USA 2019. Regie: Rob Zombie. Darsteller: Sheri Moon Zombie, Sid Haig, Bill Moseley, Emilio Rivera, Danny Trejo, Clint Howard

Offizielle Synopsis: Dem etwas gealterten, aber ungemindert perversen Trio Otis, Baby und Captain Spaulding gelingt es, aus ihrem Hochsicherheitsgefängnis auszubrechen. Alsbald ziehen die Drei eine blutige Spur durch Trumps Amerika.

Kritik: Wen seht ihr oben auf dem Bild? Baby Firefly, Otis Firefly und Winslow. Wen seht ihr nicht? Captain Spaulding, genau. Weil der im Kontrast zur Inhaltsangabe eben NICHT aus dem Gefängnis ausbricht und demnach auch keine blutige Spur ziehen kann. Und was „Trumps Amerika“ angeht: Der Film spielt größtenteils ins Mexiko. Anfang der 80er.

Gibt es eigentlich gar keine Verantwortlichkeit bei den Schreibern des Programmhefts? Kann man die überhaupt nicht zur Rechenschaft ziehen? Die werden doch dafür bezahlt! Wenn ich in der LIEBES LAND so einen Unfug zusammen faseln würde…

Okay, zum Film: Ich habe weder HOUSE OF A 1000 CORPSES noch THE DEVIL’S REJECTS gesehen, die Firefly-Familie ist mir wurscht und dass sie Kult sind, habe ich mir anlesen müssen. Von Rob Zombie habe ich nur den sehr schwachen THE LORDS OF SALEM gesehen. Schon nach den Trailern wusste ich: dieser pseudo-transgressive, pseudo-hardcore Ballermann-Horror ist nicht meins.

Und tatsächlich scheine ich mich nicht vertan zu haben: 3 FROM HELL ist ein nur oberflächlich „radikaler“ Film, der hauptsächlich aus Poserei besteht und beständig versucht, einen angeblichen Mythos um seine Figuren zu bauen, den diese gewaltgeilen Langweiler schlicht nicht verdient haben. Denn die Firefly-Familie ist primär asoziales Pack mit ausschließlich basis-kriminellen Instinkten. Sie ist nicht schlauer als ihre Umwelt – die Umwelt ist in diesem filmischen Universum nur sehr viel dümmer.

Eine nennenswerte Handlung wird gar nicht erst versucht: eine halbe Stunde lang Ausbruch, eine halbe Stunde lang Flucht und Versteck in Mexiko, eine halbe Stunde lang Shootout. Leichen pflastern ihren Weg.

Wenn’s denn wenigstens gut inszeniert wäre. Aber der inszenatorische Werkzeugkasten von Rob Zombie ist sehr begrenzt bestückt. Ständige Nahaufnahmen, körniges Bild, satte Farben, Kameragewackel, Blutbeutel. Das muss reichen.

Nun könnte man noch ellenlang über die moralischen Verfehlungen der Filme reden. Sie heroisieren Psychopathen, was Zombie dadurch irgendwie zu rechtfertigen versucht, dass alle anderen Figuren (die „Guten“ in jedem anderen Film) noch viel verachtenswertere Dreckschweine sind. Nur wird da kein Schuh draus, weil Mord und Totschlag eben keine relativen, sondern absolute Verbrechen sind. Wer drei Leute abknallt, ist nicht fein raus, wenn ein anderer fünf abknallt.

Leider merkt man Rob Zombie an, dass er die gefeierte Amoral seiner Figuren für total mutig und cool hält. Soll wohl Rebellion sein, irgendein „fuck the system“-Mantra im Stil von Charles Manson. Letztlich ist es aber nur Kundendienst für pubertierende Festivalbesucher, die Gewalt immer noch für eine Grenzerfahrung halten und alles jenseits von Rob Zombie als „mainstream“ verachten. Die fressen ihm aus der Hand.

3 FROM HELL ist eine Sorte Horror, aus der man irgendwann mal herauswachsen sollte.

Fazit: Eine launig rotzige, aber inhaltsarme Gewaltfabel für Freunde zynischer Weltsicht, die gerne auf der Seite der Bösen stehen, weil das irgendwie cool ist. Bin ich vielleicht zu alt für und ist auch technisch bestenfalls okay. 5 von 10 Punkten.

Philipp sagt: „Ich habe ein Problem damit, wenn man versucht, mir psychopathische Massenmörder als Helden zu verkaufen. Noch dazu, wenn das nicht sonderlich gut gemacht ist.“



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Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Schade, dass du TDR nicht gesehen hast – da hätte mich der qualitative Vergleich interessiert, deine Kritik zu dem hier, bestätigt ja leider den Trailer :/

OnkelFilmi
OnkelFilmi

Stell Dir vor nach DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK wäre ANGRIFF DER KLONKRIEGER gekommen. Nur halt mit einem Budget von 100k Dollar. So in etwa verhält sich 3FH zu TDR.

Manuel
Manuel

Puh, war der öde!

Thies
Thies

Ich denke mal, den werde ich morgen dann auslassen und mir lieber das zweite Kapitel von „Es“ ansehen.

DMJ
DMJ

Ohne ihn gesehen zu haben sage ich „AMEN!“ zu den generellen/moralischen Ausführungen. Denn da legt sich Zombie schon bei TDR völlig auf die Schnauze.
Schon 1000 CORPSES mochte ich nicht, weil er nicht den Unterschied zwischen augenzwingerndem, nicht ernst gemeintem Fun-Splatter und bösartigem Sadismus verstand, aber im Sequel versuchte er dann auch noch, seine geliebten, aber keine Liebe verdienenden Hauptfiguren zu relativieren, indem er andere Figuren auch als Arschlöcher darstellte.

Was schon wegen oben ausgeführter mangelnder Vergleichbarkeit nicht hinhaute. Super unsympathisch die Reihe und einen dritten Teil hat sie jetzt wirklich nicht gebraucht.