der Flucht verbunden als mit der Fähigkeit, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln und daraus die Chance, den Killern die Stirn zu bieten und sich im bleihaltigen Restaurantbetrieb zu behaupten. Last (wo)man standing, wie man so schön sagt.

Das alles ist hyperschnell, auf verwirrende Art bunt, immer exzessiv, an allen Ecken aus allen Nähten platzend. Die Perfomer und die Action, sie sind zu groß für die kleine Bar und bauen über die gesamte Laufzeit einen Druck auf, von dem man meint, er könne die Location sprengen. Nicht verstehen wollen ist notwendig – mitschwimmen, im Flow bleiben, in Bildern baden. DINER ist keine Geschichte, DINER ist nur Kino.

Und Food Porn.

Fazit: Als würde man ein Feuerwerk in einer Telefonzelle zünden. Bunt, laut, schnell, verrückt, und garantiert nicht jedermanns Sache. Aber meine. Darum 8 von 10 Punkten.

Philipp sagt: „Sehr abgefahren, dabei aber in sich durchaus schlüssig.“

Einen guten Eindruck vom Film gibt auch dieses Musikvideo zum Song während des Nachspanns – hammergeile Nummer:

 

 



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Oliver
Oliver

Wegen Filmen wie „Diner“ und „It Comes“ gehe ich zum Fantasy Filmfest. Bei aller Überdrehtheit und scheinbaren Chaos mehr Aussage als die meisten Arthaus Streifen.

Matts
Matts

Letztendlich war „Diner“ sogar weniger Batshit-Insanity-Japano-Gedöns, als ich nach dem Trailer erwartet hatte. Aber wahrscheinlich war das auch besser so. Es gibt einem die nötige Zeit, zusammen mit Kanako jeden detaillierten Winkel des Diners zu erleben. Und das wird wirklich zu einem Fest für alle am Kino beteiligeten Sinne.
Ich möchte jetzt auch so einen ultimativen Assassinen-Burger!