USA/Kanada 2018. Regie: Christopher Caldwell, Zeek Earl. Darsteller: Sophie Thatcher, Pedro Pascal, Jay Duplass, Andre Royo, Sheila Vand

Offizielle Synopsis: Vater und Tochter sind gestrandet auf einem fremden Planeten in toxischer Atmosphäre. Lebensbedrohlich ist auch der Job, wegen dem sie hier sind: die Bergung von säurehaltigen organischen Edelsteinen. Und natürlich sind sie nicht allein.

Kritik: Erinnert ihr euch an meine Aussage von gestern, Science Fiction habe das Problem, dass man nicht einfach mit ein paar Leuten in den Wald gehen und losdrehen kann? Die hier sind in den Wald gegangen und haben losgedreht. Ähem…

Davon abgesehen…

Gänzlich unbedarft muss man „Prospect“ toll finden. Science Fiction mal aus der Sicht der „Gossenarbeiter“, die ganze Technik wirkt wie aus einem russischen Kosmonauten-Museum geklaut, schicke Kameraarbeit, beschränkte, aber sehr effektive Effekte, exzellente Darsteller und eine spannende Geschichte vom Versuch, einem bereits ausgebeuteten Alien-Planeten noch ein wenig Wohlstand abzuringen. Da steckt mehr Arbeit, Liebe zum Detail und schlichtes Entertainment drin, als bei 80 Prozent der anderen Filme des Festivals. Wenn man Science Fiction auch mal mit dem Nachwuchs schauen möchte und der primäre Anspruch ans Kino kein brunftiges Alphamännchen-Gehabe ist, dann kommt man an dieser Produktion eigentlich nicht vorbei.

Ihr ahnt, dass da ein „aber“ kommt, oder?

Wie jedes andere Genre existiert die Science Fiction nicht im luftleeren Raum. Film auch nicht. Fast alles ist schon mal erzählt worden, fast alles referenziert frühere Werke, orientiert sich an etwas oder setzt sich von etwas ab. Kontext. Das kann mal mehr, mal weniger auffällig sein, mal besser und mal schlechter funktionieren. Im Fall von „Prospect“ klappt das sogar gut und schlecht zugleich.

Gut, weil „Prospect“ sehr offensichtlich eine reinrassige Frontier-Geschichte im Jack London-Stil ist, die genau so gut von Trappern, Indianern, Gold und wilden Wölfen handeln könnte. Die Macher haben den Reiz und das Personal dieser Stories sehr gut verstanden und in ein neues Milieu übertragen. Und weil diese unkaputtbare Geschichte vor 100 Jahren fesselnd war, ist sie es auch heute noch.

Schlecht, weil „Prospect“ sehr offensichtlich eine reinrassige Frontier-Geschichte im Jack London-Stil ist, die genau so gut von Trappern, Indianern, Gold und wilden Wölfen handeln könnte. Die Macher fügen den Vorbildern nichts hinzu, das ganze SF-Setting ist ausschließlich Dekoration. Das ist sowohl einfallslos als auch ein wenig enttäuschend, denn gerade die Science Fiction hat das Potenzial, klassische Geschichten aus einer völlig neuen Sicht zu erzählen.

„Prospect“ hätte also deutlich mehr sein können, sogar müssen. Aber das ändert nichts daran, dass er schon sehr viel richtig macht und im Rahmen eines oft von „Dienst nach Vorschrift“ geprägten Programms deutlich positiv heraussticht.

Fazit: Eine klassische Jugendbuchgeschichte aus dem amerikanischen Frontier-Milieu, spannend und optisch ansprechend erzählt, ohne aus dem SF-Setting allerdings sonderlich neue Aspekte zu ziehen. 8 von 10 Punkten. Gorehounds mögen da gerne ein oder zwei abziehen.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Eine klassische Geschichte, liebevoll ausgestattet dargestellt. Taugt.“



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Ich mochte den auch. Das Art-Design mit der sehr altbackenen Technik hat mir echt gefallen und ein bisschen an „Alien“ erinnert.
Der Film wurde uns vorher als Western und Goldgräberfilm im Weltraum angekündigt und als solcher funktioniert er gut. Ich hab mich auch gefreut, dass für Pedro Pascal hier mal eine Hauptrolle abgefallen ist – ich sehe den Mann immer gerne!
Ich persönlich hätte gerne noch ein bisschen mehr über den ganzen Planeten und die Organismen, die man dort erntet, erfahren, aber da spricht wohl eher der Biologe in mir…