GB/USA 2018. Regie: Anthony Byrne. Darsteller: Natalie Dormer, Ed Skrein, Emily Ratajkowski, Joely Richardson, James Cosmo, Neil Maskell u.a.

Offizielle Synopsis:  Die Polizei kann kaum glauben, dass die blinde Pianistin Sofia vom gewaltsamen Tod ihrer Nachbarin nichts mitbekommen haben will. Schließlich sagt man Blinden doch nach, dass ihr Hörsinn besonders ausgeprägt sei. Der Zwischenfall katapultiert Sofia – wie den Zuschauer – mitten hinein in eine Intrige in der Londoner High Society. Ist Sofia wirklich nur zufällige Zeugin des Komplotts? Und wer ist der Mann unter der Kapuze, der ihr wie ein Schatten folgt?

Kritik: Ich empfinde einen professionellen Respekt für Natalie Dormer – die ist nie ein Star gewesen, schafft es aber relativ gut, sich mit den prägnanten Rollen ihrer Karriere fest im Geek-Bewusstsein zu etablieren. Die Blonde mit dem spöttischen Lächeln und der unterkühlten Erotik halt. Und genau diese Eigenschaften bedient sie perfekt in diesem Thriller, den sie mit ihrem Mann entwickelt, geschrieben und gedreht hat.

„In Darkness“ beginnt sehr hitchcock-esk und erinnert auch an Thriller wie „Warte, bis es dunkel ist“. Eine blinde Protagonistin, nur scheinbar hilflos, die in einen Mordfall verwickelt wird, den sie nur lösen kann, wenn sie die Gegenspieler zwingt, auf ihrem Territorium zu spielen. Das sitzt, ist sehr gepflegt inszeniert mit getragener Piano-Musik und der Dormer in erotisierend züchtiger Kleidung und stahlblauen Augen.

Aber dann will „In Darkness“ plötzlich mehr, will uns mit Twists überraschen und immer neue Figuren einführen, die den Film mehr in Richtung John le Carré schieben. Die Geschichte bekommt nicht mehr Gewicht – sie bekommt mehr Gewicht an den Fuß gekettet in Form einer absurden Backstory von Bürgerkrieg und Vergewaltigung. Daran verschluckt er sich dann gehörig, vor allem, weil er immer neue Volten schlagen muss, um wirklich alles mit jedem in Verbindung zu bringen. Da bleibt viel vage, zunehmend scheinen die Abläufe willkürlich zu werden ein paar der Erkenntnisse der Figuren sind aus dem großen Hut der Autoren-Bequemlichkeit gezogen.

Und dann präsentiert „In Darkness“ seinen großen Schlusstwist – und fällt krachend auf die Fresse. Unnötig, unpraktisch, unglaubwürdig. Man geht unnötig verärgert aus dem Kino.

Als Natalie Dormer-Showcase interessant, als Thriller unterwältigend. Ein so polierter Film hätte ein polierteres Skript verdient.

Fazit: Fängt als klassischer Thriller im Hitchcock-Stil gut an, möchte dann aber internationales Spionagedrama und verhebt sich böse daran, weil ihm dafür Tempo und Plausibilität fehlen. Mit DEM Cast und DEM Budget hätten mehr als müde 6 von 10 Punkten drin sein müssen (ein Punkt Abzug für den Twist am Ende, ein Punkt Aufschlag für die unnötigen, aber erfreulichen Nacktszenen von Frau Dormer).

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Solider Thriller, der aber etwas das Tempo anziehen könnte. Und der Twist am Ende ist für die Tonne.“



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Hamburg, Tag 2, Film 5:

Hier hätte ich ein deutlich harscheres Urteil des Wortvogels erwartet. Denn trotz kompetenter Inszenierung und alles andere als unfähigen Darstellern, war der Handlungsablauf für mich ein Beispiel für Anti-Suspense. Hier erzählen sich umeinander kreisende Figuren immer wieder die gleichen Dinge, die der Zuschauer schon längst weiss und z.T. auch der Adressat dieser Informationen. Das ist kein sich in immer höhere Kreise erhebendes Komplott sondern ein Ringelpiez mit einem halben Dutzend Akteuren deren Wege sich auf die unwahrscheinlichsten Arten überkreuzen. Als sich der letzte Twist ankündigte dachte ich ständig „Nein, bitte nicht!“, aber die Macher kannten keine Gnade.

Mein Fazit: Deutlich an seinen Möglichkeiten vorbeizielender Thriller.