04
Sep 2018

Online-Banking: Schnellüberweisung – jetzt mal langsam!

Themen: Neues |

Das vorab: ich bin mit der 1822direkt als Online-Bank seit 2003 sehr zufrieden. Wobei zufrieden in diesem Fall heißt: es gab nie Ärger. Und das ist einer Bank ja schon sehr positiv anzurechnen. Ich verlange nicht viel: ein paar Überweisungen, ein paar Daueraufträge, EC-Karte, und die Kontoauszüge bitteschön per PDF. Klappt.

Heute ist mir aber was aufgefallen, was mich geärgert hat. Weil es zeigt, wie weit Banken gehen, um zu verschleiern, wie und wo sie dich abzocken.

Ich fülle ein Online-Überweisungsformular aus und stoße auf diesen Hinweis:

Echtzeit finde ich gut. Je schneller, desto besser. Gebührenpflichtig finde ich nicht so gut. Weil die Bank in meinen Augen immer so schnell überweisen sollte, wie sie kann. Ich kriege ja auch keinen Rabatt, wenn ich sage "hat Zeit, überweist das mal innerhalb der nächsten zwei Wochen".

Neugierig macht mich das aber schon, also klicke ich auf das "hier". Ich lande bei einem FAQ, das viele Gründe für die Schnellüberweisung auflistet, die aber letztlich alle auf Dasselbe hinauslaufen: geht schneller.

Gut, dass wir recherchiert haben.

Aber was KOSTET der Spaß denn nun – DAS will ich doch wissen!

Am Ende des Textes finde ich ein paar Fragen mit Ausklappmenüs und siehe da – der LETZTE Punkt verspricht Klarheit über die Kosten der Dienstleistung:

Oder auch nicht.

Ich muss NOCHMAL klicken – diesmal auf ein "Preis- und Leistungsverzeichnis".

Es öffnet sich ein PDF im Browser. 31 Seiten. Die sehen alle ungefähr so aus:

31 kleingedruckte Seiten. Ohne jeden Hinweis, wo denn da was über die Kosten der Schnellüberweisung steht. Aber ich gebe nicht auf, werfe die Suchfunktion an. Die ersten "Treffer" sind Blindgänger, erklären und relativieren den Begriff nur.

Aber DANN, auf Seite 4:

Wenn ich das richtig verstehe, kostet eine Echtzeit-Überweisung demnach 99 Cent online und satte 2,49 Euro beim Telefon-Banking. Wow, die sind wirklich entschlossen, die Kunden zur Kostenminimierung in den Browser zu zwingen.

Liebe 1822direkt: wie gesagt, ich mag euch. Aber das hier ist scheiße. Warum steht beim Überweisungsformular online nicht neben dem Button "Echtzeit-Überweisung" statt "Weitere Informationen finden Sie hier" einfach "99 Cent pro Vorgang"? Warum muss ich mich durch Promotexte, FAQs und ein 31 Seiten langes PDF hangeln, bei dem ich auch noch die Kosten nicht gezeigt bekomme, sondern sie selber suchen muss?

Das ist keine rhetorische Frage – ich würde das wirklich gerne wissen.



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
21 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Thorsten
Thorsten
4. September, 2018 12:15

Ehrlich gesagt, frage ich mich da eher:

Wenns technisch möglich ist, warum kostet es überhaupt Geld? Sicherlich findet der Vorgang komplett elektronisch statt. Und noch einen Schritt weiter: Wieso ist nicht einfach jede Überweisung einen "Echtzeit-Überweisung" ?

Wortvogel
Wortvogel
4. September, 2018 12:36
Reply to  Thorsten

Siehe oben: "Gebührenpflichtig finde ich nicht so gut. Weil die Bank in meinen Augen immer so schnell überweisen sollte, wie sie kann."

noyse
noyse
4. September, 2018 13:02
Reply to  Thorsten

Ein telegram kostet ja auch mehr als ein Brief 🙂 Letztlich sind alle Überweisungen eh schon schnell: früh um 6 überweisen und mittags schon auf dem Konto – ganz ohne Echtzeit. Wem das nicht reicht der bezahlt eben einen kleinen obulus damit es sofort drauf ist. sehe ich eher kein Problem

KraftBier
KraftBier
4. September, 2018 14:38
Reply to  Thorsten

"Wenns technisch möglich ist, warum kostet es überhaupt Geld?"

Ein äußerst interessanter Blick auf Marktwirtschaft.

itrgg
itrgg
4. September, 2018 12:49

Vielleicht kann die Fachabteilung nur neue PDFs hochladen wenn sich die Preise ändern. Die Webseite liegt von der Verantwortung in der IT oder Unternehmenskommunikation.
Nicht dass ich das gut fände, aber vielleicht ist es eine Erklärung

Knud
Knud
4. September, 2018 12:58

Warum die Echtzeit-Überweisung Geld kostet? Für jede Überweisung entstehen der Bank Kosten bei Dienstleistern. Echtzeit-Überweisungen kosten die Bank mehr als Standard-Überweisungen, darum kostet es auch die Kunden mehr. Ich vermute, dass die IT-Infrastruktur noch gar nicht die Kapazität hat, um alle Überweisungen in Echtzeit auszuführen. Darum muss der Kunden einen Anreiz haben, weiterhin die Standard-Überweisung zu nutzen.

Warum der Preis so tief verborgen ist? Die Bank hat Angst, bei einer Preisänderung zu vergessen, diese überall zu pflegen. Darum gibt es ein einziges Preisverzeichnis. Allerdings meine ich, dass man dieses Verzeichnis durchaus einfacher auffindbar machen könnte, zum Beispiel mit einer direkten Verlinkung des Wortes gebührenpflichtig mit dem Preisverzeichnis.

Wortvogel
Wortvogel
4. September, 2018 13:03
Reply to  Knud

"Warum die Echtzeit-Überweisung Geld kostet? Für jede Überweisung entstehen der Bank Kosten bei Dienstleistern." – das ist richtig und doch falsch. Richtig, weil der Bank natürlich Kosten entstehen. Falsch, weil die Bank ausreichend Reserven hat und auf dem Freien Markt ein Interesse, diese zusätzlichen Kosten nicht an den Kunden weiterzugeben. Diese Ausrede von den Kosten war schon bei den Auslandsüberweisungen Augenwischerei, genauso bei den Abhebungen an Fremdautomaten. Man sieht bei den Telecoms aktuell sehr schön, wie bisher unvermeidbare Gebühren plötzlich nicht mehr nötig sind, wenn der Gesetzgeber eine klare Grenze zieht (roaming).

Knud
Knud
4. September, 2018 13:30
Reply to  Wortvogel

Stimmt, die Bank muss die Kosten nicht an den Kunden weitergeben. Ich kann es aber nachvollziehen, dass sie ein Interesse daran hat, dass nicht alle Kunden die Echtzeit-Überweisung nutzen: erstens um selbst Kosten zu sparen, zweitens um die Infrastruktur zu entlasten. Wie könnte sie das besser steuern als über den Preis?

Wenn der Gesetzgeber oder die Wettbewerbssituation es fordert wird sicherlich auch die 1822direkt Echtzeit zum Standard machen.

Wortvogel
Wortvogel
4. September, 2018 13:35
Reply to  Knud

Hier fehlt mir der Beleg, dass die Echtzeit-Überweisung Kosten verursacht und die Infrastruktur belastet. Die unterschiedlichen Gebühren für die EÜ bei online und Telefon-Banking lassen eher vermuten, dass es eben NICHT an den Kosten liegt, sondern dass die Bank nur mit einem angeblichen Premium-Service Geld machen will.

Sven
Sven
4. September, 2018 13:03

Zu der Frage warum nicht daneben beschrieben:

Die Bank hat IT Beauftragte oder eine Firma die dies tut.
Diese verlangen tatsächlich Geld für eine Dienstleistung.
Eine Änderung auf der Wensite ist für eine Bank leider kein kurzer Click sondern immer mit einem Auftrag verbunden.
Daher sind „ Variable „ Leistungen in einfach zu ändernden Dateien etc… und nicht auf dem Onlinebanking aufgesattelt.

Zu den Kosten für die Leistung generell:

Die 1822 ist nicht mit jeder Bank verbunden.
Es gibt quasi Banken, die den Zahlungsverkehr verwalten. Diese lassen sich den Einsatt Ihrer Server für die „Sonderfunktion „ bezahlen und Deine Bank gibt dies an Dich weiter

Wortvogel
Wortvogel
4. September, 2018 13:33
Reply to  Sven

Ich bin gerade ein wenig fassungslos. Du verteidigst als Kunde die Bank, weil es okay sei, dass sie nicht so viel Geld für IT ausgeben möchte, um dem Kunden die Online-Experience angenehm zu gestalten? Ehrlich? Der Bank gilt dein Verständnis? Trotz der Niedrigzinsen hat diese Bank auch 2016 einen zweistelligen Millionengewinn ausgewiesen. Die Banken spekulieren und profitieren von deinem Geld – aber es ist zu viel verlangt, dass sie ihre Kosten auf ihrer Webseite transparent darstellen sollen?!

Sven
Sven
4. September, 2018 16:09
Reply to  Wortvogel

Erstmal als kurzer Disclaimer:

Mir geht es nicht um Überzeugung oder Läuterung anderer, wollte nur eine Erklärung aus der Praxis anbieten;)
Halte mich dabei sonst ja immer viel raus, gerade bei allen FantasyFilmfest Themen, da ich das Festival ja mit Fredi in Hamburg begleite, aber hier ist mir in den Vorstellungen ein wenig „ populäres Meinungswissen „ über Banken unterwegs
Sichtweisen können variieren;)

Nun die eigentliche Antwort:
Ich verteidige keine Bank, bin ja auch für Mitbewerber tätig.
Ich kenne mich daher aber tatsächlich in der Thematik aus und weiß, und zwar nicht aus Hörensagen oder ähnlichem, wie eine Bank im Jahre 2018 noch Geld verdienen kann.
Auch vermischt Du leider mit Deinem letzten Satz die beiden Themen, welche ich in meiner Antwort extra isoliert erläutern wollte…
Man kann als Verbraucher jeden Kostenpunkt ablehnen ( in letzter Konsequenz durch einen Wechsel ) oder nachvollziehen und hinnehmen.
Wenn Du Dir den Verlauf der Überschüsse anschaust, siehst Du wie die Entwicklung ist…

Und ja, daher finde ich, und dies sei mir auch freigestellt, für jegliche Unternehmung, Banken wie Händler oder Verlage, das Bilden von Rücklagen vollkommen legitim.

Denn nur aus diesen Können kurzfristige Innovationen bezahlt und umgesetzt werden, damit der Kunde auch in 5 Jahren eine nötige und angemessene Experience erlebt und nicht zu einem FinTech abwandert

Wortvogel
Wortvogel
4. September, 2018 17:30
Reply to  Sven

Du unterschlägst, dass es mir eben nicht primär um die Frage geht, ob man für so eine "Leistung" Geld verlangen darf – natürlich darf man. Aber man sollte die Kosten nicht so absurd verstecken dürfen. DAS klage ich an.

Sven
Sven
4. September, 2018 19:09
Reply to  Wortvogel

Mea Culpa, das bezog sich eher auf einige Kommentare und die generelle Digitale Leistung darf nichts kosten Mentalität einiger.
Wollte ich aber niemandem dies unterstellen.

Aber auch zu dem durchklicken habe ich eine Erklärung versucht anzubieten.
Ich weiß auch das dies tatsächlich ein Kriterium bei vielen Institutionen ist.

Das einige Kunden zu faul zum nachschauen sind mag aber auch eine Rolle spielen;)

Robert
Robert
4. September, 2018 18:11

Vor ca 8 Jahren musste ich ein paar Überweisungen tätigen die am selben Tag noch beim Empfänger ankamen. Dabei musste ich meine Bank anrufen und um eine Eilüberweisung bitten, das hat damals 10€ gekostet. Eine Normale Überweisung dauerte ca 2-3 Werktage.
Ich habe die Reduktion auf einen Tag schon sehr begrüßt und im Volksbankenverbund geht es oft Taggleich ein. Ich finde es eine Positive Entwicklung und finde 99cent ok, auch wenn das wenig mit dem aktuellen Stand der Technik zutun hat.
Aber dieses Verstecken der Kosten finde ich blöd, den es ist nicht Kundenfreundlich.
Wird sich zeigen ob die Überweisungszeiten wieder anziehen, wenn die Zinsen steigen.

frater mosses von lobdenberg
5. September, 2018 03:06

Soso, die 1822direkt. Dann denk bei jedem Standardbrief von denen an mich – ich habe vor Jahren die ganzen Textbausteine vom alten ins aktuelle Satzsystem übertragen. 😉

Wortvogel
Wortvogel
5. September, 2018 07:33

Ha, cool!

invincible warrior
invincible warrior
6. September, 2018 09:04

Der deutsche Bankenwahn! In Singapur sind Echtzeitueberweisungen Standard und seit ein paar Jahren auch kostenlos. Hier kann ich wie ich froehlich bin von Bank zur Bank ueberweisen. Aber hier ist sowieso das Bank(kund)enparadies. Hier bekommt man alles nachgeschmissen bei ner Bank, waehrend meine alte Volksbank einfach 10Euro pro Monat abkassierte fuers verwalten meines deutschen Kontos (Fehlinvestionen hatten bei denen ordentliches Loch verursacht und wegen Niedrigzinsen wurden kostenlose Kontos abgeschafft). Die hatte ich dann auch abgewickelt, nachdem ich kurz zu Besuch war.

noyse
noyse
6. September, 2018 11:23

Du darfst aber nicht vergessen dass wir hier nicht nur von inländischen Überweisungen reden, sondern von Echtzeitüberweisungen im SEPA Raum sprich auch nach Frankreich oder Italien (jenachdem ob die Institute daran teilnehmen dass tun nämlich noch nicht alle 🙂 )https://www.siz.de/fileadmin/introduction/downloads/Leistungsbeschreibungen/Liste_erreichbare_Institute.pdf )
Du müsstest also eigentlich In-und Auslandsüberweisungen in Singapur, mit der Echtzeitüberweisung vergleichen und ich glaube nicht dass das geht, schon gar nicht für umme 🙂

Sven
Sven
6. September, 2018 10:27

Also da geb ich Ihnen Recht , maximal 50 Cent finde ich persönlich noch verträglich aber 0.99-2,49 ist für mich Wucher zumal für jeden Auftrag

noyse
noyse
6. September, 2018 10:56

PS Bei der Berliner Sparkasse kostest es 25ct pro Überweisung. Aus dem Überweisungsformular ist man in zwei Klicks beim Preis – es geht also wenn man will 🙂
https://imgur.com/qUkbbsF