Der Martial Arts-Western SAVATE ist so etwas wie ein übersehenes kleines Meisterwerk des Genres. 1995 rutschte er in die Endphase der ersten großen BLOODSPORT-Welle, als die „reinen“ Klopperfilme langsam aus der Mode kamen. Hauptdarsteller Olivier Gruner schaffte es trotz einiger passabler Filme (NEMESIS, AUTOMATIC, ALIEN INTERCEPTORS) nie zu einem wirklichen „must see“-Kandidaten in den Videotheken – und Western war als Genre Mitte der 90er so out wie irgendwas.

Dabei sind die Gründe, SAVATE zu mögen, durchaus vielfältig:

Der Cast ist wirklich ungeheuerlich vielfältig und spannend: Ian Ziering aus BEVERLY HILLS 90210 und SHARKNADO, Ashley Laurence aus HELLRAISER, Donald Gibb aus BLOODSPORT, James Brolin aus WESTWORLD (und meinem eigenen LOST CITY RAIDERS), R. Lee Ermey aus FULL METAL JACKET – das ist ein feuchter B Movie-Traum.

Auf dem Regiestuhl saß zudem (und erst zum zweiten Mal für einen Langfilm) Isaac Florentine, der heute zu den besten B-Regisseuren des Genres zählt: UNDISPUTED II, NINJA, CLOSE RANGE. Der kann was.

Oberflächlich betrachtet ist SAVATE dann auch ein solider inszenierter Mix aus Rachewestern und BLOODSPORT mit ordentlichen Schauwerten und ein paar knackigen Kämpfen. Was ihn aus der Masse der Klopperfilme der 90er hervor hebt, ist aber vor allem der Bösewicht. Die größte Schau ist nämlich zweifellos Marc Singer, der BEASTMASTER persönlich, als österreichischer Schweinehund Baron Ziegfeld von Trotta:

Ja, der heißt so. Und in der US-Fassung haben sie ihm tatsächlich einen österreichischen Akzent und Manierismen gegeben, die ihn für ein Lucky Luke-Album prädestinieren:

Ich meine, den Film erstmals in den späten 90ern im Spätprogramm auf RTL2 (?) gesehen zu haben. Er hat mich nicht ausreichend interessiert, um ihn über die Werbepausen hinweg zu Ende zu schauen, aber es kam eine Zeile vor, die ich in diesem Kontext so unfassbar lustig fand, dass ich sie euch extra rausgesucht habe. Gleiche Szene wie im obigen Ausschnitt, aber mit deutscher Synchro:

„Wos is‘ – host Schiss?!“

Ich habe mich weggeschmissen damals. Die Idee, den Akzent von „Ziegfeld von Trotta“ nochmal auf 11 zu drehen, muss als eine der Großtaten der deutschen Synchrogeschichte betrachtet werden.



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