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Sep 2019

Fantasy Filmfest 2019 Tag 11, Film 1: Some time later

Themen: Fantasy Filmf. 19, Film, TV & Presse, Neues |

Spanien/Portugal 2019. Regie: José Luis Cuerda. Darsteller: Blanca Suárez, Roberto Álamo, Antonio de la Torre, Carlos Areces, Nerea Camacho, Miguel Herrán, Secun de la Rosa, Manolo Solo

Offizielle Synopsis: Planet Erde, 9177. Die Überreste der Menschheit leben in einem postapokalyptischen Nirgendwo, das streng in zwei Klassen unterteilt ist: auf der einen Seite der herrschende König und seine Anhänger, die einen letzten Wolkenkratzer bewohnen, auf der anderen die Armen, die in den umliegenden Slums um ihre Existenz bangen. Als einer der Ausgestoßenen sich daran macht, den Status Quo zu durchbrechen, gerät das Gleichgewicht dieser scheinbar perfekt durchdachten Unterteilung gehörig ins Wanken.

Kritik: Viele möchte Almodóvar oder Álex de la Iglesia sein, vielleicht auch Jeunet/Caro, aber wahrlich nicht jeder ist berufen. SOME TIME LATER ist ein schönes Beispiel, dass die Fähigkeit, Vorbilder zu emulieren, nicht notwendigerweise ausreicht. Damit passt er zum schon besprochenen RABID.

Optisch ist der Film trotz seiner beschränkten Mittel sehr überzeugend, spielt er doch in einer Art Postapokalypse jenseits unserer Realität, die anscheinend nur noch aus einem mondänen Hochhaus und einer Armensiedlung im Wald besteht. Das ist einfach, aber effektiv visualisiert.

Unsere Einführung in das System des Hochhauses ist auch sehr putzig – wir begleiten die Polizisten bei ihrer morgendlichen Runde und schauen hinter jede Tür. Ein unablässig quatschender Radiosprecher füllt ein paar weitere Lücken.

Es hat auch durchaus einen gewissen Charme, wie präzise die (letztlich impotenten) Rollen von Politik, Polizei, Jugend, Klerus und Monarchie präsentiert werden. Allesamt nur Büttel des Systems, das im Hintergrund die Räder dreht.

Aber dann geht nichts los. SOME TIME LATER hat keine genuine Geschichte zu erzählen, sondern präsentiert die Armen und die Reichen sehr plakativ im Sinne der marx’schen Kapitalismuskritik. Es werden endlose politische Phrasen gedroschen – was mal mehr, mal weniger lustig ist. Und am Ende wird der Aufstand der Unterschicht einfach in die Mittelklasse subsumiert und man beginnt wieder von vorne.

Gut, dass wir drüber gesprochen haben.

Hier ist nichts clever, nichts überraschend, nichts neu oder erhellend. Politischer Kindergarten, bebildert als verspielte Farce. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – das Kino nicht von der Message.

Vor allem aber: HIGH RISE hat genau das hier besser gemacht – und erst gemeint.

Fazit: Tolles Production Design, schräge Figuren, eine ausgeflippte Idee – aber für einen Film braucht es mehr als eine ausformulierte Parabel auf den Klassenkampf. 5 von 10 Punkten.

Philipp sagt: "Optisch ansprechende Parabel auf den Klassenkampf und dergleichen, der aber deutlich die Ideen ausgehen, was man daraus machen kann. Insofern sehr passend zum Klassenkampf."

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S-Man
S-Man
15. September, 2019 10:58

Ich gebe dem Film noch eine 2. Chance. Das ganze Setting und so hat mir komplett zugesagt. Ich glaube, ich muss den noch mal in einer Sprache gucken, die ich verstehe und die nicht so schnell ist, dass ich mit Untertitel-lesen nicht hinterher komme.

Ja, er hat keine Handlung, ich habe aber die leise Hoffnung, dass neben der Optik einfach ein gewisser Witz und eine ausreichende Schrägheit der Dialoge trotzdem zum Mögen des Films führen könnte.