07
Sep 2019

Fantasy Filmfest 2019 Tag 3, Film 2: The Witness

Themen: Fantasy Filmf. 19, Film, TV & Presse, Neues |

Südkorea 2019. Regie: Jo Kyu-Jang. Darsteller: Lee Sung-Min, Kim Sang- Ho, Jin Kyung, Kwak Si-Yang, Park Bom, Kim Sung-Kyun, Bae Jung-Hwa, Shin Seung-Hwan

Offizielle Synopsis: Von einem nächtlichen Umtrunk mit den Bürokollegen zurückgekehrt, beobachtet Familienvater Sang-hoon, wie ein kaltblütiger Killer eine hilflose junge Frau mit einem Hammer ins Jenseits befördert. Leider hat der Mörder auch ihn gesehen. Sang-hoon beschließt zu schweigen, aus Angst um sich und seine Familie, aber auch, weil die Eigentümergemeinschaft seines Wohnkomplexes aus Sorge um fallende Immobilienpreise jegliche Kooperation mit der Polizei untersagt. Die Entscheidung stürzt Sang-hoon allerdings bald in ein moralisches Dilemma, denn die Mordserie geht weiter und der gnadenlose Psychopath kommt ihm und seiner Familie stetig näher.

Kritik: Korea ist in den letzten Jahren eine sichere Bank des FFF geworden, mehr noch als Japan oder China/Hongkong. Exzellente kommerzielle Thriller, die tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken, das können sie. THE WITNESS ist ein weiteres prächtiges Beispiel für die Reife des koreanischen Kinos.

Oberflächlich ist es eine einfache Krimistory. Sang-hoon macht einen Fehler – einen banalen, verständlichen, fast zwingenden Fehler. Die kleine Entscheidung, einfach die Klappe zu halten, bekommt eine Eigendynamik, führt zu größeren Lügen, zu Katastrophen, zu einer Lawine (bezaubernderweise sprichwörtlich und buchstäblich). Je länger er zögert, desto geringer wird die Chance, am Ende Erlösung zu finden.

Regisseur Jo Kyu-Jang erzählt diese Geschichte straff, mir klaren Bildern, kompakter Action und ein paar echten Schocks aus der Serienkiller-Schublade. Die stärksten Momente hat THE WITNESS aber in den ruhigen Szenen, wenn Sang-hoon hilflos mit der Verzweiflung seiner Umwelt konfrontiert wird, mit ihrer Verlogenheit und ihren Ängsten. Er ist ein guter Mann in einer korrupten Welt, und ausgerechnet ER ist der Katalysator des Bösen.

Darüber hinaus sagt THE WITNESS natürlich auch viel über die koreanische Gesellschaft aus, in der sozialer Aufstieg verteidigt wird und "nicht auffallen" eine wichtige Maxime darstellt. Man mischt sich nicht ein. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Und genau aus dieser Tatsache dreht der Film nach einem durchaus versöhnlichen Happy End noch eine erschütternde Schlussszene. Ich ziehe meinen Hut.

Fazit: Starker Psychokrimi über die Last der Verantwortung und über Zivilcourage in einer feigen Gesellschaft. Knallhart und auch ohne visuellen Overkill keine Sekunde langweilig. 8 von 10 Punkten.

Philipp sagt: "Gelungener Krimi mit klarer sozialkritischer Botschaft."

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
4 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Marcus
Marcus
21. September, 2019 15:15

Genau. Hier passt das Adjektiv "Hitchcockian" mal wirklich. Und der Korea-Columbo, der hier ermittelt, ist auch knuffig. 8/10.

Thies
Thies
26. September, 2019 03:43

Hamburg, Tag 6, Film 1
Vielleicht lag es an einer körperlichen Unpässlichkeit die mich nach der Einführung das Klo aufsuchen liess, aber ich konnte mich auf den Konflikt der Hauptfigur nicht komplett einlassen, Natürlich verstand ich seine Motivation, aber ein vom Kern aus passiver Protagonist sorgt schon für eine gewisse Distanz, vor allem wenn er an einer entscheidenden Stelle nur den Finger heben müsste um den Killer zu enttarnen. Die zweite Hälfte hat mich dann aber doch wieder emotional hineingezogen und das "Cape Fear"-Gedächtnis-Finale war sehr druckvoll inszeniert.

trackback

[…] es ist hausgemacht, weil sie egoistisch sind und brutal. zynisch und korrupt. Wie ich schon zu THE WITNESS schrieb, scheinen die Koreaner sich als systemkonforme Wegducker zu verstehen, die Transgressionen […]

Martzell
19. September, 2020 01:56

Fehler: Kanada/Belgien/Luxemburg