Italien/Belgien 2019. Regie: Matteo Rovere. Darsteller: Alessandro Borghi, Alessio Lapice, Tania Garibba, Massimiliano Rossi, Lorenzo Gleijeses, Vincenzo Pirrotta, Michael Schermi, Vincenzo Crea

Offizielle Synopsis: Rom wurde nicht an einem Tage erbaut. Davon berichtet allein das epische Schicksal der Brüder Romulus und Remus, die von einfachen Hirten zu historischen Helden avancieren: sie überleben eine Flut, entkommen einer antiken Göttin, der sie als Menschenopfer dargebracht werden sollen, und kämpfen schließlich mit einer Gruppe von Sklaven um die Freiheit. Doch nur einer von ihnen wird die Stadt auf den sieben Hügeln gründen…

Kritik: Der Urmythos von der Gründung Roms durch die von Wölfen genährten Brüder Romulus und Remus ist eine so schräge Geschichte mit vielen Variationen, dass es verwundert, wie selten sie bisher verfilmt wurde. Andererseits: von unserem Arminius gibt es ja nun auch keine so große Videothek an Umsetzungen.

Das Problem mag darin liegen, dass die Geschichte von Romulus und Remus teilweise recht albern ist und ja auch nicht wirklich sinnig endet – der eine Bruder tötet den anderen, weil sie sich über eine Grundstücksgrenze streiten. Und welche Sage der vielen sollte man denn überhaupt als Basis nehmen?

Der Film ROMULUS UND REMUS antwortet darauf: gar keine. Er ist weniger daran interessiert, die bisherigen Erzählungen (inklusive Götterbegattungen und Wolfsfütterungen) auf die Leinwand zu bringen. Stattdessen baut er ein Szenario, „wie es wirklich gewesen sein könnte“ – unabhängig von der Tatsache, dass die beiden Städteplaner vermutlich nie existiert haben.

Das bedeutet zuerst einmal, dass ROMULUS und REMUS auf jeglichen übernatürlichen Schnickschnack verzichtet. Und trotz einer anfänglichen (und sehr gut inszenierten) Flut handelt es sich auch nicht um einen Event-Film, der bildgewaltige Effekt-Sequenzen im Stil der großen Leinwand-Epen darbietet.

Stattdessen beobachten wir über den Großteil der Laufzeit ein gutes Dutzend dreckiger Flüchtlinge, die Latein knurrend durch den Wald latschen und sich ständig gegenseitig umbringen, weil Gesprächstherapie zur Konfliktlösung damals noch nicht erfunden war.

Okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen schnippisch. Das liegt aber daran, dass der Film – wenn man ohne Vorkenntnisse an ihn herangeht – so gar keine Erwartung einlöst, die man angesichts des Stoffes hat. Hier sind die Menschen noch wilde Tiere, Fleisch wird roh gegessen, Feuer ist ein Gott und von Zivilisation keine Spur. Mehr ATOR als QUO VADIS, mehr VIKINGS als GAME OF THRONES.

Man sollte auch nicht erwarten, dass hier das antike Rom in irgendeiner Form visualisiert wird – die Handlung endet mit dem Entschluss, eine Siedlung namens Rom zu bauen. Da wirkt es dann wie der Pilotfilm einer TV-Serie – die laut IMDB tatsächlich in Arbeit ist.

Hat man sich daran erstmal gewöhnt, dann ist der Film durchaus packend. Die Charaktere, auch die der Sklaven, sind kräftig genug gezeichnet, um sich gut unterscheiden zu lassen. Die Konflikte in der Gruppe sind folgerichtig entwickelt und Remus‘ Wandel vom ehrbaren Krieger zum gnadenlosen Menschenschlächter ist schmerzhaft plausibel. Es war halt eine Zeit, in der Angst und Schwert regierten.

Die Kämpfe sind wüst und unelegant, aber mit Wumms inszeniert, die damals noch existierenden mediterranen Wälder mythisch überhöht von Nebelschwaden durchzogen. Es gibt sogar ein wenig Oldschool-Splatter zu bewundern. Mag der Aufwand auch überschaubar gewesen sein – die Macher haben sich sichtlich bemüht.

Fazit: Als Epos nicht der große Wurf, aber als schlammiges Ur-Drama zur Entstehung Roms plausibel und aufrichtig umgesetzt. 7 von 10 Punkten.

Philipp sagt: „Ich habe ein massives Problem mit der Ausstattung dieses Films. Ansonsten ist das brauchbare Arbeit.“



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MattsNummer NeunMarcus Recent comment authors
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Marcus
Marcus

Der Film ist in Latein mit Untertiteln, gute 2 Stunden lang, und lief bei uns Samstagabends als letzter Film, ab 22:30 Uhr. Ich bin nicht nur wach geblieben, sondern habe nicht einmal auf die Uhr gesehen. Mehr muss man nicht sagen. 8/10.

Nummer Neun

Ich war gestern anscheinend in der gleichen Vorstellung und musste sehr mit der Müdigkeit kämpfen. Mir kam es teilweise wie eine hoch-budgetierte Terra X -Folge vor, die sich auch noch etwas Splatter gegönnt hatte.

Matts
Matts

Ich hab mich ebenfalls gut unterhalten gefühlt. Der Film hat eine archaische, düstere Stimmung, die mir sehr gefallen hat.
Lustigerweise hat der Mittelteil, wo die Brüder mit ihrer bunten Truppe durch die Wälder ziehen, irgendwie auch ein bisschen Erinnerungen an die alten Abenteuerfilme geweckt, die ich als Kind so gern gesehen habe. Herkules, Jason, Sindbad und so…