Irland/Belgien/Dänemark/USA 2019. Regie: Lorcan Finnegan. Darsteller: Imogen Poots, Jesse Eisenberg, Eanna Hardwicke, Jonathan Aris, Senan Jennings

Offizielle Synopsis: Tom und Gemma sind ein Paar. Noch kein verheiratetes Paar, aber eins, das es ernst genug miteinander meint, um sich nach einem gemeinsamen Zuhause umzusehen. Dem perfekten Zuhause. Er ist Landschaftsarchitekt, sie Lehrerin, und ein beschauliches Leben in der verlässlichen Reihenhausidylle scheint inzwischen gar keine abwegige Idee mehr. Als ein junger Immobilienmakler ihnen die makellose Neubausiedlung Yonder vorstellt, fahren sie los, um sich das Viertel anzusehen. Hier gleicht ein Haus dem anderen, eine Straße der nächsten – die Vorstadt als steriles Labyrinth der Normalität. Ein Labyrinth, aus dem es für Tom und Gemma keinen Ausweg mehr gibt.

Kritik: VIVARIUM ist eine Art Film, die es so nur auf Festivals gibt. Da wird keine „normale“ Geschichte geboten, da geht es eher um ein erzählerisches Konstrukt, eine abstrakte Fabel. Wie NOTHING, AFTER oder TRUMAN SHOW schafft er eine artifizielle Welt, die nur stellvertretend sein soll. Solche Filme werden dann gerne mit Fördergeldern gedreht (in diesem Fall aus Irland, Dänemark und Belgien), mit gerade verfügbaren Stars aus dem Mittelfeld besetzt und dann bei den Festivals durchgereicht. Das macht mich einerseits wütend, weil ich nicht finde, dass so Kino geht. Andererseits sind es gerade diese, weitgehend vom breiten Zuspruch unabhängigen Filme, die spannende Konzepte jenseits des Mainstreams anbieten.

Die Siedlung Yonder ist nicht real, das wird sehr schnell klar. Sie ist kein Trick, kein Labyrinth und kein Experiment von Aliens oder der Regierung. Was auch immer Tom und Gemma versuchen, es MUSS scheitern, weil diese Welt sich an keine Regeln halten muss – nur weil man rein kann, muss man nicht raus können, und immer geradeaus führt trotzdem im Kreis. Widerstand gegen die Regeln ist möglich – aber sinnlos.

Das ist optisch so interessant wie beunruhigend umgesetzt – eine gesichtslose, makellose, leere Wohnsiedlung von Horizont bis Horizont, mit gemalten Wolken am Himmel und keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Eine Vorstellung von „schön“ für Psychopathen und seelenlose Drohnen.

Und natürlich ist das alles eine sehr durchschaubare Metapher – Tom und Gemma sind das unabhängige Liebespaar, das durch die Beziehung und den Kinderwunsch in die Spießergesellschaft wechseln und wachsen muss. Der Horror des immer gleichen Alltags, der unsichtbaren Kräfte außerhalb der eigenen Kontrolle, der Isolation, der Erziehung der eigenen und doch fremden Kinder – dafür steht Yonder. Man steigt ein, passt sich an, lebt vor sich hin, stirbt, in einem endlosen Zyklus von Generationen. Der Mann schaufelt sich im wahrsten Sinne sein eigenes Grab und das Interesse der Frau wendet sich von ihm ab zum Sohn. Ein genormtes, freudloses, in diesem Fall auch im wahrsten Sinne des Wortes geschmackloses Leben.

Gut und schön. Aber über die Metapher hinaus hat VIVARIUM leider nicht viel zu sagen außer „isso“. Und darum sind 97 Minuten etwas viel verlangt. Die Fabel hätte eher in eine Stundenserie wie TWILIGHT ZONE gepasst.

Bonus allerdings für die Verwendung der Musik von Desmond Dekker, XTC, etc.

Fazit: Etwas dünner Konzeptfilm mit guten Darstellern, der aus dem Einerlei des Festivals deutlich heraussticht. 7 von 10 Punkten.

Philipp sagt: „Ein interessantes Setup. Leider kommt dann nicht mehr viel.“



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