Das vorab: ich bin mit der 1822direkt als Online-Bank seit 2003 sehr zufrieden. Wobei zufrieden in diesem Fall heißt: es gab nie Ärger. Und das ist einer Bank ja schon sehr positiv anzurechnen. Ich verlange nicht viel: ein paar Überweisungen, ein paar Daueraufträge, EC-Karte, und die Kontoauszüge bitteschön per PDF. Klappt.

Heute ist mir aber was aufgefallen, was mich geärgert hat. Weil es zeigt, wie weit Banken gehen, um zu verschleiern, wie und wo sie dich abzocken.

Ich fülle ein Online-Überweisungsformular aus und stoße auf diesen Hinweis:

Echtzeit finde ich gut. Je schneller, desto besser. Gebührenpflichtig finde ich nicht so gut. Weil die Bank in meinen Augen immer so schnell überweisen sollte, wie sie kann. Ich kriege ja auch keinen Rabatt, wenn ich sage „hat Zeit, überweist das mal innerhalb der nächsten zwei Wochen“.

Neugierig macht mich das aber schon, also klicke ich auf das „hier“. Ich lande bei einem FAQ, das viele Gründe für die Schnellüberweisung auflistet, die aber letztlich alle auf Dasselbe hinauslaufen: geht schneller.

Gut, dass wir recherchiert haben.

Aber was KOSTET der Spaß denn nun – DAS will ich doch wissen!

Am Ende des Textes finde ich ein paar Fragen mit Ausklappmenüs und siehe da – der LETZTE Punkt verspricht Klarheit über die Kosten der Dienstleistung:

Oder auch nicht.

Ich muss NOCHMAL klicken – diesmal auf ein „Preis- und Leistungsverzeichnis“.

Es öffnet sich ein PDF im Browser. 31 Seiten. Die sehen alle ungefähr so aus:

31 kleingedruckte Seiten. Ohne jeden Hinweis, wo denn da was über die Kosten der Schnellüberweisung steht. Aber ich gebe nicht auf, werfe die Suchfunktion an. Die ersten „Treffer“ sind Blindgänger, erklären und relativieren den Begriff nur.

Aber DANN, auf Seite 4:

Wenn ich das richtig verstehe, kostet eine Echtzeit-Überweisung demnach 99 Cent online und satte 2,49 Euro beim Telefon-Banking. Wow, die sind wirklich entschlossen, die Kunden zur Kostenminimierung in den Browser zu zwingen.

Liebe 1822direkt: wie gesagt, ich mag euch. Aber das hier ist scheiße. Warum steht beim Überweisungsformular online nicht neben dem Button „Echtzeit-Überweisung“ statt „Weitere Informationen finden Sie hier“ einfach „99 Cent pro Vorgang“? Warum muss ich mich durch Promotexte, FAQs und ein 31 Seiten langes PDF hangeln, bei dem ich auch noch die Kosten nicht gezeigt bekomme, sondern sie selber suchen muss?

Das ist keine rhetorische Frage – ich würde das wirklich gerne wissen.



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noyseSveninvincible warriorWortvogelfrater mosses von lobdenberg Recent comment authors
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Thorsten
Thorsten

Ehrlich gesagt, frage ich mich da eher:

Wenns technisch möglich ist, warum kostet es überhaupt Geld? Sicherlich findet der Vorgang komplett elektronisch statt. Und noch einen Schritt weiter: Wieso ist nicht einfach jede Überweisung einen „Echtzeit-Überweisung“ ?

noyse
noyse

Ein telegram kostet ja auch mehr als ein Brief 🙂 Letztlich sind alle Überweisungen eh schon schnell: früh um 6 überweisen und mittags schon auf dem Konto – ganz ohne Echtzeit. Wem das nicht reicht der bezahlt eben einen kleinen obulus damit es sofort drauf ist. sehe ich eher kein Problem

KraftBier
KraftBier

„Wenns technisch möglich ist, warum kostet es überhaupt Geld?“

Ein äußerst interessanter Blick auf Marktwirtschaft.

itrgg
itrgg

Vielleicht kann die Fachabteilung nur neue PDFs hochladen wenn sich die Preise ändern. Die Webseite liegt von der Verantwortung in der IT oder Unternehmenskommunikation.
Nicht dass ich das gut fände, aber vielleicht ist es eine Erklärung

Knud
Knud

Warum die Echtzeit-Überweisung Geld kostet? Für jede Überweisung entstehen der Bank Kosten bei Dienstleistern. Echtzeit-Überweisungen kosten die Bank mehr als Standard-Überweisungen, darum kostet es auch die Kunden mehr. Ich vermute, dass die IT-Infrastruktur noch gar nicht die Kapazität hat, um alle Überweisungen in Echtzeit auszuführen. Darum muss der Kunden einen Anreiz haben, weiterhin die Standard-Überweisung zu nutzen.

Warum der Preis so tief verborgen ist? Die Bank hat Angst, bei einer Preisänderung zu vergessen, diese überall zu pflegen. Darum gibt es ein einziges Preisverzeichnis. Allerdings meine ich, dass man dieses Verzeichnis durchaus einfacher auffindbar machen könnte, zum Beispiel mit einer direkten Verlinkung des Wortes gebührenpflichtig mit dem Preisverzeichnis.

Sven
Sven

Zu der Frage warum nicht daneben beschrieben:

Die Bank hat IT Beauftragte oder eine Firma die dies tut.
Diese verlangen tatsächlich Geld für eine Dienstleistung.
Eine Änderung auf der Wensite ist für eine Bank leider kein kurzer Click sondern immer mit einem Auftrag verbunden.
Daher sind „ Variable „ Leistungen in einfach zu ändernden Dateien etc… und nicht auf dem Onlinebanking aufgesattelt.

Zu den Kosten für die Leistung generell:

Die 1822 ist nicht mit jeder Bank verbunden.
Es gibt quasi Banken, die den Zahlungsverkehr verwalten. Diese lassen sich den Einsatt Ihrer Server für die „Sonderfunktion „ bezahlen und Deine Bank gibt dies an Dich weiter

Robert
Robert

Vor ca 8 Jahren musste ich ein paar Überweisungen tätigen die am selben Tag noch beim Empfänger ankamen. Dabei musste ich meine Bank anrufen und um eine Eilüberweisung bitten, das hat damals 10€ gekostet. Eine Normale Überweisung dauerte ca 2-3 Werktage.
Ich habe die Reduktion auf einen Tag schon sehr begrüßt und im Volksbankenverbund geht es oft Taggleich ein. Ich finde es eine Positive Entwicklung und finde 99cent ok, auch wenn das wenig mit dem aktuellen Stand der Technik zutun hat.
Aber dieses Verstecken der Kosten finde ich blöd, den es ist nicht Kundenfreundlich.
Wird sich zeigen ob die Überweisungszeiten wieder anziehen, wenn die Zinsen steigen.

frater mosses von lobdenberg

Soso, die 1822direkt. Dann denk bei jedem Standardbrief von denen an mich – ich habe vor Jahren die ganzen Textbausteine vom alten ins aktuelle Satzsystem übertragen. 😉

invincible warrior
invincible warrior

Der deutsche Bankenwahn! In Singapur sind Echtzeitueberweisungen Standard und seit ein paar Jahren auch kostenlos. Hier kann ich wie ich froehlich bin von Bank zur Bank ueberweisen. Aber hier ist sowieso das Bank(kund)enparadies. Hier bekommt man alles nachgeschmissen bei ner Bank, waehrend meine alte Volksbank einfach 10Euro pro Monat abkassierte fuers verwalten meines deutschen Kontos (Fehlinvestionen hatten bei denen ordentliches Loch verursacht und wegen Niedrigzinsen wurden kostenlose Kontos abgeschafft). Die hatte ich dann auch abgewickelt, nachdem ich kurz zu Besuch war.

noyse
noyse

Du darfst aber nicht vergessen dass wir hier nicht nur von inländischen Überweisungen reden, sondern von Echtzeitüberweisungen im SEPA Raum sprich auch nach Frankreich oder Italien (jenachdem ob die Institute daran teilnehmen dass tun nämlich noch nicht alle 🙂 )https://www.siz.de/fileadmin/introduction/downloads/Leistungsbeschreibungen/Liste_erreichbare_Institute.pdf )
Du müsstest also eigentlich In-und Auslandsüberweisungen in Singapur, mit der Echtzeitüberweisung vergleichen und ich glaube nicht dass das geht, schon gar nicht für umme 🙂

Sven
Sven

Also da geb ich Ihnen Recht , maximal 50 Cent finde ich persönlich noch verträglich aber 0.99-2,49 ist für mich Wucher zumal für jeden Auftrag

noyse
noyse

PS Bei der Berliner Sparkasse kostest es 25ct pro Überweisung. Aus dem Überweisungsformular ist man in zwei Klicks beim Preis – es geht also wenn man will 🙂
https://imgur.com/qUkbbsF