GB 2018. Regie: Carl Strathie. Darsteller: Steven Ogg, Alice Lowe

Offizielle Synopsis: Astronaut Troy Halloway erwacht an Bord einer Raumkapsel. Schnell weicht die anfängliche Orientierungslosigkeit blanker Panik – er ist der einzige Überlebende, sein Schiff ist fast manövrierunfähig und es rast unaufhaltsam auf die Sonne zu. Einzig eine instabile Funkverbindung verschafft ihm Kontakt zu einem weit entfernten Rettungsteam, angeführt von Commander Roberts. Die Chancen, dass es rechtzeitig eintrifft, sind allerdings verschwindend gering. Wenn ihm nicht bald etwas einfällt, wird er im riesigen Feuerball verglühen.

Kritik: Vielleicht sollte ich wirklich nach einem Science Fiction Filmfestival Ausschau halten – oder eins organisieren. Es gibt – auch und gerade im B Movie-Bereich – derzeit genug Futter aus dem Genre, wenn man es ausreichend breit definiert. Und ich freue mich immer wie ein Kind, wenn beim FFF mal keine Maniacs mit Messern durch Korridore schleichen oder Zombies in Gedärmen wühlen. Raumschiffe, Hardware, Technobabble – das ist so meins.

Nun hat Science Fiction das Problem, dass es eben nicht reicht, mit ein paar Leuten in den Wald zu gehen und einfach drauflos zu drehen – zumindest meistens nicht. Science Fiction braucht Investition. Üblicherweise in Kostüme, Sets, Spezialeffekte, etc. Ein Ultra Low Budget-Horrorfilm ist vergleichsweise leicht zu drehen, ein Ultra Low Budget-SF-Film hingegen nicht – zumindest meistens nicht.

„Solis“ ist ein sehr gutes Showcase dafür, dass man sehr gute Ergebnisse erzielen kann, wenn sich Anspruch und Möglichkeit die Hand geben und man mit einem starken Skript sämtliche Probleme der Produktion vergessen machen kann. Er hat zwar sicher keine 3,50 Euro gekostet, aber was hier für vergleichsweise Portokasse auf die Leinwand gebracht wird, verdient wirklich Respekt.

Mich hat das Level an Detailfreudigkeit begeistert: die Kapsel ist augenscheinlich veraltet, jeder Aufnäher an der Uniform ist plausibel, das Design der Raumstation ist einfallsreich und sogar an den digitalen Eisatem hat man gedacht.

Es gibt nur 1 Set. Es gibt nur 1 Darsteller. Von der Kapsel sehen wir nur drei Blickwinkel: die Sitze der Piloten, das Fenster ins All und einen Zugangstunnel. Der Rest sind CGI-Aufnahmen von der Kapsel im Trümmerregen auf dem Weg in die Sonne. Gefühlte 70 Prozent des Films bestehen aus Nahaufnahmen des Gesichts von Holloway.

Aber es reicht. Weil das Skript und die Regie wissen, wie man Spannung baut, wie man die dramaturgischen Daumenschrauben immer weiter anzieht, wie man dem kleinen Triumph zeitnah die nächste Katastrophe folgen lässt. Der Versuch, Holloway zu retten, wird absurd surreal – egal, wie viele Wunder er möglich macht, er wird immer eins mehr brauchen, als das Schicksal ihm zugesteht. Mission Impossible, indeed.

Müsste ich niggeln, es wären absurde Kleinigkeiten – manchmal macht der Soundtrack auf „2001“-Bombast, um vergleichsweise kompakte Szenen aufzuwerten. Und das Ende ist zumindest diskussionswürdig. Aber wie gesagt: Niggeligkeiten.

Fazit: SF-Kammerspiel mit einer Person in einer torkelnden Blechbüchse, das erstaunlichen Saft aus seiner dünnen Prämisse zieht. Respektable 8 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Grundsolider Film, der weiß, was er zeigen kann und was nicht. Tolles Raumschiffdesign!“



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Ich muss jetzt doch mal fragen, weil es mich jedes mal irritiert… Aus welchem Grund schreibst du immer „Niggeligkeiten“, wo doch „Nickeligkeiten“ korrekt ist?

Thies
Thies

Hamburg, Tag 2, Fim 2

Hier bin ich offenbar nicht SF-Nerd genug um komplett an Bord zu sein. Was für ein Mikro-Budget geleistet wurde ist durchaus beachtlich. Dadurch dass der Zuschauer erst nach und nach mit den nötigen Informationen über den Astronauten, seine Mission, seine Herkunft und das ihm drohende Schicksal gefüttert wird, kann der Film bis etwa zur Hälfte eine gute Grundspannung aufbauen. Danach begann das Konstrukt für mich dann doch zu knarzen und auch die Effekte kamen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Das Hin und Her zwischen dem Protagonisten und seinem Funkkontakt wiederholte sich öfters und der überbordende Score versuchte mehr Emotionalität zu erzeugen als das Geschehen hergab. Das letzte Drittel provoziert dann den ständigen Vergleich mit Danny Boyles „Sunshine“ und muß dabei zwangsläufig den Kürzeren ziehen.

Mein Fazit: Sympathisch und trotz aller Dehnungen der knappen Handlung um Längen spannender als vergangene FFF-SF-Versuche wie „Infini“ oder „Love“.