Südkorea 2019. Regie: Lee Won-Tae. Darsteller: Ma Dong-Seok, Kim Moo-Yul, Kim Sung-Kyu, Kim Yoon-Sung, Oh Hee-Joon, Choi Min-Chul

Offizielle Synopsis: Als sein nächstes Opfer hat sich Serienkiller „K“ eindeutig den Falschen ausgesucht: Der allseits gefürchtete Gangsterboss Jang Dong-Soo überlebt die Attacke schwerverletzt und tut sich anschließend mit dem jungen idealistischen Cop Jung Tae-Seok zusammen, um den flüchtigen Psychopathen mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen.

Kritik: Alle asiatischen Filme, die nach der Erfindung der Neonröhre spielen, sind vor allem eins: sehr bunt. Außerdem scheint in Südkorea die Nacht 23 Stunden zu dauern und der Tag ist nur für Beerdigungen und Munitionsbeschaffung da. Bevölkert sind die Großstädte ausschließlich von Hardboiled-Figuren: Gangster, Bullen, Schlampen, Killer, Kanonenfutter. Die Müllabfuhr im Morgengrauen fegt Pappbecher und Kaugummis ebenso zusammen wie brennende Autowracks und zerhackte Leichen. Dienst ist Dienst.

So muss man sich das zumindest vorstellen, wenn man genug Filme vom Schlage FIRST LOVE und THE GANGSTER, THE COP, THE DEVIL schaut. Sie sind geprägt von einer ganz besonderen Weltsicht, bei der ich mir nicht ganz sicher bin, ob z.B. die Südkoreaner sich wirklich so sehen oder ob sie nur so gesehen werden wollen.

Wie dem auch sei, THE GANGSTER… ist ein weiterer exzellenter Vertreter des Genres Asia-Actionthriller, der zusätzlich zur hochprofessionellen Machart mit exzellenten und extrem unterhaltsam gezeichneten Figuren noch eine interessante Grundkonstellation mitbringt: was, wenn sich Unterwelt und Polizei ein Wettrennen liefern, wer zuerst den Killer fängt, der die Balance zwischen den Kräften stört?

Genau genommen ist es eine Variation von Fritz Langs „M – eine Stadt sucht einen Mörder“, aber mehr als der Grundplot wird hier nicht aufgearbeitet. Der junge, aber extrem stilsichere Regisseur Lee Won-Tae setzt auf permanente Ortswechsel, einen rasanten Ablauf und einen Killer, der wie ein Hase immer wieder clever Haken schlägt, um seine Verfolger abzuhängen.

Die Figuren sind von der ersten Sekunde an derart präsent und sattelfest, als hätten wir nicht einen Film vor uns, sondern die dritte Staffel einer gut etablierten Krimiserie. Gangster Dong-Soo ist eine furchterregende Autorität, ohne übermäßig grausam sein zu müssen. Wir merken schnell: was er erreicht hat, hat er sich erarbeitet. Und Polizist Jung Tae-Seok mag verdächtig viel grinsen, aber im Gegensatz seinen Kollegen ist er tatsächlich noch ernsthaft interessiert, in der Unterwelt aufzuräumen. Das ist eine erfrischende Abwechslung vom „depressiven Altbullen“, den das südkoreanische Kino so gerne in den Mittelpunkt stellt.

Exzellent inszenierte Verfolgungsjagden zu Fuß und auf vier Rädern sind da nur noch das Schleifchen auf der Geschenkpackung.

Das Festival hat uns schon viele Asia-Perlen näher gebracht. Dies ist eine weitere.

Fazit: Ein gut konstruierter Thriller mit plausiblen Charakteren und vielen Wendungen, der Südkorea mal wieder als Platzhirsch im Genre bestätigt. 8 von 10 Punkten.

Philipp sagt: „Angenehm logisch aufgebauter Krimi.“



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