Es zahlt sich aus, wenn man ein umfangreiches Fachwissen in Sachen Obskuritäten besitzt – man hat dann so viele schöne Suchbegriffe, mit denen man Google ins Schwitzen bringen kann. Ich recherchiere gerne Sachen nach, von denen ich in den 70er und 80er Jahren gelesen habe. Vieles, was in Zeitungen und Zeitschriften damals beiläufig erwähnt wurde, kann ich heute mit YouTube und Archive.org ans Tageslicht zerren und einer genaueren Begutachtung unterziehen. Drei Beispiele für den Quark der Vergangenheit möchte ich heute mit euch teilen.

Jeder weiß, dass ich „Cheers“ (und besonders die Nachfolgeserie „Frasier“) vergöttere:

Die Titelmelodie ist ein Klassiker – und wer braucht nicht den einen Ort „where everybody knows you name“?

Einige Leser dürften wissen, dass das ZDF 1985 den katastrophalen Versuch unternahm, die Serie per Synchronisation gewaltsam zu germanisieren – in „Prost Helmut“ wird aus „Cheers“ die Kneipe „Zum fröhlichen Feierabend“, aus Diane Chambers wird Diane Zimmerlinde und aus Sam Malone wird Hubert Milbe. Leider sind von diesem Schandfleck der deutschen TV-Geschichte online nur noch Aufnahmen des eingedeutschten Vorspanns erhalten – der ist allerdings repräsentativ unsäglich:

Ich lasse mal als passend im Raum stehen, dass der Komponist Uli Roever Gründer des Compost-Tonstudios war…

Das Experiment ging schief, „Cheers“ zehn Jahre später ordentlich synchronisiert zu RTL – und das ZDF schämte sich nicht ausreichend genug, um nicht im Rahmen einer Sitcom-Welle Anfang der 90er eine schlecht kaschierte Adaption von „Cheers“ in Auftrag zu geben. Klar, warum sollte man „Cheers“ auf Biegen und Brechen eindeutschen, wenn man doch gleich eine ganze deutsche Fassung des Geschehens in einer typischen „kleinen Kneipe“ produzieren kann? Und das Ergebnis „Bistro Bistro“ ist genau so unfassbar beschissen, wie es zu befürchten stand:

Ich bin sicher, dass das gegen irgendwelche Genfer Konventionen verstößt.

„Cheers“ hat aber selber noch eine Leiche im Keller: Ich HASSE alle Folgen, in denen der Schmierling Nick Tortelli vorkommt. Den fand ich immer erschütternd eindimensional und unkomisch. Und dreimal dürft ihr nun raten, um genau welche Figur die Macher von „Cheers“ einen erwartungsgemäß erfolglosen Spin-Off gestrickt haben?

Das erinnert schmerzhaft an den ANDEREN vergessenen Spin-Off einer Kultserie, an den sich heute niemand mehr erinnern mag:

Anderes Thema: Ich schaue mir sehr gerne die Videos von Comic Tropes an. Chris ist ziemlich gut darin, die Qualitäten und Defizite einzelner Zeichner und Verlage zu analysieren oder historische Comic-Anomalien zu zerlegen:

In einer neuen Ausgabe hat er sich kürzlich ein Produkt angesehen, das mir bisher total unbekannt war – „record and book“, ein Kombi-Pack aus Hörspielplatte und Comic, teilweise mit exklusiven Spider-Man und Batman-Stories. Ich habe ein wenig rumgesucht, um digitalisierte Versionen der Comics mit den Hörspielen als MP3 zu finden – das war aber gar nicht nötig, denn jemand hat beides kombiniert ebenfalls bei YouTube eingestellt. 10 bis 15 Minuten, die sich lohnen:

Und zum Abschluss noch eine Anekdote – Ende der 90er, lange vor YouTube oder der Möglichkeit, Videos übers Netz zu tauschen, scheuchte ich meinen guten Freund David in Michigan umher, um mir seltene Filme zu besorgen. Eines Tages fuhr er mit seinem Kumpel Fred unfassbare 600 Kilometer, nur um mir in einer Videothek in einem anderen Bundesstaat eine Produktion zu organisieren, von der ich in den 80ern in irgendeiner schrabbeligen Ausgabe Cinefantastique oder Star-Log gelesen hatte. „The Legend of Hillbilly John“ interessierte mich weniger als Folk-Fantasy aus der Feder von Manly Wade Wellman und mehr wegen der vom Heft versprochenen (letztlich rudimentären) stop motion für einige Kreaturen.

Wie bei „Cherie, mir ist schlecht“ habe ich immer wieder im Netz nachgeschaut, ob der Film irgendwann mal passabel digitalisiert wurde. Und siehe da:

Sicher kein verloren geglaubter Klassiker, sondern eher eine obskure Fußnote der Filmgeschichte. Aber ich bin froh, dass er den nachfolgenden Generationen nun in irgendeiner Form erhalten bleibt.



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Squirrelius

Schade, dass die bei youTube das PROS HELMUT Zeug gelöscht haben. Vor 1 oder 2 Jahren gab es da einen 15 Minütigen Ausschnitt einer Folge zu „bewundern“.

Olaf
Olaf

auf so einen Scheiss wie Bistro, Bistro erstmal nen Doppelten, damit man diesen Dreck schnell wieder löscht von der Festplatte 😁😂

sergej
sergej

Nachgedrehte US-Serien, da sag ich mal Jupp Strunk.
https://www.youtube.com/watch?v=ajoOEwTmYCs

Nummer Neun

Ah diesen Bundy Spin-Off gab es tatsächlich? Kann mich noch gut an den öden Backdoor-Piloten erinnern, hätte aber nie gedacht, dass das wirklich in Produktion gegangen wäre