Japan 2019. Regie: Shinsuke Sato. Darsteller: Kento Yamazaki, Ryo Yoshizawa, Masami Nagasawa, Kanna Hashimoto, Kanata Hongō, Shinnosuke Mitsushima

Offizielle Synopsis: Die zwei Waisen Shin und Hyou wachsen gemeinsam als Sklaven auf einem Bauernhof heran. Beide träumen davon, ihr ärmliches Leben eines Tages hinter sich zu lassen, zu großen Generälen aufzusteigen und das vom Krieg zerrissene China zu einen. Ihr ganzes Leben trainieren sie einander dafür im Schwertkampf. Als Hyou von einem Gesandten des Königs entdeckt und als Double des Herrschers auserkoren wird, scheint sein Traum endlich in Erfüllung zu gehen. Doch als Shin seinen Freund das nächste Mal sieht, liegt dieser blutüberströmt in seinen letzten Atemzügen. Der Bruder des Königs hat den Hof an sich gerissen und Hyou ermordet. Shin schwört, seinen Freund zu rächen und macht sich auf eine Reise, die größer ist, als er es sich je hätte erträumen können.

Kritik: Gerade nach dem sehr statischen und farblosen SHADOW hatte ich wenig Lust, mich erneut in die asiatische Feudalgeschichte zu begeben. Das ist einfach nicht die Sorte Film, mit der ich leicht warm werde, besonders bei 130+ Minuten Laufzeit. Schöne Bilder gucken kann ich auch woanders und gute Geschichten werden hier selten erzählt.

Aber tatsächlich ist KINGDOM ein prima Einstiegs-Film für Leute, die meine Probleme teilen. Er ist sehr straff erzählt, zeichnet seine Charaktere präzise in Aussehen und Charakter, wirft immer mal wieder eine schicke Kampfszene in die Runde und verliert sich nicht im Kleinklein höfischer Durchstechereien.

Und so sammelt Shin ein paar Getreue um sich, schließt sich dem König an und auf geht’s zum Palast, um dem bösen Halbbruder die Macht zu entreißen.

Natürlich ist es mitunter drollig, die japanische/chinesische Mentalität bei der Arbeit zu sehen. Wir reden hier von Reichen, die mal eben 500 Jahre Krieg führen, in denen „General sein“ das höchste Lebensziel ist und niemand persönliche Ziele hat, weil alles dem mythischen Traum des vereinten Reiches untergeordnet wird.

Aber das ist nun mal der kulturelle Unterschied und bei KINGDOM ist er wenigstens nicht so krass, dass man als westlicher Zuschauer nicht andocken könnte. Hier ordnet sich der Style der Narrative unter, anders als bei SHADOW. Hinzu kommt ein beträchtlicher Aufwand in Sachen Komparsen und Requisiten, der so gut mit der CGI verschmilzt, dass man oft genug nicht weiß, wo das Eine anfängt und das Andere aufhört.

Mehr als zwei Stunden „viel Kino fürs Geld“. Oder wie wir es hinterher formulierten: Eine Staffel GAME OF THRONES in einem Film. Ohne Blondinen, Sex und Drachen.

Fazit: Knalliger, von bunten Figuren und beträchtlichem Aufwand lebender Manga-Historienschinken, der mich besser unterhalten hat, als ich erwarten durfte. 8 von 10 Punkten.

Philipp sagt: „Sehr gradliniger Historienfilm mit Manga-Vorlage, sozusagen das ostasiatische „300“. Mir war er zu gradlinig.“



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MattsThiesWortvogelsmoozles Letzte Kommentartoren
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smoozles
smoozles

Der Trailer ist für eine gleichnamige und ebenfalls zu empfehlende koreanische Serie, aber nicht für den Film.

Thies
Thies

Hamburg, Tag 2, Film 1
Netter Einstieg in den Festival-Alltag, aber mehr als einen Tick zu lang. Das hätte man auch 30 Minuten kürzer erzählen können. Viel Zeit geht alleine dadurch drauf, dass alle fünf Minuten die Protagonisten noch mal die Motive für ihr Handeln aussprechen. Aber unterm Strich gab es hier natürlich eine Menge zu kucken auch wenn nichts wirklich neu oder originell war.

Es muss der vom Wortvogel erwähnte kulturelle Unterschied sein, der dazu führt das in so einem Epos melodramatisches Proklamieren wichtiger erscheint als zünftige Schwertkämpfe. Man stelle sich vor Stallone würde in seinen Filmen ebenso häufig das Schiessen einstellen und mit Tränen in den Augen rufen: „ich will doch nur als unbesiegbarer Supersoldat für mein Land kämpfen“. Das würde wahrscheinlich nicht mal mehr als unfreiwillige Komödie durchgehen.

Matts
Matts

Viele schöne Kulissen, viel Schwertkampf, viel Pathos. Damit kann ich was anfangen!
Realverfilmungen von Mangas sind ja oft nicht das gelbe vom Ei. Hier kenne ich den Comic zwar nicht, aber ich freue mich, dass eine Geschichte dabei herausgekommen ist, die über Spielfilmlänge gut funktioniert – und sogar das Lob das Lob des Wortvogels findet!